Relativ häufig kann man lesen bzw. hören, dass sich ein Großteil der heutigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen von der Politik abwendet und sich bei dieser Altersgruppe Tendenzen einer Entpolitisierung zeigen.
Vor diesem Hintergrund ist es interessant, welche politischen Beteiligungsmöglichkeiten junge Menschen in Deutschland haben, um sich in demokratische Entscheidungsprozesse einzubringen. Es gilt hier reale Chancen anzubieten, damit Jugendliche an politischen Entscheidungen mitwirken können. Die Frage stellt sich hier, ob es gelingt, Jugendlichen den Zusammenhang zwischen eigener Lebenswelt, Alltagserfahrung und subjektiver Betroffenheit zum einen und politischen Themen zum anderen darzulegen, um sie zur Beteiligung und Mitgestaltung nachhaltig zu motivieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung: Partizipation
3. Rechtliche Grundlagen
4. Beteiligungsformen in der Schule
5. Wahlrecht mit 16 Jahren
6. Partizipation in der Kommune: Der Jugendgemeinderat
7. Neue und unkonventionelle Formen jugendlicher Partizipation
8. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die verschiedenen Möglichkeiten politischer Partizipation für Jugendliche in Deutschland. Ziel ist es, reale Chancen der Mitwirkung aufzuzeigen und zu analysieren, wie Jugendliche motiviert werden können, aktiv an demokratischen Entscheidungsprozessen teilzuhaben, anstatt sich von der Politik abzuwenden.
- Politische Entfremdung und ihre Ursachen bei Jugendlichen
- Rechtliche Rahmenbedingungen für Jugendpartizipation
- Beteiligungsmodelle in schulischen Kontexten
- Debatte um das aktive Wahlrecht ab 16 Jahren
- Kommunale Partizipationsorgane wie der Jugendgemeinderat
- Digitale und unkonventionelle Formen politischer Teilhabe
Auszug aus dem Buch
2. Begriffsbestimmung: Partizipation
Partizipation leitet sich vom lateinischen participatio her. Da die Wortteile pars (Teil) und cipere (nehmen) bedeuten, ist Partizipation zunächst als Teilhabe bzw. Teilnahme zu verstehen. Angesichts zahlreicher Definitionen dieses Begriffs wird in der politikwissenschaftlichen Forschung Partizipation „letztlich stets als Form bzw. Versuch der Einflussnahme beschrieben, was einen aktiveren und bewussteren Prozess des Handelns beschreibt, als dies der Begriff der Teilhabe impliziert“ (Nève/Olteanu, 2013, S. 13).
Gerhardt (2007, S. 472) definiert politische Partizipation als „die ausdrückliche Anteilnahme an einem gesellschaftlichen Ganzen, das man – als dieses Ganze – zu schaffen, zu erhalten, zu lenken oder zu ändern sucht und das man zu vertreten hat“.
Kaase (2003, S. 495) Definition lautet: „Unter politischer Beteiligung werden in der Regel jene Verhaltensweisen von Bürgern verstanden, die sie alleine oder mit anderen freiwillig mit dem Ziel unternehmen, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen.“
Nève/Olteanu (2013, S. 14) gehen bei ihrer Begriffsbestimmung von der Verschiedenartigkeit und der Bandbreite von Partizipation aus und bestimmen sie so: „Als poltische Partizipation werden im Folgenden Handlungen und Verhaltensweisen von BürgerInnen, Gruppen und/oder Institutionen beschrieben, mit denen diese gesellschaftspolitische Prozesse anregen, initiieren, gestalten und/oder beeinflussen bzw. über bereits bestehende Strukturen und Entscheidungen reflektieren“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die wahrgenommene Entpolitisierung junger Menschen und stellt die Frage, wie Jugendliche nachhaltig für politische Mitgestaltung motiviert werden können.
2. Begriffsbestimmung: Partizipation: Es werden verschiedene politikwissenschaftliche Definitionen von Partizipation diskutiert und konventionelle sowie unkonventionelle Formen der politischen Beteiligung unterschieden.
