Warum haben manche Menschen viele Kinder, andere wenige und manche keine?


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Problemstellung

3. Der Wert von Kindern
3.1 Der Wert von Kindern für potentielle Eltern
3.2 Der Wert von Kindern und generatives Verhalten
3.3 Der Wert von Kindern und Generationenbeziehungen
3.4 Der Wert von Kindern unter ökonomischen Gesichtspunkten

4. Ausblick

5. Reflexion

6. Literatur

1. Einleitung

Im Folgenden möchte ich mich mit einer Frage beschäftigen, die nie an Aktualität verlieren wird und stark vom Zeitgeist der jeweiligen Gesellschaft abhängt: „Warum haben manche Menschen viele Kinder, andere dagegen eher wenige und wieder andere gar keine?“1

Es wurden schon zahlreiche Versuche unternommen, herauszufinden, was die Beweggründe der Menschen für eine Entscheidung für oder gegen Kinder sind. Darüber hinaus stellt man sich die Frage, weshalb die Kinderzahlen verschiedener Familien so stark differieren.

Wahrscheinlich ist es nicht möglich, auf diese Fragen eine allgemein gültige Antwort zu bekommen, aber ich möchte im Rahmen dieser Hausarbeit einige Versuche aufzeigen, die den Entscheidungsprozess potentieller Eltern zum Thema machen. Wegen der Kürze dieser Arbeit beziehe ich mich hierbei nur auf zwei Texte zur Thematik: zum einen werde ich mich detailliert mit Bernhard Naucks Text „Wert der Kinder und Generationensolidarität“ auseinandersetzen, der meiner Hausarbeit auch einen roten Faden verleihen wird. Zum anderen möchte ich mich Gary S. Beckers Text „Eine ökonomische Analyse der Fruchtbarkeit“ widmen um auch der ökonomischen Ebene der Kinderfrage gerecht zu werden.

Meine Ausführungen werden sich zum Großteil auf den Wert von Kindern beziehen, also die unterschiedlichen Verständnisse davon, welchen Nutzen Kinder für die Familie haben.

2. Problemstellung

Bereits seit dem 18. Jahrhundert stellte man sich immer wieder die konsequenzenreiche und vielschichtige Frage: „Warum haben manche Menschen viele Kinder, andere dagegen eher wenige und wieder andere gar keine?“.2

Ökonomen, Bevölkerungswissenschaftler, Familiensoziologen und -psychologen beschäftigt diese Frage gleichermaßen, da die Stabilität und Gerechtigkeit innerhalb der Generationenbeziehungen und den aus ihnen resultierenden kollektiven Sicherungssystemen maßgeblich von der Altersstruktur abhängt, welche sich aus den Geburtenraten entwickelt. Die Entscheidung für oder gegen Kinder ist somit zur wichtigsten im Lebenslauf geworden, da sie (anders als die Wahl des Partners, Wohnorts oder Berufs) ein ausgesprochen hohes Maß an lebenslanger Selbstbindung nach sich zieht.3

Innerhalb des letzten Jahrhunderts verloren jedoch sowohl soziologische als auch psychologische Erklärungsversuche immer mehr an Bedeutung und wurden von ökonomischen Modellen zur Erklärung generativen Verhaltens abgelöst. Hier gilt Gary S. Becker als Begründer einer neuen Familienökonomik und bereicherte die Familientheorie um zwei fundamentale Aspekte: zum einen begreift er Familienhaushalte nicht nur als Verteilungs- und Konsumeinheiten marktfähiger Güter, sondern als Produktionseinheiten von „commodities“. Diese „commodities“zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht einfach erhältlich sind, sondern gebildet werden müssen. Beispiele hierfür bilden Liebe, Unterstützung und gemeinsame Kinder, welche hier präzisiert als „consumer durables“ bezeichnet werden. Bei diesem Modell werden die Haushalte als Akteure mit konstanten Präferenzen bezeichnet, da sie ihr Verhalten auf die direkten Kosten, Zeitinvestitionen und Opportunitätskosten des jeweiligen Gutes abstimmen. Zwei Restriktionen grenzen die Nutzenproduktion des Haushaltes dabei ein: das beschränkte Budget und die zur Verfügung stehende Zeitmenge. Darüber hinaus bleibt zu erwähnen, dass der Grenznutzen von Kindern in New Home Economics mit zunehmender Anzahl sinkt.4

Zum anderen spricht Becker von der Quantität und Qualität von Kindern5, also dem Humanvermögen der Kinder, welches ein Ergebnis der Investitionen seiner Eltern in Bildung und Erziehung darstellt. Die Beziehung dieser zwei Aspekte fasst er als invers auf, das heißt, dass sie beide von Budgetrestriktionen betroffen sind. Daraus folgt, dass die Kinderanzahl von verschiedenen Faktoren abhängt. Als Beispiele hierfür werden das Familieneinkommen sowie die Schattenpreise der Kinder und die anderer Güter und Dienstleistungen angeführt.6

Hier wird bereits ein erster Antwortversuch auf die Frage nach den Gründen für das Vorhandensein einer bestimmten Anzahl an Kindern unternommen. Dieser stützt sich insbesondere auf die finanziellen Aspekte.

