Zwischen Vorwelt und Moderne. Zur Kafkarezeption im näheren Umfeld der Kritischen Theorie


Examensarbeit, 2010
73 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kafka – Rezeption und Forschung
2.1 Methodische Reflexion
2.2 Frühe Rezeption – Religion und Unbewusstes
2.3 Rezeption 1933–1945 – Die Emigranten
2.4 Rezeption nach 1945 – Auffächerung der Ansätze
2.5 Einzelne Strömungen nach

3. Adorno, Benjamin und die Kritische Theorie
3.1 »Kritische Theorie« und »Frankfurter Schule« – terminologische Bestimmung
3.2 Eine kurze Geschichte der Kritischen Theorie
3.3 Walter Benjamin und die Kritische Theorie

4. Zwei Essays
4.1 Walter Benjamin: »Kafka. Zur zehnten Wiederkehr seines Todestages«
4.1.1 Kontextualisierung
4.1.2 Es wird erzählt – Von Machthabern und Gehilfen
4.1.3 Es gibt– Naturtheater, Gesten und Erlösung
4.1.4 So erfuhr man – Von Schablonen und entstellten Dingen
4.1.5 So erzählt man– Vom Studium und entstellter Zeit
4.1.6 Zusammenfassende Einordnung in die Kafkarezeption und das Denken Benjamins
4.2 Theodor W. Adorno: »Aufzeichnungen zu Kafka«
4.2.1 Kontextualisierung und methodische Reflexion
4.2.2 Uninterpretierbarkeit und das Prinzip der Wörtlichkeit
4.2.3 Zur Frage einer psychoanalytischen Deutung
4.2.4 Exkurs: Adornos Ästhetische Theorie
4.2.5 Adornos sozio-historische Perspektive auf Kafka
4.2.6 Kafka als Expressionist

5. Schlussreflexion

Quellen- und Literaturverzeichnis

Erklärung zur Hausarbeit

1. Einleitung

»Die Beliebtheit Kafkas, das Behagen am Unbehaglichen, das ihn zum Auskunftsbüro der je nachdem ewigen oder heutigen Situation des Menschen erniedrigt und mit quickem Bescheidwissen eben den Skandal wegräumt, auf den das Werk angelegt ist, weckt Widerwillen dagegen, mitzutun und den kurrenten Meinungen eine sei´s auch abweichende anzureihen.«[1]

Indem dieser Satz in Adornos »Aufzeichnungen zu Kafka« einleitet, ist er dem selbst geäußerten Widerwillen von vornherein überhoben. Adorno reiht mit seinem Essay den »kurrenten Meinungen« seine eigene an. In dieser Ironie spiegelt sich die Situation, in der sich jeder Kafka-Interpret vor Beginn seiner Arbeit zwangsläufig befinden muss.

Bis heute ist die 1954 diagnostizierte Beliebtheit Kafkas erhalten geblieben, hat in einer Unzahl von Forschungsbeiträgen ihren Niederschlag gefunden. Ohne die grundsätzliche Legitimität, neue Perspektiven in Bezug auf das rätselhafte Werk Kafkas einzunehmen, in Frage stellen zu wollen, möchte die vorliegende Arbeit sich in einem literaturhistorischen Rückblick auf eine besondere Konstellation der Kafkarezeption beschränkt wissen.

