Sprach- und Kulturkontakt in Deutschland. Die Folge der Italianismen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Italiener in Deutschland: Ein migrationsgeschichtlicher Überblick von den Anfängen bis zur Gegenwart

3. Das Italianismen und Pseudoitalianismen im deutschsprachigen Raum
3.1. Definition
3.2 Die Bedeutungsentwicklung des Italienischen in Deutschland bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges
3.3 Italien als Reiseziel: Die Anfänge der Pseudoitalianismen
3.4 Italianismen und Pseudoitalianismen in der deutschen Gastronomie
3.4.1 Die Entwicklung der italienischen Küche
3.4.2 Italienische Entlehnungen im Bereich der Gastronomie
3.5 Der Einsatz von Pseudoitalianismen als Verkaufsstrategie

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Insbesondere aufgrund der rapide zunehmenden Globalisierung unserer modernen Gesellschaften rückt das Interesse an Kontaktphänomenen in der Sprache und somit unerlässlich auch in der Kultur immer mehr in das Interesse der Öffentlichkeit. Deutschland dient hier als Paradebeispiel solcher vorherrschenden Kontaktphänomene, da es schon seit Jahrhunderten ein beliebtes Einwanderungsland ist.

Die Einwanderung italienischer Migranten nach Deutschland hat eine lange Tradition aus dieser mehr als 700.000 in Deutschland lebende Italiener resultieren. Ziel dieser Arbeit ist es zu klären, welchen Einfluss Migranten auf das Migrationsland, sowie dessen Kultur und Sprache haben. Ein besonderes Augenmerk wird auf das sich wandelnde Italienerbild und dessen Auswirkung auf den deutschen Wortschatz gerichtet.

Zunächst wird ein Überblick über die Migrationsgeschichte der Italiener nach Deutschland gegeben, wobei vor allem die kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte dieser Zuwanderung dargestellt werden. Zudem werden die Bezeichnungen für die ausländischen und vor allem italienischen Arbeiter, die im Migrationsdiskurs eine wichtige Rolle spielen, und deren Wandel betrachtet.

Ein Beweis für diese kulturelle und wirtschaftliche Eingliederung der Italiener in Deutschland ist die italienische Küche, die sich hier etabliert hat und auch eigentlich gar nicht mehr wegzudenken ist. Sie wird im Folgenden mit einem linguistischen Aspekt, dem Sprachkontakt, dargestellt. Außerdem soll gezeigt werden, dass sich die italienische Sprache in Deutschland vom Arbeiter- zum Prestigeobjekt gewandelt hat. Hierbei wird unter anderem analysiert, inwiefern sich die italienische Sprache auf den Wortschatz des Deutschen auswirkt und auf welche Weise die italienische Sprache als Werbe- und Verkaufsstrategie in der deutschen Lebensmittelbranche eingesetzt wird.

2. Italiener in Deutschland: Ein migrationsgeschichtlicher Überblick von den Anfängen bis zur Gegenwart

Die Beziehungen zwischen Italien und Deutschland auf soziokultureller, sowie auf sozioökonomischer Ebene lassen sich seit dem 18. Jahrhundert nachverfolgen.[1] Die ersten italienischen Migrationsströmungen beginnen jedoch schon im Mittelalter. In dieser Zeit kamen vor allem Kaufleute, Künstler, Handwerker, sowie Architekten nach Deutschland, um dort ihren Berufen nachzugehen.[2]

Größere Migrationswellen lassen sich erst einige Jahrhunderte später dokumentieren. Im Zuge der rapide wachsenden Industrialisierung, vor allem im Ruhrgebiet des 19. Jahrhundert, lässt sich ein Höhepunkt der Einwanderungswelle verzeichnen, denn in dieser Zeit wurden vermehrt Arbeitskräfte aus Italien angeworben. Ihr Aufenthalt in Deutschland war in dieser Zeit meist nur von kurzer Dauer. Die meisten Italiener blieben nicht dauerhaft, sondern kehrten in den Wintermonaten nach Italien zurück.[3]

Während im Ruhrgebiet die Industrie blühte, gab es in Italien eine Landwirtschaftskrise. Die Einwanderungswelle der Wanderarbeiter stieg daher bis zum Ersten Weltkrieg stetig an. Durch verbesserte Transportverbindungen, wie z.B. der Brennerbahn (1867), wurde den Italienern die Anreise erheblich erleichtert.[4] Doch in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wurde die Strömung aufgrund der politischen Lage und der verschlechterten Beziehungen der beiden Staaten verlangsamt.[5]