Die New Home Economics können jedoch auch für weitere Vorstöße bei der Beantwortung dieser Frage dienen. So erklären sie beispielsweise, dass gut ausgebildete Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit auf das Kinderkriegen verzichten als schlecht ausgebildete Frauen, da der Schattenpreis ihrer Kinder stärker als bei weniger qualifizierten Müttern steigt. Dies lässt sich durch ihre höheren Opportunitätskosten aus dem entgangenem Nutzen eigener Erwerbstätigkeit erklären.7

Hier findet sich ein zweiter Antwortversuch, welcher sich auf die Bildung potentieller Mütter stützt.

Des Weiteren erläutern die New Home Economics, dass bei steigendem Wohlstand einerseits der Verbrauch anderer „consumer durables“ steigt, die Kinderzahl hingegen sinkt. Dieser Sachverhalt wird durch die Zeitintensität von Kindern erklärt, der mit einem Anstieg des relativen Preises von Kindern und dem der Zeit für die Haushaltsmitglieder einhergeht.8

Die daraus resultierenden Konsequenzen befassen sich einerseits damit, den Zusammenhang zwischen generativem Verhalten und Elternschaft und Generationenbeziehungen aufzulösen beziehungsweise in gesonderten Erklärungszusammenhängen zu behandeln und, dass andererseits die kurzfristig entstehenden, direkten Kosten von Kindern im Fokus standen. Beispiele hierfür bilden zum einen die eingesetzte Pflege, Betreuung, Erziehung und Ausbildung zum anderen die durch den Verzicht auf alternative Tätigkeiten entstehenden Opportunitätskosten. Hier kann man Kritik an der Unvollständigkeit der Erklärungsversuche üben, da sie sich lediglich preistheoretisch dem Phänomen widmen. Sie beziehen sich explizit auf die Kosten von Kindern. Darüber hinaus werden abgesehen vom Kostenproblem der Kinder keine bevölkerungspolitischen Fragen, wie beispielsweise die Bedingungen für eine Nachfrage nach Kindern, behandelt. Diese Konzentration auf die Kosten von Kindern zeigte in der Familien- und Sozialpolitik starke Konsequenzen. So richtete sich ein Großteil der Vorkehrungen nun auf die Reduktion der Kosten von Kindern. Das Modell weist jedoch eine markante Stärke auf, da es eine Erklärung für den Geburtenrückgang in modernen Gesellschaften liefert.9

Bislang widmeten sich jegliche Erklärungsversuche den Kosten der Kinder, ließen dabei jedoch den Wert von Kindern eher außer Acht. Aus diesem Grund soll sich das nächste Kapitel mit ebendiesem Aspekt detailliert auseinandersetzen.

3. Der Wert von Kindern

3.1 Der Wert von Kindern für potentielle Eltern

Beschäftigt man sich mit dem Wert von Kindern für potentielle Eltern, befasst man sich mit dem Ansatz des Value of children-approach, welcher auf den Arbeiten von Hoffmann und Hoffmann aus dem Jahre 1973 beruht und von Nauck im Jahre 2011 aufgegriffen wurde.10

Hoffmann und Hoffmann bezeichnen Kinder nicht grundsätzlich als „consumer durables“ potentieller Eltern, sondern vielmehr als Investivgüter, die eine Produktion von „commodities“ in Gegenwartsgesellschaften bewirken. Darüber hinaus wird das Konzept des Value of Children als eine sich auf der Individualebene befindende Moderator-Variable beschrieben. Diese Variable divergiert im Hinblick auf den gesamtgesellschaftlichen Wandel und den soziokulturellen Kontext. Zudem beeinflusst sie die Fertilität, sowie die Handlungsweisen Kindern gegenüber: 'Valuten of children refers to the functions they serve or the needs they fulfill for parents'.11 Potentielle Eltern bemessen den Wert von Kindern nach ihrer Funktion als Gut. Zu ihren Aufgaben gehört es demnach, ihre Eltern zu unterstützen beziehungsweise bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Es stellt sich die Frage, ob man daraus schlussfolgern kann, dass Kinder, welche ebendiesen Aufgaben und Herausforderungen nicht nachgehen, ihren Wert nicht erfüllen, da hier scheinbar jegliche andere Komponente außer Acht gelassen wird.

Nach Kagitcibasi (1996) lassen sich für das Konzept des Value of Children zwei Dimensionen herausarbeiten: zum einen der ökonomisch-utilitaristische zum anderen der psychologisch-affektive Value of Children. Erstgenannter widmet sich dem Anteil, beziehungsweise der Hilfestellung der Nachkommen zum Familienhaushalt, sei es durch Arbeit, ein zusätzliches Einkommen oder die Alterssicherung der Eltern. Letzterer

[...]


1 Nauck 2011, S. 329

2 Nauck 2011, S. 329

3 Vgl. Nauck 2011, S. 329

4 Vgl. Nauck 2011, S. 329-330

5 Vgl. Becker 1982, S. 213

6 Vgl. Nauck 2011, S. 330

7 Vgl. Nauck 2011, S. 330

8 Vgl. Nauck 2011, S. 330

9 Vgl. Nauck 2011, S. 330-331

10 Vgl. Nauck 2011, S. 331

11 Vgl. Nauck 2011, S. 331

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Warum haben manche Menschen viele Kinder, andere wenige und manche keine?
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar „Familie: ein Kulturvergleich“ (Dozentin: Dr. Dorothea Krüger)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V279597
ISBN (eBook)
9783656727101
ISBN (Buch)
9783656727095
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Familie, Kulturvergleich, Wert von Kindern
Arbeit zitieren
Viktoria Mey (Autor), 2013, Warum haben manche Menschen viele Kinder, andere wenige und manche keine?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279597

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