Das Geld in der Popliteratur am Beispiel von Christian Krachts "Faserland"


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Hauptteil - Die psychologische Bedeutung des Geldes
1 Georg Simmel und seine „Philosophie des Geldes“
2 Die psychologische Bedeutung in der heutigen Zeit
3 Die Demonstration am Beispiel von Christian Krachts „Faserland“
a) Der Autor und sein Werk
b) Die Funktion des Geldes und der materiellen Güter in „Faserland“
c) Die Auswirkungen des Geldes auf den Protagonisten

III Abschließendes Fazit

Literaturverzeichnis (keine Internetseiten)

I Einleitung

Das Geld ist der allgemeine, für sich selbst konstruierte Wert aller Dinge. Es hat daher die ganze Welt, die Menschheit wie die Natur, ihres eigentümlichen Wertes beraubt. Das Geld ist das den Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Daseins, und dieses fremde Wesen beherrscht ihn, und er betet es an.[1]

Bei genauerer Betrachtung sind es nur „Zahlen auf einem Computerbildschirm, einige abgewetzte Metallstücke in der Hosentasche oder eine Handvoll verknicktes Papier“[2]. Jeder Mensch entscheidet subjektiv für sich selbst, wie wichtig ihm dieses augenscheinlich unspektakuläre Zahlungsmittel heutzutage ist. Bei zwei Tatsachen sind sich jedoch alle Menschen objektiv einig: Zum einen macht Geld allein auch nicht vollends glücklich, was schon der theoretische Physiker Albert Einstein erörterte und bestätigte:

Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt .[3]

Das demonstriert uns beispielsweise auch König Midas, der sich der antiken Sage nach von den Göttern die Fähigkeit gewünscht habe, alles in Gold verwandeln zu können, was er nur berühre und er aus diesem Grund zu verhungern und verdursten drohte. Die Moral dieser Sage bestätigt abermals Einstein mit den Worten:

Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Missbrauch .[4]

Zum anderen greift Geld unweigerlich in die Wesenseigenschaften und Charakteristika eines Menschen ein, es lässt nur die Wenigsten unberührt und bringt, je nach finanziellem Status, tief greifende Veränderungen mit sich. Geld ist also weitaus mehr als nur Zahlungs- und Tauschmittel. Es bestimmt unser gesellschaftliches Miteinander und hat dadurch auch die Funktion des Kommunikationsmittels inne. Es verändert automatisch den Gesellschaftsstatus und das Ansehen. In dieser Hausarbeit werde ich die Bedeutung des Geldes für die Glückseeligkeit an einem Referenzroman der Popliteratur der 1990er Jahre demonstrieren. Hierfür wähle ich Faserland von Christian Kracht. Augenscheinlich spielt Geld in diesem Roman eine untergeordnete Rolle. Bei genauerer Betrachtung jedoch kommt ihm eine wesentlich wichtigere Rolle zu Teil und ist maßgebend für die Aktivitäten und Denkweisen des Protagonisten. Um dies näher zu erörtern, gehe ich zunächst kurz auf die eingangs angeschnittenen, psychologischen Bedeutungen des Geldes und damit auf Georg Simmels Hauptwerk Philosophie des Geldes ein. Anschließend werde ich Christian Kracht und sein Werk Faserland näher durchleuchten, um dann die Funktion des Geldes auf die Handlung zu projizieren und um meine Ergebnisse schließlich zusammen zu fassen.

II Hauptteil - Die psychologische Bedeutung des Geldes

Ganz allgemein kann man unter Geld oder Zahlungsmitteln alles verstehen, was im Rahmen des nationalen Zahlungsverkehrs einer Volkswirtschaft generell zur Bezahlung von Gütern und Dienstleistungen [...] akzeptiert wird .[5]

Materiell betrachtet ist diese Definition „Zum Begriff des Geldes“ aus dem Buch Grundriss der Geldtheorie von Hans Joachim Jarchow einleuchtend und von sachlicher, wirtschaftlicher Richtigkeit. Doch darf man bei dem Versuch einer Definition die psychologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekte des Geldes nicht außer Acht lassen. Welche Auswirkungen das Geld beispielsweise auf die Psyche und die Wesenseigenschaften der Menschen hat, ist bis heute eine kritische Frage und von Fall zu Fall unterschiedlich zu beantworten. Fest steht einzig und allein, dass es bestimmte Auswirkungen hat. Darum möchte ich in diesem Abschnitt zunächst die Fragen klären, ob Geld allein glücklich macht, ob steigendes Einkommen automatisch positiv mit besserem Wohlbefinden sowie steigender Glückseeligkeit zusammenhängt und welche Emotionen und Gefühlsregungen mit dem Verdienst und Verlust dieses wohl berühmtesten Zahlungsmittel einhergehen.

1 Georg Simmel und seine „Philosophie des Geldes“

Hierfür ziehe ich zunächst Georg Simmels Hauptwerk Philosophie des Geldes aus dem Jahre 1900 in Betracht. In diesem Werk stellt der 1858 in Berlin geborene Philosoph und Soziologe die These auf, dass das Geld die Politik, die Gesellschaft und das Individuum selbst immer mehr beeinflusse. Was zunächst unter dem Titel Psychologie des Geldes geplant war[6], behauptete sich nach seiner Veröffentlichung als Hauptwerk für die Untersuchung des Geldwesens samt der Frage, „wie die Geldwirtschaft die ganze moderne Gesellschaft prägt. Für Simmel ist Wert eine relative Größe. Alle menschlichen Beziehungen beruhen auf Tausch.“[7] Im Vorwort dieses Werkes heißt es seitens Simmels: „So ist also das Geld hier nur Mittel, Material oder Beispiel für die Darstellung der Zusammenhänge, die zwischen den äußerlichsten, realistischsten, zufälligsten Erscheinungen und den ideellsten Potenzen des Daseins, den tiefsten Strömungen des Einzellebens und der Geschichte bestehen. Keine Zeile dieser Untersuchungen ist national-ökonomisch gemeint. Sondern der Sinn und Zweck des Ganzen ist nur der: von der Oberfläche des wirtschaftlichen Geschehens eine Richtlinie in die letzten Werte und Bedeutsamkeiten alles Menschlichen zu ziehen.“[8] Laut ihm hat sich Geld, trotz seiner zahlreichen Vorteile zum Selbstzweck aufgeschwungen, was beinah alles durchdringt. Es bestimme das Selbstwertgefühl der Menschen und ihre Sicht zum (gesellschaftlichen) Leben. In Philosophie des Geldes, was in einen analytischen und einen synthetischen Teil mit je drei Kapiteln unterteilt ist, beschreibt Simmel das Geld als symbolisches Phänomen, wobei die ökonomische Ebene von der soziologischen und methodischen voneinander abzugrenzen ist. Zunächst wird Geld als Zeichen des Warenwertes angesehen. Es hat seinen Ursprung im subjektiven Begehren, bekommt im Tausch gegen Waren aber einen objektiven Charakter. Hierbei beruht der Wert des Geldes auf seiner Funktion, einen Warentausch zu ermöglichen, nicht auf seine ursprüngliche Substanz, es wird „charakterlos“[9]. Die Frage nach dem Verhältnis von Geld- und Warenwert wird geklärt. Geld symbolisiert nun die Wertbeziehungen (der Gegenstände) im Tausch, repräsentiert durch seine Funktion den Wert der Waren. Es ist nun „als der verselbständigte Ausdruck der Tauschrelation, durch die die begehrten Objekte zu wirtschaftlichen werden, der Ersetzbarkeit der Dinge“, zu verstehen[10]. Darauf aufbauend verweist Simmel folgend auf das Geld als eine Form gesellschaftlicher Sinnbildung und ihren Einfluss auf die Wechselwirkung unter den Menschen. Die Beziehungen der Wertobjekte, so Simmel zusammenfassend, spiegeln automatisch die Beziehungen der Gesellschaft bzw. der Menschen untereinander wieder. Das Geld trägt zur Wertbildung bei, weil ihm dank seiner vorangegangenen erläuterten Funktion selbst ein Wert zukommt, auf den sich das jeweilige Individuum richtet. Durch die Tatsache, dass Geld verobjektiviert wird, wird auch damit eingehend die Beziehung der Menschen untereinander verobjektiviert. Auf der einen Seite tritt Geld zwischen Subjekt und Objekt, wirkt also distanzierend, bringt auf der anderen Seite eben beide Parteien als Vermittler zusammen. Geld wird nun als Symbol der modernen Kultur charakterisiert. Darauf aufbauend wirft Simmel die mutige These auf, dass Geld zu Gott wird, indem Geld sich als absolutes Mittel zu einem absoluten Zweck entwickelt und dadurch alles, was wir als Gesellschaft in der Gesellschaft wahrnehmen, mit Geld zu tun habe. Durch eigenständiges Handeln jedoch können Herrschaft und Macht des Geldes verringert werden. Simmel betont, dass der Mensch trotz des Geldes stets die Freiheit besäße, sich vom Geld so gut es geht zu distanzieren. Mit diesem Ansatz blickt Simmel in die kulturelle Welt, bei der der einzelne Mensch auf seine subjektive Perspektive und nicht auf kollektive Sinnbildungsprozesse, wie es beim Geld der Fall ist, abzielt. Die Macht des Geldes ist, wie Simmel aufzeigt, einerseits zwar immens, andererseits für das Individuum bis zu einem gewissen Grat stets selbst bestimmbar. Wenn der Mensch also zusammenfassend Güter tauscht, werden die subjektiven Werte des Menschen mit den subjektiven Werten anderer Menschen ein Einklang gebracht, sie werden objektiviert. Ausdruck dieses Prozesses ist für Georg Simmel das Geld. Es nimmt hierbei folgende Doppelfunktion ein: „Es drückt den relativen Preis eines Gutes aus, und es ist zugleich selbst ein Wert, weil es überall und jederzeit für jeden Zweck einsetzbar ist. Dieser Eigenwert macht das Geld aber auch zu einem Nivellierer, denn dem Geld ist das Besondere und Unverwechselbare gleichgültig. Die Quantität regiert über die Qualität. Als "Ausdruck und Äquivalent aller Werte" verwandelt es sich von einem Mittel des Tausches zum absoluten Selbstzweck. Geld tritt an die Stelle von Gott.“[11] Trotz der enormen Freiheiten der individuellen Lebensgestaltung kann sich jedoch niemand gänzlich vom Geld distanzieren, jeder muss sein Denken und Handeln der Wirtschaft, jedoch nach subjektiven Maßstäben regelnd, unterwerfen. Die Zunahme persönlicher Freiheit geht einher mit gesellschaftlicher, sozialer Isolation und „einem Verlust an Sinn“.[12]

