Bis zum Ende der 1990er Jahre hat es in Deutschland keine Explizit auf Städte und deren Quartier ausgerichtete Politik gegeben, welche mehr gewesen ist als reine Stadtentwicklung. Seit nunmehr 15 Jahren ist die Rede vom Sozialraum, auch in Hinblick auf einen arbeitsmarktpolitischen Kontext einflussreicher geworden.
In welcher Form das Fachkonzept der Sozialraumorientierung dabei angewandt werden kann, soll in dieser Arbeit erörtert werden. Zunächst wird ein Überblick gegeben, was Sozialraumorientierung überhaupt bedeutet und wie es zu diesem Ansatz in der Praxis der Sozialen Arbeit gekommen ist. Im darauf folgenden Kapitel wird das Fachkonzept der Sozialraumorientierung mit Ihren fünf methodischen Prinzipien vorgestellt.
Um der Frage nachzugehen, wie sich sozialraumorientierte Arbeitsmarktpolitik darstellt wird zunächst thematisiert was Raum bzw. Sozialraum grundsätzlich meint. Im Anschluss daran wird die Idee der sozialraumorientierten Arbeitsmarktpolitik vorgestellt und diskutiert, ob sich durch die arbeitsmarktpolitischen Instrumente des Städtebauförderprogramms “Soziale Stadt“ und des BIWAQ etwas für die Menschen in den benachteiligten Quartieren verändert und ob sich weitere positive Effekte für die benachteiligten Menschen der Zielgruppe ergeben. Anschließend wird der Frage nachgegangen wie die Wirtschaft vor Ort gestärkt werden kann, um den Menschen in ihren „Nahräumen“ Arbeitsplätze anzubieten. Abschließend wird das Thema Bildung im Quartier mit seinen weitreichenden Auswirkungen auf die Berufskarrieren der betroffenen Menschen diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Sozialraumorientierung
1.1 Der Wille des Menschen
1.2 Aktivierende Arbeit
1.3 Sozialräumliche Ressourcen
1.4 Zielgruppen- und bereichsübergreifende Aktivitäten
1.5 Vernetzung und Integration
2. Was ist ein Sozialraum ?
2.1 Aktionsebenenmodell
3. Sozialraumorientierte Arbeitsmarktpolitik
3.1 Städtebauförderprogramm Soziale Stadt
3.1.2 Soziale Stadt – Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier (BIWAQ)
3.1.3 Fallbeispiel Köln/Porz-Finkenberg
4. Lokale Ökonomie
4.1 Handlungsansätze zur Förderung lokaler Ökonomie
4.2 Bildung im Quartier
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Anwendung des Fachkonzepts der Sozialraumorientierung innerhalb der Arbeitsmarktpolitik in benachteiligten Quartieren. Ziel ist es zu erörtern, wie durch integrierte Ansätze und eine stärkere Berücksichtigung der Lebenswelt der Bewohner positive Effekte für benachteiligte Zielgruppen erzielt werden können.
- Grundlagen und Prinzipien der Sozialraumorientierung
- Sozialraumorientierte Arbeitsmarktpolitik und das Programm "Soziale Stadt"
- Die Rolle der lokalen Ökonomie und Bildung im Quartier
- Herausforderungen und Potenziale bei der Umsetzung vor Ort
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Fallbeispiel Köln/Porz-Finkenberg
Im Kölner Programmgebiet im den Stadtteilen Porz/Finkenberg besitzen mehr als 75% der Einwohner einen Migrantenhintergrund. Der Anteil im Vergleich zum übrigen Stadtgebiet (32,3%) ist damit doppelt so hoch. Es besteht ein deutlich erhöhter Integrationsbedarf in diesem Sozialraum. Noch verstärkt wird dieser durch die Tatsache, dass 87,2 der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren eine Migrationsgeschichte haben. Im Programmgebiet herrscht eine Arbeitslosenquote von 25,6%, deutlich höher als die 11,1 % als in dem Gebiet der Gesamtstadt. Ein Drittel der Wohnbevölkerung (32,2 %) beziehen ein Transfereinkommen. Wichtig ist ein Blick auf die Verteilung der Kinder und Jugendlichen auf die verschiedenen Schulformen, weil die Bildung enorme Auswirkung auf die spätere Berufskarriere hat, worauf unten im Kapitel 4 noch expliziter eingegangen wird. Der Anteil der Schüler im Stadtteil, die ein Gymnasium besuchen, liegt bei 20,3% im Gegensatz zur Gesamtstadt von 44,9%. Dies zeigt, dass die Jugendlichen besonders im Bereich Bildung im Nachteil sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sozialraumorientierung: Einführung in das Fachkonzept als personenbezogener Ansatz, der über lokale Nahräume hinausgeht und auf fünf methodischen Prinzipien basiert.
