Die vorliegende Masterthesis beschäftigt sich mit der bilanziellen Behandlung von Zweckgesellschaften in der Konzernrechnungslegung. In diesem Zusammenhang erfolgt eine Betrachtung der Rechnungslegungsvorschriften auf nationaler (Handelsgesetzbuch, HGB) sowie internationaler (Internationale Financial Reporting Standards, IFRS) Ebene. Ferner sind auch die aktuellen Entwicklungen in den beiden Rechnungslegungen Gegenstand dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Grundlagen der Konzernrechnungslegung
2.1 Der Konzern
2.2 Notwendigkeit und Zweck des Konzernabschlusses
2.3 Konzernabschluss versus Einzelabschluss
2.4 Abgrenzung des Konsolidierungskreises
3. Zweckgesellschaften
3.1 Charakteristika von Zweckgesellschaften
3.1.1 Die Grundlage einer Zweckgesellschaft
3.1.2 Zweck und Arten von Zweckgesellschaften
3.1.3 Beispielhafte Einsatzgebiete
3.2 Definition von Zweckgesellschaften in HGB und IFRS
3.3 Bilanzpolitik und Zweckgesellschaften
4. Bilanzskandale: Der Ge- und Missbrauch von Zweckgesellschaften
4.1 Enron
4.2 Enrons Zweckgesellschaften
4.3 Schlussfolgerung
5. Bilanzielle Behandlung von Zweckgesellschaften nach IFRS
5.1 Die Bilanzierung nach IAS 27 i.V. m. SIC-12
5.2 Kritische Würdigung
5.3 Die Bilanzierung nach IFRS 10
5.3.1 Vergleich der Regelungen von IAS 27 mit IFRS 10
5.3.2 Vergleich der Regelungen von SIC 12 mit IFRS 10
5.4 Kritische Würdigung
6. Bilanzielle Behandlung von Zweckgesellschaften nach HGB
6.1 Bilanzierung nach § 290 HGB – alte Fassung (a.F.)
6.1.1 Analyse der Einbeziehung von Zweckgesellschaften nach dem Konzept der einheitlichen Leitung § 290 Abs. 1 HGB a.F.
6.1.2 Analyse der Einbeziehung von Zweckgesellschaften nach dem Control-Konzept § 290 Abs. 2 HGB a.F.
6.2 Bilanzierung nach § 290 HGB – neue Fassung
6.2.1 Konzeption des Beherrschungsverhältnisses
6.2.2 Mehrheit der Chancen und Risiken
6.3 Anhangsangaben
6.4 DRS 19
6.5 Fallbeispiel – Einbeziehung von Zweckgesellschaften vor und nach BilMoG
6.6 Kritische Würdigung
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die bilanzielle Behandlung von Zweckgesellschaften in der Konzernrechnungslegung zu untersuchen und dabei die Rechnungslegungsvorschriften des HGB sowie die internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) vergleichend gegenüberzustellen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, unter welchen Bedingungen eine Zweckgesellschaft zu konsolidieren ist und wie sich aktuelle Entwicklungen, insbesondere durch IFRS 10 und BilMoG, auf die Bilanzierung auswirken.
- Charakteristika und Definitionen von Zweckgesellschaften nach HGB und IFRS.
- Die Rolle von Zweckgesellschaften in historischen Bilanzskandalen (Fallstudie Enron).
- Vergleich der Konsolidierungskonzepte unter IAS 27, SIC 12 und IFRS 10.
- Analyse der nationalen Regelungen unter Berücksichtigung des BilMoG und DRS 19.
- Bewertung von bilanzpolitischen Spielräumen durch außerbilanzielle Gestaltungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 CHARAKTERISTIKA VON ZWECKGESELLSCHAFTEN
Zweckgesellschaften traten zum ersten Mal Ende der 1970er Jahre in Erscheinung. Sie wurden vorzugsweise dazu gegründet, Vermögenswerte und Schulden und die mit ihnen verbundene Risiken aus dem Einzel- und Konzernabschluss auszulagern. Der englische Begriff für Zweckgesellschaften lautet special purpose entities (SPE), wobei sich im Laufe der Zeit zahlreiche andere Begriffe, entsprechend dem Zweck der Gesellschaft entwickelt haben, wie z.B. single purpose company (SPC), limited purpose entity (LPE) sowie special purpose vehicle (SPV). Im Finanz- und Verbriefungsbereich werden auch solche Begriffe verwendet wie structured investment vehicles (SIV), Captives und Conduits. Außerdem nutzt der amerikanische Standardsetter offiziell den Begriff der variable interest entity (VIE) für die Umschreibung der Zweckgesellschaft. Desweiteren werden durch die Einführung des neuen IFRS 10 Zweckgesellschaften künftig als „strukturierte Unternehmen“ bezeichnet. Im deutschsprachigen Raum können unter dem Oberbegriff der Zweckgesellschaft solche Begriffe, wie Objekt- oder Projektgesellschaft, Ein- oder Einzelzweckgesellschaft, Sonderzweckgesellschaft, Spezialgesellschaft und Finanzierungsgesellschaft zusammengefasst werden.
