Global Governance im neorealistischen Paradigma


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2... Global Governance - Eine Einführung

3. Axiome des Realismus im Gegensatz zum Global Governance Konzept

4. Erklärungsansätze aus realistischer sicht
4.1 Neorealismus und Global Governance Möglichkeiten durch Interdependenz
4.2 Neorealistische Global Governance Mechanismen
4.3 Neorealismus und das 5-Säulen-Modell

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis:

1. Einleitung

Die Entstehung und die wachsende Wichtigkeit von Global Governance ist zweifelsoh­ne eines der zentralen politikwissenschaftlichen Themen der vergangenen Jahrzehnte und gewinnt besonders seit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1990 und dem Ende der diskursbestimmenden Dominanz des Kalten Krieges an Gewicht. Indikatoren für diese Entwicklung sind unter anderem die steigende Anzahl internationaler Organisatio­nen und die Verlagerung von Entscheidungs- und Beschlussprozessen von der natio­nalen aufdie internationale Ebene.

Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit soll nun das Verhältnis von Global Gover­nance zum neorealistischen Paradigma der Theorie der Internationalen Beziehungen sein. Die realistische Politikwissenschaft hat vor allem für die Konstellation mit zwei do­minanten Blöcken in Zeiten des Ost-West-Konflikts Erklärungs- und Lösungsansätze geboten, welche den Neorealismus zu einem der bedeutendsten politischen Paradig­men der vergangenen Jahrzehnte gemacht haben. Bei Global Governance handelt es sich jedoch um eine Entwicklung in idealistischer Tradition (vgl. Menzel 2001: 226) und es gibt realistische Grundsätze, die der Entstehung einer solchen internationalen Re­gierungsarchitektur entgegenstehen. Es ist somit interessant, wie bedeutende Realis­ten in den vergangenen Jahren mit der nicht zu leugnenden Entwicklung hin von einer vollständig anarchischen Staatenwelt zu den Ansätzen einer Weltgesellschaft umge­hen, bzw. wie sie diese mit ihren theoretischen Annahmen vereinbaren.

Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit soll dazu zunächst in das Thema Global Go­vernance im Allgemeinen eingeführt werden, um anschließend aufzuzeigen, an wel­chen Stellen neorealistische Paradigmen aus bestimmten Gründen im Widerspruch zur Herausbildung des entsprechenden Systems stehen. Danach wird zu untersuchen sein, wie die zunehmende Interdependenz zwischen Akteuren im internationalen System sich auf dessen Struktur auswirkt und welche Mechanismen von Global Governance in das Modell der neorealistischen Theorie passen. Hierbei wird Bezug genommen aufdie Sichtweisen wichtiger Vertreter des Neorealismus wie Kenneth Waltz oder John J. Mearsheimer. Zudem werden Vergleiche zu anderen Paradigmen, wie Idealismus oder Institutionalismus, gezogen. Ziel wird es sein, nach einer Einordnung der Ergebnisse in das Fünf-Säulen-Modell der Global Governance erklären zu können, unter welchen Umständen die Realisierung einer Global Governance Architektur im Neorealismus möglich ist, bzw. ob sie überhaupt stattfinden kann.

2. Global Governance - Eine Einführung

Eine einheitliche, kurze Definition für Global Governance zu formulieren gestaltet sich schwierig. Die Gründe dafür liegen vor allem darin, dass die Teilbegriffe „global" und „governance" unterschiedlich aufgefasst werden können. Während also „global" als At­tribut sowohl für weltumfassende Handlungskoodination als auch für solche auf allen Ebenen, auch der regionalen, stehen kann, ist die Interpretationsbandbreite bei „gover­nance" noch weiter gefächert. Allgemein kann man jedoch davon sprechen, dass es um Regelungsprozesse bei allen international agierenden Akteuren geht, die kollektives Handeln ermöglichen sollen. Es soll in dieser Arbeit auf das analytische Global Gover­nance Konzept eingegangen werden, also auf den Versuch die aktuelle weltpolitische Situation zu erfassen, während die normative und kritische Ebene ausgeklammert wer­den (vgl Dingwerth 2006: 378). Auch einen in der Fachliteratur einheitlich benannten Beginn der Zeit von Global Governance gibt es nicht. Lediglich die exponentiell wach­sende Bedeutung des Begriffs seit den 1980er Jahren ist unbestritten.

