Umgang mit Unterrichtsstörungen. Hilfen für Lehrerinnen und Lehrer zur Reduzierung von Störungen im Unterricht


Bachelorarbeit, 2011
37 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zum Begriff der Unterrichtsstörung
2.1 Unterscheidung zwischen Unterrichtsstörung und Disziplinkonflikt
2.2 Kategorisierung von Unterrichtsstörungen

3 Ursachen für die Entstehung von Unterrichtsstörungen
3.1 Schulprobleme
3.2 Gesellschaftliche Probleme
3.3 Familiäre Probleme und Erziehungsfehler
3.4 Biologische Beeinträchtigungen

4 Störungsprävention
4.1 Die Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit
4.2 Methoden präventiver Klassenführung
4.3 Verhaltensregeln
4.4 Das Präventionsprogramm FAUSTLOS
4.4.1Empathie
4.4.2Impulskontrolle
4.4.3Umgang mit Ärger und Wut

5 Hilfen zum Umgang mit Unterrichtsstörungen
5.1 Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen
5.2 Die 1-2-3-Methode
5.3 Die Trainingsraum-Methode
5.4 Das Konstanzer Trainingsmodell

6 Schluss

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Verlauf der eigenen Berufskarriere wird jede Lehrkraft früher oder später mit Störungen im Unterricht konfrontiert. Im Gegensatz zu der fachlichen Wissensvermittlung fühlen sich jedoch die meisten Lehrer[1] für den Umgang mit Disziplinproblemen nach ihrer Ausbildung nicht gut vorbereitet, da diese häufig zu theoretisch und praxisfern abläuft.[2] In Anbetracht dessen, dass sich Unterrichtsstörungen in bisherigen Lehrerbelastungsstudien als die größten Stressfaktoren erwiesen haben, ist dieses Ausbildungsdefizit besonders erstaunlich. Neben der Beeinträchtigung der Lehrergesundheit haben Störungen im Unterricht auch einen negativen Einfluss auf dessen Wirksamkeit.[3] Durch Unterrichtsstörungen geht täglich sehr viel Lernzeit verloren, was sich insbesondere daran zeigt, dass der „störungsbedingte Ausfall von Lernzeit um ein Vielfaches größer [ist] als der krankheitsbedingte Unterrichtsausfall.“[4] Im Durchschnitt ergibt sich alle 2,6 Minuten „ein Anlass, auf den ein Lehrer reagieren könnte.“[5]

Die vorliegende Arbeit bietet keine universelle Lösung zum Umgang mit Unterrichtsstörungen, jedoch kann sie helfen, diese zu verstehen. Wer die Gründe der Störungen kennt, hat eher die Möglichkeit, sie frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen.

Hierzu wird zunächst der Begriff der Unterrichtsstörung erläutert, indem sowohl eine Abgrenzung zu Disziplinkonflikten als auch eine Unterteilung in aktive und passive Störungen vorgenommen wird. Im darauf folgenden Kapitel wird auf die Ursachen von Unterrichtsstörungen eingegangen. Hierbei werden personelle, institutionelle, gesellschaftliche und familiäre Probleme angeführt, ebenso wie biologische Beeinträchtigungen. Die anschließenden beiden Hauptkapitel behandeln verschiedene Umgangsmöglichkeiten mit Unterrichtsstörungen, indem sie in den Bereichen der Prävention und Intervention eine Auswahl konkreter Handlungsmöglichkeiten geben, durch die Störungen im Unterricht effektiv verhindert und unterbunden werden können. Dabei werden - neben Methoden präventiver Klassenführung - unterschiedliche Projekte und Modelle angeführt, die sich nach bisherigen Erkenntnissen im Schulalltag bewährt haben. Hierbei stehen insbesondere Verhaltensregeln im Vordergrund, deren Einhaltung die Voraussetzung effektiven und störungsfreien Unterrichts darstellt.

