Am Ende der Gutenberg-Galaxis. Digitale Literatur als Produkt des elektronischen Zeitalters


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medientheorie nach Marshall McLuhan
2.1 Definition des Medienbegriffes bei McLuhan
2.2 Die Gutenberg-Galaxis und das elektronische Zeitalter

3. Das Buch als Medium und kulturelles Gut
3.1 Vom analogen Medium zur digitalen Bibliothek
3.2 Das digitale Buch: Das Ende der Drucktechnik?

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Bibliothek als Sammlung von Büchern hat durch die Entwicklung der neuen Medien im Laufe des 20. Jahrhunderts ihre Kompetenzen erweitert und angepasst. Neben dem Anbieten von DVD´s und Audioaufzeichnungen spielen die digitalen Medien im Sinne der virtuellen Literatur eine immer größere Rolle. Dies führte mich zu der Frage, ob wir mit digitaler Literatur jenen Zeitpunkt erreicht haben, den Marshall McLuhan bereits in den 1960er Jahren als das Ende der Gutenberg-Galaxis prophezeit hat.

Im Rahmen der Hausarbeit möchte ich mich mit dem Wandel der Buchkultur vor dem Hintergrund Marshall McLuhans Medientheorie, beschäftigen, um den Verlauf der Entwicklung des Mediums Buch hin zu einer digitalen Literatur aufzuzeichnen und die Frage in den Raum stellen, ob dies das vielzitierte Ende der Gutenberg-Galaxis ist.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Medientheorie McLuhans, insbesondere mit dessen Definition der unterschiedlichen Epochen der Mediengeschichte. Dabei liegt das Augenmerk auf der Definition des Begriffes ÄGutenberg-Galaxis“ und der Definition des elektronischen Zeitalters, die die Grundlage der Fragestellung der Arbeit bilden. Das darauf folgende Kapitel soll das Medium Buch in seiner Entwicklung hin zu seinem elektronischen Pendant betrachten. Dabei soll besonders die digitale Literatur in den Fokus gestellt werden. Durch die Definition und Charakterisierung des elektronischen Mediums möchte ich mich der Beantwortung der Frage annähern, ob mit dem Aufkommen digitaler Literatur die gedruckten Bücher der Vergangenheit angehören und die Gutenberg-Galaxis an ihr Ende gelangt ist.

2. Medientheorie nach Marshall McLuhan

Marshall McLuhan beschrieb in den 1960er Jahren eine Medientheorie, die neben der geschichtlichen Entwicklung auch die anthropologischen Zusammenhänge der Medien in den Fokus nimmt. Wegen seiner unkonventionellen Art, Thesen darzulegen und zu beschreiben, die oft durch die verschiedensten Assoziationen miteinander verknüpft waren, wurde McLuhan in wissenschaftlichen Kreisen vielfach kritisiert.1 In diesem Kapitel sollen einige Grundbegriffe seiner Medientheorie beschrieben werden. Diese stellen die Grundlage für die nachfolgende Diskussion um das Ende des gedruckten Buches dar.

2.1 Definition des Medienbegriffes bei McLuhan

Das Medium als Körperausweitung

McLuhan vertritt in seinem Werk einen Medienbegriff, der sehr weit gefasst ist. Neben der Sprache und Schrift, dem Telefon und dem Rundfunk werden auch Gegenstände wie Kleidung, Geld und Waffen als Medium betrachtet. Das Medium ist für ihn eine Möglichkeit mit der Umwelt in Kontakt zu treten und ist in diesem Sinne auch eng an die Fähigkeiten und an die Wahrnehmung des Menschen gebunden.2

ÄAlle Medien sind Erweiterungen einer psychischen oder physischen Fähigkeit des Menschen.“3 ÄDas Rad ist die Erweiterung des Fußes. Das Buch ist eine Erweiterung des Auges. Kleidung eine Erweiterung der Haut […]“4

