"Wenn jetzt nicht gehandelt wird, befürchte ich für den europäischen Klubfußball bald das Aus. Ich vergleiche das mit der Internetblase." - Frank Rutten, Geschäftsführer der Niederländischen Ehrendivision, prophezeit den Klubs im Magazin Der Spiegel (2010) eine düstere Zukunft. Die Erkenntnis, dass eine hohe Finanzkraft einen positiven Einfluss auf den sportlichen Erfolg hat (Lehmann und Weigand, 1997), hat im Profifußball dazu geführt, dass sich Vereine immer häufiger verschulden oder externe Investoren an sich binden (Roy, 2009). um die steigenden Transfersummen, Handgelder und Spielergehälter finanzieren zu können. Durch den hohen Finanzbedarf wächst gleichzeitig die Abhängigkeit von den Stakeholdern (Augustin, 2008), bei denen die Sponsoren eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellen (siehe u.a. Kapitel 2.3 "Einnahme-Mix von Fußballvereinen"). Die Folge dieser Entwicklung ist nicht nur ein immer höherer Nettoverlust der Profifußballvereine, die sportliche und finanzielle Unausgeglichenheit in den Ligen führt gleichzeitig zu einer verminderten Wettbewerbsintensität in den Ligen und bedroht die wirtschaftliche Stabilität vieler Vereine. Der europäische Fußballverband (UEFA) will dieser Entwicklung mit dem Financial Fair Play (FFP) entgegentreten, das mit Sanktionen droht, falls die Vereine die Regularien des FFP verletzen. Das Hauptanliegen des FFP ist es, das wirtschaftliche Gleichgewicht in den europäischen Wettbewerben zu verbessern und eine langfristige Stabilität sicherzustellen (UEFA, 2012a).
In den existierenden wissenschaftlichen Arbeiten zum FFP liegt der Fokus meist auf den resultierenden Veränderungen aus der Sicht der Vereine, das heißt auf Auswirkungen hinsichtlich der Chancengleichheit bei Regulierung (Sass, 2012; Drut und Raballand, 2010; Késenne und Szymanski, 2004), Vor- oder Nachteilen in der Regelauslegung (Geey, 2011) oder einer Bewertung von FFP bezüglich Implementierung und Zielerreichung (Vöpel, 2011a; Storm, 2012). Mit Rücksicht auf die wachsende Abhängigkeit der Vereine von ihren Stakeholdern, stellt sich jedoch ebenso die Frage, ob und wenn ja welche Folgen die Einführung des FFP für diese Interessengruppen hat. Die vorliegende Arbeit erweitert deshalb die bestehenden Untersuchungen zum Financial Fair Play um einen neuen Aspekt und analysiert mögliche Auswirkungen der neuen Vorschriften für Sponsoren, als eine der wichtigsten Stakeholder-Gruppen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Abgrenzung des Themas und Aufbau der Arbeit
1.3 Der Fußballverein als Unternehmen
2. Einnahmemärkte im Profifußball
2.1 Kapital als Erfolgsfaktor
2.2 Stakeholdertheorie im Profifußball
2.3 Einnahme-Mix von Fußballvereinen
2.3.1 Fernsehgelder
2.3.2 Spieltagseinnahmen
2.3.3 Sponsoreneinnahmen
3. Sponsoring und Investoren
3.1 Wissenschaftliche Untersuchungen zu Sponsoring
3.2 Begriffsabgrenzung
3.3 Sponsoring im Profifußball
3.4 Zielsetzung von Sponsoring
3.5 Sponsoringlandschaft Bundesliga
3.5.1 Sponsoringmaßnahmen in der Bundesliga
3.5.1.1 Stadionumfeld
3.5.1.2 Vereinsumfeld
3.5.1.3 Unternehmensumfeld
3.6 Investoren im Profifußball
3.6.1 Situation in Europa
3.6.1.1 Deutschland
3.6.1.2 England
3.6.1.3 Italien
3.6.1.4 Spanien
3.6.1.5 Sonstige Beispiele
4. Wettbewerb und Regulierung
4.1 Wettbewerb in Sportligen
4.1.1 Wettbewerbsintensität in Europa
4.1.1.1 Competitive Balance National
4.1.1.2 Competitive Balance International
4.2 Politische Regulierung von Wettbewerb im Sport
4.2.1 Regulierung im US-Sport
4.2.1.1 Salary Caps
4.2.1.2 Entry Drafts
