Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Philosophie - Sonstiges

Behinderungen für Menschen mit Inklusionsproblemen

Ein erkenntnistheoretischer Erklärungsversuch

Titel: Behinderungen für Menschen mit Inklusionsproblemen

Masterarbeit , 2014 , 101 Seiten , Note: 2,2

Autor:in: Frauke Veigel (Autor:in)

Philosophie - Sonstiges
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die erkenntnistheoretische Masterarbeit untersucht die kognitionstheoretischen Gründe und die Kontinuität der Weiterverbreitung von Vorurteilen. Das Phänomen Angst kennzeichnet die mangelnde Fähigkeit komplexe, differenzierte Kategorien des Denkens zu bilden. Die psychologischen und sozial-psychologischen Ursachen werden nicht allein der soziologisch begründeten „anerzogenen Dummheit“ (Mitscherlich, 1969) zugeschrieben, sondern explizit der unterentwickelten personalen Intelligenz, die mit der Ängstlichkeit korreliert und somit den Nährboden für vorurteilsbehaftetes Denken der gesellschaftlichen Majorität ergibt.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit stellt ein Denkmuster dar, das unterschiedlich gefüllt sein kann. Dehumanisierung bis hin zur Elimination sind die Formen einer distanzierenden Verweigerung von Identifikation.
Die Intersektorale Vorurteilsforschung stellt, als ein aktuelles Beispiel der Queer- u. Gendertheorie, dar, dass diskriminierende Zuschreibungen mehrdimensional sind und auch innerhalb von Gruppenhierarchien latent oder offen gelebt werden. Daneben werden Tokeneffekte sichtbar. Diese sozialen Konkretionen des vorurteilsbehafteten Denkens lassen kaum Revisionsmöglichkeiten zu. Bipolare Zuschreibungen bestätigen und reproduzieren die tradierten Vorurteile.
Vorurteile sind immer auch mit Ressourcenverteilung, z.B. am Arbeitsmarkt, verkoppelt und so ist auch die fakultative Medizin nicht frei von Angst und Machtgefügen. Nicht-öffentliche Finanzierung und Rationalisierung führen zur sozialen Normierung. Daneben sind benevolente Vorurteile in der Pflege von Menschen mit einer Behinderung traditionell vorhanden, sie adeln die Helfenden, darin liegt ihre primäre gesellschaftliche Funktion.
Mit Canguilhems Dissertation, Versuch über einige Probleme, das Normale und das Pathologische betreffend von 1943, wird ein Perspektivwechsel möglich, der dem Selbstverständnis von Menschen mit einer Behinderung als gleichwertige Menschen entspricht. Während die Medizin-Philosophie den ideengeschichtlich verankerten Gesundheitsbegriff aus seiner starr monistischen Bipolarität löst, hin zu einem komplementären Modell des Pathologischen, erlaubt auch die exemplarisch durchgeführte theologische Interpretation des Alten und Neuen Testaments diese Sicht: Die sozialen Hierarchisierungen zu überwinden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Teichoskopisches Vorwort

Zu Inhalt, Aufbau und Methode dieser Arbeit

EXPOSITION: - Vorurteilsmuster nach Horkheimer

- Selbstportrait durch Andere

- Das wissenschaftstheoretische Konstrukt „Behinderung“ im historischen Abriss

- Zum Begriff des „normalen“ bei Canguilhem

I. INDIVIDUALITÄT

Psychologische Betrachtung: Angst, der Nährboden für Vorurteile

I.1 Fremd ist Feind

I.2 Pathologie der Vermeidung

I.3 Lernen als gesunde Auseinandersetzung Konditionierung, Erziehung oder Erkenntnisfähigkeit des Menschen?

II. IDENTIFIKATION

Psycho-soziologische Betrachtung: nicht-reflektierte, tradierte Vorurteile in Gruppen

II.1 Vermeidung, Aggression und exklusive Dehumanisierung

II.2 Im Konfliktfall: Tokenism vs. Identifikation

II.3 Soziale Konkretion statt Revision

Quod erat demonstrandum

WISSENSCHAFTSKRITISCHER EXKURS: OBJEKTIVITÄT – Das Individuum als Objekt der Professionalisierung in der Medizin und Pflege

III. RESPONSIVITÄT

Katharsis: Philosophische Kritik

III.1 Kurze Chronologie der ideengeschichtlichen Verflechtungen der Begriffe von gesund, normal, und pathologisch innerhalb der fakultativen Medizin seit der Moderne

III.3 Canguilhems Begriff der „Heilung“

THEOLOGISCHER EPILOG

Die Téchne der Moral vs. die Logik der Ethik

- Beispiele der Thora

- Beispiel des Neuen Testaments

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Masterthesis untersucht die kognitionstheoretischen Ursachen und die Kontinuität der Verbreitung von Vorurteilen gegenüber Menschen mit Behinderungen, wobei sie insbesondere die Rolle von Angst und mangelnder personaler Intelligenz als Nährboden für gesellschaftliche Ausgrenzung analysiert.