Obwohl Simmel sein Werk vor mehr als hundert Jahren veröffentlichte und er mit diesem für ausreichenden Gesprächsstoff in der Wirtschaft, Ökonomie und Psychologie sorgte, sind seine Thesen noch immer aktuell und auf die heutige Zeit anwendbar, was ich folgend feststellen werde. Denn welche Auswirkungen der Versuch eines gesunden Verhältnisses zwischen persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Integration, ohne dass das Individuum hierbei den Sinn verliert, haben kann, ist im Anschluss anhand von Faserland von Christian Kracht gut zu beobachten.

[...]


[1] Fröhner, Holger: Kapitalismus, Berlin 2012, S. 3.

[2] http://www.zeit.de/wirtschaft/geldanlage/2012-10/oekonomie-geld-forschung-glueck-unglueck (aufgerufen am 25.September 2013).

[3] Mörtenhummer, Monika und Harald: Zitate im Management, Linde/Wien 2009, S. 57.

[4] Köhler, Kurt J.: Albert Einstein, Korrekturen einer Legende, Willich 2006, S. 69.

[5] Jarchow, Hans Joachim: Grundriss der Geldtheorie, Stuttgart 2010, S. 1.

[6] Vgl. Editorischer Bericht, in: Simmel, Georg: Philosophie des Geldes, hrsg. von Frisby, David P. und Köhnke, Klaus Christian, Frankfurt am Main 1989 (GSG 6), S. 725-729.

[7] http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/143246/index.html (aufgerufen am 25. September 2013).

[8] Simmel, Georg: Philosophie des Geldes, Leipzig 1900, S. 16.

[9] Simmel, S. 273.

[10] Ebd. S. 20.

[11] www.3sat.de/page/?source=/scobel/143246/index.html (aufgerufen am 26. September 2013).

[12] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Geld in der Popliteratur am Beispiel von Christian Krachts "Faserland"
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V279406
ISBN (eBook)
9783656720782
ISBN (Buch)
9783656723141
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Faserland, Christian Kracht, Geld, Bedeutung, Popliteratur;, Psychologie des Geldes, Georg Simmel
Arbeit zitieren
Marcel Rapp (Autor), 2013, Das Geld in der Popliteratur am Beispiel von Christian Krachts "Faserland", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279406

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