Zionistische Jugendgruppen Jung-Jüdischer Wanderbund (JJWB), Brith Haolim, Kadimah und der orthodox-jüdische Jugendbund Esra


Zusammenfassung, 2004
3 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Zionistische Jugendgruppen: Jung-Jüdischer Wanderbund (JJWB), Brith Haolim, Kadimah und der orthodox-jüdische Jugendbund: Esra

Vereinfacht lassen sich innerhalb der jüdischen Jugendbewegung drei Richtungen ausmachen:

1. die religiöse Richtung, die an der gesetzestreuen Befolgung der Religionsvorschriften festhielt: Esra

2. die liberale Richtung, die die Haltung des assimilierten deutschen Judentums ausdrückte: die „ Kameraden “ (s. Handout vom 25.05.04) und der Jüdische Pfadfinderbund Deutschlands (IPD)

3. die zionistische Richtung, die für die Bildung eines eigenen jüdischen Staates eintrat und ihre Mitglieder auf die Auswanderung vorbereitete: JJWB, Brith Haolim, Kadimah und Haschomer Hazair (radikal sozialistisch-zionistisch)

→ Ab 1933 erlebte die jüdische Jugendbewegung einen Bedeutungszuwachs; vor allem die zionistischen Teile der jüdischen Jugendbewegung, die immer stärker vertreten waren, entwickelten eine besondere Anziehungskraft und wurden von der Gestapo weniger drangsaliert, das sie zur Auswanderung aufriefen.

ESRA - ein orthodox-jüdischer Jugendbund

„Wir wollen unser Judentum begreifen und unser Leben, und uns nicht zerreißen lassen zwischen beiden Polen: Judentum und Welt.

...So hat alles, was zu unseren natürlichen Lebensbetätigungen gehört, seinen Platz im Esra-Leben: wir wandern, turnen, schwimmen, singen, musizieren und lesen allgemeine Literatur im Esra, aber wir müssen zunächst durch unsere Arbeit im Jüdischen ein Recht auf diese Beschäftigung erwerben.“

(Esra-Führerblätter, Heft 8, 1925 in: Klönne, Irmgard, 1993)

- Gründung: 1916/1919
- Name: 1. nach dem Schriftgelehrten Esra, Thoraschreiber z.Z. der Rückkehr der Juden aus Babylon
2. hebräisches Wort für „Hilfe“ à steht für Kameradschaftlichkeit, Füreinanderdasein im Bund; Bundesgruß „Chasak“ - „Sei stark“
- Ab 1913 bildeten sich verschiedene jüdisch-orthodoxe Jugendwandergruppen (Esra-, Jeschurun-, Hadargruppen), da jüdisch-orthodoxe Jugendliche sich weder in deutschen Wanderbünden wie dem Wandervogel noch in jüdischen Gruppen wie Blau-Weiß aufgehoben fühlten (z.B. koscheres Essen...)
- 1919 einigten sich die Esra- und Jeschurungruppen auf dem Halberstädter Führertag darauf, sich unter Mitwirkung der A.J.J.O. (Agudat-Jisrael-Jugendorganisation) zusammenzuschließen; als wichtigste Gründungsmitglieder können Isi Simonsohn, Max Cohen und Louis Levinger angesehen werden
- 1932/33 Spaltung der Bewegung

Jung - Jüdischer - Wanderbund (JJWB)

- Gründung: 1920
- aus verschiedenen Wandergruppen, die sich in den Vereinen des Verbandes gebildet hatten und sich aus der Jugendpflege lösen wollten, blieb aber trotzdem dem Verband verbunden
- der JJWB war etwas jüdischer akzentuiert als andere Gruppierungen, da er sich auf kleinere
Gemeinden stützte und die Mitglieder eher vom Lande stammten, die weniger assimiliert waren und der jüdischen Tradition stärker verhaftet waren Þ der Schabbat wurde eingehalten und es wurde koscher gekocht Þ einigen war das aber zu wenig
- Auseinandersetzungen über die Ausrichtung, ob eher das Jüdische oder das
Jugendbewegte im Vordergrund stünde, führte zum Austritt der eher Orthodoxen
- 1922 löste sich der JJWB vom Verband
- Frankenberger Formel (1922)

Þ mit dem Maasser (Abgabe des 10., Selbstbesteuerung der Zionisten für den Aufbau Palästinas) wurde die finanzielle Verpflichtung gegenüber der zionistischen Kolonisation in Palästina anerkannt, aber nur als Erziehungsmittel gewertet

Þ deutlicher Erfolg des Zionismus und Bekenntnis zu ihm, im Gegensatz zur neutralen Haltung des Verbandes

Þ Austritte kommunistisch orientierter Mitglieder und unpolitischer, die sich dem alten Wandervogelideal verbunden fühlten

Þ Annährung an Blau-Weiß durch das Bekenntnis zum Nationaljudentum

Brit Haolim (Bund der Aufsteigenden)

