Jean-Paul Sartre: Les Mouches - faire d'une pierre deux coups


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
25 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.EINLEITUNG

2.JEAN-PAUL SARTRE: LEBEN UND WERK
2.1.BIOGRAPHIE
2.2.PHILOSOPHIE
2.2.1.Existentialismus
2.2.2.Sozialismus
2.2.3.Nobelpreis für Literatur
2.2.4.Beziehung zu Camus
2.3.BIBLIOGRAPHIE

3.LES MOUCHES
3.1.INHALT
3.2.SKIZZE MÖGLICHER INTERPRETATIONEN
3.2.1.Die antike „Verpackung“
3.2.2.Thema: Freiheit
3.2.3.Occupation et Résistance
3.2.4.Ein anti-religiöses Stück?
3.3.REZEPTION DES STÜCKES
3.3.1.Sartres Interpretation
3.3.1.1.Vor der libération
3.3.1.2.Nach der libération
3.3.2.Zensur durch die Propagandastaffel
3.3.3.Inszenierung
3.3.4.Die Kritiken
3.3.4.1.Die offizielle französische Presse
3.3.4.2.Die deutschsprachige Pariser Presse
3.3.4.3.Die Résistance-Presse
3.3.5.Das Publikum

4.SCHLUß

5.LITERATURVERZEICHNIS
5.1.QUELLEN
5.2.LITERATUR
5.3.INTERNET

1.Einleitung

Jean-Paul Sartre hat mit seinem - im wahrsten Sinne des Wortes - vielseitigen und vielschichtigen Werk das intellektuelle und kulturelle Leben Frankreichs geprägt wie kaum ein anderer in der jüngeren Geschichte. Die Formen, in die er seine theoretischen Überlegungen über Literatur, den Menschen und seine Freiheit gießen konnte, waren vielfältig. Immer wieder bediente er sich auch des Theaters, um seine Ideen „vor Augen zu stellen“.

„Les Mouches“ ist das erste Theaterstück, das Sartre einem größeren Publikum öffentlich zugänglich gemacht hat. In deutscher Gefangenschaft im Stalag XII D in Trier hatte er zuvor „Bariona“ geschrieben, das von den Mithäftlingen unter der Regie des Autors aufgeführt wurde. In den Werkverzeichnissen wird es in der Regel gar nicht gelistet.1

Faire d ‘ une pierre deux coups, zu deutsch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, in „Les Mouches“ hat Sartre dies getan. Das Stück wurde vom Autor nach der Befreiung immer wieder unter Bezug auf die Zeit der Besatzung und Résistance interpretiert, andererseits finden sich in dem Drama Vorstellungen und Ideen aus der Existenzphilosophie Sartres. Diese beiden Interpretationsansätze sollen in der vorgelegten Arbeit untersucht werden.

2. Jean-Paul Sartre: Leben und Werk

Biographie und Bibliographie sollen hier kurz umrissen werden, insbesondere die Zeit bis zur Veröffentlichung und Aufführung von „Les Mouches“ ist von Interesse.

2.1. Biographie

Jean-Paul Sartre wird am 21. Juni 1905 in Paris als Sohn von Jean-Baptiste und Anne-Marie2 Sartre geboren. Zwei Jahre später stirbt sein Vater, der Marineoffizier war. Ab 1907 wächst Sartre daher bei seinen Großeltern auf. 1916, Sartre ist zwölf Jahre alt, heiratet seine Mutter wieder. Der Junge kommt daraufhin zu ihr nach La Rochelle, von 1919 bis 1922 besucht Sartre das Lycée Louis-Le-Grand in Paris, wo er auch sein Abitur ablegt. 1924 nimmt er sein Studium an der École Normale Supérieure auf, an der er Simone de Beauvoir kennenlernt. Vor dem Krieg arbeitet er von 1931 bis 1933 als Gymnasiallehrer in Le Havre, bevor er sich von 1933 bis 1934 als Stipendiat des Institut français in Berlin aufhält. Hier studiert Sartre die Werke Heideggers und Husserls, also die zeitgenössische deutsche Philosophie. Anschließend kehrt er wieder als Lehrer nach Le Havre zurück, das er 1937 verläßt, da er eine Stelle als Lehrer am Lycée Pasteur in Paris bekommt. 1939 wird Sartre zum Militär einberufen, aber schon im folgenden Jahr von den Deutschen gefangengenommen. Nach seiner Freilassung im März 1941 unterrichtet er am Lycée Condorcet in Paris und schließt sich der Résistance an. 1945 gibt Sartre den Lehrerberuf auf, um als freier Schriftsteller in Saint-Germain-des-Prés zu leben und arbeiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Église Saint-Germain-des-Prés

