Der Arbeitsplatz stellt für einen Beschäftigten sowohl aus ökonomischer wie auch aus sozialer Sicht einen wichtigen Lebensbereich dar. Veränderungen in diesem Umfeld wirken sich oftmals auf die Lebensführung des Angestellten aus. Da sich der Mitarbeiter über diesen Umstand im Klaren ist, sucht er nach Möglichkeiten, sich an diesen Entscheidungen zu beteiligen. Der Unternehmer andererseits wird durch eine derartige Mitbestimmung teilweise von der freien Unternehmensleitung abgehalten, wodurch er nicht mehr ausschließlich auf die Marktbedürfnisse reagieren kann, sondern auch die Mitbestimmungsrechte seiner Angestellten berücksichtigen muss.
Aufgrund dieser Überlegungen stellt sich die Frage, ob Mitbestimmung im Unternehmen zu Effizienzverlusten führt, oder ob vielleicht doch die positiven Effekte, wie sie durch verbesserte Kommunikation, den Abbau von Informationsasymmetrien oder verringertes Konfliktpotential entstehen, gegenüber der „Verlangsamung und Verteuerung betrieblicher Prozesse“ (Hinderlich 2007) überwiegen. Die empirischen Befunde sind hier, trotz einer Vielzahl entsprechender Studien, grundsätzlich widersprüchlich. Des Weiteren beziehen sich die Studien im Einzelnen auf unterschiedliche positive Effekte und Beteiligungssysteme. Eine eindeutige Aussage zur Wirkung von Mitarbeiterbeteiligung lässt sich, innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses, bis heute nicht treffen.
Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, die Mitbestimmung in Unternehmen aus der Perspektive der Neuen Institutionenökonomik, hier insbesondere aus dem Blickwinkel der Verfügungsrechtetheorie zu betrachten, um so einen theoretischen Ansatz zur Beantwortung der Frage zu finden, ob Mitarbeiterbeteiligung eher einen unternehmerischem Machtverlust, oder eine ökonomische Effizienzsteigerung bewirkt. Dazu wird zunächst die Theorie der Verfügungsrechte, als eine Teiltheorie der Neuen Institutionenökonomik, vorgestellt und erläutert werden. Im Anschluss daran erfolgt eine kurze Darstellung über Mitbestimmung in Wirtschaftssystemen, damit in der Folge die Zusammenführung aus Mitarbeiterbeteiligung und Verfügungsrechtetheorie erfolgen kann. Dabei soll auch auf die Unterscheidung zwischen freiwilliger und rechtlich bindender Mitbestimmung geachtet werden, da die verpflichtende Beteiligung im deutschen Wirtschaftsraum einen großen Anteil mitbestimmter Unternehmensstrukturen ausmacht, worauf jedoch noch gesondert eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Theoriengebäude der Neuen Institutionenökonomik
3. Theorie der Verfügungsrechte
4. Mitbestimmung in Wirtschaftssystemen
5. Mitbestimmung in Unternehmen aus Sicht der Verfügungsrechtetheorie
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen von Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen durch die theoretische Linse der Verfügungsrechtetheorie, um zu klären, ob Mitbestimmung primär einen Machtverlust für Unternehmer bedeutet oder eine ökonomische Effizienzsteigerung bewirken kann.
- Analyse der Neuen Institutionenökonomik als theoretischer Rahmen.
- Detaillierte Untersuchung der vier Verfügungsrechte und ihrer ökonomischen Bedeutung.
- Unterscheidung zwischen gesetzlich verankerter und freiwilliger Mitbestimmung.
- Diskussion von Transaktionskosten und externen Effekten im Kontext von Unternehmensmitbestimmung.
- Bewertung des Einflusses von Humankapitalinvestitionen auf den Unternehmenserfolg.
Auszug aus dem Buch
3. Theorie der Verfügungsrechte
Die Verfügungsrechtetheorie befasst sich mit den Eigentums- und Nutzungsrechten, welche aus dem Besitz von Gütern entstehen. Diese legen fest, „in welcher Weise ihr Inhaber legitimerweise über die Ressource verfügen kann, an denen er die Rechte innehat“ (Ebers/Gotsch 2006, S.248). Das Erkenntnisinteresse bezieht sich dabei insbesondere auch darauf, wie sich unterschiedliche Verteilungen von Verfügungsrechten auf das Verhalten und die Entscheidungen wirtschaftlicher Akteure auswirken. Im Einzelnen werden vier Arten von Verfügungsrechten unterschieden (vgl. ebd. S.249; Wolf 2011, S. 338):
ius usus – Das Recht, ein Gut zu nutzen. Hierbei muss der Rechteinhaber nicht auch zwangsläufig der Besitzer des Gutes, bzw. der Ressource sein. Ein gängiges Beispiel hierfür ist jede Form eines Mietverhältnisses, wobei der Mieter vom Vermieter das Recht eingeräumt bekommt, das Gut entsprechend der vereinbarten Einschränkungen zu benutzen.