  • Kognitionstheoretische Ursachen von Vorurteilen
  • Die gesellschaftliche Konstruktion von „Behinderung“ und „Normalität“
  • Psychologische Mechanismen wie Angst, Vermeidung und Dehumanisierung
  • Einfluss ökonomischer Faktoren und professioneller Rationalisierung auf die Diskriminierung
  • Theologische und philosophische Reflexion als Gegenentwurf zur pathologisierenden Sichtweise

Auszug aus dem Buch

Das wissenschaftstheoretische Konstrukt „Behinderung“ im historischen Abriss:

Das „individuelle/medizinische Modell“ betrachtet Behinderung als Defekt, der behoben werden muss – geht dies nicht oder nur unzureichend, bleiben Almosen. War das Individuum nicht gesellschaftskompatibel, ergaben sich als quasi-natürliche Konsequenzen: schlechte Bildung und Ausbildung, kaum Chancen auf bezahlte Arbeit, reduzierte Mobilität. Entsprechend wurde dem Individuum jedwede physische, kognitive und emotionale Fähigkeit abgesprochen und es zum asexuellen Wesen erklärt – damit ist der erste und entscheidende Schritt zur Dehumanisierung getan, denn für „Persönlichkeit“ bleibt hier nichts übrig. (Hierzu gehören bis 1992 auch Zwangssterilisationen.)

Mit den 70gern wurde unter der Parole: <> oder <> das „soziale Modell“ von Behinderung angebahnt – vornehmlich in England. Im Fokus stehen Teilhabe, Anerkennung (von Leistung) und Respekt. Es trägt der Erkenntnis Rechnung, dass Behinderung gesellschaftlichen Prozessen und Wertungen unterliegt und ferner nicht die gesamte Person dominiert, sondern als ein anzunehmender Teil angesehen wird, der als wertvoll gelten kann, der als pathologisch gewertet wird.

Zusammenfassung der Kapitel

EXPOSITION: - Vorurteilsmuster nach Horkheimer: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis, indem es Horkheimers Konzepte zum Vorurteil als destruktives, unreflektiertes Denkmuster einführt.

I. INDIVIDUALITÄT: Hier wird der Fokus auf die psychologischen Prozesse gelegt, wobei Angst als zentraler Nährboden für die Entstehung von Vorurteilen identifiziert wird.

II. IDENTIFIKATION: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Gruppenidentitäten durch Exklusion und Dehumanisierung gestärkt werden, um eigene Ängste zu kompensieren.

WISSENSCHAFTSKRITISCHER EXKURS: Es wird untersucht, wie Medizin und Pflege das Individuum objektivieren und damit zur sozialen Normierung beitragen.

III. RESPONSIVITÄT: Dieser Abschnitt plädiert für einen Perspektivwechsel weg von einer statischen Norm hin zu einem dynamischen Gesundheitsverständnis nach Canguilhem.

THEOLOGISCHER EPILOG: Abschließend wird durch eine theologische Interpretation die Notwendigkeit unterstrichen, soziale Hierarchien im Bewusstsein der menschlichen Begrenztheit zu überwinden.

Schlüsselwörter

Vorurteile, Behinderung, Angst, Inklusion, Exklusion, Canguilhem, Horkheimer, Dehumanisierung, Identität, Soziale Konstruktion, Autonomie, Diskriminierung, Intersektionalität, Ethik, Menschenwürde

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die kognitionstheoretischen und sozialpsychologischen Ursachen für Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen und hinterfragt dabei die gesellschaftliche Konstruktion von Normalität.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Felder sind die Bedeutung von Angst und Identitätsbildung, die Rolle der Behinderten-Emanzipationsbewegung, die Kritik an medizinischen Professionalisierungsmodellen sowie eine theologische Reflexion.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die tieferliegenden Gründe für ausgrenzendes Denken aufzudecken und durch einen erkenntnistheoretischen Ansatz ein tieferes Verständnis für die Diskriminierung zu schaffen.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Die Autorin verwendet einen interdisziplinären Ansatz, der Erkenntnisse aus der Psychologie, Soziologie, Philosophie und Theologie verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der individuellen psychologischen Faktoren, der soziologischen Gruppenprozesse und einen wissenschaftskritischen Exkurs zur Medizin und Pflege.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Vorurteilsforschung, Inklusion/Exklusion, das Konzept der Behinderung sowie die Bedeutung von Identität und Verantwortung.

Wie unterscheidet sich das soziale Modell von Behinderung vom medizinischen Modell?

Das medizinische Modell definiert Behinderung als individuellen Defekt, während das soziale Modell Behinderung als Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse und Barrieren begreift.

Welche Bedeutung kommt der „Téchne“ der Moral zu?

Die Arbeit nutzt diesen Begriff, um die moralische Praxis des Helfens von der rein wissenschaftlichen Logik abzugrenzen und die Wichtigkeit der individuellen Anerkennung zu betonen.

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Behinderungen für Menschen mit Inklusionsproblemen
Untertitel
Ein erkenntnistheoretischer Erklärungsversuch
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Diakoniewissenschaftliches Institut - Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Hochschule Ludwigshafen am Rhein)
Veranstaltung
Master of Arts Unternehmensführung im Wohlfahrtsbereich - Philosophie - disability studies
Note
2,2
Autor
Frauke Veigel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
101
Katalognummer
V279722
ISBN (eBook)
9783656731887
ISBN (Buch)
9783656731870
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Abelism Behinderung Disability studies Emanzipation Inklusion Intersektionalität Medizin-Philosophie Menschenfeindlichkeit Normkritik Psychologie psycho-soziale Vorurteilsforschung Tokenism
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Frauke Veigel (Autor:in), 2014, Behinderungen für Menschen mit Inklusionsproblemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279722
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  101  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum