Friedrich II. und die Sarazenen von Sizilien


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Chronologie der Sarazenenumsiedlung
Ausgangslage am Beginn der Regierung Friedrichs II.
Die Maßnahmen gegen die Sarazenen

Folgen der Umsiedlung für Sizilien

Erfolge der Umsiedlung nach Lucera

Glaubenstreue Friedrich II.

Auswirkung der Sarazenenkolonie auf das Verhältnis vom Papst zu Friedrich II.

Die weiteren Auswirkungen der Sarazenenkolonie bis zu ihrer Auslöschung

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Nach der Kaiserkrönung Friedrichs II. 1220, auf seiner Rückreise vom Imperium in das Königreich Sizilien, setzte er mit dem Hoftag von Capua und den dort erlassenen Assisen intensive Revokationen im gesamten Königreich in Bewegung. Diese wurden dort durch seine Beamten mit großem Eifer durchgeführt. Dabei sollten alle Privilegien, welche sich der Adel, die Städte und Klöster seit 1189 angeeignet hatten, aufgehoben, annektierte Gebiete dem Kaiser zurückgegeben sowie seit damals unerlaubt errichtete Burgen geschliffen oder auch dem Kaiser übereignet werden, insofern er die Privilegien nicht bestätigte.[1] In dieser Zeit erreichten ihn auch Beschwerden des Bischofs von Agrigent oder auch des Erzbischofs von Monreal, die sich über aufständische Sarazenen in ihren Herrschaftsgebieten beklagten. Nach einigen Kämpfen, welche fast die Ausmaße von Kleinkriegen annahmen, siedelte Friedrich den Großteil der sizilianischen Sarazenen in das Gebiet von Lucera in Appulien, auf dem Festland Italiens, um.[2]

Die Lösung des „Sarazenen-Problems“ durch Friedrich II. ist Thema dieser Arbeit. Dabei werde ich mich von einer Darstellung des Verlaufes ausgehend mit den Auswirkungen der Umsiedlung auf Sizilien und das Gebiet bei Lucera beschäftigen sowie mit der Sicht von Muslimen und Friedrich II. auf diese Art der Lösung und der Verwendung in der päpstlichen Propaganda gegen den Kaiser. Die Auseinandersetzung mit Briefen Gregor IX. und Friedrich II., sowie eines Berichtes Ibn Wasils über die muslimische Gemeinschaft in Lucera soll dabei die Ausgangspunkte jener Überlegungen bilden.

Die alternierende Verwendung von Friedrich II. und Friedrich dient der Lesbarkeit des Textes und bezeichnet immer Kaiser Friedrich II.

Chronologie der Sarazenenumsiedlung

Ausgangslage am Beginn der Regierung Friedrichs II.

Die Gründe für die Rebellion der Sarazenen auf Sizilien begannen sich schon Jahrzehnte vor der Herrschaft Friedrichs II. zu entwickeln. Das einvernehmliche Leben der Christen und Muslime auf Sizilien war schon immer von zerbrechlichem Charakter.[3] Mitte des 12. Jahrhunderts kamen immer mehr Siedler von Italien nach Sizilien und brachten eine Veränderung des Handels mit sich. Die großen Handelsfamilien der Genueser zum Beispiel übernahmen mehr und mehr den Handel mit Sizilien, so dass die Handelsrouten nach Nordafrika ihre Bedeutung verloren und aufgegeben wurden. Diese Entwicklung wurde erst nach der Regentschaft Friedrich II. abgeschlossen, war aber schon vor seiner Geburt initiiert worden. Damit verlor Sizilien seine Bedeutung als Handelsknotenpunkt zwischen Europa und Afrika, welche den Reichtum der Insel begründet hatte. Noch gravierender waren die Veränderungen, die die Lebenswelt der Muslime betrafen. Die immer größere Zahl der Siedler führte zu Übergriffen der christlichen Mehrheit auf die muslimische Minderheit, so dass diese sich mehr und mehr in den Westen der Insel zurück zogen und in den Bergen um Palermo lebten. Die Zahl der Muslime begann sich schon vor Friedrich II. Lösung des Sarazenenproblems zu verringern. Waren es auf der einen Seite Muslime der Oberschicht, welche durch den Druck der Christen nach Nordafrika auswanderten, so konvertierten gegen Ende des 12 Jahrhunderts nicht wenige Muslime zum christlichen Glauben. Obwohl sie nicht unbedingt gewaltsam bekehrt wurden, stand ihre Konvertierung meist unter großen Außendruck.[4]