Wichtige Akteure in der Global Governance Architektur sind Internationale Organisatio­nen, die sich entweder aus Staaten zusammensetzten können oder aus gesellschaftli­chen Gruppen unterschiedlicher Länder. Dies trifft auf Nichtregierungsorganisationen zu (vgl. Zürn 1998: 176). Die erstgenannte Gruppe der Internationalen Regierungsorgani­sationen spielte bereits eine zentrale Rolle als statt von Global Governance noch von Internationaler Politik die Rede war. Das wohl bedeutendste Beispiel für Internationale Organisationen bildet die UN, deren Mitgliedsstaaten Vertreter in die Vollversammlung entsenden. Die Europäische Union kann herangezogen werden, um aufzuzeigen, dass Nationalstaaten mitunter Kompetenzen an eine supranationale Instanz abgeben, um als größerer Block die eigene Leistungsfähigkeit zu bewahren.

Beim „Weltregieren", wie man Global Governance sinngemäß übersetzen könnte, teilen die Internationalen Regierungsorganisationen ihre Kompetenzen mehr und mehr mit Nichtregierungsorganisationen, die meist Interessen auf nur einem Themengebiet ver­treten (z.B. Amnesty International im Bereich der Menschenrechte oder der WWF be­züglich Umweltfragen) und in Regionalgruppen organisiert sind, die global vernetzt sind und Zusammenarbeiten, um ihre Interessen durchzusetzen. Der wachsende Einfluss der Nichtregierungsorganisationen lässt sich beispielsweise an ihrer rasant wachsen­den Zahl festmachen, wenngleich die Schätzungen weit auseinandergehen. Während erste Beispiele erst im 19. Jahrhundert zu finden sind, spricht Rudolf Stichweh von etwa 23.000 Organisationen im Jahr 1993 (vgl. Stichweh 2000: 253) und es ist davon auszugehen, dass diese Zahl sich bis heute drastisch erhöht hat.

Im Gegensatz zu dem früher verwendeten Begriff der internationalen Politik beinhaltet Global Governance somit weit mehr als zwischenstaatliche Angelegenheiten. Alle Handlungen von Organisationen, die nicht allein auf nationalstaatlicher Ebene agieren können als Teil des Konzepts vom globalen Regieren gesehen werden. Wählt man das Beispiel der Umweltpolitik, so können zu den Erscheinungsformen internationale Kam­pagnen von Greenpeace genauso zählen wie die Tagung eines Kommitees im Rahmen des United Nation Enviroment Programmes.

Einen wachsenden Einfluss haben außerdem Multinationale Unternehmen, da sie glo­bal tätig sind und ihre Interessen aufdem internationalen diplomatischen Parkett vertre­ten. Dazu kommen Regime, in denen Staaten ohne den Überbau einer Organisation zusammenarbeiten. Diese weniger formalisierte Ebene entwickelt sich teilweise zu ei­ner internationalen Organisation weiter. So folgte auf das Welthandelsregime die Welt­handelsorganisation, da es ersterem unter anderem an Entscheidungs- und Sanktions­kompetenzen mangelte.

Eng verzahnt ist Global Governance mit dem Phänomen der Globalisierung im Allge­meinen. Die Merkmale der Globalisierung, allen voran die abnehmende Wichtigkeit ter­ritorialer Grenzen von Nationalstaaten, die durch offene Märkte und steigende Mobilität bei sinkenden Kosten hervorgerufen werden, vereinfachen und fördern die Vernetzung von Individuen genauso wie die von ganzen Gesellschaften (vgl. Baylis 2001: 7), so- dass es zu immer mehr globalen Transaktionen und Interdependenzen kommt.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Global Governance im neorealistischen Paradigma
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Kernkurs Global Governance
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V279498
ISBN (eBook)
9783656733683
ISBN (Buch)
9783656733676
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
global, governance, paradigma
Arbeit zitieren
Philipp Westphal (Autor), 2014, Global Governance im neorealistischen Paradigma, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279498

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