2 Zum Begriff der Unterrichtsstörung

Der Begriff der Unterrichtsstörung ist auf Grund seines subjektiven Charakters unterschiedlich besetzt. Diese Subjektivität kommt besonders in der Definition von Winkel (2009) zur Geltung. Nach ihm liegt eine Unterrichtsstörung dann vor, „wenn der Unterricht gestört ist, d. h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird.“[6] Darüber hinaus sind Unterrichtsstörungen nach Winkel „relative Bezeichnungen, die letztlich keine absolute Objektivität beanspruchen können.“[7]

Im Allgemeinen können Störungen im Unterricht also als Ereignisse beschrieben werden, „die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen.“[8] Voraussetzungen eines erfolgreichen Lehr-Lern-Prozesses sind etwa „physische und psychische Sicherheit, Ruhe, Aufmerksamkeit, Konzentration“[9]. Die Beeinträchtigung einer oder mehrerer dieser Voraussetzungen - etwa in Form von Zwischenrufen oder ähnlichem unangemessenen Verhalten - bezeichnet man demnach als Unterrichtsstörung.[10]

Auf Grund unterschiedlicher Situationsauffassung und Bewertung des Lehrers sind Unterrichtsstörungen in vielen Fällen subjektiv zu beurteilen. Was bei dem einen Lehrer als unerlaubter Zwischenruf und damit als Störung des Lehr-Lern-Prozesses empfunden wird, kann bei einer anderen Lehrkraft als Hinweis oder Ausgangspunkt für ihre weitere Unterrichtsgestaltung aufgefasst werden.[11] Neben diesen intersubjektiven Merkmalen zwischen verschiedenen Lehrern lassen sich auch intrasubjektive Verhaltensbewertungen beobachten. Derselbe Lehrer kann etwa zu verschiedenen Zeiten gleichwertige Störungen unterschiedlich wahrnehmen.[12] Davon abgesehen gibt es allerdings auch objektive Grundlagen zur Beurteilung von Störungen im Unterricht, wie etwa andauerndes Schwätzen unter Banknachbarn, welches den Unterrichtsprozess offensichtlich stört und somit zu einer Gefährdung des Lernerfolgs der Lerngruppe werden kann.[13] Darüber hinaus ist festzustellen, dass die Häufigkeit von Störungen oft belastender ist als deren Intensität.[14] Jedoch ist das Stocken des Lehr-Lern-Prozesses nicht ausnahmslos auf Störungen seitens der Schüler[15] zurückzuführen. So kann es vorkommen, dass bestimmte Verhaltensweisen eines Schülers nur durch den Lehrer als Störung wahrgenommen werden und erst durch das Eingehen des Lehrkörpers auf dieses Verhalten zur Unterbrechung oder zum Abbruch des Lernprozesses der Schüler führen.[16]

2.1 Unterscheidung zwischen Unterrichtsstörung und Disziplinkonflikt

Eng zusammenhängend mit dem Begriff der Unterrichtsstörung ist der des Disziplinkonfliktes. Jürgens (2000) definiert Disziplinkonflikte als „Schwierigkeiten, die zwischen den an Unterricht und schulischem Leben Beteiligten im Umgang mit den impliziten oder expliziten Normen und Regeln entstehen“[17]. Wesentliche Bestandteile von Disziplinkonflikten sind dabei „die Normvorstellungen, Bewertungen und das subjektive Erleben der Beteiligten.“[18] Die Einhaltung von Normen und Regeln gilt somit als Voraussetzung für „einen ungestörten Verlauf von Unterricht bzw. ein reibungsloses Zusammenleben im schulischen Alltag“[19]. Der Begriff des Disziplinkonfliktes ist also weitreichender als jener der Unterrichtsstörung. Neben dem Geschehen im Unterricht wird hierbei auch das Verhalten im schulischen Alltag und im schulischen Leben generell beurteilt. Während sich Unterrichtsstörungen auf Störungen innerhalb des Unterrichts beziehen, können Disziplinkonflikte auch an anderen Orten, wie etwa auf dem Pausenhof oder auf Klassenfahrten stattfinden.[20] Das Fernbleiben des Unterrichts wird ebenfalls als Disziplinkonflikt bezeichnet.[21] Die vorliegende Arbeit stellt jedoch den Begriff der Unterrichtsstörung in den Vordergrund.