In der Regel ist eine Zweckgesellschaft eine juristische Einheit, welche von einem Unternehmen (auch bekannt als Sponsor oder Originator) durch Übertragung von Vermögenswerten gegründet wird, um einen bestimmten Zweck, eine umschriebene Tätigkeit oder eine Reihe solcher Transaktionen zu erfüllen. Zweckgesellschaften werden von Unternehmen meist dazu eingesetzt, diese vor finanziellen Risiken zu schützen. Ein Unternehmen überträgt Vermögenswerte zum Verwalten auf eine Zweckgesellschaft oder nutzt die Zweckgesellschaft zur Finanzierung eines Großprojektes und erreicht damit eine bestimmte Anzahl von Zielen, ohne damit das gesamte Unternehmen einem Risiko auszusetzen. Zweckgesellschaften werden auch häufig bei komplexen Finanzierungen verwendet, um verschiedene Schichten von Kapitalzufuhren zu trennen. Im Hinblick auf ihren Beitrag zum Bruttoinlandsproduktion (BIP) ist die wirtschaftliche Relevanz von Zweckgesellschaften normalerweis gering, sie können jedoch beträchtliche Einkommenszuflüsse sowie umfangreiche Finanzbestände und -ströme haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Zweckgesellschaften im Kontext der Konzernrechnungslegung und definiert das Ziel, Vorschriften nach HGB und IFRS zu vergleichen.
2. Grundlagen der Konzernrechnungslegung: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis über Zwecke und Definitionen des Konzernabschlusses als notwendiges Instrument für externe Adressaten.
3. Zweckgesellschaften: Hier werden Definitionen, Arten und die Charakteristika von Zweckgesellschaften detailliert beschrieben, einschließlich ihrer Nutzung als Structured Finance-Werkzeuge.
4. Bilanzskandale: Der Ge- und Missbrauch von Zweckgesellschaften: Dieses Kapitel beleuchtet anhand historischer Fälle wie Enron, wie komplexe Strukturen zur Bilanzmanipulation und Verschleierung von Risiken genutzt wurden.
5. Bilanzielle Behandlung von Zweckgesellschaften nach IFRS: Es erfolgt eine Analyse der internationalen Standards (IAS 27, SIC 12) sowie der Neuregelungen durch IFRS 10 und deren Auswirkungen auf die Konsolidierung.
6. Bilanzielle Behandlung von Zweckgesellschaften nach HGB: Dieser Abschnitt vergleicht die Behandlung von Zweckgesellschaften vor und nach dem BilMoG und analysiert die neuen Konsolidierungskriterien.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und kritische Würdigung der Wirksamkeit der neuen Vorschriften zur Eindämmung bilanzpolitischer Spielräume.
Schlüsselwörter
Zweckgesellschaften, Konzernabschluss, Konsolidierung, IFRS, HGB, BilMoG, Bilanzpolitik, Enron, Beherrschung, Risikomanagement, Structured Finance, Sonderzweckgesellschaft, Off-Balance-Finanzierung, IFRS 10, Control-Konzept
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterthesis befasst sich mit der bilanziellen Behandlung von Zweckgesellschaften im Konzernabschluss, wobei die rechtlichen Anforderungen in Deutschland (HGB) und auf internationaler Ebene (IFRS) analysiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition und Funktion von Zweckgesellschaften, ihrer Rolle bei historischen Finanzskandalen sowie der Entwicklung der Konsolidierungsvorschriften durch Standardsetter wie das IASB und den deutschen Gesetzgeber.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die unterschiedlichen Konsolidierungskriterien für Zweckgesellschaften gegenüberzustellen und zu untersuchen, inwieweit diese die Transparenz erhöhen und bilanzpolitische Gestaltungsspielräume begrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse der Rechnungslegungsvorschriften, einer vergleichenden Gegenüberstellung von nationalen und internationalen Standards sowie der Untersuchung von Fallbeispielen zur praktischen Anwendung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Bilanzskandale (Kapitel 4), die detaillierte Untersuchung der IFRS-Regelungen (Kapitel 5) und die Prüfung der HGB-Regelungen unter Berücksichtigung des BilMoG (Kapitel 6).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Zweckgesellschaften, Konsolidierung, Kontrolle, Risiko-Chancen-Verteilung, Bilanzpolitik und die Normen IAS 27, IFRS 10 sowie § 290 HGB.
Wie hat sich die Behandlung von Zweckgesellschaften im HGB durch das BilMoG verändert?
Vor dem BilMoG fehlten explizite Regelungen; die neue Fassung des § 290 HGB führt hingegen ein spezifisches Konzept der Beherrschung ein, das sich am internationalen Standard orientiert und erstmals eine Konsolidierungspflicht für Zweckgesellschaften auf Basis einer Chancen-Risiko-Betrachtung festschreibt.
Welche Rolle spielt der „Autopilotmechanismus“ bei der Konsolidierung?
Der Begriff beschreibt eine im Vorfeld festgelegte Geschäftsstruktur, bei der nach Gründung keine aktiven Managemententscheidungen mehr nötig sind. Er ist ein Indikator für die Fremdsteuerung einer Zweckgesellschaft und dient als Kriterium zur Bestimmung der Beherrschung durch den Sponsor.
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- Ecaterina Volosin (Author), 2013, Die bilanzielle Behandlung von Zweckgesellschaften im Konzernabschluss, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279364