Im Jahre 1934 erscheint Walter Benjamins Essay »Franz Kafka. Zur zehnten Wiederkehr seines Todestages« als Teilabdruck. Recht genau zwanzig Jahre später folgen Adornos »Aufzeichnungen zu Kafka«. Gemein ist beiden Essays eine elementare Bedeutung innerhalb der Kafkarezeption. Darüber hinaus gibt es inhaltliche Verstrickungen, die nicht zuletzt in der Freundschaft Benjamins und Adornos, ihrer Korrespondenz über Kafka sowie ihrer gemeinsamen Arbeit für das Frankfurter Institut für Sozialforschung begründet liegen. Adornos und teilweise auch Benjamins Essay werden deshalb in der Forschung häufig als Beiträge der »Kritischen Theorie« oder »Frankfurter Schule« bezeichnet.[2] Allerdings kann entweder gar nicht (Liebrand, Žmegač) oder nur unzureichend (Beicken) dargelegt werden, inwiefern es sich bei den genannten Essays um »Kritische Theorie« handelt. Die Zugehörigkeit ihrer Autoren zu dieser philosophisch-soziologischen Denkrichtung, die im Falle Adornos außer Frage stehen mag, für Benjamin aber nicht ohne weiteres behauptet werden kann, reicht kaum für eine Subsumierung alles von ihnen Geschrieben unter diesen Oberbegriff.

Wenn im Folgenden nun ein Einblick in Benjamins und Adornos Kafkadeutungen gegeben werden soll, ist deshalb neben der Darlegung ihrer Verhältnisse zur weiteren Kafkarezeption die Frage leitend, inwiefern die Kritische Theorie in den beiden zu genannten Essays ihren Niederschlag findet.

Der Weg, der hierfür eingeschlagen wird, führt zunächst über eine Skizzierung der Kafkarezeption im Allgemeinen von ihren Anfängen bis heute. Ferner gilt es, das dieser Arbeit zugrunde liegende Verständnis von Kritischer Theorie zu reflektieren. In diesem Zusammenhang soll insbesondere Benjamins Verhältnis zur Kritischen Theorie genauer bestimmt werden. Der Hauptteil dieser Arbeit besteht schließlich aus dem Versuch einer kritischen Rekonstruktion der genannten Essays, die dabei als Konzentrat exemplarisch für die Auseinandersetzung Benjamins und Adornos mit Kafka stehen. Im Rahmen dieser grundsätzlichen Beschränkung wird es für das bessere Verständnis sinnvoll sein, zu gegebenen Zeitpunkten auch andere Schriften Benjamins und Adornos in den Blick zu nehmen.

Abschließend sollen die einzelnen Gedanken zusammengeführt und die Relationen von Benjamins und Adornos Deutungen sowohl zur Kafkarezeption als auch zur Kritischen Theorie bewertet werden.

2. Kafka – Rezeption und Forschung

2.1 Methodische Reflexion

Für das Verständnis der hier im Fokus stehenden Texte und ihre Verortung innerhalb der Rezeptionsgeschichte ist eine Vergegenwärtigung letzterer unabdingbar. Im Angesicht der Fülle an Rezensionen, Essays und literaturwissenschaftlicher Auseinandersetzungen über und mit Kafkas Texten kann eine Darstellung im Rahmen dieser Arbeit nur einen skizzenhaften Charakter erreichen.[3] Wenn im Folgenden also einzelne Autoren und Positionen referiert werden und andere nicht, so steht hiermit keine Wertung im Zusammenhang, obgleich neben der Relevanz für das bessere Verständnis der Benjaminschen und Adornoschen Gedanken freilich auch der Wirkungskreis einzelner Ansätze als Kriterium für die Aufnahme in diese Arbeit verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass die Kapitelüberschrift »Rezeption und Forschung« darauf hinweist, dass hier auch Dokumente der Rezeptionsgeschichte wie Rezensionen und Essays ins Blickfeld gerückt werden, die nicht als Beitrag zur literaturwissenschaftlichen Forschung im engeren Sinne zu verstehen sind. Insofern möchte der folgende Überblick über die Darstellung rein literaturwissenschaftlicher Forschung hinausgehen, sich aber dennoch auf die deutschsprachige und textgebundene, nicht fiktional-literarische Rezeption beschränken. Jedwede künstlerische Verarbeitung der Texte Kafkas wird somit von der Betrachtung ausgeschlossen, da die Hereinnahme zu weit vom Thema wegführen würde. Eine solche Trennung von wissenschaftlicher und künstlerischer Auseinandersetzung ist allerdings rein theoretisch, weshalb mitgedacht werden muss, dass gerade im Hinblick auf Kafka große Überschneidungen und gegenseitige Einwirkungen der unterschiedlichsten Rezeptionsformen zu verzeichnen sind.[4]