ius abusus – Beschreibt das Recht, ein Gut in Form oder Substanz ändern zu dürfen. Am bereits angeführten Beispiel, hier genauer die Miete eines Kraftfahrzeuges, zeigt sich, dass der Vermieter zwar über dieses Recht verfügt, der Mieter allerdings regelmäßig nicht dazu befugt ist, entscheidende Veränderungen vorzunehmen.
ius usus fructus – Der Inhaber dieses Rechtes kann die, aus der Nutzung des Gutes erwachsenden, Erträge für sich einbehalten. Beispielsweise stehen einem Vermieter die Mieteinnahmen zu.
ius successionis – Hiermit wird die Berechtigung beschrieben, einzelne oder alle der vorangegangenen Verfügungsrechte auf Andere zu übertragen. So kann sich der Inhaber der Fahrzeugvermietung entscheiden, sein Unternehmen ganz oder anteilig zu veräußern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Mitbestimmung am Arbeitsplatz ein und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich des Spannungsfeldes zwischen unternehmerischem Machtverlust und ökonomischer Effizienz.
2. Das Theoriengebäude der Neuen Institutionenökonomik: Dieses Kapitel bettet die Arbeit in die Neue Institutionenökonomik ein und erläutert deren Abgrenzung zur klassischen Ökonomik sowie die Bedeutung von Institutionen.
3. Theorie der Verfügungsrechte: Das Kapitel definiert die vier zentralen Verfügungsrechte und analysiert, wie deren Struktur das ökonomische Verhalten und die Allokation von Ressourcen beeinflusst.
4. Mitbestimmung in Wirtschaftssystemen: Hier wird der Begriff der Mitbestimmung strukturell auf Makro-, Meso- und Mikro-Ebene betrachtet, wobei der Fokus auf der deutschen Interessenvertretung liegt.
5. Mitbestimmung in Unternehmen aus Sicht der Verfügungsrechtetheorie: Dieses Kapitel führt die Theorie mit der Praxis zusammen, indem es die Auswirkungen gesetzlicher versus freiwilliger Mitbestimmung auf Kosten, Effizienz und Humankapital untersucht.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Mitbestimmung zwar Belastungen verursachen kann, aber gleichzeitig wichtige Funktionen zur Bindung hochqualifizierter Kräfte und zur Konfliktlösung erfüllt.
Schlüsselwörter
Mitbestimmung, Verfügungsrechte, Neue Institutionenökonomik, Mitarbeiterbeteiligung, Humankapital, Transaktionskosten, Effizienzsteigerung, Eigentumsrechte, Betriebsratsarbeit, Arbeitsmarkt, Interessenvertretung, Unternehmenserfolg, externe Effekte, Unternehmensführung, betriebliche Mitbestimmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Wirkungen von Mitbestimmungsrechten der Arbeitnehmer in Unternehmen aus der Perspektive der Theorie der Verfügungsrechte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der institutionenökonomischen Theoriebildung, den verschiedenen Arten von Verfügungsrechten, der Systematik der Mitbestimmung in Deutschland sowie dem Vergleich von gesetzlicher und freiwilliger Mitarbeiterbeteiligung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen primär zu einem Machtverlust für die Unternehmensführung führt oder ob sie eine ökonomische Effizienzsteigerung bewirken kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer theoretischen Analyse innerhalb des Rahmens der Neuen Institutionenökonomik, insbesondere unter Anwendung der Verfügungsrechtetheorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (NIÖ und Verfügungsrechte), die Einordnung in Wirtschaftssysteme und die konkrete Anwendung der Theorie auf mitbestimmte Unternehmensstrukturen.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Verfügungsrechte, Mitbestimmung, Humankapital, Transaktionskosten und Institutionenökonomik.
Wie wirkt sich die Aufteilung von Verfügungsrechten auf das Unternehmen aus?
Die Aufteilung führt zu einer sogenannten Verdünnung der Rechte, die einerseits Transaktionskosten verursacht, aber andererseits dazu beitragen kann, externe Effekte zu internalisieren und Humankapital zu sichern.
Warum wird freiwillige Mitbestimmung in der Praxis selten genutzt?
Trotz theoretischer Vorteile wird sie selten genutzt, da Informationsasymmetrien am Arbeitsmarkt die Gefahr bergen, weniger produktive Arbeitskräfte anzuziehen, was zu einem Wettbewerbsnachteil führen könnte.
Welche Rolle spielt Humankapital in der Argumentation des Autors?
Humankapital wird als entscheidender Faktor gesehen; insbesondere hochqualifizierte Arbeitnehmer haben ein Interesse an Mitbestimmung, um ihre spezifischen Investitionen gegen Ausbeutung zu sichern.
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- Master of Arts Robert Möller (Autor:in), 2012, Mitbestimmung in Unternehmen aus der Perspektive der Theorie der Verfügungsrechte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279796