2.2. Philosophie

2.2.1. Existentialismus

Sartre hat seine philosophische Lehre, die er selbst ,,Existentialismus“ nannte, nicht nur in philosophischen Abhandlungen vertreten, sondern auch in Romanen, Dramen, wie beispielsweise „Les Mouches“, und in Kritiken dargelegt. Sartre konnte damit eine große Breitenwirkung entfalten, da er außerdem noch Journalist und Herausgeber der wichtigsten französischen philosophischen Zeitung „ Les temps modernes “ (seit 1945) war.

Die Philosophie des Existentialismus, die Sartre (mit-) entwickelt hat, lehnt die erkenntnistheoretische Grundannahme ab, daß zwischen Objekt und Subjekt substantiell unterschieden werden müßte und die für den Menschen so definiert werden kann :

„L’existence caractérise la subjectivité et désigne le jaillissement du projetàpartir de la facticité. C’est le mode d’être du pour-soi, toujours pro-jeté en avant de lui même.“3

Sartre sieht den Menschen zur Freiheit verurteilt, so in seinem philosophischen Werk „L’Être et le Néant.“4 Der Mensch muß sich in unüberwindbarer Subjektivität den Sinn seiner Existenz selbst geben. Die einzige Möglichkeit dazu sieht Sartre im totalen Engagement.

„Sartre répond que notre liberté n’est pas de changer de situation, mais de nous ‚ engager ‘ dans celle qui nous est faite, en choisissant d’agiràpartir d’elle et en lui donnant un sens.“5

2.2.2. Sozialismus

Sartre steht später dem Sozialismus nahe, was seine Treffen mit Nikita Chruschtschow und Fidel Castro ebenso zeigen, wie 1974 das skandalträchtige Treffen mit Andreas Baader, dem Kopf der RAF in Stammheim.6 Das entschiedene Eintreten Sartres für Algerien und gegen die Politik der französischen Regierung ist Grund für zwei Bombenanschläge, die 1962 und 1963 sein Büro und seine Wohnung verwüsten, Sartre selbst entgeht den Attentaten.

2.2.3. Nobelpreis für Literatur

Sartre verweigert 1964 die Annahme des Nobelpreises für Literatur, für den ihn die Jury der Schwedischen Akademie nominiert hatte.

Sartre in einem Café in Montparnasse nach der Bekanntgabe des Prix Nobel

Dies stellt einen einmaligen Vorgang in der Geschichte des Nobelpreises dar, erscheint Außenstehenden auf den ersten Blick paradox und seinen Zeitgenossen als wohl kalkulierter coup de th éâ tre, so wenn L ’ Aurore titelt: „Doppelter Coup für Jean-Paul Sartre [...] 1. Er hat den Nobelpreis. 2. Er lehnt ihn ab.“7 Sartre selbst teilt der Akademie handschriftlich mit:

„Pour des raisons qui me sont personnelles et pour d’autres, plus objectives, qu’il n’a pas lieu de développer ici, je désir ne pas figurer sur la liste des lauréats possibles“8

Später erklärte er zu dem Vorgang:

„Meine Ablehnung ist kein Stegreifentscheidung, offizielle Ehrungen habe ich immer abgelehnt. [...] Der Schriftsteller sollte sich also weigern, sich in eine Institution verwandeln zu lassen, selbst wenn es, wie hier, unter den ehrenvollsten Bedingungen geschieht.“9

So hatte Sartre auch die Aufnahme in die Ehrenlegion und die Annahme eines Lehrstuhls am Collège de France abgelehnt. Damit wird deutlich, daß es sich bei seiner Entscheidung, den Nobelpreis abzulehnen, um eine Konsequenz aus seinem Denken und seiner Philosophie handelt und nicht um eine Inszenierung.

2.2.4. Beziehung zu Camus

Sartre unterhält eine Freundschaft mit Albert Camus,10 der bereits 1957 den Literaturnobelpreis erhalten hat. Später zerbrach diese Freundschaft an der Auseinandersetzung in bestimmten Sachfragen, so über die Bewertung der von Stalin eingerichteten Straflager, die sie in „Les temps modernes“ öffentlich geführt haben.

Am 15. April 1980 stirbt Sartre in einem Pariser Krankenhaus. Bestattet wird er auf dem Cimetière de Montparnasse am 19. April. Auf seinem letzten Weg dorthin begleiteten ihn rund 50 000 Menschen. Ein deutliches Zeichen für die große Bedeutung, die der Literat hatte und bis heute hat.

Das Grab von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir11

[...]


1 Cf. Kapitel 2.3. Bibliographie.

2 Sie war die Tochter des elsässischen Deutschlehrers Charles Schweitzer, dessen Bruder Pfarrer und der Vater von Albert Schweitzer war.

3 Sophie Bilemdjian (2000) Premi è res le ç ons sur L ’ existentialisme est un humanisme de Jean-Paul Sartre. Paris: Presses Universitaires de France, p. 114f.

4 Näheres dazu in Kapitel 3.2.2. Thema: Freiheit.

5 Pierre-Henri Simon (1961) histoire de la litt é rature fran ç aise au XX e si è cle: 1900-1950. vol. 2. Paris: Collection Armand Colin, p. 178f.

6 Gedolmetscht hat das Treffen Daniel Cohn-Bendit, der Fahrer war der spätere Terrorist Hans-Joachim Klein, der in diesem Jahr in Frankfurt vor Gericht steht.

7 Zit. nach Annie Cohen-Solal (1990) Sartre: 1905 - 1980. Frankfurt a.M.: Büchergilde Gutenberg, p. 671.

8 Zit. nach dem Faksimile seines Briefes in: Cohen-Solal, p. 675.

9 Cohen-Solal, p 676.

10 Kennengelernt hatten sich die beiden bei der Uraufführung von „Les Mouches“, cf. Kapitel 3.3.3. Inszenierung

11 URL http://www.multimania.com/julbulus/sartrephoto.htm (Zugang am 12.02.2001).

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Jean-Paul Sartre: Les Mouches - faire d'une pierre deux coups
Hochschule
Technische Universität Berlin  (FB 1 Romanistik)
Veranstaltung
Die Tragödie - Theorie und Geschichte
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
25
Katalognummer
V27930
ISBN (eBook)
9783638298469
Dateigröße
810 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zunächst werden Leben und werk Sartres in Bezug auf Sozialismus, Existentialismus und Camus geschildert. Für Les Mouches werden verschiedene Interpretationen vorgestellt (Antike, Freiheit, Occupation, anti-religiös) und die Rezeption vor und nach der Libération nachgezeichnet. Inszenierungen und Kritiken werden im Lichte der französischen, der deutschsprachigen Pariser und der Résistance-Presse und des Publikums beleuchtet.
Schlagworte
Jean-Paul, Sartre, Mouches, Tragödie, Theorie, Geschichte
Arbeit zitieren
Ralf Strauss (Autor), 2001, Jean-Paul Sartre: Les Mouches - faire d'une pierre deux coups, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27930

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