Erst im Jahr 1937, durch das erste offizielle Anwerbeabkommen zwischen Italien und Deutschland, arbeiteten wieder viele Italiener in der deutschen Industrie. Während des Zweiten Weltkrieges hatten die Italiener zunächst eine privilegierte Stellung gegenüber anderen ausländischen Zivilarbeitern.[6] 1943, wegen des Waffenstillstandes zwischen Italien und den Alliierten und dem Sturz von Mussolini, endete dieses Abkommen. 600.000 Italiener blieben als Zwangsarbeiter in Deutschland und lebten unter katastrophalen Bedingungen. Nach dem Krieg endete auch die Zwangsarbeit und die meisten Arbeiter kehrten wieder in ihr Heimatland zurück.[7]

Laut Bierbach und Birken-Rilvermann kann man die italienische Migration nach Deutschland ab 1955 in drei Phasen unterteilen.[8] Um diesem Zeitpunkt, im Zuge des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Italien („Abkommen über die Anwendung und Vermittlung von Arbeitskräften“), migrierten wieder viele Italiener, vor allem aus dem Süden des Landes, organisiert von Anwerbebüros der Bundesanstalt für Arbeit in Italien oder auf direktem Weg, nach Deutschland, um der Armut ihrer Region zu entfliehen.[9] Dem durch den Krieg zerstörten Deutschland mangelte es damals zur Zeit des Wiederaufbaus an Arbeitskräften. Daher erhielten die Italiener zunächst im Bergbau und in der Landwirtschaft, später auch in der Industrie, auf ein Jahr befristete Arbeitsverträge. Man hoffte durch diese kurzzeitige Befristung auf eine häufige, die Sozialstruktur schonende, Rotation motivierter Arbeitskräfte.

Zunächst blieb die Integration der Italiener in Deutschland, vor allem auch wegen der Kurzarbeitsverträge, unbeabsichtigt. Die deutsche Bevölkerung grenzte die ausländischen Arbeiter sogar aus. „Soziale Vorurteile seitens der deutschen Bevölkerung spiegelten sich in abwertenden Bezeichnungen für […] Italiener (Itakas, Spaghettis oder Makkaronis) […] wider.“[10] Die Baracken, in denen die Gastarbeiter untergebracht waren, wurden aufgrund der schlechten Zustände, wie beispielsweise Überbelegung, von den Arbeitern, aber auch von Sozialbetreuern kritisiert.[11] „Die Klischees von der angeblichen Faulheit, dem ungezügelten Temperament und einer starken Verbrecherneigung, gerade der Süditaliener erschwerten zusätzlich die Wohnungssuche.“[12] In den 1950er Jahren sahen sich die deutschen Arbeitgeber in einer Zwickmühle, da sie zum einen dringend mehr Arbeitskräfte benötigten, zum anderen aber gegenüber den italienischen Arbeitern, aufgrund der vorherrschenden Stereotypen voreingenommen waren. „Obwohl von Unternehmer- und Gewerkschaftsseite zunächst kategorisch abgelehnt, wurden Italiener im Ruhrbergbau bald problemlos eingestellt und beschäftig.“[13]

„Da bis 1959 die Zahl der in Deutschland arbeitenden Ausländer nur 50.000 erreichte, blieb diese Einwanderung ein öffentlich relativ wenig diskutiertes Phänomen. Interessant ist aber, daß gerade in Zeitungsmeldungen, also in der öffentlichen Rezeption, diese Arbeiter häufiger mit dem Wort Fremdarbeiter bezeichnet wurden.“[14] Dies zeugt von einer wenig sprachsensiblen historischen Reflexion, da mit der Vokabel Fremdarbeiter auch die Zwangsarbeiter, die in den Kriegsjahren nach Deutschland verschleppt wurden, bezeichnet wurden. In parlamentarischen Äußerungen und im amtssprachlichen Gebrauch wurde aber in der Regel entweder von ausländischen Arbeitskräften/Arbeitern, italienischen Arbeitskräften oder Ausländern gesprochen.[15]

