Zur Sprache des Buches Qohelet

Auf der Suche nach dem Glück. Eine Einführung in den Prediger Salomo


Referat (Ausarbeitung), 2003
9 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Zur Sprache des Buches Qohelet
3.1 Die Eigenart des von Qohelet geschriebenen Hebräisch
3.2 Übersetzung aus dem Aramäischen?

4 Zusammenfassung der Ergebnisse

5 Literaturverzeichnis

2 Einleitung

In unserem Seminar „Auf der Suche nach dem Glück – Eine Einführung in den Prediger Salomo“ beschäftigen wir uns u.a. mit der zeitlichen Einordnung des Buches Qohelet, fragen nach dem Autor und der Art und Weise (einheitlich, redaktionell) des Geschriebenen. So werde ich nachfolgend versuchen, durch die Untersuchung der Sprache dem Datierungszeitpunkt Qohelets etwas näher kommen. Hierzu beziehe ich mich hauptsächlich auf den Text von Diethelm Michel, den ich in zwei Blöcke einteile und ihn durch weitere Quellen ergänze. Zunächst werde ich auf die Eigenart des von Qohelet geschriebenen Hebräisch und zum anderen auf den Gedankengang, Qohelet könne eine Übersetzung aus dem Aramäischen sein, eingehen.

3 Zur Sprache des Buches Qohelet

Um sich dem Entstehungszeitpunkt anzunähern, folgen nun zuerst eine Untersuchung des Hebräischen bei Qohelet und anschließend eine über die Annahme, Qohelet könne eine Übersetzung aus dem Aramäischen sein.

3.1 Die Eigenart des von Qohelet geschriebenen Hebräisch

Das Hebräisch des Buches Qohelet unterscheidet sich erheblich vom übrigen Alten Testament (AT) und ähnelt eher dem späteren Mischna-Hebräisch. (Unter Mischna ist die Auslegungstradition des Korans zu verstehen.)

Zum einen bestehen im Hebräischen große Unterschiede im Wortschatz und zum anderen in den grammatischen Formen. Der Forscher Dahood geht an diesem Punkt noch weiter und behauptet sogar: ”Linguistically, the Book of Ecclesiastes, Hebrew Qoheleth, has always been an enigma.“ [1] („Linguistisch betrachtet, ist das Buch der Kleriker, hebräisch Qohelet, schon immer ein Rätsel gewesen.“) Dahood versucht, in Qohelet den Bewohner einer phönizischen Stadt zu sehen, wobei er besonders auf einige angeblich aus der Kaufmannssprache stammende Wörter hinweist.

Zum einen gibt es zwei Lehnwörter zum Persischen: pardes (Baumgarten Qoh. 2,5 vgl. Paradies) und pitgam (Botschaft, Urteil Qoh. 8,11), woraus Dahood schlussfolgert, dass das Buch nicht vor 450 v. Chr. geschrieben worden sein kann. Weiterhin hat er herausgefunden, dass Qohelet chaldäische Bruchstücke enthält und dass einige Vokabeln und grammatische Formen Parallelen zum Aramäischen aufweisen. Hierzu haben Delitzsch (1875) und Delsman (1979) Zusammenstellungen vorgelegt. Neben den eben genannten Auffälligkeiten bestehen Verwandtschaften zum späteren Mischna-Hebräisch.

Viele Wissenschaftler resümieren aus ihrer sprachlichen Forschung bzgl. der Besonderheiten, dass das Buch frühestens aus der ezra-nehemianischen Zeit - eher aber aus der nachexilischen Zeit – stammt. Dieses Fazit zieht Delitzsch bereits schon 1875, als er erläutert, dass es keine Geschichte der hebräischen Sprache geben würde, wenn es altsalomonisch wäre.

Piotti ermittelt in den Jahren 1973 und 1977 noch Genaueres: Gegen Ende der persischen Herrschaft hat sich in der Gegend von Asdod neben dem literarischen Hebräisch und dem gesprochenem Judäisch ein umgangssprachliches Hebräisch entwickelt, welches in der Zeit der Abwesenheit der exilierten Judäer stark von phönizischen (nordwestsemitischen) Besonderheiten beeinflusst worden ist.

Qohelet sollte daher als Zeugnis für ein volkstümliches Hebräisch betrachtet werden und nicht als Übersetzung aus dem Aramäischen oder eines phönizischen Ursprungs.