- Gründung des deutschen Hechaluz (Auslandsorganisation des Kibbuz) bestärkte jene Chaluzim (Pioniere), die nicht der Prunner Armee beigetreten waren, einen neuen Wanderbund zu gründen, einige standen kurz vor ihrer Auswanderung
- 1923 trat der „Freie jüdische Wanderbund Blau- Weiß“ bei
Gemeinsame Richtlinien waren:
- Aufbau Palästinas durch Pioniere, die sich dort der jüdischen Arbeiterschaft anschließen sollten und Anschluss an nationaljüdische Bünde ähnlicher Tendenz
- Beschäftigung mit altem und neuem jüdischen Kulturgut, ausdrücklich auch mit dem Jiddischen
- Ablösung von den bürgerlich- bürokratischen, politischen Zionisten durch den lebensreformerisch erzogenen antibürgerlich, politisch reinen Menschen der Jugendbewegung
- der jüdische Aufbaufond sollte unterstützt werden, obwohl einige nur in den Fond der Arbeiterschaft einzahlen wollten, die Abgabe des Maasser (dem 10.) wurde aber abgelehnt
- Besinnung auf den Sabbat
- erste Jugendbewegung, die sich sowohl zum Zionismus als auch zum Sozialismus bekannte
- war zwar kleinster der zionistischen Jugendverbände stellte aber bereits einen Großteil der Pioniere in Deutschland und Palästina
- 1925 Annährung von JJWB und Brit Haolim und Zusammenschluss
- Zustrom neuer Jugendbewegter verschärfte Konkurrenz zwischen den zionistischen Bünden
Þ im Feb. 1933 fusionierten Brit Haolim und Kadima zu „Habonim Noar Chaluzi“ Jüdische Jugendgemeinschaft (Bauleute, Chaluzische Jugend)

KADIMAH – Ring jüdischer Wander und Pfadfinderbünde

1. „Der Kadimah ist ein unabhängiger Jugendbund mit reinen Erziehungsaufgaben. Er lehnt es ab, die Nachwuchsbewegung irgendeiner politischen Organisation zu sein.
2. Feind aller Zersplitterungs- und Verfallstendenzen im Judentum, will er die Jugend zu wertvoller Mitarbeit an der gemeinschaftlichen Aufgabe des Weltjudentums erziehen.
3. Intensives Hebräisch-Lernen, Kenntnis der jüdischen Geschichte, (. . . ) die Gegenwartsfragen des jüdischen Volkes sind die unerlässliche Vorbedingung, um die Angehörigen unseres Bundes dazu zu befähigen, sich selbst innerhalb der jüdischen Probleme zu orientieren und nach ihrer Erziehung im Kadimah zu eigener Entscheidung über ihren zukünftigen Weg zu gelangen.“

(Jüdische Rundschau, 23. Aug. 1927, in: Meier-Cronemeyer, S. 91)

- Gründung: 1926 von westjüdischen Jugendlichen; zum Teil von Jüngerengruppen des Blau-Weiß
- Name: Hebräisches Wort für „vorwärts“
- Zu Beginn ein „Erziehungsbund auf national-jüdischer Grundlage“, dessen wesentlichste Erziehungsmittel die Pfadfinderei sein sollten
- Der Kadimah beginnt seine Mitglieder immer zionistischer zu erziehen und verliert dadurch 1931 einige Mitglieder an den liberalen IPD (Jüdischer Pfadfinderbund Deutschlands) und schließt sich 1933 schließlich mit dem zionistisch orientierten Brith Haolim (Bund der Aufsteigenden) zu der Habonim Noar Chaluzi (Bauleute) zusammen, einer zionistischen jüdischen Jugendgemeinschaft

Literatur:

Adler, Benjamin Benno: ESRA - Die Geschichte eines orthodox-jüdischen Jugendbundes zur Zeit der Weimarer Republik. Wiesbaden 2001.

Kadimah und Brith Haolim (Hrsg.): A 66/152 Kameraden Singeblatt „GALGAL“ – Zeitschrift für die jüdische Jugend, H. 3+4, 1932

Klönne, Irmgard: Deutsch, Jüdisch, Bündisch. Erinnerungen an die aus Deutschland vertriebene jüdische Jugendbewegung. Teil 1. In: Dokumentation der Jugendbewegung PULS 21. Südmarkverlag, Witzenhausen 1993

Meier-Cronemeyer, Hermann: Jüdische Jugendbewegung, Teil 1 und 2. In: Germania Judaica. N.F. 27/28, Jg. 8 (1969), H. 1+2 und N.F. 29/30, Jg. 8 (1969), H. 3+4 (letzte Ausgabe), Köln

Schomer im Kadimah (Hrsg.): A 66/141 Kadimah Rundbriefe, Das Älterenblatt – Betr. Führerlager im Winter, Berlin 1930

Internet:

Bayerischer Jugendring: http://www.bjr-online.de (04.06.2004)

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Details

Titel
Zionistische Jugendgruppen Jung-Jüdischer Wanderbund (JJWB), Brith Haolim, Kadimah und der orthodox-jüdische Jugendbund Esra
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Jüdische Jugend in Deutschland 1900 – 1945
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
3
Katalognummer
V279397
ISBN (eBook)
9783656720430
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zionistische, jugendgruppen, jung-jüdischer, wanderbund, jjwb, brith, haolim, kadimah, jugendbund, esra
Arbeit zitieren
Sonderpädagogin Anne Graefen (Autor), 2004, Zionistische Jugendgruppen Jung-Jüdischer Wanderbund (JJWB), Brith Haolim, Kadimah und der orthodox-jüdische Jugendbund Esra, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279397

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