4.2.1.3 Revenue Sharing
4.2.2 Folgen der Regulierung im US-Sport
4.2.3 Die Situation in Deutschland und Europa
4.2.3.1 Salary Caps
4.2.3.2 Drafts
4.2.3.3 Revenue Sharing
4.2.3.4 Andere Regulierungsmaßnahmen
4.3 Das Financial Fair Play der UEFA
4.3.1 UEFA-Klub-Monitoring
4.3.1.1 Rechte, Pflichten und Zuständigkeiten der beteiligten Parteien (Art. 53 – 56)
4.3.1.2 Monitoring-Vorschriften (Art. 57 – 63)
4.3.1.3 Sonstige Monitoring-Vorschriften (Art. 64 – 68)
4.3.2 Disziplinarmaßnahmen gemäß der Verfahrensregeln für die UEFA-Finanzkontrollkammer für Klubs
4.4 Wissenschaftliche Auseinandersetzung zur Regulierung von Wettbewerb im Sport
4.4.1 Regulierung professioneller Sportligen
4.4.2 Financial Fair Play
5. Fallstudie
5.1 Cluster Bundesliga
5.2 Cluster Sponsoren
5.3 Hypothesen
5.4 Vorgehen und Ergebnisse
5.4.1 Sponsorentätigkeit in der Bundesliga
5.4.2 Auswirkungen des Financial Fair Play auf die Verhandlungsposition von Sponsoren
5.4.3 Erwartete Auswirkungen auf den Wettbewerb
5.4.4 Gründe für die vorzeitige Beendigung eines Sponsorings
5.4.5 Ergebnisse in Abhängigkeit des Sponsor-Clusters
5.4.6 Ergebnisse in Abhängigkeit des Sponsoren-Ebene-Clusters
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen des Financial Fair Play (FFP) auf die Sponsoren von Fußballvereinen. Das zentrale Ziel ist es zu analysieren, ob und wie die durch die UEFA eingeführten Regulierungen die Beziehung zwischen Vereinen und ihren Sponsoren beeinflussen sowie eine Hypothese über mögliche Veränderungen in der Verhandlungsposition der Sponsoren und deren Rückzugsverhalten bei Sanktionen zu überprüfen.
- Analyse der Einnahmemärkte im Profifußball mit Fokus auf Sponsoring
- Untersuchung der Regulierungsmaßnahmen von Wettbewerben im Sport (US-Sport vs. Europa)
- Detaillierte Darstellung des Financial Fair Play der UEFA und dessen Monitoring-Vorschriften
- Empirische Fallstudie zur Einstellung von Sponsoren der 1. Bundesliga gegenüber dem FFP
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
"Wenn jetzt nicht gehandelt wird, befürchte ich für den europäischen Klubfußball bald das Aus. Ich vergleiche das mit der Internetblase." - Frank Rutten, Geschäftsführer der Niederländischen Ehrendivision, prophezeit den Klubs im Magazin Der Spiegel (2010) eine düstere Zukunft. Die Erkenntnis, dass eine hohe Finanzkraft einen positiven Einfluss auf den sportlichen Erfolg hat (Lehmann und Weigand, 1997), hat im Profifußball dazu geführt, dass sich Vereine immer häufiger verschulden oder externe Investoren an sich binden (Roy, 2009). um die steigenden Transfersummen, Handgelder und Spielergehälter finanzieren zu können. Durch den hohen Finanzbedarf wächst gleichzeitig die Abhängigkeit von den Stakeholdern (Augustin, 2008), bei denen die Sponsoren eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellen (siehe u.a. Kapitel 2.3 "Einnahme-Mix von Fußballvereinen"). Die Folge dieser Entwicklung ist nicht nur ein immer höherer Nettoverlust der Profifußballvereine, die sportliche und finanzielle Unausgeglichenheit in den Ligen führt gleichzeitig zu einer verminderten Wettbewerbsintensität in den Ligen und bedroht die wirtschaftliche Stabilität vieler Vereine. Der europäische Fußballverband (UEFA) will dieser Entwicklung mit dem Financial Fair Play (FFP) entgegentreten, das mit Sanktionen droht, falls die Vereine die Regularien des FFP verletzen. Das Hauptanliegen des FFP ist es, das wirtschaftliche Gleichgewicht in den europäischen Wettbewerben zu verbessern und eine langfristige Stabilität sicherzustellen (UEFA, 2012a).