Während der Minderjährigkeit Friedrich II. hatten die Muslime ihre Siedlungen im Westen immer weiter befestigen und ausbauen können, da die Herrscher, die über Sizilien verfügten, vor allem an ihrem Machtausbau interessiert waren. Für dieses Ziel waren die Muslime in den Bergen kein Hindernis, da diese Landschaften agrartechnisch und auch anderweitig von weniger großem Nutzen waren. Auch in Friedrich II. Bewusstsein war die Existenz der Sarazenen von eher untergeordneter Rolle, als er seine Herrschaft über Sizilien zurückgewann. Dies war in einigen Fällen, zum Beispiel beim Kampf gegen Thomas von Celano, eine langwierige Prozedur, obwohl sich Friedrich II. selten selbst an diesen Kämpfen beteiligte. Seine Iustitiare führten mit ihren Truppen die Schlachten gegen die untreuen Adligen.[5] Trotzdem beanspruchte die Regelung der Verhältnisse in Sizilien seine volle Aufmerksamkeit, von welcher er 1222 gezwungenermaßen einen Teil für die Behandlung der Sarazenen verwenden musste.

Die Maßnahmen gegen die Sarazenen

Im Jahr 1221 erreichten Beschwerdebriefe des Bischofs und Erzbischofs Friedrich II. Sie berichteten von den Problemen mit den Sarazenen. Die Übergriffe jener hatten eine Dreistigkeit erreicht, die nicht mehr hinnehmbar wurde. So hatten sie auf dem Gebiet des Bischofs von Agrigent Höfe, Gehöfte und kleine Siedlungen eingenommen, was dem Bischof finanzielle Einbußen bereitete. Außerdem „drangen Sarazenen in [die] Bischofsstadt ein, besetzten [die] Kirche und umliegende Häuser und führten ihn schließlich als Gefangenen davon“[6]. Aufgerüttelt von diesen Ereignissen versuchte Friedrich II. zu Beginn mit militärischer Gewalt, das Problem zu lösen. 1222 zog er gegen die Sarazenenfestung bei Jato, in die sich die Sarazenen zurückgezogen hatten. Nach der Einnahme der Stadt soll Friedrich II. den Anführer der Aufständigen in einer brutalen Affekthandlung niedergetreten und ihm dabei mit dem Sporn seines Stiefels die Seite aufgerissen haben. Des weiteren soll er ihn, laut der arabischen Quelle, die in einigen Werken zitiert wird, eine Woche später getötet haben in dem er ihm den Leib aufgeschlitzt haben soll und die Söhne des Anführers Ibn Abbads an Pferdeschwänzen zu Tode habe schleifen lassen. Eine andere weniger illustrierende, sizilianische Quelle berichtet, dass er Ibn Abbad und dessen Söhne aufknüpfen lies. Einige Werke der Forschungsliteratur scheinen die beiden Quellen zu vermischen, da sie auf der einen Seite vom Niedertreten des Ibn Abbad, auf der anderen Seite aber auch nüchtern von dessen Aufknüpfen berichten. Der Bericht des Erhängens erscheint wahrscheinlicher, da dies eine Handlungsweise ist mit Rebellen umzugehen und die verbliebenen rebellischen Gedanken durch Abschreckung einzudämmen. Als es im nächsten Jahr wieder zu Aufständen kam und der Kaiser gezwungen war wieder persönlich dagegen zu agieren begann, nach dem erneuten, erfolgreichen Überwinden der Aufständischen, die Umsiedlung in das Gebiet von Lucera. Mit einem Überfall auf die Insel Djerba sollten die nordafrikanischen Muslimenführer von Hilfeleistungen für ihre sizilianischen Glaubensgenossen abgehalten werden. Entweder war diese Aktion erfolgreich oder aber es lag gar nicht im Sinn der Nordafrikaner den sizilianischen Muslimen zu Hilfe zu eilen, da diese, durch ihr Teilhaben an christlichen Höfen Siziliens und auch deren Armeen, in den Augen der nordafrikanischen Muslime keine echten Muslime mehr waren.[7] Friedrich II. blieb noch bis 1225 auf Sizilien. In dieser Zeit scheint er in unzähligen Kämpfen einzelne kleine Rebellenstellungen im sizilianischen Bergland zerschlagen zu haben. Trotz seiner Absichtserklärung 1223 alle Muslime aus Sizilien zu vertreiben, verblieben auch 1225 noch einige auf der Insel. Diese waren gezwungen von den Berghöhen wieder in die Täler zurückzukehren. Damit kamen sie auch wieder in die Abhängigkeitsverhältnisse der Grundbesitzer.[8]