Für einen zusammenfassenden Überblick der Rezeptionsgeschichte bieten sich verschiedene Blickwinkel an. Eine nach paradigmatischen Deutungsperspektiven geordnete Darstellung bietet den Vorteil, verschiedene Perspektiven komparativ betrachten zu können. Der Nachteil eines solchen Vorgehens liegt in der Tendenz begründet, größeren Forschungsrichtungen nicht zuordenbare Beiträge der Kafkadeutung zu vernachlässigen. Denn auch wenn bestimmte Deutungsperspektiven wie die theologische, psychoanalytische oder biographische aus der Rezeptionsgeschichte gleichsam herausragen, wäre der Versuch, jeden einzelnen Beitrag unter einem richtungsanzeigenden Oberbegriff zu subsumieren, gerade im Falle Kafkas eine unzulässige, gar unmögliche Verkürzung der Deutungsvielfalt. Die Gefahr eines rein chronologisch geordneten Überblicks liegt hingegen darin, dass bestimmte ideengeschichtliche Zusammenhänge einzelner Deutungsperspektiven marginalisiert werden könnten. Neben diesen beiden Möglichkeiten der Darstellung, der chronologischen und der nach thematisch-methodischen Kriterien geordneten, ist es außerdem möglich, geographische und damit teilweise auch kulturelle Einheiten als verschiedene Rezeptionsräume zu differenzieren. Während von dieser Möglichkeit in überblicksartigen Darstellungen selten Gebrauch gemacht wird, liegen bereits zahlreiche Monographien zur Rezeption von Kafkas Œuvre in einzelnen Ländern oder Kulturkreisen vor.[5]

Die folgende Skizze der Kafkarezeption und -forschung versucht eine chronologische und eine nach thematischen Gesichtspunkten geordnete Perspektive miteinander zu verbinden. Diese Entscheidung ist ebenso wie die inhaltliche Reduktion vor dem Hintergrund der reflektierten Probleme als der für diese Arbeit am zweckdienlichste Kompromiss zu verstehen.

2.2 Frühe Rezeption – Religion und Unbewusstes

Die Auseinandersetzung mit Kafkas Prosa beginnt bereits zu seinen Lebzeiten. Auch wenn die Rezeption erst nach seinem Tode Ausmaße angenommen hat, die Susan Sontag von einer »Massenvergewaltigung« haben sprechen lassen,[6] ist die Annahme falsch, dass Kafka während seines Lebens kaum jemandem bekannt gewesen sei.[7] Peter Beicken nennt Kafkas Freund und Verleger Max Brod den »eigentliche[n] Promoter von Kafkas Ruhm«[8] und Waldemar Fromm erweitert diese Diagnose, wenn er feststellt, dass die »erste Rezeptionsphase bis zu Kafkas Tod […] durch die Kenntnisse der Person Kafkas mitbestimmt« ist und dadurch Merkmale der Person »auch auf die Texte Kafkas angewandt« werden.[9]

Die Bedeutung Brods für die Kafkarezeption wird gemeinhin ambivalent beurteilt. Hierbei ist zunächst zwischen dem Verleger Brod und dem Interpreten Brod zu differenzieren. Was erstere Rolle betrifft, ist ihm überwiegend Dank zuteil geworden für die Herausgabe insbesondere der nachgelassenen Schriften, die, wäre es nach dem Willen ihres Verfassers gegangen, nie an die Öffentlichkeit gelangt wären. Die Editionspraxis ist hingegen Ziel harscher Kritik geworden und Brod ist unterstellt worden, »daß er bei der Edition des Kafkaschen Nachlasses äußerst selbstherrlich und nachlässig vorgegangen sei. Die Klage darüber, daß man sich bei allen Interpretationen auf einer ungesicherten Textbasis bewegte, wurde bald zum Leitmotiv«.[10]

