In der Arbeit wird das Thema der Entstehung von intra-psychischen Konflikten bei der Bewältigung von Kriegserfahrungen behandelt. Im Fokus steht hier besonders der Soldat, der als solcher zum einen klar vordefinierten Befehlsstrukturen, zum anderen der Maßregelung seines eigenen Gewissens unterlegen.
Besonders nach einem Kampfeinsatz beziehungsweise nach einer kriegerischen Auseinandersetzung, unter anderem auch mit Waffengewalt, können Soldaten eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Diese Störung ist einerseits auf traumatische Erlebnisse zurückzuführen, andererseits haben die Soldaten eine gewissenhafte Verantwortung sich selbst als Menschen gegenüber.
Unter der Annahme, dass der abgefeuerte, gar tödliche Schuss eines Soldaten eine reaktionäre Entscheidung ist, bedeutet dies, dass die Soldaten massive innere Konflikte und Diskussionen führen, die die ethische Korrektheit des eigenen Handelns in Frage stellen.
Diese Arbeit beleuchtet das gedankliche Dilemma von Soldaten im Kontext einer schon entstandenen Posttraumatische Belastungsstörung. Da die Verarbeitung von Kampfeinsätzen im Ausland natürlich ein höchst individueller Prozess ist, wird anhand der Auswertung von drei Interviews versucht, eine hypothetische Aussage über die Auflösung des Dilemmas zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserläuterung
2.1 Die Posttraumatische Belastungsstörung
2.1.1 Definition
2.1.2 Symptome
2.1.3 Statistische Signifikanzen
2.2 Der Soldat
2.3 Das Dilemma
2.4 Zusammenführung der Begrifflichkeiten
3. Die dilemmatische Situation des Soldaten oder auch das Bewusstsein über die Aufgaben des Soldaten
3.1 Entstehung eines intrapsychischen Dilemmas – In den Fängen des Gewissens
3.2 Das Interview
3.2.1 Auswahl der Methodik
3.2.2 Auswertung
4. Auflösung des Dilemmas
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung intrapsychischer Konflikte bei Soldaten, die nach Auslandseinsätzen mit traumatischen Erfahrungen konfrontiert sind. Ziel der Forschungsarbeit ist es, das Gewissensdilemma, in das sich Soldaten in Kampfsituationen begeben können, zu analysieren und theoretisch sowie anhand von Experteninterviews Ansätze zur Auflösung dieser moralischen Konflikte aufzuzeigen.
- Psychologische Grundlagen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Soldaten
- Die rechtliche und moralische Rolle des Soldaten und das Soldatengesetz
- Philosophische und ethische Perspektiven auf moralische Dilemmata
- Empirische Einblicke durch Experteninterviews zur Wahrnehmung von Dilemmata
- Methoden zur gedanklichen Auflösung von Gewissenskonflikten nach Auslandseinsätzen
Auszug aus dem Buch
3.1 Entstehung eines intrapsychischen Dilemmas – In den Fängen des Gewissens
Auf eine vollständige Betrachtung von intrapsychischen Dilemmata und deren Entstehung wird aufgrund der thematischen Schwerpunktsetzung an dieser Stelle verzichtet. Dennoch wird sich in diesem Kapitel an die Entstehung eines intrapsychischen Dilemmas anhand eines selbstkonstruierten Beispiels angenähert.
Das fiktive, aber durchaus realistische Beispiel wurde zusammen mit einem ehemaligen Soldaten konstruiert und lautet wie folgt:
Im Umfeld eines Lagers der Bundeswehr in Afghanistan hat es einen Anschlag durch eine Autobombe gegeben. Dabei sind drei deutsche Soldaten schwer verletzt worden. Das Lager ist durch diese Vorkommnisse in erhöhter Alarmbereitschaft und errichtet auf Befehl des befehlshabenden Kommandeurs eine Kontrollzone rund um das Lager. Diese Kontrollzone wird in regelmäßigen Abständen durch Patrouillen überwacht. Zu dieser Überwachung gehören nach dem Autobombenanschlag auch Fahrzeugkontrollen. Bei einer Überprüfung eines Fahrzeugs an einem Kontrollpunkt bemerkt ein Soldat, dass sich dem Kontrollpunkt ein fremdes Auto schnell nähert. Jegliche Versuche, das sich nähernde Auto zu stoppen, sind schlagen fehl. Auch abgefeuerte Warnschüsse, wie es das Reglement der Bundeswehr in solchen Situationen verlangt, bleiben schlicht erfolglos. Die Patrouille sieht sich nun einer Gefahrensituation gegenüber, bei der eine Lösung schnellstmöglich erforderlich ist. Hierbei befiehlt der Truppführer, das Feuer auf das sich nähernde Fahrzeug zu eröffnen. Das Fahrzeug kann gestoppt werden, allerdings mit zwei toten Fahrzeuginsassen.