Die Muslime von Sizilien blieben 20 Jahre ruhig und lebten unter der strengen, christlichen Herrschaft. Weshalb sie 1245 wieder in die Berge zogen, sich dort verschanzten und gegen die Christen rebellierten ist nicht geklärt. Vermutungen legen nahe, dass die hohen Abgaben, die strenge Herrschaft der christlichen Herrscher und die dadurch schlechten Lebensumstände eine Grundlage für das Wiedererstarken rebellischer Gesinnungen waren. Durch den Konflikt mit Papst Innozenz IV. wurde Friedrich II. lange abgehalten militärisch gegen die Sarazenen vorzugehen, deshalb versuchte er sie mit Worten zur Aufgabe ihrer Festung zu überreden. Da dies keinen Erfolg hatte, befahl er Graf Richard von Caserta gegen die Sarazenen vorzugehen. Seine Erfolge im Juli oder August 1246 führten zur endgültigen Vertreibung und Übersiedlung der restlichen Sarazenen von Sizilien in die Militärkolonie nach Lucera. Einige Historiker nehmen in ihren Werken die endgültige Umsiedlung der Sarazenen als faktische Wahrheit hin, während andere, wie David Abulafia, vermuten, dass es noch bis zum Ende des 13. Jahrhunderts und länger Muslime im sizilianischen Mittelmeerraum gab.

Folgen der Umsiedlung für Sizilien

Die Umsiedlung der Sarazenen hinterließ in den entsprechenden Gebieten Siziliens eine Lücke in der Bevölkerung und der Menge der Arbeitskräfte. Allerdings hatten sie während ihrer Rebellion kaum bis gar nicht mehr für ihre Herren gearbeitet, sondern ihnen eher noch geschadet. Indem sie Überfälle auf Siedlungen und Höfe unternahmen, verängstigten sie die willigen christlichen Arbeiter und schmälerten deren Erträge. Friedrich II. unternahm Anstrengungen den Bevölkerungsverlust durch Siedler aus Italien und das Anwerben nordafrikanischer Juden auszugleichen. Hierbei war vor allem die Anwerbung der Juden ein gekonnter Schachzug. Mit diesen Menschen holte er sich Arbeiter ins Land, welche auf der einen Seite über die Kenntnis der muslimischen Techniken und Spezialitäten verfügten, auf der anderen Seite aber nicht das Rebellionspotential ihrer Vorgänger wieder mit ins Land brachten.[9]

Erfolge der Umsiedlung nach Lucera

Die Sarazenenkolonie in Lucera, in der ab 1239 alle umgesiedelten Sarazenen konzentriert wurden, sollte vor allem der Befriedung des sizilianischen Reiches dienen. Somit hatte Friedrich II. die konzentrierte Fülle arabischer Technik und Arbeiter zu Verfügung, auf die er von seiner Residenz in Foggia zugreifen konnte.

Eine genaue Beschreibung der Verhältnisse in der Kolonie gibt der Bericht Ibn Wasils, welcher als Botschafter der Mamluken 1261 nach Italien zu Manfred dem Sohn Friedrichs II. reiste. Dort sah er die Sarazenekolonie von Lucera. Sein Bericht über die Kolonie schmeichelt aus muslimischer Sicht Friedrich II. und seinen Nachkommen.

[...]


[1] Vgl. Stürner: Friedrich II. 2000, S.17-26; Horst: Der Staufer. 1976, S.88-90.

[2] Vgl. ebd., S.66-72.

[3] “Repeated outbreaks of violence in Palermo, in 1160/61, for instance, prove how fragile the peace between communities was already under the Norman kings” Abulafia: End of Muslim Sicily. 1990, S.103.

[4] Vgl. ebd., S.104-113.

[5] Vgl. Horst: Der Staufer. 1976, S.89-90.

[6] Stürner: Friedrich II. 2000, S.67 Umformulierung d. A.

[7] Vgl. Abulafia: End of Muslim Sicily. 1990, S.122.

[8] Kämpfe gegen die Sarazenen bis 1225: Vgl. Stürner: Friedrich II. 2000, 67-70; Horst: Der Staufer. 1976, S.93-94; Rill: Sizilien. 1995, S.250-252; Rösch: Kaiser und Sizilien. 1995, S.76-77; van Eickels: Friedrich II. 2008, S.73; Leder: Freund der Muslime. 2008., S.83-84.

[9] Vgl. ebd.; S.71; Abulafia: End of the Muslim Sicily. 1990, S.119-120.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Friedrich II. und die Sarazenen von Sizilien
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V279910
ISBN (eBook)
9783656736288
ISBN (Buch)
9783656736271
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
friedrich, sarazenen, sizilien
Arbeit zitieren
Albrecht Kühnert (Autor), 2009, Friedrich II. und die Sarazenen von Sizilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279910

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