2.2 Kategorisierung von Unterrichtsstörungen

Bei der Untersuchung von Störungen im Unterricht lassen sich Lehr-Lern-Konflikte in unterschiedliche Kategorien einteilen. Im Folgenden soll das Hauptaugenmerk auf Behinderungen des Unterrichtsprozesses liegen, welche von den Schülerinnen und Schülern verursacht werden. Ausgehend von schulpsychologischen Erkenntnissen und Beobachtungen lassen sich nach Keller (2008) fünf typische Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen unterscheiden: akustische und motorische Störungen, geistige Abwesenheit, Aggressionen, Verstöße gegen die Hausordnung und Verweigerungen.[22] Zu den akustischen Störungen zählen das Reden mit dem Banknachbarn, Zwischenrufe, Summen, Singen, Grölen und Handy- oder Uhrengeräusche. Mit dem Stuhl schaukeln, Zappeln, Herumlaufen oder das Spielen mit dem Arbeitsmaterial lassen sich dagegen als Ausprägungen motorischer Unterrichtsstörungen bezeichnen. Merkmale geistiger Abwesenheit sind beispielsweise das Erledigen stoff- oder fachfremder Arbeiten, Tagträumen, Schlafen oder das Herausschauen aus dem Fenster.[23] Die bisher beschriebenen Kategorien sind nach Lohmann (2010) die Arten von Störungen, welche im Unterricht am Häufigsten in Erscheinung treten. Hierbei wird vor Allem das verbale Störverhalten als besonders belästigend beurteilt.[24] Das Auftreten aggressiver Verhaltensweisen - und hierbei insbesondere der Vollzug von körperlicher Gewalt - ist dem gegenüber eher selten zu beobachten.[25] Zur Kategorie aggressiver Unterrichtsstörungen zählen - neben dem Aspekt der physischen Gewalt gegenüber Mitschülern und Lehrern - auch verbale Provokationen gegenüber Klassenkameraden und Lehrkörpern, Wutausbrüche, sowie das Wegnehmen und Beschädigen fremder oder eigener Gegenstände. Dagegen stellen Verstöße gegen die Hausordnung - etwa durch Essen, Trinken oder Beschmutzungen - eine weitere Störungskategorie dar.[26]

Neben diesen aktiven Unterrichtsstörungen gibt es auch passive Störungen, welche „nicht in einem Übermaß an unerwünschten Aktivitäten, sondern im [ sic ] einem Mangel an erwünschten Aktivitäten“[27] bestehen. Hierbei stören Schüler das Lehren und Lernen durch die Ablehnung des Unterrichts. Verweigerungen sind in Form von fehlendem Unterrichtsmaterial, unerledigter Arbeitsaufträge, fehlender Hausaufgaben, Mitarbeitsverweigerung und Zuspätkommen auszumachen.[28]

Abgesehen davon können auch Ereignisse außerhalb des Klassenzimmers einen Störfaktor bilden, wie etwa Lärm durch Baustellen oder Verkehr, laute Geräusche aus anderen Klassenzimmern, Sirenengeheul oder Lautsprecherdurchsagen.[29]

Wie bereits beschrieben, werden die meisten dieser Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen sowohl von den Lehrern als auch von den Schülern individuell verschieden als störend oder nicht störend wahrgenommen.

3 Ursachen für die Entstehung von Unterrichtsstörungen

Nachdem nun das Wesen von Störungen im Unterricht erläutert wurde, stellt sich notwendigerweise die Frage nach den Gründen für dessen Entstehung. Ursachen für Störungen von Lehr-Lern-Prozessen können ebenso von Schülern wie auch von Lehrern ausgehen, sowie äußeren Begebenheiten zu Grunde liegen.[30]

Allgemein lassen sich die meisten, durch Schüler bedingten, Unterrichtsbeeinträchtigungen als Signale der Kinder und Jugendlichen verstehen. Diese wollen dadurch etwa mitteilen, dass sie den Unterricht langweilig oder uninteressant finden oder die Lerninhalte auf eine andere Art und Weise vermittelt bekommen möchten. Auch können Störungen Ausdruck einer Infragestellung des Unterrichts darstellen. Ist den Schülern der Sinn der Übung, des Themas oder sogar des gesamten schulischen Unterrichts unklar oder der Bezug zu ihrer persönlichen Handlungswelt nicht gegeben, so stellt dies häufig ebenfalls einen Grund für störendes Verhalten dar. Daneben können durch Störverhalten auch ganz andere Probleme in der Lebenswelt der Schüler ausgedrückt werden.[31]

