Vor dem Hintergrund der aktuellen Niedrigzinspolitik wagen viele Anleger den Schritt an die internationalen Aktienmärkte, um ihr Vermögen vor inflationären Einflüssen zu schützen. Aufgrund der überdurchschnittlich hohen Nachfrage könnte jedoch bereits eine Überbewertung in Frage kommen.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit wird dem Leser das CAPE-Ratio von Robert Shiller nähergebracht, welches zur Registrierung von Spekulationsblasen und zur Renditeschätzung genutzt wird.
Der Autor gelangt durch eine Untersuchung der historischen Prognosekraft zu der Erkenntnis, dass die Kennzahl sich anbahnende Krisenerscheinungen zwar identifizieren, deren Beginn jedoch nur ungenau prognostizieren konnte. Es wurde eine negative Korrelation zwischen CAPE-Höhe und der zu er-wartenden Rendite ermittelt.
Vor dem Hintergrund unberücksichtigter US-amerikanischer Bilanzierungsänderungen ist das CAPE-Ratio aktuell zwar zu pessimistisch bewertet. Dennoch empfiehlt der Autor ein vorsichtiges Agieren an den Aktienmärkten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Einordnung und Modellierung des CAPE-Ratios
3 Empirische Prüfung der Prognosefähigkeit
3.1 Prognosekraft unter Krisenerscheinungen
3.2 Prognosekraft unter marktüblichen Rahmenbedingungen
4 Nutzung empirischer Ergebnisse zur Zukunftsprognose
5 Kritik
6 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Studienarbeit verfolgt das Ziel, den praktischen Nutzen des von Robert Shiller entwickelten CAPE-Ratios für die fundamentale Aktienanalyse zu untersuchen und dessen Eignung als Instrument zur Identifizierung von Überbewertungen sowie zur Schätzung künftiger Renditen zu evaluieren.
- Grundlagen und Herleitung des CAPE-Ratios als modifiziertes Kurs-Gewinn-Verhältnis
- Analyse der historischen Prognosekraft in Krisenzeiten (z.B. Great Depression, Dotcom-Blase)
- Untersuchung der Korrelation zwischen CAPE-Niveau und langfristigen Marktrenditen
- Kritische Würdigung der Methodik unter Berücksichtigung von Bilanzierungsänderungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Prognosekraft unter Krisenerscheinungen
Die Weltwirtschaftskrise, auch als „Great Depression“ bekannt, gilt als die schwerwiegendste ökonomische Krise des 20. Jahrhunderts. Ihren Ursprung nahm die Krise in einer Ära, in der die Wirtschaft, der Konsum und das Kreditgeschäft florierten. Diese Entwicklung ließ den amerikanischen Aktienmarkt nicht unberührt.
Ab dem Jahr 1925 nahm der S&P 500 Index ein außergewöhnliches Tempo auf. Während der nominale Kurs im Juni 1925 noch bei 10,80$ lag, betrug der nominale Indexpreis auf dem Bewertungshöhepunkt im September 1929 31,30$. Dies entspricht einem Kursanstieg von 190% innerhalb eines 4-jährigen Zeitraums.
Dieses rasante Wachstum geht einher mit einem kontinuierlich steigenden CAPE-Ratio, da sich die Unternehmensgewinne nicht proportional zum Kurs entwickelt haben. Während das CAPE-Ratio im Juni 1925 auf einen Wert von 9,8 beziffert wurde, stieg dieser Wert auf 32,56 im September 1929 an. Vergleicht man letzteren Wert mit dem historischen Durchschnitt von 16,55, so ergibt sich nach Shillers Argumentation im September 1929 eine in etwa doppelt zu hohe Marktbewertung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet das wirtschaftliche Umfeld der Niedrigzinspolitik und führt in die Fragestellung ein, ob Aktienmärkte anhand des CAPE-Ratios objektiv bewertet werden können.
2 Einordnung und Modellierung des CAPE-Ratios: Dieses Kapitel erläutert die mathematische Herleitung des CAPE-Ratios und grenzt es durch die zehnjährige inflationsbereinigte Betrachtung vom klassischen Kurs-Gewinn-Verhältnis ab.
3 Empirische Prüfung der Prognosefähigkeit: Der Autor untersucht die historische Treffsicherheit der Kennzahl in verschiedenen Marktphasen, wobei sowohl Krisenzeiten als auch marktübliche Rahmenbedingungen analysiert werden.
4 Nutzung empirischer Ergebnisse zur Zukunftsprognose: Die gewonnenen Erkenntnisse werden auf die aktuelle Marktsituation von 2014 übertragen, um eine Einschätzung für künftige Marktentwicklungen abzuleiten.
5 Kritik: Hier werden methodische Einwände, insbesondere hinsichtlich geänderter Bilanzierungsvorschriften und der Problematik sehr langer Datenreihen, kritisch reflektiert.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass das CAPE-Ratio ein wertvolles Instrument für langfristig orientierte Anleger ist, jedoch nicht isoliert betrachtet werden sollte.
Schlüsselwörter
CAPE-Ratio, Robert Shiller, Fundamentale Aktienanalyse, Kurs-Gewinn-Verhältnis, S&P 500, Mean-Reversion, Marktbewertung, Renditeprognose, Spekulationsblasen, Finanzkrise, Effizienzmarkthypothese, Börsenanalyse, Investitionsentscheidung, Historische Prognosekraft, Aktienmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Bewertung des von Robert Shiller entwickelten CAPE-Ratios als Instrument für die fundamentale Aktienanalyse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind die mathematische Modellierung des CAPE-Ratios, die historische empirische Überprüfung seiner Prognosekraft und die kritische Auseinandersetzung mit methodischen Schwachstellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, inwieweit das CAPE-Ratio als aussagekräftiges Instrument zur Identifizierung von Marktüberbewertungen und zur Renditeschätzung in der Aktienanalyse dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse und empirischer Datenprüfung, wobei historische Aktienmarkt- und Unternehmensgewinndaten (insbesondere des S&P 500) zur Verifizierung der Kennzahl herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einordnung, die historische empirische Prüfung in Krisen- und Normalphasen, die Anwendung auf aktuelle Marktdaten sowie eine kritische Reflexion durch alternative Sichtweisen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind CAPE-Ratio, Renditeprognose, Fundamentale Aktienanalyse, Mean-Reversion und Marktbewertung.
Warum wird das CAPE-Ratio als umstritten angesehen?
Die Kritik entzündet sich vor allem an der Datenbasis (1871 bis heute) und an geänderten Bilanzierungsstandards, die das Verhältnis zwischen Kurs und Gewinn über die Jahrzehnte hinweg verzerren können.
Wie reagiert das CAPE-Ratio laut der Arbeit auf Spekulationsblasen?
Das CAPE-Ratio zeigte in den historischen Beispielen (1929 und 1999) deutlich über dem Durchschnitt liegende Werte an, was als Indikator für eine Überbewertung und potenziell kommende Korrekturen genutzt werden kann.
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- Lukas Lindemann (Author), 2014, Shillers CAPE-Ratio, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279398