In den existierenden wissenschaftlichen Arbeiten zum FFP liegt der Fokus meist auf den resultierenden Veränderungen aus der Sicht der Vereine, das heißt auf Auswirkungen hinsichtlich der Chancengleichheit bei Regulierung (Sass, 2012; Drut und Raballand, 2010; Késenne und Szymanski, 2004), Vor- oder Nachteilen in der Regelauslegung (Geey, 2011) oder einer Bewertung von FFP bezüglich Implementierung und Zielerreichung (Vöpel, 2011a; Storm, 2012). Mit Rücksicht auf die wachsende Abhängigkeit der Vereine von ihren Stakeholdern, stellt sich jedoch ebenso die Frage, ob und wenn ja welche Folgen die Einführung des FFP für diese Interessengruppen hat. Die vorliegende Arbeit erweitert deshalb die bestehenden Untersuchungen zum Financial Fair Play um einen neuen Aspekt und analysiert mögliche Auswirkungen der neuen Vorschriften für Sponsoren, als eine der wichtigsten Stakeholder-Gruppen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problemstellung des Profifußballs, insbesondere hinsichtlich finanzieller Instabilität, und Definition der Zielsetzung der Arbeit sowie deren Aufbau.
2. Einnahmemärkte im Profifußball: Analyse der Finanzierungsquellen von Fußballvereinen, wobei der Fokus auf dem Zusammenhang zwischen Kapital und sportlichem Erfolg sowie der Bedeutung der verschiedenen Einnahmequellen liegt.
3. Sponsoring und Investoren: Theoretische Auseinandersetzung mit den Motiven und Zielen von Sponsoren im Sport sowie eine detaillierte Analyse der Sponsoringlandschaft in der Bundesliga.
4. Wettbewerb und Regulierung: Untersuchung der Besonderheiten des sportlichen Wettbewerbs und der verschiedenen Regulierungsansätze, inklusive eines detaillierten Vergleichs zwischen US-Modellen und den Maßnahmen der UEFA durch das FFP.
5. Fallstudie: Empirische Untersuchung der Einstellung von Sponsoren der 1. Bundesliga zum FFP mittels einer Umfrage, die Tendenzen hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer Erwartungen aufzeigt.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeit, kritische Reflexion der Einschränkungen und Ausblick auf künftige Forschungsnotwendigkeiten im Kontext des Financial Fair Play.
Schlüsselwörter
Financial Fair Play, FFP, Profifußball, Sponsoring, Investoren, Wettbewerbsintensität, Competitive Balance, UEFA, Bundesliga, Sponsoren, Stakeholder, Regulierung, Sportökonomie, Lizenzierung, Vereinsfinanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Financial Fair Play (FFP) der UEFA auf die Sponsoren von Fußballvereinen, da diese als zentrale Stakeholder eng mit der wirtschaftlichen Stabilität der Klubs verbunden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt schwerpunktmäßig das Finanzmanagement von Profifußballvereinen, die Mechanismen von Sponsoring im Sport, die theoretischen Ansätze zur Wettbewerbsregulierung in Sportligen sowie die spezifischen Regelungen des FFP.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist es zu verstehen, ob und wie die Einführung des FFP die Verhandlungsposition von Sponsoren beeinflusst und inwiefern Sanktionen gegen Vereine das Risiko eines vorzeitigen Sponsorenrückzugs erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis existierender Literatur mit einer empirischen Fallstudie, in deren Rahmen eine Umfrage unter Sponsoren der 1. Bundesliga durchgeführt und statistisch ausgewertet wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Einnahmemärkte, eine Diskussion über die Sponsoringlandschaft und Investorenrolle, sowie eine kritische Untersuchung der UEFA-Regularien zur Wettbewerbssicherung im Vergleich zu US-amerikanischen Modellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Financial Fair Play, Sponsoring, Competitive Balance, UEFA, Bundesliga-Vereine, Investoren, Stakeholdertheorie und Regulierungsmaßnahmen.
Wie reagieren Sponsoren laut Studie auf Sanktionen des FFP?
Die Studie deutet darauf hin, dass Sanktionen zwar als ein möglicher Grund für eine Kündigung wahrgenommen werden, jedoch in der Prioritätenliste der Kündigungsgründe erst an vierter Stelle stehen, hinter Faktoren wie negativem Image oder strategischer Neuausrichtung.
Gibt es einen Unterschied zwischen internationalen und national orientierten Vereinen bei der Sponsorenreaktion?
Die Auswertung zeigt keine signifikanten Unterschiede; jedoch neigen Sponsoren international ausgerichteter Vereine tendenziell dazu, Sanktionen als weniger gravierenden Kündigungsgrund einzustufen als Sponsoren von Vereinen, die national agieren.
- Quote paper
- Levin de Haen (Author), 2013, Auswirkungen des Financial Fair Play auf Sponsoren von Fußballvereinen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279544