2. Was ist ein Sozialraum ?: Definition des Begriffs aus individueller und institutioneller Sicht sowie Einführung des Aktionsebenenmodells zur Systematisierung räumlicher Interventionen.
3. Sozialraumorientierte Arbeitsmarktpolitik: Diskussion der Problemlagen in benachteiligten Quartieren und Vorstellung von Förderprogrammen wie „Soziale Stadt“ und BIWAQ.
4. Lokale Ökonomie: Erläuterung der Bedeutung lokaler Wirtschaftskonzepte, der Förderung durch Migrantenökonomie sowie der Rolle von Bildung als Standortfaktor im Quartier.
Schlüsselwörter
Sozialraumorientierung, Arbeitsmarktpolitik, benachteiligte Quartiere, Soziale Stadt, BIWAQ, lokale Ökonomie, Bildung im Quartier, Gemeinwesenarbeit, Quartiersmanagement, soziale Integration, Migrationshintergrund, Beschäftigungsförderung, Lebensweltorientierung, Sozialarbeit, Infrastruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Konzept der Sozialraumorientierung in der Arbeitsmarktpolitik eingesetzt werden kann, um Menschen in benachteiligten Quartieren besser zu erreichen und zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die methodischen Grundlagen der Sozialraumorientierung, ihre praktische Anwendung in der Arbeitsmarktpolitik, die Bedeutung der lokalen Ökonomie sowie die Rolle von Bildung für die Berufskarrieren in Quartieren.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es zu erörtern, ob arbeitsmarktpolitische Instrumente wie „Soziale Stadt“ oder BIWAQ tatsächlich positive Effekte für Menschen in benachteiligten Stadtteilen erzielen können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Erörterung, die Fachkonzepte, Studien und Fallbeispiele in den Kontext der Sozialen Arbeit stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Prinzipien der Sozialraumorientierung definiert, das Aktionsebenenmodell vorgestellt, Programme wie BIWAQ erläutert und Ansätze zur Förderung der lokalen Ökonomie und Bildung diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialraumorientierung, Arbeitsmarktpolitik, benachteiligte Quartiere, Soziale Stadt, BIWAQ, lokale Ökonomie und Bildung im Quartier.
Welches spezifische Fallbeispiel wird untersucht?
Das Dokument analysiert das Programmgebiet Köln/Porz-Finkenberg, um die Problemlagen wie hohe Arbeitslosigkeit und Bildungsdefizite bei der dortigen Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu verdeutlichen.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Umsetzung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine „echte“ Sozialraumorientierung aktuell nur sehr begrenzt stattfindet, da die Arbeitsverwaltung weiterhin stark auf individualisiertes Fallmanagement ausgerichtet ist.
Warum ist laut der Arbeit Bildung in Quartieren so wichtig?
Bildung ist ein entscheidender Standortfaktor und Schlüsselthema, um der sozialen Ausgrenzung in benachteiligten Quartieren entgegenzuwirken und berufliche Perspektiven zu verbessern.
- Quote paper
- Bachelor Marc Hampel (Author), 2013, Sozialraumorientierung in der Arbeitsmarktpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279313