Recycling in Deutschland. Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert


Hausarbeit, 2009
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Beginn der Müllabfuhr und Mülltrennung

3. Das Leitbild der „Sauberen Lösung“

4. Sekundärrohstoffverwertung in Diktaturen
4.1 Abfallwirtschaft in der NS-Zeit
4.2 Das Wertstoffsystem der DDR
4.3 Vergleich der Altstoffverwertung in DDR und NS-Zeit

6. Die Ökologiebewegung der 1970er Jahre

7. Das Leitbild des „Recyclings“
7.1 Die Wiederverwertung
7.2 Die Wiederverwendung
7.3 Die Weiterverwertung

8. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich mich mit der geschichtlichen Entwicklung der Abfallbehandlung zum Ende des 19. und im 20. Jahrhundert beschäftigen. Dabei werde ich mich mit dem Transport, der Müllsortierung, Müllvernichtung und Leitbildern, wie dem Müll-Recycling auseinandersetzen. Daran möchte ich die Entwicklung des Recyclings in Deutschland von ihren Anfängen bis zu seinem heutigen Stand darstellen. Die Arbeit wird in chronologischer Reihenfolge von den Anfängen des Mülltransportes und der Müllvernichtung, über die Unterstützung der Autarkiebestrebungen in der NS-Zeit durch Sekundärrohstoffverwertung, mit einem Vergleich zum Wertstoffsystem der DDR, bis hin zu der Ökobewegung der 70er Jahre führen. An den entsprechenden Stellen werde ich über die zum Thema gehörigen Leitbilder berichten, die mit der jeweiligen Müllvernichtung oder den Öko-Bestrebungen in Verbindung stehen. Innerhalb meiner Arbeit werde ich die Begriffe Müll und Abfall gleichbedeutend verwenden. Dieser Begriff des „Abfalls“ ist zu Beginn der Arbeit zu klären. Heutzutage wird Abfall im Abfallwirtschafsgesetzt (AWG) Österreichs folgendermaßen definiert: „§ 2 (1) Abfälle im Sinne dieses Bundesgesetzes sind bewegliche Sachen, die unter die in Anhang 1 angeführten Gruppen fallen und

1. deren sich der Besitzer entledigen will oder entledigt hat oder

2. deren Sammlung, Lagerung, Beförderung und Behandlung als Abfall erforderlich ist, um die öffentlichen Interessen (§ 1 Abs. 3) nicht zu beeinträchtigen.“[1] Diese Punkte treffen schon auf den Abfall zu Beginn des Mülltransports und seiner Verarbeitung zu, aber innerhalb der Entwicklung hat sich durch steigenden Wohlstand eine immer größere Tendenz der Entwertung durch modischen Verfall, bei noch gegebener Nutzbarkeit durchgesetzt. Heute ist Müll also all das, was den neuesten modischen und technischen Trends und Standards nicht mehr genügt. So werden auch vollkommen intakte und reparierbare Gegenstände eher weggeschmissen, da die Instandsetzung der defekten Objekte in vielen Fällen kostenintensiver als die Neuanschaffung ist.