Für das Problem einer nicht an allen Stellen zuverlässigen Textgrundlage, mit der die frühren Kafkainterpreten gearbeitet haben (der erste Band der Kritischen Kafka-Ausgabe ist 1982 erschienen), soll an dieser Stelle ein vergegenwärtigender Hinweis ausreichen, da sowohl Benjamins als auch Adornos Essay im Ergebnis hiervon in dem Sinne nicht maßgeblich betroffen sind, als ihre Blickwinkel weniger von sprachlichen Details abhängig sind als beispielsweise eine streng philologische Herangehensweise.

Wie bereits erwähnt, ist Brod aber nicht nur Kafkaverleger, sondern auch Kafkainterpret gewesen. Im Folgenden sollen einzelne Aspekte seiner Deutung schlaglichtartig herausgestellt werden, da Brods Positionen nicht zuletzt aufgrund seiner Freundschaft zu Kafka und – nach dessen Tod – seiner Funktion als Nachlassverwalter weite Verbreitung gefunden haben. Hervorzuheben ist, dass bei Brod zwei Schwerpunkte zusammenfallen. Das ist zum einen die Fokussierung auf Kafkas Person und zum anderen die religiös imprägnierte Perspektive auf dessen Werk. Noch zu Kafkas Lebzeiten veröffentlicht Brod im November 1921 ein Portrait seines Freundes in der Neuen Rundschau,[11] das Peter Beicken als »Überhöhung und unzulässige Mythologisierung Kafkas«[12] bezeichnet. Dieser Bewertung kann in Anbetracht von Brods maßstabsloser Beurteilung zugestimmt werden. So heißt es in seinem Portrait:

»Wo anfangen? – Es ist einerlei. Denn zu dem Besonderen dieser Erscheinung gehört es, daß man von jeder Seite hier zu demselben Ergebnis kommt. | Schon das zeigt, wie sehr Wahrhaftigkeit, unerschütterliche Echtheit, Reinheit sie ist. Denn Lüge bietet nach jeder Seite hin einen anderen Anblick, und das Unreine schillert. Hier aber, bei Franz Kafka, und es sei gesagt: bei ihm allein, im ganzen literarischen Umkreis der Moderne, gibt es kein Schillern, keinen Prospektwechsel, keine Verschiebung der Kulissen. Hier ist Wahrheit und nichts als sie.«[13]

Prädikate wie »wahr«, »echt« und »rein« werden hier Kafka als »Erscheinung« zugeschrieben. Wenn Brod im Anschluss hieran auf die Sprache Kafkas eingeht, könnte man annehmen, dass die genannten Prädikate sich ebenfalls auf diesen Bereich beschränken würden. Allerdings führt er die »kristallklare« Sprache lediglich als beispielhafte Begründung für die vorgenommene Prädikatisierung der (Gesamt‑)»Erscheinung« an. Weiter schreibt er über die Sprache: »Würden die Engel im Himmel Witze machen, so müßte es in der Sprache Kafkas geschehen. Diese Sprache ist Feuer, das aber keinen Ruß hinterläßt. Sie hat die Erhabenheit des unendlichen Raumes, und dennoch zuckt sie alle Zuckungen der Kreatur.«[14]

Neben dieser begrifflich äußerst unscharfen Stilisierung des »Phänomens« Kafka und der etwas blumig wirkenden Lobpreisung von Kafkas Sprachverwendung finden sich in Brods Portrait bereits Aspekte einer religiösen Deutung. Wenn die Zwirnspule Odradek in der Erzählung Die Sorge des Hausvaters auf die Frage, wo sie wohnen würde, antwortet, dass sie keinen festen Wohnsitz habe, dann erkennt Brod hierin das jüdische Volk wieder:

»Da versteht man, daß Kafka neben allgemeiner Menschheitstragik insbesondere das Leid seines unglücklichen Volkes, des heimatlosen, gespenstischen Judentums, der Masse ohne Gestalt, ohne Körper schreibt, wie kein anderer sonst. […] Will man aber Parallelen für die ungezwungene Bedeutsamkeit und Deutlichkeit seiner Träume, so muß man kabbalistische Bücher des sechzehnten Jahrhunderts aufschlagen, blutsverwandte Bücher, die er nie gelesen hat […]«.[15]

Beicken resümiert hierüber zutreffend, dass Brod »am Anfang einer eingeengten Deutung Kafkas [stehe], die große Nachfolge gefunden hat und deren Hauptvertreter zugleich Brod selbst war.«[16] Hiermit ist gemeint, dass Brod und seine Nachfolger durch eine allegorische Lesart zu eindeutigen (in diesem Fall religiösen) Bestimmungen und Interpretationen der Texte gekommen sind und dabei unauflösbare Spannungen ignoriert bzw. unreflektiert eingeebnet haben. Ein signifikantes Beispiel hierfür ist Brods Deutung in seinem Nachwort zur ersten Amerika -Ausgabe: »In allen drei Romanen geht es um die Einordnung des Einzelnen in die menschliche Gemeinschaft und, da es sich dabei um höchste Gerechtigkeit handelt, gleichzeitig um die Einordnung in ein Gottesreich«[17]

Unbestimmtheiten aus religiöser Perspektive allegorisch aufzulösen, ist mithin als ein Paradigma der frühen Kafka-Rezeption zu verstehen. Mit erneutem Hinweis auf den skizzenhaften Charakter der hier gebotenen Darstellung sei noch erwähnt, dass neben anderen Rezensionen, meist aus Kafkas Bekanntenkreis, bereits früh Versuche einer psychologischen Deutung unternommen worden sind. Für Michael Müller gilt ein von Hellmuth Kaiser 1931 in der Zeitschrift Imago veröffentlichter Artikel als »die erste psychologische Deutung von Kafkas Gesamtwerk«.[18] Ziel einer solchen autororientierten Analyse ist es, das Unbewusste des Produzenten als Entstehungsbedingung seiner Kunst zunächst zu bestimmen und anschließend zu untersuchen. Kaiser kommt bei seiner Analyse zur Diagnose einer Triebstörung. Im Detail werden bestimmte Motive im Sinne der Freudschen Psychoanalyse ausgedeutet. Ein Beispiel: Rotpeters Trinken aus der Schnapsflasche in Ein Bericht für eine Akademie (für Brod eine allegorische Zivilisationskritik) interpretiert Kaiser wie folgt:

»So bedeutet das Schnapstrinken des Affen zwar eine Wiederbelebung der Sauglust der oralen Phase, aber die Flasche ist nicht – oder nicht nur – ein Abbild der mütterlichen Warze, sondern auch und vorwiegend ein Symbol des väterlichen Penis, der verschlungen und so durch Einverleibung zum eigenen (Ersatz-)Penis gemacht werden soll. Das Endziel des Schnapstrinkens ist nicht Befriedigung einer Sauglust, sondern die Gewinnung phallischer Lust.«[19]

Die Kritik, die von Gegnern einer solchen psychoanalytischen Untersuchung von Literatur herangetragen wird, lässt sich etwas verkürzt etwa so formulieren: Es sind weder die tiefenpsychologischen Strukturen des Autors noch die des intendierten Lesers, des Erzählers oder der literarischen Figuren freilegbar; der Versuch wäre mithin spekulativ.