3.1 Schulprobleme

Zunächst ist das Unterrichtsgeschehen an sich zu untersuchen. Vor Allem der Aspekt der Langeweile ist „neben dem Leistungsdruck im Unterrichtsalltag das größte Problem für Schüler und eine wesentliche Ursache für Störungen.“[32] Gründe für Langeweile beruhen auf der Ebene des Unterrichts und können auch nur dort gelöst werden. Sobald ein zu großer Dissens zwischen den Erwartungen der Schüler und der Realität des Unterrichts besteht, versuchen sich die Schüler durch verstärkte Nebentätigkeiten die Zeit zu vertreiben. Dadurch soll entweder der Langeweile entkommen oder private Informationen zwischen Mitschülern ausgetauscht werden. Hierbei darf in den meisten Fällen jedoch nicht vom bewussten Einsatz von Störverhalten der Schüler gesprochen werden. Häufig ist dies das Resultat eines Mangels an Rückmeldung, Reflexionsfähigkeit oder an deutlichen Regeln.[33]

Somit kann auch das Verhalten der Lehrkraft als ein Auslöser von Unterrichtsstörungen gesehen werden. Fehlerhaftes Lehrerverhalten kann sich etwa in Form von inkonsequenten Reaktionen oder Entscheidungen äußern. Manche Pädagogen reagieren bei Verletzungen von Regeln und Normen zu langsam oder sogar überhaupt nicht, sodass die Schüler ihr Störverhalten nicht als ein solches wahrnehmen. Andere Lehrer handeln zwar rechtzeitig, jedoch lassen ihre Reaktionen Deutungsraum offen und sind somit unpräzise. Zudem werden des Öfteren Konsequenzen angekündigt, welche schließlich doch nicht durchgeführt werden. Eine dritte Kategorie von falschem Lehrverhalten besteht darin, Fehlverhalten nur gelegentlich zu sanktionieren. Bei all diesen Handlungen, welche den Schülern die Folgen ihres Missverhaltens nicht deutlich aufzeigen, steigt die Wahrscheinlichkeit für erneute Störungen.[34]

Die Unfähigkeit zu pädagogischem Konsens innerhalb eines Klassenteams oder eines Lehrerkollegiums stellt eine weitere mögliche Ursache für Störungen im Unterricht dar. Was bei dem einen Lehrer erlaubt oder geduldet ist, wird bei einem anderen als Fehlverhalten gedeutet und geahndet.[35] Die Gefahr besteht nun darin, dass sich die Schüler häufig dort austoben und den Unterricht behindern, wo die Grenzen zu weit gezogen sind.[36]

Eine Störung des Lehr-Lern-Prozesses kann auch eine Form von Rache des Schülers gegenüber verletzendem oder kränkendem Verhalten sein, welches durch den Lehrer erfahren wurde. Dies kann in Form von ablehnendem oder aggressivem Verhalten entweder direkt gegen den Lehrer oder auf Ersatzziele gerichtet sein, indem etwa Wände des Schulgebäudes mit Hassbotschaften beschmutzt werden.[37]

Zudem kann dort, wo sich die Beziehung zwischen dem Lehrer und den Schülern hauptsächlich auf die fachliche Komponente beschränkt, eine Frustration des Beziehungsbedürfnisses der Schüler entstehen. Die hieraus resultierende Vernachlässigung sozialen Lernens führt häufig zu störender Kommunikation von Seiten der Schüler während des Unterrichts, um dieses Versäumnis zu kompensieren.[38]

Störungen sind daneben auch häufig Ergebnisse von schlechtem Unterricht. Dieser zeichnet sich - neben einem Mangel an Planung der Unterrichtseinheit und dessen Durchführung - durch eine zu geringe Anzahl an schülerzentrierten Arbeitsformen aus. Die Unklarheit von Arbeitsanweisungen und Über- oder Unterforderungen der Schüler durch zu schwierige oder zu einfache Aufgabenstellungen bieten ebenfalls einen Anlass zu Störverhalten.[39]