Bei der nachfolgenden Untersuchung und einer eingehenden Fahrzeugkontrolle wird ersichtlich, dass es sich bei den Fahrzeuginsassen um Zivilisten gehandelt hat, die beide unbewaffnet waren. Auch am Fahrzeug selbst konnten keine terroristischen Hintergründe festgestellt werden. Es blieb ungeklärt, warum das Fahrzeug nicht angehalten hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Soldaten in Auslandseinsätzen neben starren Befehlsstrukturen auch ihrem eigenen Gewissen unterliegen, was oft in psychische Belastungen mündet.
2. Begriffserläuterung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie PTBS, die rechtliche Stellung des Soldaten sowie das Konzept des Dilemmas im philosophischen Kontext.
3. Die dilemmatische Situation des Soldaten oder auch das Bewusstsein über die Aufgaben des Soldaten: Hier wird die Diskrepanz zwischen der Ausbildung des Soldaten und der harten Realität im Einsatz beleuchtet, ergänzt durch eine methodische Fallanalyse.
4. Auflösung des Dilemmas: Dieses Kapitel erörtert Ansätze, wie moralische Dilemmata durch Normen, Gesetze und die Bewusstmachung des Dienstauftrags gedanklich aufgelöst werden können.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Belastungen im Auslandseinsatz massiv sind und eine bessere Vorbereitung auf die Tragweite des Berufes essenziell für die psychische Gesundheit der Soldaten ist.
Schlüsselwörter
Soldat, Bundeswehr, Auslandseinsatz, Kriegserfahrung, Posttraumatische Belastungsstörung, Gewissensdilemma, Ethik, Befehl und Gehorsam, Psychotraumatologie, Moral, Intrapsychischer Konflikt, Soldatengesetz, Traumatisierung, Kampfeinsatz, Psychische Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den intrapsychischen Konflikten von Soldaten, die nach Auslandseinsätzen entstehen können, wenn das eigene Gewissen mit den Handlungen im Kampfeinsatz kollidiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die Definition von PTBS, die rechtlichen Grundlagen des Soldatentums, philosophische Dilemma-Definitionen sowie die psychische Belastung durch Auslandseinsätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Gewissensdilemma von Soldaten im Einsatz zu beleuchten und Ansätze zu entwickeln, wie diese moralischen Belastungen durch eine bewusste Rollenklärung verarbeitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung von Fachliteratur sowie auf der Auswertung eines Experteninterviews mit einem Berufssoldaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Dilemmata anhand eines fiktiven Beispiels und diskutiert, wie Soldaten durch die Befehlshierarchie und Gesetze ihre Handlungen rechtfertigen oder reflektieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Posttraumatische Belastungsstörung, Soldat, Gewissensdilemma, Auslandseinsatz und ethische Reflexion charakterisiert.
Wie definiert der Autor das Dilemma eines Soldaten?
Das Dilemma wird als Situation beschrieben, in der eine vorgeschriebene Handlung nicht mit den persönlichen ethischen Grundsätzen korreliert, insbesondere wenn Soldaten im Nachhinein an der Korrektheit ihres Handelns zweifeln.
Welches Ergebnis liefert das Interview mit Herrn K.?
Herr K. verneint die Existenz moralischer Dilemmata für sich selbst, da er militärisches Handeln durch den Befehl des Staates rechtfertigt; er betont jedoch, wie schwierig solche Situationen für Außenstehende nachzuvollziehen sind.
Warum wird im Fazit die "Tragweite des Berufs" betont?
Der Autor stellt fest, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen dem "Soldat werden" und dem "Soldat sein" gibt, und hinterfragt, ob Soldaten ausreichend auf die psychischen Schattenseiten ihres Dienstes vorbereitet werden.
Welche Rolle spielt die Gesetzeslage bei der Auflösung von Dilemmata?
Gesetze und Dienstverordnungen dienen als normativer Rahmen, der dem Soldaten als Orientierungshilfe dient, um in Gefahrensituationen Entscheidungen unter dem Schutz der Befehlskette zu treffen.
- Arbeit zitieren
- Karsten Spenrath (Autor:in), 2013, Intrapsychische Konflikte von Soldaten bei der Bewältigung von Kriegserfahrung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279804