Das Medium ist die Botschaft

Nicht der Inhalt des Mediums ist die Botschaft, sondern das Medium selbst. Nicht der Inhalt dessen, was übertragen wird, ist somit entscheidend, sondern das Medium, denn dieses bestimmt und präformiert das Denken und die Wahrnehmung der Welt. Medien prägen McLuhan zufolge Wahrnehmung, Denkweise und Sozialstruktur einer Gesellschaft und wirken somit formgebend.5

Wie sich der Mensch und die Gesellschaft durch die Dominanz eines Mediums ändert, erläutert er am Beispiel der Drucktechnik, die durch ihren linearen Aufbau auch die Linearität im Denken der Menschen in den Vordergrund rückte.6

Heiße und kalte Medien

Die Unterscheidung in heiße und kalte Medien beschreibt die Detaildichte eines Mediums, also die Quantität und Qualität der Informationen, die unterschiedliche Auswirkungen auf das Wahrnehmungsvermögen hat. McLuhan zufolge sind heiße Medien besonders detailreich und sprechen nur einen einzigen Sinn an. Sie bedürfen nur wenig Vervollständigung durch den Empfänger. Kalte Medien sind hingegen detailarm. Sie sprechen mehrere Sinne gleichzeitig an und erfordern eine stärkere Beteiligung der Vorstellungskraft, als sie bei heißen Medien gefordert wird.7 McLuhan nennt als Beispiele für heiße Medien das Radio und den Film, während das Telefon und das Fernsehen ein kühles Medium darstellen.8

2.2 Die Gutenberg-Galaxis und das elektronische Zeitalter

Die Geschichte der Medienentwicklung wird von McLuhan vor dem Hintergrund seines Verständnisses von Medien betrachtet. Die Beschreibung der vier Phasen dieser Mediengeschichte orientiert sich an der Integration von Sinneswahrnehmungen, die dem jeweiligen Medium zu eigen ist. Am Beginn steht die orale Stammeskultur mit der Dominanz des gesprochenen Wortes. Diese wird abgelöst durch eine Manuskriptkultur, welche mit dem Aufkommen des phonetischen Alphabets Einzug in die westliche Welt hält. In dieser Phase kommt es zu einer zunehmenden Verschiebung der Wahrnehmung vom auditiven zum visuellen Sinneskanal. Der endgültige Schritt hin zu einer rein visuellen Wahrnehmung findet nach McLuhan jedoch erst mit der Erfindung des Buchdruckes mittels beweglicher Lettern statt.9

Die Gutenberg-Galaxis

Die Entwicklung der Druckerpresse mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg führt zu einer quantitativen Erhöhung der Schriftprodukte. Die technische Reproduzierbarkeit ermöglichte ihre schnelle und flächendeckende Verbreitung, so dass bald nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche mit der Schrift konfrontiert werden.10

ÄDie Erfindung der Typographie bestätigte und verstärkte die neue, dem angewandten Wissen eigene Betonung des Visuellen, indem sie das erste uniform wiederholbare Konsumgut, das erste Fließband und die erste Massenproduktion schuf.“11

Das gedruckte Buch wird hier als das erste Massenmedium in der Kulturgeschichte der Menschen gesehen, welches zu grundlegenden Veränderungen in der westlichen Gesellschaft führt. Die Wahrnehmung wird zunehmend visueller, der auditive Sinn in den Hintergrund gedrängt. Dies geschieht zum einen durch die hohe Detaildichte der Druckschrift, welche laut McLuhan die alleinige Aufmerksamkeit des Auges fordert.12 Mit der massen- haften Verbreitung des Buches wird zudem einer stillen Rezeption der Texte der Weg bereitet, welche das Vorlesen zunehmend obsolet werden lässt.

Mit dem Buchdruck und seinen technischen Möglichkeiten kommt es zur modernen Idee des Individualismus, welche sich unter anderem im Begriff der ‚Urheberschaft‘ zeigt. Der bis dahin anonyme Schreiber des Manuskript- Zeitalters wandelt sich zum individuellen Autor seines Werkes, Äwährend gleichzeitig die Renaissancebewegung neue Vorstellungen von literarischen Ruhm und von geistigem Eigentum“13 schafft. Mit der Typographie verbindet McLuhan Begriffe wie Linearität, Einheitlichkeit, Wiederholbarkeit und Präzision. Diese Prinzipien werden in der Gutenberg-Galaxis auch auf den Alltag des Menschen übertragen. Der Buchdruck lehrt Ädie Menschen auch, wie alle ihre übrigen Tätigkeiten entlang systematischen linearen Grundlinien organisiert werden können.“14 Wahrnehmung und Denken orientieren sich in der Moderne an einer Linearität, wie sie durch die streng formatierten Buchseiten vorgegeben werden.15

Die Typographie führte zu einer Standardisierung und Formatierung der Sprache, da durch die gedruckten Seiten die jeweilig Landesprache erstmals zu sehen ist. Damit einher geht die Visualisierung einer nationalen Einheit, die durch ein übergreifendes Bewusstsein für sprachliche Identität ermöglicht wird.16

Mit der zunehmenden Mechanisierung findet auch eine Ausweitung des Menschen in den Raum statt. Diese ‚dreitausendjährige‘ Explosion, wie sie von McLuhan beschrieben wird, kommt mit dem Beginn des elektronischen Zeitalters an ihr Ende.17

Das elektronische Zeitalter

ÄTheoretisch löste sich 1905 die Gutenberg-Galaxis mit der Entdeckung des gekrümmten Raumes auf, aber in der Praxis hatte sie schon zwei Generationen zuvor den Einbruch der Telegraphie erlebt.“18

[...]


1 Vgl. Sven Grampp: Marshall McLuhan: Eine Einführung. Stuttgart: UTB 2011, S. 141.

2 Vgl. Grampp: Marshall McLuhan. Eine Einführung, S. 74.

3 McLuhan, Marshall: Das Medium ist die Massage: Ein Inventar medialer Effekte. Stuttgart: Tropen 2012, S. 26.

4 McLuhan: Das Medium ist die Massage, S. 31-33.

5 Vgl. McLuhan: Medium is the massage, S. 41.

6 Vgl. McLuhan: Die Gutenberg-Galaxis: Die Entstehung des typographischen Menschen. Hamburg & Berkeley: Gingko Press 2011, S. 163.

7 Vgl. Grampp: Marshall McLuhan. Eine Einführung. S. 131.

8 Vgl. McLuhan: Die magischen Kanäle. Understanding Media. Düsseldorf, Wien, New York und Moskau: ECON Executive Verlags GmbH 1992. S. 35.

9 Vgl. Grampp: Marshall McLuhan. Eine Einführung, S. 103-107.

10 Vgl. Grampp: Marshall McLuhan. Eine Einführung, S. 108.

11 McLuhan: Die Gutenberg-Galaxis, S. 163.

12 Vgl. McLuhan. Die Gutenberg Galaxis, S. 181.

13 McLuhan: Die Gutenberg-Galaxis, S. 171.

14 McLuhan: Die Gutenberg-Galaxis, S. 181.

15 Vgl. Grampp: Marshall McLuhan. Eine Einführung, S 110.

16 Vgl. McLuhan: Gutenberg-Galaxis, S. 181.

17 Vgl. McLuhan: Die magischen Kanäle. S. 11.

18 McLuhan: Die Gutenberg-Galaxis, S. 329.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Am Ende der Gutenberg-Galaxis. Digitale Literatur als Produkt des elektronischen Zeitalters
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für neuere deutsche und europäische Literatur)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V279846
ISBN (eBook)
9783656736226
ISBN (Buch)
9783656736189
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Modul: Medien und Kultur
Schlagworte
ende, gutenberg-galaxis, digitale, literatur, produkt, zeitalters
Arbeit zitieren
Julia Koch (Autor), 2013, Am Ende der Gutenberg-Galaxis. Digitale Literatur als Produkt des elektronischen Zeitalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279846

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