Auf institutioneller Ebene lassen sich schließlich - neben den bisher genannten Ursachen - auch zu große oder schlecht zusammengesetzte Lerngruppen oder ein ungünstiger Stundenplan als Gründe für Störverhalten anführen.[40] Als weiteren Anlass für abweichendes Schülerverhalten führt Ulich (1980) „das Leistungs- und das Selektionsprinzip, und die daraus abgeleiteten schulinternen Normen in bezug auf die Leistungserbringung, -beurteilung und -konkurrenz“[41] an. Somit können die Ursprünge vieler Konflikte auch in der Schule als Institution und den damit zusammenhängenden Vorgaben gefunden werden.[42]

3.2 Gesellschaftliche Probleme

Neben den schulischen Aspekten sind noch weitere Faktoren anzuführen, welche das Unterrichtsgeschehen beeinträchtigen können. So können sich etwa gesellschaftliche Umstände auf das Klassenklima auswirken. Durch den gestiegenen Medienkonsum und den Verfall des Wertekonsenses zwischen gesellschaftlichen Gemeinschaften erhalten die Schüler in der heutigen Zeit eine immer breitere und beliebigere Definition von positivem Sozialverhalten, was „die Gewissens- und Verhaltensentwicklung der Heranwachsenden in starkem Maße“[43] erschwert. Zudem wird den Kindern sowohl in der Realität als auch in den Medien ein Gewaltverhalten vorgelebt, welches die Entstehung von Disziplinkonflikten ebenfalls begünstigt. Wenige aktive Freizeitangebote, „fehlende Berufsperspektiven“[44] und der hektische Lebensstil sind weitere Motive für störende Verhaltensweisen.[45]

Auch Freundeskreise können das Geschehen im Unterricht beeinträchtigen. Viele Schüler befinden sich zum Beispiel auf einer ständigen Suche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung von Seiten des Lehrers oder der Mitschüler, was die Schüler dazu verleiten kann, durch provokantes oder regelwidriges Benehmen auffallen zu müssen. Diese Haltung ist besonders dann anzutreffen, sobald störendes Verhalten innerhalb einer Gruppe wertgeschätzt wird und rebellierende Handlungsweisen gegenüber der Institution Schule oder den Lehrern Ansehen erfahren. Sind solche Gruppierungen innerhalb einer Klassengemeinschaft vorzufinden, so besteht für mitarbeitswillige Schüler, welche nach den Regeln der Lehrkraft handeln, ein erhöhtes Risiko, von Mitgliedern eines solchen Kollektivs gemobbt oder ausgeschlossen zu werden.[46]

3.3 Familiäre Probleme und Erziehungsfehler

Als weitere Ursachen für Störverhalten lassen sich familiäre Probleme und Fehler in der Erziehung anführen. Zum Einen kommt es bei einem großen Teil der Eltern früher oder später zu Auseinandersetzungen, welche bei Kindern mit einem starken Bedürfnis nach Harmonie zum Teil heftige psychische Reaktionen auslösen können. Diese werden später durch Fehlverhalten ausgedrückt. Zum Anderen können bei Kindern, welche nur von einem Elternteil aufgezogen wurden, zunehmend Verhaltensprobleme in der Schule beobachtet werden. Hierbei lassen sich Verbindungen zwischen einem fehlenden Vater oder einer überforderten Mutter und der Zunahme von Disziplinkonflikten feststellen.[47] In der Schule als schwierig empfundenes Verhalten kann somit eine Folge verstörender Erlebnisse in der Familie sein, jedoch können schulische Probleme auch Ausgangspunkt für familiäre Konflikte darstellen. Hierdurch können sie sich gegenseitig negativ verstärken und wechselseitig beeinflussen.[48]