Aus dem Kontext heraus, dass Qohelet seine Orthographie zwar auf hebräisch geschrieben habe, grammatische Besonderheiten jedoch auf phönizischen Einfluss schließen ließen, modifiziert Piotti Dahoods These, Qohelet hätte eine phönizische Stadt bewohnt, dadurch, dass er sagt, dass eine Vielzahl der historischen und sozialen Anlehnungen an den Klerus besser verständlich sind, wenn man vermutet, dass Qohelet ein Bewohner einer phönizischen Stadt gewesen sei. (1952)

Gordis legt 1955 eine überzeugende Kritik vor, welche einen phönizischen Einfluss überflüssig macht: Denn alle für diese Theorie in Anspruch genommenen Passagen sind durch einen biblischen, protomischnaischen (= Vorgänger der Mischna - was gesammelt wurde und später aufgeschrieben worden ist) oder aramäischen Hintergrund ableitbar. (“...The theory cannot, however, be demonstrated before the bar of truth. [2] )

Lohfink hält es für möglich, dass sich beim Übergang vom klassischen Hebräisch zum Mischna-Hebräisch aramäische und griechische Sprachmuster mit dem Hebräischen vermischt haben, da die Sprache des Buches älter als die der Mischna sei, aber bereits Züge des Mischna-Hebräischen zeige - also auch schon bei Qohelet. Philosophische Begriffe, griechische Syntax und Stereotypen, die in der Intellektuellensprache bzw. in der Kaufmannssprache wieder auftauchen, deuten darauf hin, dass es sich um eine realitätsnahe Sprache handelt (vgl. heute Anglizismen). Diesen Behauptungen kann Michel allerdings nicht zustimmen, da sie ihm nicht verständlich genug sind. Er betrachtet als Wurzeln die Mischung von Prosa (à geradeaus gerichtete (=schlichte) Rede) mit Versen verschiedenster Metra (à Verslehre) aus semitischen Ursprüngen.

In Israel gibt es eine bisher unbekannte philosophische Prosa, die Beobachtungen aneinander reiht, Gedankengänge schrittweise entwickelt, Sprachmünzen kommentiert und neu prägt.

Schoors hält als vorläufiges Ergebnis seiner ausführlichen Studien zur Orthographie, Morphologie und Syntax der Sprache des Qohelets fest, dass diese eindeutig für das letzte Stadium der Entwicklung des biblischen Hebräisch sprechen.[3] Er untersucht Indizien für ein spätes Stadium der Sprachentwicklung: Die Austauschbarkeit von Sin und Samech (im Hebräischen gibt es drei verschiedene s-Bedeutungen (sin, samech, samdi), die zwar unterschiedlich geschrieben werden, aber gleich ausgesprochen werden), den Gebrauch der matres lectionis, welcher ein Entwicklungsstadium zwischen dem in der Bibel und dem in Qumran gebräuchlichen Hebräisch repräsentiert, das feminine Demonstrativpronomen, das Fehlen des imperfectum consecutivum in speziellen Fällen, die Verschmelzung von einigen Silben, das häufige Fehlen von Suffixes in Relativsätzen und noch einige zwar weniger beweiskräftige, aber das Gesamtbild ergänzende Indizien weisen auf eine spätere Sprachentwicklung hin.

[...]


[1] vgl. DAHOOD in MICHEL, Diethelm, Zur Sprache des Buches Qohelet, aus: Qohelet, Darmstadt: Wiss. Buchges., 1988 (Erträge der Forschung, Bd. 258), S. 46

[2] vgl. GORDIS in MICHEL, Diethelm, Zur Sprache des Buches Qohelet, aus: Qohelet, Darmstadt: Wiss. Buchges., 1988 (Erträge der Forschung, Bd. 258), S. 47

[3] vgl. SCHOORS in KRÜGER Thomas, Kohelet, BK XIX, S. 63

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Zur Sprache des Buches Qohelet
Untertitel
Auf der Suche nach dem Glück. Eine Einführung in den Prediger Salomo
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Theologie und Sozialehtik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
9
Katalognummer
V279740
ISBN (eBook)
9783656728054
ISBN (Buch)
9783656728030
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprache, buches, kohelet, suche, glück, einführung, prediger, salomo
Arbeit zitieren
M.A. Jessica Schumacher (Autor), 2003, Zur Sprache des Buches Qohelet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279740

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