"Ich heiße Sappho. Ich ragte im Singen so hoch über die Frauen wie Homer über die Männer."
Sappho war eine der bedeutenden Dichterinnen der Antike. Sie wurde zwischen 612 und 617 v. Chr. in Eressos auf der griechischen Insel Lesbos geboren und lebte somit zur archaischen Zeit, welche sich auf den Zeitraum von ca. 700 – 500 v. Chr. beschränkt. Diese Zeit war eine Krisenzeit, die sich durch die Konkurrenz zwischen den Adligen und der Not der Bauern äußerte und in welcher sich ebenfalls das Gemeinschaftsgefühl der Griechen entwickelte. Sappho wurde in eine aristokratische Familie geboren, die aus dem Vater Skámandros, der Mutter Kléis und drei Brüdern bestand. Wahrscheinlich ist, dass sie mit einem wohlhabenden Mann namens Kerkýlas verheiratet war und eine Tochter bekam, die sie nach ihrer Mutter Kléis benannte. Aufgrund politischer Spannungen, wurde Sappho um 600 v. Chr. vom damaligen Tyrannen ins Exil nach Sizilien verbannt.
Durch ihr Leben als Frau, in der archaischen Zeit, und deren begleitenden Krisen sind Sapphos Lieder und Gedichte bis heute bedeutend. Sapphos Lieder und Gedichte sind heute nur noch fragmentarisch erhalten, da sie u.a. im Mittelalter zu größten Teilen, aufgrund ihres Inhalts, vernichtet wurden. Somit ist es schwierig "verlässliche Informationen von spekulativen Behauptungen" zu unterscheiden. Sapphos Werke waren in der Antike darüberhinaus weitläufig bekannt und berühmt. Nach ihrer Rückkehr aus dem Exil gründete Sappho einen Mädchenkreis, in welchem sie als Lehrerin fungierte und junge Mädchen auf das gesellschaftliche Leben als Ehefrau und Mutter vorbereitete.
Die vorliegende Referatsverschriftlichung erläutert die Frage, wie die Erziehung junger Mädchen der Ehe durch Sappho, im antiken Griechenland, ausgesehen hat. Hierzu wird zunächst der Mädchenkreis Sapphos, sowie die Frau und die Ehe im antiken Griechenland allgemein beschrieben, um dann speziell auf Sapphos Lyrik und Werke einzugehen. Anhand eines Beispiels, nämlich der Quelle: Fragment 31, wird veranschaulicht, wie Sapphos Lyrik in der damaligen Zeit gewirkt hat und was sich aus dieser Überlieferung schließen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sapphos Mädchenkreis
3. Die Frau und die Ehe im antiken Griechenland
4. Lyrik und Werke Sapphos
5. Fragment 31
6. Inhalt: Fragment 31
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erziehung junger Mädchen im antiken Griechenland durch den Mädchenkreis der Dichterin Sappho und beleuchtet dabei deren gesellschaftliche Bedeutung sowie die Rolle der Frau und der Ehe in der archaischen Zeit.
- Die Organisation und erzieherische Funktion des Mädchenkreises von Sappho.
- Soziale Strukturen und die Stellung der Frau innerhalb der antiken griechischen Ehe.
- Die lyrische Aufarbeitung von Themen wie Liebe, Schönheit, Anmut und Homosexualität.
- Analytische Betrachtung des berühmten Fragment 31 zur Illustration von Sapphos Wirkung.
Auszug aus dem Buch
2. Sapphos Mädchenkreis
Als sie um 586/5 v.Chr., vermutlich als Witwe, mit ihrer Tochter nach Mytilene zurückkehrte, gründete sie einen Mädchenkreis, in welchem junge, unverheiratete Mädchen aus der Umgebung oder vom Ionischen Festland, eine Erziehung hin zur "perfekten" Ehefrau genießen konnten. Diese Mädchen stammten aus wohlhabenden, "guten" Familien und wurden als "Schülerinnen" oder "Gefährtinnen" bezeichnet. Sappho fungierte als "Lehrerin", welche den Schwerpunkt ihres Kreises auf den "Erziehungsauftrag" und die "soziale Bindung" setzte. Unter den Erziehungsauftrag, fielen u.a. die Unterweisung in Musik und Tanz, die Anleitung zum rechten Gottesdienst, sowie Riten und Regeln. Das Ziel beinhaltete ebenfalls, "eine elegante Lebensart, feine Umgangsformen, Künste und Kenntnisse." Wichtig waren darüberhinaus die weibliche Anmut und die Schönheit, welche auch ein zentrales Thema ihrer Lieder gewesen ist. Hierbei sind nicht körperliche Vorzüge gemeint, sondern ein gepflegtes Äußeres. Die soziale Bindung war vermutlich stark von der Beziehung von Sappho zu den Mädchen und der Beziehungen der Mädchen unter einander geprägt. Sappho liefert uns ein Beispiel für wenige Homosexuelle Beziehung zwischen Frauen und bildet somit ein Pendant zu dem männlichen Eros. Der Mädchenkreis diente als Initiation, bei welcher der Jugendliche zum Erwachsenen wurde und sich einen Platz in der Gesellschaft schaffte. Die griechische Erziehung hatte die körperliche, musische und ethische "Vortrefflichkeit" zum Ziel. Bei den Mädchen war dies die Vorbereitung zur "perfekten" Ehefrau und Mutter. Hierbei galt es, das Ziel zu erreichen, "sinnlich zu lieben", was mit der "Anmut" gleichgesetzt wurde. Denn wenn man dies erreichte, galt man als heiratsfähig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung porträtiert Sappho als bedeutende Dichterin der Antike und umreißt die Fragestellung nach der Erziehung junger Mädchen in ihrem Mädchenkreis im Kontext der archaischen Krisenzeit.