2.3 Rezeption 1933–1945 – Die Emigranten

Während der Zeit des dritten Reiches findet die Kafkarezeption, von verschiedenen Denkrichtungen beeinflusst, in der Emigration statt. Deshalb bietet der Zeitraum von 1933–1945 einen plausiblen Begrenzungsrahmen für einen weiteren chronologischen Abschnitt der Betrachtung.

Im Jahre 1934 erscheinen zwei von vier Teilen des Essays »Franz Kafka. Zur 10. Wiederkehr seines Todestages« von Walter Benjamin. Da diesem Essay im Hauptteil (unter Punkt 4.1) eine genauere Analyse zuteil wird, sollen im Folgenden lediglich einzelne Aspekte hervorgehoben werden, die Benjamins Arbeit zu den bisher vergegenwärtigten Interpretationsperspektiven in Beziehung setzten. Bevor Benjamin seine eigene materialistisch-geschichtsphilosophische Deutung entfaltet, bezieht er, ohne einzelne Autoren explizit zu nennen, äußerst klar Stellung gegen zwei Arten, »Kafkas Schriften grundsätzlich zu verfehlen«, die »psychoanalytische wie die theologische«.[20]

Benjamins Kritik daran, Kafka psychoanalytisch zu lesen, richtet sich aber gegen die bestehende Praxis und nicht gegen die grundsätzliche Möglichkeit einer Hereinnahme psychoanalytischer Kategorien in die Analyse von Literatur. Er selbst macht z.B. Erkenntnisse der Psychoanalyse für seinen Aufsatz über Baudelaires Fleurs du Mal (1857–1861) fruchtbar.[21]

Für die theologische Interpretation Kafkas findet er noch deutlichere Worte und spricht von »barbarischen Spekulationen«, die in der »theologischen Schablone« enthalten sind.[22] Hiermit schließt sich Benjamin u.a. Willy Haas an, der bereits die Möglichkeit in Frage gestellt hat, Kafkas Erzählungen und Romane mit einer positiven religiösen Allegorie aufzulösen.[23]

Neben Benjamin hat sich auch Hannah Arendt in der Emigration mit dem Werk Kafkas auseinandergesetzt. Auch sie stellt sich gegen die weiterhin eingenommene religiöse Deutungsperspektive. Ihr eigener Ansatz, entfaltet im 1944 publizierten Aufsatz »The Jew As Pariah«, kann neben philosophisch-soziologischen Ansätzen, wie sie sich bei Benjamin oder auch bei Kracauer finden, als eine weitere paradigmatische Betrachtungsweise der Rezeptionsphase zwischen 1933 und 1945 gelten. Arendts Augemerk liegt auf der Aktualität Kafkas in Bezug auf die zeitpolitische Lage. Im Anschluss hieran werden u.a. von Klaus Mann Ähnlichkeiten zu den Gräueln des dritten Reiches aufgezeigt und die These entwickelt, diese seien bereits in Kafkas Werk zur Darstellung gekommen. Der 1924 verstorbene Autor wird so zum Visionär des Holocausts erhoben. Wie Michael Müller feststellt, ist auch diese Lesart bereits bei Brod zu finden, der 1933 den Beginn des Romans Der Prozeß als eine Vorwegnahme der Erscheinung des »SS-Mannes« versteht und davon spricht, dass man an eine seherische Kraft Kafkas glauben könne.[24] Nicht zuletzt aufgrund der äußerst geringen Überzeugungskraft einer Deutung, die eine visionäre Aktualität zu ihrem Maßstab erhebt, werden Auslegungen dieser Art nach 1945 kaum noch verfolgt.