2.Der Beginn der Müllabfuhr und Mülltrennung

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckten Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen unhygienischen Zuständen und Epidemien, die Krankheiten hatten ihren Blick auf die Armenviertel der überfüllten Ballungszentren gelenkt. So schrieb Chadwick in seinem Bericht zu diesem Thema: „In London … fand ich in zwei Häusern den ganzen Keller drei Fußhoch voll mit Fäkalien, die sich über Jahre hindurch aus den überlaufenden Senkgruben ansammelten. Zweifellos muß [sic!] die Nachbarschaft dadurch mehr oder weniger verseucht worden sein.“[2] In der Mitte des 19 Jh. wurden Hygieneanweisungen geschaffen, durch welche sich die Sterblichkeit verringerte. Im Zuge der Hygienerevolution wurden dann unter anderem durch Dr. Robert Koch, der am Ende des 19. Jahrhunderts die Bakterien entdeckte, medizinische Fortschritte vollbracht, welche die Lebenserwartung der Menschen steigerte und auch die Heilung und Ausrottung einiger Krankheiten ermöglichte. Die elementarste Veränderung der „Kulturform Hygiene“ war jedoch die allmähliche Etablierung gewisser Hygiene-Normen. Im Zuge dieser wurde mit Beginn des 20. Jahrhunderts dem sich in den Städten ansammelnden Müll zu Leibe gerückt. Für den flüssigen Abfall wurde schon um 1850 Wege des Abtransportes geschaffen.[3] Die Trennung zwischen Flüssigem und Festem machte das Moment des Feststoffabfalls umso deutlicher. Durch die Definition des Abfalls wurde er zu einem „nicht mehr zu übersehenden, letztlich gesellschaftsbedrohenden Problem“[4] welches aus den Städten heraus transportiert und am Ende dieses Transports vernichtet oder gelagert werden musste. Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden Gesetze erlassen, welche die Abfuhr des Mülls auf kommunaler Ebene regeln sollten, aber noch weit ins 20. Jahrhundert hinein musste an ihrer Umsetzung gearbeitet werden. So entledigten sich viele Städter ihre Abfälle noch in Müllgruben an ihren Häusern und auch die genormte Müllabfuhr stand nicht mit dem Erlass dieser Gesetzte sofort bereit.[5] Es dauerte bis in die 1920er Jahre bis sich eine effiziente Müllabfuhr entwickelte. Unterstützt wurde die Einrichtung, mit der Durchsetzung der motorgetrieben Wagen, welche die nötige Geschwindigkeit im Abtransport garantierten. An einer Müllabfuhr hatten unter anderem die Kriegsfahrzeugproduzenten großes Interesse, da sie nach Ende des ersten Weltkrieges eine neue Einkommensquelle benötigten. So meldeten in den Jahren 1926-1939 einige Firmen, darunter Krupp und Daimler, Patente für Müllabfuhrautos an.[6] Für die genormten Tonnen, welche die Technik des „staubfreien Mülltransports“ unbedingt benötigte, war in Folge der Etablierung der Müllabfuhr schnell ein Hersteller gefunden. Die Blechwarenfabrik Schmidt & Melmer setzte sich mit ihrem Patent des Ringsystems gegen die Patente der Konkurrenten durch und beherrschte ab 1925 den Markt.[7] Die Normierung der Gefäße und einer effizienten Abfuhr machte auch bald Wegwerf-Anweisungen für die Bevölkerung nötig, da die minutiös durchgeplante Müllabfuhr durch die unkorrekte Bestückung der Mülltonnen stark gestört wurde. Die Kommunen nutzten die Medien um ihre Bevölkerung zum richtigen Umgang mit dem Müll zu erziehen. In Zeitungen wurde den Bürgern gesagt was in die Tonne gehörte. In manchen Fällen wurden Verordnungen erlassen welche die Bürger zwingen sollten sich ihres Mülls nach der optimalen Weise zu entledigen. Die Einhaltung dieser Verordnungen sollte mit der Androhung polizeilicher Sanktionen erreicht werden.[8] Vor allem für die Hausfrauen kam es dadurch zu einer enormen Umstellung ihrer Gewohnheiten und ihres eingeübten Tagesablaufes. So klagte eine Hausfrau in einem Artikel der Deutschen Allgemeinen Zeitung über den zeitlichen und geistigen Mehraufwand, welchen sie durch die Mülltrennung und den nun nicht mehr gedankenlosen Umgang mit dem Müll zu bewältigen hätte. Diese mehr Belastung der Frauen zieht sich durch das gesamte 20 Jh. Noch 1995 wird Frauen ein „Mehraufwand“ von 20% für das Durchsetzen der Mülltrennung und Müllvermeidung attestiert.[9] Diese Mülltrennung aber stellt meiner Meinung nach die Grundlage für den Recyclinggedanken dar. Durch die Trennung in Haus und Sperrmüll war schon damals an das zurückgewinnen von Rohstoffen zu denken.

[...]


[1] Lebensministerium VI/2: AWG 2002, idF 26.09.2008 S.4

[2] Chadwick, E.: The Sanitary Conditions of the Labouring Population of Great Britain. Reprinted, Edinburgh: University Pres 1965. Zitat in: Greene, Dr. V.: Sauberkeit und Gesundheitsrevolution. Erweiterte Ausgabe. Wien: Arbeitsgemeinschaft Hygiene und Umwelt, 1990, S.37. Auslassungen durch Autor

[3] Vgl. Greene, Dr. V.: Sauberkeit und Gesundheitsrevolution. Erweiterte Ausgabe, Wien: Arbeitsgemeinschaft Hygiene und Umwelt, 1990, S.43.

[4] Windmüller, Sonja: Die Kehrseite der Dinge. Müll, Abfall, Wegwerfen als kulturwissenschaftliches Problem: Münster, Lit Verlag 2004, S.35.

[5] Vgl. Ebd., S.67 f.

[6] Vgl. Windmüller, Sonja: Die Kehrseite der Dinge. Müll, Abfall, Wegwerfen als kulturwissenschaftliches Problem: Münster, Lit Verlag 2004, S.73.

[7] Vgl. Ebd.

[8] Vgl. Ebd., S.110 ff.

[9] Vgl. Hermann, Tim; u.a.: Einführung in die Abfallwirtschaft. Technik, Recht und Politik: Thun; Frankfurt am Main, Verlag Harry Deutsch 1995, S.205.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Recycling in Deutschland. Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V279912
ISBN (eBook)
9783656737346
ISBN (Buch)
9783656737360
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Müll, Recycling
Arbeit zitieren
Albrecht Kühnert (Autor), 2009, Recycling in Deutschland. Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279912

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