2. Sapphos Mädchenkreis: Das Kapitel beschreibt die Gründung und pädagogische Ausrichtung des Mädchenkreises, der jungen Frauen soziale und kulturelle Kompetenzen für ihre zukünftige Rolle als Ehefrau vermittelte.
3. Die Frau und die Ehe im antiken Griechenland: Hier werden die sozio-ökonomischen Hintergründe der Ehe beleuchtet, die primär der Fortsetzung des Familienbandes diente und der Frau nur einen rechtlosen, häuslichen Wirkungskreis zubilligte.
4. Lyrik und Werke Sapphos: Dieses Kapitel analysiert die überlieferten Fragmente und thematisiert Sapphos stilistische Besonderheiten, wie die Verbindung von Schmerz und Freude in ihrer Darstellung von Eros.
5. Fragment 31: Dieses Kapitel dient als direkte Textvorlage des berühmten Fragments, das Sapphos leidenschaftliche und körperliche Reaktionen auf ein beobachtetes Liebesgeschehen schildert.
6. Inhalt: Fragment 31: Eine detaillierte Interpretation des Gedichts, die aufzeigt, wie Sappho Eifersucht, körperliches Begehren und das Gefühl des "Gestorbenseins" sprachlich verarbeitet.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Rolle Sapphos als einflussreiche Dichterin zusammen, die trotz einer männerdominierten Gesellschaft einen bleibenden Namen fand, und mahnt gleichzeitig zu einer kritischen Betrachtung der fragmentarischen Quellenlage.
Schlüsselwörter
Sappho, Antike, Mädchenkreis, archaisches Griechenland, Frauenrolle, Ehe, Lyrik, Fragment 31, Homoerotik, Eros, Mädchenbildung, Sozialisation, Aphrodite, Frauenliebe, Überlieferungsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wirken der Dichterin Sappho und speziell den Einfluss ihres Mädchenkreises auf die Erziehung junger Frauen im antiken Griechenland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die antike Mädchenbildung, die Struktur der Ehe, Sapphos lyrisches Werk sowie die Interpretation von Homoerotik in der archaischen Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, wie Sapphos Erziehungsmethoden junge Mädchen auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereiteten und welche Bedeutung dies im Kontext der antiken Gesellschaft hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine literatur- und quellenbasierte Analyse, die historische Fakten mit der Interpretation erhaltener lyrischer Fragmente verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Mädchenkreises, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Ehe sowie eine detaillierte textliche und inhaltliche Analyse des Fragments 31.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Sappho, Mädchenbildung, antike Ehe, Eros und literarische Fragmentanalyse.
Wie war die soziale Stellung der Frau im antiken Griechenland laut dieser Arbeit?
Die Arbeit betont, dass die Frau in der damaligen Gesellschaft politisch und juristisch rechtlos war und ihre Hauptaufgaben im häuslichen Bereich wie Kochen, Spinnen und Weben lagen.
Warum ist die Interpretation der Werke Sapphos heute so umstritten?
Da viele Werke im Mittelalter aufgrund ihrer erotischen Inhalte vernichtet wurden und nur 7 % fragmentarisch erhalten sind, basiert die moderne Forschung stark auf Interpretationen und Vermutungen.
Welche Bedeutung hat das Fragment 31 innerhalb der Arbeit?
Es dient als repräsentatives Beispiel für Sapphos poetische Darstellung von Begehren und Eifersucht und illustriert, wie ihre Lyrik persönliche Gefühle mit gesellschaftlichen Rollenbildern verknüpft.
- Arbeit zitieren
- J A C (Autor:in), 2014, Die Ehe und Erziehung in den Liedern von Sappho, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279419