Adornos Essay »Aufzeichnungen zu Kafka« sprengt gleichsam die theoretisch gesetzte zeitliche Einheit der Rezeptionsphase von 1933–1945. Erst 1953 publiziert, hat Adorno diese Schrift bereits während des Krieges im New Yorker Exil begonnen. Im Eingedenken an die weiter unten ausgeführte Analyse seines Essays, seien an dieser Stelle lediglich einige Eckpunkte vorgestellt. Wie bei Benjamin lässt sich auch bei Adorno eine materialistisch-historische Perspektive erkennen. Während Benjamin aber mit seinem Konzept von »Vorwelt« einen übergreifenden Rahmen für seine Auslegung konstruiert, führt Adorno seine Gedanken gleichsam über einen Weg von Einzelaspekten aus. Peter Beicken weist in diesem Zusammenhag kritisch auf Adornos speziellen Duktus hin: »[D]er übergreifende Deutungsversuch [Benjamins] zersplittert sich bei Adorno durch die vorwiegend detaillistisch geführte Betrachtungsweise, die sich teilweise in einer eigenwilligen Sprachmanier verdunkelt. […] Daß auch die Sucht zum Aperçu die Gedankenführung verdunkelt, sei nebenher bemerkt.«[25]

Ohne schon auf einzelne Aspekte dieser »detaillistisch geführten Betrachtungsweise« einzugehen, sei noch ein zentraler Appell Adornos erwähnt, die in hohem Maße auf die nachfolgende Forschung gewirkt hat, die Forderung, bei Kafka »alles wörtlich« zu nehmen.[26]

2.4 Rezeption nach 1945 – Auffächerung der Ansätze

Aufgrund des Verbots von Kafkas Schriften im Dritten Reich kann die Rezeption im Nachkriegsdeutschland gewissermaßen als Neuanfang verstanden werden. Den Ausgangspunkt hierfür bilden dennoch die bereits vorliegenden Ansätze der ersten Rezeptionsphase sowie die Arbeiten der Emigranten. Trotz der Kritik materialistisch-marxistisch ausgerichteter Beiträge an religiösen und psychoanalytischen Interpretationen, werden auch letztere Positionen erneut eingenommen. Nach Waldemar Fromm gehen auch die nun Verbreitung findenden existentialistischen Ansätze auf die frühen Arbeiten Brods zurück, die es nahe gelegt haben, »die Schriften Kafkas als Chiffrierungen zu verstehen«.[27] Kafka aus der Sicht des Existentialismus zu lesen bedeutet aber auch, dass »andere Denksysteme von außen an die Werke herangetragen« werden; etwas radikal könnte man urteilen, »Kafkas Schriften dienten im Grunde nur dazu, die existentialistische Philosophie zu bestätigen.«[28]

Diese sukzessive Entfernung vom Werk selbst, die ihren Weg über religiöse, psychoanalytische, soziologische und philosophische Deutungen genommen hat, schlägt schließlich um und mündet in vehementen Forderungen nach einer textimmanenten Auslegung. Namentlich der Hölderlin-Editor Friedrich Beißner spricht sich 1952 in seinem Vortrag »Der Erzähler Franz Kafka« für eine Abkehr von außerästhetischen Perspektiven aus. »Der in die begriffliche Sprache der Philosophie oder der Theologie übersetzbare Inhalt oder Rohstoff«, so Beißner, »hat mit dem Gedicht selber noch gar nichts zu tun, und die Aufgabe des Deuters beginnt erst mit der Frage, wie der Stoff künstlerische Gestalt wird.«[29]

Die textimmanente Auslegung kann sich allerdings nicht als alleiniges Deutungsparadigma durchsetzen. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt in den Arbeiten zur Biographie Kafkas begründet, die in den 50er und 60er Jahren forciert werden und die das Einbeziehen der beruflichen und privaten Situationen Kafkas in die Analyse seines Schaffens geradezu provozieren. Dennoch wirkt Beißners Kritik sich zumindest teilweise auf die Rezeption der Zeit aus.