In der nächsten Phase, die sich auch als Integrationsphase bezeichnen lässt, ging man dazu über den Gastarbeitern ein Leben zu ermöglichen, bei dem sie sich mehr nur als Fremde fühlen. Sie profitierten vom Freizügigkeitsgesetzt der EWG (1961), welches besagt, dass es Arbeitsnehmern der Mitgliedsstaaten möglich ist, ihren Wohnort innerhalb der EWG frei zu wählen.[16] Zudem wurden 1964 Richtlinien für die Mindeststandarts in Wohnheimen eingeführt, was die Anlegung italienischer Wohnsiedlungen zur Folge hatte. Außerdem wurde den oftmals in Italien verbliebenen Familien der Arbeiter der Nachzug nach Deutschland ermöglicht.[17] Somit wurde in den 1960er Jahren beabsichtigt, dass die italienischen Arbeiter längerfristig in Deutschland bleiben und hier sogar heimisch werden sollen.[18] Der Ruf der sich als fleißigen bewahrheiteten Gastarbeiter war aber immer noch wenig angesehen. Sie wurden nicht ernst genommen und oft als „Makkaronifresser“ oder „Verräter“ beschimpft.[19]

Parallel zu diesen ersten beiden Phasen der italienischen Einwanderungsgeschichte entdeckten die Deutschen Italien als beliebtes Reiseziel. Anfang der 1960er Jahre fuhren rund vier Millionen Deutsche nach Italien in Urlaub.[20] „Die Hauptattribute dieser romantisierenden Italiensehnsucht waren Sonne und Meer, Gesang und Musik, Wein und Gastronomie, Liebe und Lebenslust, die italienische Mode, die Schönheit der Landschaft und der Reiz der alten Städte.“[21]

Es entstand ein Wiederspruch im Italienerbild der 1950er/60er Jahre. „Während die Vorstellung von Italien als Land der Sehnsucht […] boomte, bestanden die alten Vorurteile aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges über die Italiener unberührt weiter. Sie galten als unzuverlässiger Partner.“[22] Zum einen „symbolisiert [Italien] das sehnsuchtsvolle Bild des Anderen, das als Traumbild Abwechslung, Romantik und Erholung versprach“[23]. Zum anderen steht dazu der Gegensatz, des Südländers als fremder, wenig anerkannter Arbeiter.[24] Anders ausgedrückt träumten die deutschen Frauen von dem Klischee des feurigen Italiener, fühlten sich aber zugleich von dessen Pfiffen belästigt.[25]

[...]


[1] Masala, Carlos (1998): Italia und Germania. Die deutsch-italienischen Beziehungen 1963-1969. Köln: SH-Verlag, S.11.

[2] Asfur, Anke/ Osses, Dietmar (2003): Neapel- Bochum- Rimini. Arbeiten in Deutschland. Urlaub in Italien. Katalog zur Ausstellung des Westfälischen Industriemuseums Zeche Hannover, Bochum, 12. Juli- 26. Oktober 2003. Dortmund: Klartext- Verlag, S.42.

[3] Ebd.

[4] vgl. Lieber, Marie/ Knittel, Teresa (2008): Italienisch außerhalb Italiens? Zur Italophonie in der Welt. URL: http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_sprach_literatur_und_kulturwissenschaften/iz/Downloadbereich/Ringvorlesungen/Heute/Italophonie [Stand: 16.08.2013].

[5] Asfur 2003, S.41.

[6] Lieber/ Knittel 2008.

[7] Asfur 2003, S.41.

[8] Bierbach Bierbach, Christine/ Birken-Silvermann, Gabriele (2003): Sprachvariation. URL: http://www.ids-mannheim.de/prag/sprachvariation/fgvaria/Deutsch2003.PDF [Stand: 16.08.2013].

[9] http://www.rom.diplo.de/Vertretung/rom/de/06/Patronati/patronati__seite.html

[10] Stötzel/ Wengeler 1995, S.718.

[11] Ebd. S.52.

[12] Asfur 2003, S.41.

[13] Ebd. S.12.

[14] Stötzel, Georg/ Wengeler, Martin (1995): Kontroverse Begriffe: Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin/ New York: de Gruyter, S.716.

[15] Ebd. .

[16] vgl. Asfur 2003, S.9.

[17] Ebd. S.12.

[18] Ebd. S.13.

[19] Ebd. S.18.

[20] Ebd. S.9.

[21] Ebd. S.18.

[22] Ebd. S.67.

[23] Ebd. S.20.

[24] Ebd. S.24.

[25] Ebd. S.67.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Sprach- und Kulturkontakt in Deutschland. Die Folge der Italianismen
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Sprachwandel
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V279556
ISBN (eBook)
9783656729105
ISBN (Buch)
9783656729099
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachwandel, Italienisch, Sprachkontakt
Arbeit zitieren
Anna Theresa Wendel (Autor), 2013, Sprach- und Kulturkontakt in Deutschland. Die Folge der Italianismen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279556

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