Sozialraumorientierung in der Arbeitsmarktpolitik

Wie wird das Fachkonzept in benachteiligten Quartieren angewandt?


Hausarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1.Sozialraumorientierung
1.1 Der Wille des Menschen
1.2 Aktivierende Arbeit
1.3 Sozialräumliche Ressourcen
1.4 Zielgruppen- und bereichsübergreifende Aktivitäten
1.5 Vernetzung und Integration

2. Was ist ein Sozialraum ?
2.1 Aktionsebenenmodell

3. Sozialraumorientierte Arbeitsmarktpolitik
3.1 Städtebauförderprogramm Soziale Stadt
3.1.2 Soziale Stadt - Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier (BIWAQ)
3.1.3 Fallbeispiel Köln/Porz-Finkenberg

4. Lokale Ökonomie
4.1 Handlungsansätze zur Förderung lokaler Ökonomie
4.2 Bildung im Quartier

Fazit

Literaturverzeichnis

Anlage

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Bis zum Ende der 1990er Jahre hat es in Deutschland keine Explizit auf Städte und deren Quartier ausgerichtete Politik gegeben, welche mehr gewesen ist als reine Stadtentwicklung. Seit nunmehr 15 Jahren ist die Rede vom Sozialraum, auch in Hinblick auf einen arbeitsmarktpolitischen Kontext einflussreicher geworden.

In welcher Form das Fachkonzept der Sozialraumorientierung dabei angewandt werden kann, soll in dieser Arbeit erörtert werden.

Zunächst wird ein Überblick gegeben, was Sozialraumorientierung überhaupt bedeutet und wie es zu diesem Ansatz in der Praxis der Sozialen Arbeit gekommen ist. Im darauf folgenden Kapitel wird das Fachkonzept der Sozialraumorientierung mit Ihren fünf methodischen Prinzipien vorgestellt.

Um der Frage nachzugehen, wie sich sozialraumorientierte Arbeitsmarktpolitik darstellt wird zunächst thematisiert was Raum bzw. Sozialraum grundsätzlich meint.

Im Anschluss daran wird die Idee der sozialraumorientierten Arbeitsmarktpolitik vorgestellt und diskutiert, ob sich durch die arbeitsmarktpolitischen Instrumente des Städtebauförderprogramms “Soziale Stadt“ und des BIWAQ etwas für die Menschen in den benachteiligten Quartieren verändert und ob sich weitere positive Effekte für die benachteiligten Menschen der Zielgruppe ergeben. Anschließend wird der Frage nachgegangen wie die Wirtschaft vor Ort gestärkt werden kann, um den Menschen in ihren „Nahräumen“ Arbeitsplätze anzubieten.

Abschließend wird das Thema Bildung im Quartier mit seinen weitreichenden Auswirkungen auf die Berufskarrieren der betroffenen Menschen diskutiert.

1. SOZIALRAUMORIENTIERUNG

Das Fachkonzept der Sozialraumorientierung ist anders als es der Begriff vermuten lässt ein hochgradig personenbezogenes Konzept. Es zielt auf das Eigeninteresse des Menschen ab und reicht weit über die einfache Bezugnahme auf lokale Nahräume hinaus. Bei der sozialraumorientierten Sozialen Arbeit geht es grundsätzlich um die Gestaltung sozialer Räume und nicht um die gezielte Beeinflussung psychischer Strukturen von Menschen. Die Sozialraumorientierung ist nicht nur das Ergebnis neuer Theorien und Handlungspraxen, sondern eine Weiterentwicklung bereits vorhandener theoretischer und methodischer Blickrichtungen. Sie ist somit kein mit anderen „Schulen“ konkurrierender Ansatz, sondern eine Fortführung verschiedener Perspektiven, die als Fachkonzept für das Handeln in zahlreichen Feldern der Sozialen Arbeit dient. Traditionslinien der Sozialraumorientierung finden sich in der Stadt-und Sozialökologie, der personenzentrierten Psychologie, der lebensweltorientierten Arbeit, sowie der Gemeinwesenarbeit. Sozialraumorientierung ist ein Fachkonzept, welches in allen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit Anwendung finden kann. Zu nennen sind die Arbeitsfelder der Jugendhilfe, der Behindertenarbeit, der Altenhilfe und das der Arbeitsmarktpolitik. Das Fachkonzept der Sozialraumorientierung besteht aus fünf leitenden methodischen Prinzipien, welche die Idee haben, nicht die Menschen durch Pädagogik zu verändern, sondern Lebenswelten zu gestalten und Arrangements zu kreieren, die dazu verhelfen können, dass sich Menschen in prekären Lebenssituationen zurecht finden (Fehren 2011, S.442). Im folgenden werden diese fünf Prinzipien kurz vorgestellt:

1.1 Der Wille des Menschen

Ausgangspunkt jeder Bezugsarbeit mit den leistungsberechtigten Menschen soll der Wille und das Interesse der Menschen sein. Davon abzugrenzen sind die Wünsche oder Bedarfe der Hilfsbedürftigen. Ansatzpunkt der Sozialen Arbeit ist der Wille bzw. die Betroffenheit des Individuums oder Gruppen - nicht der von bürokratischen Instanzen vermeintlich entwickelte Bedarf.

1.2 Aktivierende Arbeit

Grundsätzlich hat die Aktivierende Arbeit Vorrang vor betreuender Tätigkeit. Die Sozialarbeiter/innen handeln nicht ohne die Klienten und Klientinnen. Sie vermeiden Aktionen für die Menschen. Das optimale Ziel ist das vollkommen selbstständige Handeln der Menschen mit Hilfebedarf. Idealerweise überlegen die Fachkräfte mit den Adressat/innen wie diese selbst aktiv zur Verbesserung der Situation beitragen können. Erst in späteren Stadien wenden sich die Sozialarbeiter/innen mit betreuenden und programmorientierten Angeboten ein.

1.3 Sozialräumliche Ressourcen

Eine wesentliche Rolle bei den Hilfen spielen die personenbezogenen und die sozialräumlichen Ressourcen. Sozialraumorientierte Ansätze beleuchten mehr die Stärken der Klienten und Klientinnen als die Defizite. Darüber hinaus erkunden Fachkräfte die Umgebung der Hilfebedürftigen: Nachbarschaften, Plätze, Natur, Straßen und auch Unternehmens- und Dienstleistungsstruktur, um die Hilfegestaltung zu optimieren.

1.4 Zielgruppen- und bereichsübergreifende Aktivitäten

Aktivitäten sind immer Zielgruppen- und bereichsübergreifend angelegt. Damit sollen verschiedene Gruppen im Stadtteil angeregt werden sich zu beteiligen. Es gibt keine Grenzen für die Sozialarbeiter/innen. Sie greifen auch in die Handlungsfelder wie Wohnen, Beschäftigung, Kultur, Bildung, Verkehr ein. Diese Form der sozialarbeiterischen Tätigkeit nennt man auch „integriertes Handeln“.

1.5 Vernetzung und Integration

Damit es zu einer Funktionierender Fallarbeit kommen kann, ist es wichtig das die verschiedenen Sozialen Dienste miteinander vernetzt sind. Über vielfältige Formen werden Fachkräfte und Ehrenamtliche im Quartier tätig und aus verschiedenen Bereichen angeregt. Sie treffen Absprachen und kooperieren bezogen auf Einzelfälle, Gruppierungen und Aktionen, um gemeinsame Projekte zu entwickeln und durchzuführen (Fehren 2011, S.443).

Die Sozialraumorientierung besteht im Kern aus diesen fünf Prinzipien. Um diesen Kern herum werden ständig Anpassungsleistungen vorgenommen. Erforderlich sind Stilwechsel, Darstellungsvarianten bis hin zum Austausch von Vokabeln. Das Gebäude Sozialraumorientierung befindet sich im stetigen „Umbau“ - jedoch sein Grundcharakter bleibt permanent erhalten, abgebildet insbesondere durch die fünf methodischen Prinzipien (Hinte 2011, S.80).

2. Was ist ein Sozialraum ?

Um der Frage nachzugehen was Sozialraumorientierung in der Arbeitsmarktpolitik überhaupt bedeutet, ist es notwendig den Begriff Sozialraum zunächst zu definieren.