3. Rechtliche Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Ankerpunkte für jugendliche Beteiligungsrechte in Deutschland, wie das Grundgesetz, das KJHG und die UN-Kinderrechtskonvention.
4. Beteiligungsformen in der Schule: Es wird die Rolle der Schülermitverantwortung (SMV) und verschiedene schulische Organisationsformen beleuchtet, wobei auch Grenzen der wirklichen Mitbestimmung aufgezeigt werden.
5. Wahlrecht mit 16 Jahren: Das Kapitel erörtert die Debatte um die Senkung des Wahlalters unter Berücksichtigung von politischem Interesse und der notwendigen Reife der Jugendlichen.
6. Partizipation in der Kommune: Der Jugendgemeinderat: Die Rolle und Funktion von Jugendgemeinderäten als Instrument lokaler Mitbestimmung wird kritisch hinterfragt, insbesondere hinsichtlich ihrer Repräsentativität und Unabhängigkeit.
7. Neue und unkonventionelle Formen jugendlicher Partizipation: Es wird untersucht, wie digitale Medien, soziale Netzwerke und Flashmobs moderne, informelle Wege der politischen Beeinflussung für Jugendliche eröffnen.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass jugendliche Partizipation zunehmend projektorientiert verläuft und kontinuierliche, ernsthafte Beteiligungsangebote statt einmaliger Ausnahmeerlebnisse benötigt.
Schlüsselwörter
Politische Partizipation, Jugendliche, Demokratie, Wahlrecht ab 16, Jugendgemeinderat, Schülermitverantwortung, politische Bildung, politische Teilhabe, Online-Partizipation, Jugendhilfe, Engagement, Kommunalpolitik, Flashmobs, ziviler Ungehorsam, Bürgerbeteiligung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen, wie Jugendliche in Deutschland an politischen Entscheidungsprozessen mitwirken können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit deckt ein breites Spektrum ab, von rechtlichen Grundlagen und schulischer Mitbestimmung bis hin zu modernen, digitalen Partizipationsformen und der Debatte über das Wahlalter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie Jugendliche motiviert werden können, den Zusammenhang zwischen ihrem Alltag und politischen Themen zu erkennen, um aktiv an der Gesellschaft mitzugestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse politikwissenschaftlicher Studien und rechtlicher Grundlagen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse von Partizipationsformen – unterteilt in Schule, Kommune, Wahlen sowie neue, digitale Wege der Teilhabe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem politische Partizipation, Jugendengagement, Demokratiebildung und institutionalisierte versus unkonventionelle Beteiligungsformen.
Wie steht die Arbeit zur Einführung des Wahlrechts ab 16 Jahren?
Die Arbeit diskutiert die Vor- und Nachteile differenziert und kommt zu dem Schluss, dass die Herabsetzung die Einbindung junger Menschen in das politische System stärken könnte, sofern sie durch politische Bildung begleitet wird.
Warum wird die Rolle der Schule in der Arbeit hervorgehoben?
Die Schule wird als zentraler Ort identifiziert, um demokratisches Handeln zu erlernen; die Arbeit kritisiert jedoch, dass SMV-Strukturen in der Realität oft nur eine begrenzte demokratische Wirksamkeit entfalten.
Wie werden Jugendgemeinderäte in der Arbeit bewertet?
Sie werden als grundsätzlich positiv, aber nur bedingt geeignet eingeschätzt, da sie häufig an der Schnittstelle zur Verwaltung ihre Unabhängigkeit verlieren und oft nur eine bestimmte soziale Gruppe repräsentieren.
Welche Bedeutung haben soziale Medien für heutige Partizipation?
Digitale Netzwerke ermöglichen laut der Arbeit einen neuen, niederschwelligen Zugang zur Politik, der durch Eigeninitiative und Spontanität geprägt ist, jedoch eine geringere Bindung an klassische Organisationen aufweist.
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- BA Joschka Metzinger (Author), 2014, Jugendliche in der Politik. Möglichkeiten zur Teilnahme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279720