Neben diesen Problemen innerhalb von Familiengemeinschaften können Disziplinprobleme auch aus intakten Familienverhältnissen hervorgehen. Entscheidend sind hierbei Fehler in der Erziehung auf Seiten der erziehungsberechtigten Personen. Sind sich die Eltern in ihrem Erziehungsverhalten uneinig und unterscheiden sich grundlegend bei der Handhabung mit unerwünschtem Verhalten des Kindes, so führt dies „zu Verwirrungen hinsichtlich der Gültigkeit von Regeln und Grenzen.“[49] Der Heranwachsende ist sich unsicher hinsichtlich seines Verhaltens, was sich in der Verletzung von Regeln in der Schule widerspiegelt. Das inkonsistente Erziehungsmodell überträgt das Kind auf das soziale Umfeld seiner Schulklasse, wodurch es möglicherweise eine erhöhte Aufmerksamkeit seitens des Lehrers und der Mitschüler erfährt. Dies kann wiederum zu einer Rückmeldung des Lehrers an die Eltern stattfinden, was sich erneut auf das Erziehungsverhalten derselben auswirkt.[50]

[...]


[1] Im Folgenden schließt die männliche Form die weibliche wertfrei mit ein.

[2] vgl. Phelan, 2005, S. 17

[3] vgl. Lohmann, 2010, S. 7

[4] Lohmann, 2010, S. 7

[5] Hennig & Keller, 2000, S. 62

[6] Winkel, 2009, S. 29

[7] Winkel, 2009, S. 29

[8] Lohmann, 2010, S. 14

[9] Lohmann, 2010, S. 14

[10] vgl. Lohmann, 2010, S. 14

[11] vgl. Keller, 2010, S. 21

[12] vgl. Czerwenka, 1979, S. 15

[13] vgl. Keller, 2010, S. 21

[14] vgl. Siestrup, 2010, S. 49

[15] Im Folgenden schließt die männliche Form die weibliche wertfrei mit ein.

[16] vgl. Köster, 2009, S. 18

[17] Jürgens, 2000, S. 10

[18] Jürgens, 2000, S. 25

[19] Jürgens, 2000, S. 10

[20] vgl. Siestrup, 2010, S. 39f.

[21] vgl. Jürgens, 2000, S. 11

[22] vgl. Keller, 2010, S. 21ff.

[23] vgl. Keller, 2010, S. 21f.

[24] vgl. Lohmann, 2010, S. 15

[25] vgl. Jürgens, 2000, S. 22

[26] vgl. Keller, 2010, S. 22f.

[27] Nolting, 2008, S. 12

[28] vgl. Keller, 2010, S. 22

[29] vgl. Keller, 2010, S. 23

[30] vgl. Lohmann, 2010, S. 14

[31] vgl. Winkel, 2009, S. 31f.

[32] Lohmann, 2010, S. 22

[33] vgl. Lohmann, 2010, S. 22ff.

[34] vgl. Hennig & Keller, 2000, S. 76

[35] vgl. Keller, 2010, S. 32

[36] vgl. Hennig & Keller, 2000, S. 76

[37] vgl. Hennig & Keller, 2000, S. 76

[38] vgl. Hennig & Keller, 2000, S. 76

[39] vgl. Keller, 2010, S. 32

[40] vgl. Köster, 2009, S. 26

[41] Ulich, 1980, S. 70

[42] vgl. Nolting, 2008, S. 16

[43] Keller, 2010, S. 33

[44] Köster, 2009, S. 26

[45] vgl. Keller, 2010, S. 33

[46] vgl. Lohmann, 2010, S. 22ff.

[47] vgl. Keller, 2010, S. 31

[48] vgl. Hennig & Keller, 2000, S. 69

[49] Hennig & Keller, 2000, S. 70

[50] vgl. Hennig & Keller, 2000, S. 69ff.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Umgang mit Unterrichtsstörungen. Hilfen für Lehrerinnen und Lehrer zur Reduzierung von Störungen im Unterricht
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Bildungswissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
37
Katalognummer
V279604
ISBN (eBook)
9783656757221
ISBN (Buch)
9783656757238
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsstörung, Schulalltag, Klassenführung, Verhaltensregeln, Störungsprävention, Methoden zum Umgang mit Unterrichtsstörungen
Arbeit zitieren
Patrick Dietz (Autor), 2011, Umgang mit Unterrichtsstörungen. Hilfen für Lehrerinnen und Lehrer zur Reduzierung von Störungen im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279604

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