Der Begriff Sozialraum muss im doppelten Sinne verstanden werden. Einerseits wird der Sozialraum definiert durch die Individuen selbst. Menschen handeln immer auf der Basis von Wahrnehmungen der jeweiligen Bedingungen. Jeder Mensch sieht folglich die Dinge anders und deshalb gibt es so viele Sozialräume wie Individuen. Von großer Bedeutung für sozialräumliches Arbeiten ist die Art und Weise wie sich die Menschen einen Sozialraum aneignen. Es kommt darauf an, was die Menschen aus „ihrem“ Raum machen, wie sie ihn herrichten. Raum lässt sich nirgends unabhängig von Sozialem erfassen. Konkret heißt das, wie ist der Zustand der Hausflure, Zäune, Fahrstühle, Plätze im Quartier? Wie sieht die Umgebung aus in der die Menschen täglich ihr Leben verbringen? Doch obwohl jeder Mensch seinen Sozialraum für sich definiert, gibt es für bestimmte Gruppierungen auch Regelmäßigkeiten. In einem bestimmten Stadtteil leben Flüchtlinge, gleichaltrige Jugendliche, Schüler einer gemeinsamen Schule, alleinerziehende Mütter oder arbeitslose Männer zusammen. Diese Gruppen besitzen einen eher geringen Bewegungsradius und haben als Gruppe bestimmte sozialräumliche Markierungen. Zwischen diesen und vielen anderen Gruppen gibt es zahlreiche Überschneidungen: Das Wartezimmer beim Arzt, die gemeinsame Infrastruktur, eine Pizzeria in der gegessen oder etwas getrunken wird und das Büdchen an der Straßenecke, wo die Menschen etwas verzehren oder einfach bei einem Gespräch innehalten. Von den

Menschen werden also höchst individuell Sozialräume definiert und gleichzeitig gibt es diese Überlappungen. Bebauung, Infrastruktur und Straßenführung werden dann von einem Teil der Bevölkerung als „unser“ Sozialraum bezeichnet. Dies können Stadtteile, Dörfer, Straßen oder Bezirke sein. Hier bilden sich sozialräumlich identifizierbare Interessen, Probleme und Alltagskultur ab (Hinte 2011, S.30f.).

Zum anderen nutzen Institutionen den Sozialraum als Steuerungsgröße. Personal und Geldströme werden auf Quartiere konzentriert. Diese recht großen Sozialräume können nie exakt die vielfältigen individuellen Definitionen von Sozialräumen wiedergeben, es wird jedoch der Versuch unternommen diese Gebiete möglichst sinnvoll zu schneiden, um Bindeglied der verwaltungsseits notwendigen Ordnungskategorie einerseits und den lebensweltlich getroffenen Raumdefinitionen der Menschen zu sein. Dabei entsteht ein Kompromiss zwischen der Bezirksschneidung der Behörden und den nie ganz genau erfassbaren Definitionen der Bevölkerung. Bei dieser Gebietseinteilung muss zumindest berücksichtigt werden, dass Bürger und Institutionen diesen Sozialraum akzeptieren können. So steht der Sozialraum als Steuerungsgröße nicht automatisch im Gegensatz zu den von den Menschen definierten Sozialräumen.

Steuerungstechnisch ergänzt bzw. löst der Sozialraum als Ordnungsgröße das Amt, die Abteilung oder den Einzelfall ab. Er dient als räumliches Element für den kommunal politischen Sektor und kann gegen übermäßige Zentralisierung und Lebensweltferne dienen, auch weil die Orientierungen der dort lebenden Menschen eine zentrale Rolle spielen. Die spezifische Nutzung der Menschen von Gebäuden, Straßen, Flächen, und Wohnungen, die eigenwillige, oft nach schwer zu ergründenden Kriterien vorgenommenen Markierungen und ihre wechselnden Vorlieben und Routinen sind die entscheidende Grundlage für eine respektvoll und unterstützend agierende soziale Arbeit (Hinte 2011, S.32/33).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Sozialraumorientierung in der Arbeitsmarktpolitik
Untertitel
Wie wird das Fachkonzept in benachteiligten Quartieren angewandt?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Soziale Arbeit)
Veranstaltung
Sozialraumorientierung
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V279313
ISBN (eBook)
9783656721130
ISBN (Buch)
9783656721659
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialraum, Quartier, Aktionsebenenmodell, Soziale Stadt, Arbeitsmarktpolitik, Beschäftigung, Sozialraumtheorie
Arbeit zitieren
Bachelor Marc Hampel (Autor), 2013, Sozialraumorientierung in der Arbeitsmarktpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279313

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