Als bedeutendste Ansätze der späten 50er und der 60er Jahre können die Arbeiten von Wilhelm Emrich, Heinz Politzer, und Walter H. Sokel gelten, da sie – zum Teil im Rückgriff auf ältere Ansätze – Deutungen des Gesamtwerkes unter jeweils einheitlichen Gesichtspunkten vorlegen.[30]

Emrich lehnt allegorische oder symbolische Lesarten ab, analysiert unter dieser methodischen Maxime die Struktur der Bilderwelt und »fragt nach der Modernität der Form«.[31] Politzer konzentriert sich auf Ambiguitäten und begründet mit ihnen die Vielfalt der Deutungen. Sokels Lektüre ist psychologisch inspiriert, versteht stil- und formgeschichtliche Aspekte als »Verbildlichung des Subjektiven«.[32] Der Text wird so als Vergegenwärtigung der Welt verstanden, wie sie sich dem Autor dargeboten hat.

Die Rezeption Kafkas nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 60er Jahre ist also zunächst geprägt von einer Auseinandersetzung mit den Vorkriegsbeiträgen und den Arbeiten der Emigranten. Später kommt es innerhalb des Bogens, der zwischen den Polen einer streng textimmanenten Lektüre einerseits und einer am biographischen Material orientierten Perspektive anderseits gespannt worden ist, zu unterschiedlichen Deutungen des Gesamtwerkes. Hiermit beginnt eine Auffächerung der Deutungsansätze, die sich bis heute fortsetzt. Teils wird auf die bereits referierten Ansätze zurückgegriffen, teils werden u.a. von der Literaturtheorie beeinflusste neue Perspektiven eröffnet. Aufgrund der Vielfalt der Gesichtspunkte unter denen Kafkas Werk von 1970 bis heute analysiert und interpretiert worden ist, ist es im Angesicht der gebotenen Kürze am zweckdienlichsten, im Folgenden ausgewählte Arbeitsbereiche ohne Anspruch auf Vollständigkeit exemplarisch zu skizzieren.

2.5 Einzelne Strömungen nach 1970

Was bereits früh bemerkt worden ist, nämlich ein ebenso reges wie vielfältiges Interesse an Kafka und die damit in Verbindung stehenden divergierenden Deutungen seines Werkes, rückt in den 70er Jahren selbst in das Zentrum der Analyse. Immer mehr Arbeiten fragen nun nach den Ursachen der Deutungspluralität und lassen Kafkas Texte selbst antworten. Ausgehend von der Türhüterlegende, deren Exegese selbst Teil des Prozeß -Romans ist, thematisiert Ulrich Gaier als erster Interpret den Prozess des Deutens selbst.[33] Durch die Auseinandersetzung mit Unbestimmtheitsstellen und Ambiguitäten wird in der Folge mehr und mehr das Verhältnis zwischen Interpretationsprovokation und -verweigerung untersucht und die Reflexion der Deutungsproblematik geradezu zur Pflicht eines jeden Kafkainterpreten erhoben. Diese Perspektive ist bis heute aktuell geblieben. So schreibt Oliver Jahraus: »Von daher ist es durchaus geboten, bevor man in die Interpretation von Kafkas Texten einsteigt, sich zunächst einmal dieses Deutungsproblem bewusst vor Augen zu führen.«[34] in diesem Zusammenhang geht er davon aus, dass die Interpretationsproblematik in der Struktur »der Textkonstitution von Kafkas Literatur« begründet liegt.[35] Diese Ansätze lassen sich im weitesten Sinne unter dem »Label« der Rezeptionsästhetik rubrizieren.

Die Eigentümlichkeit von Kafkas Prosa, sich intersubjektiv anerkennbaren Deutungen zu versperren, hat aber keineswegs zum Rückgang interpretatorischer Versuche geführt – das Gegenteil ist der Fall. Kafkas Texte werden immer wieder für Modellanalysen verschiedenen Literaturtheorien verpflichteter Interpretationsversuche herangezogen; teilweise auch, um bestimmte Grenzen aufzuzeigen.[36] Gerade der Einfluss verschiedener poststrukturalistischer Ansätze auf die Literaturtheorie seit den 70er Jahren spiegelt sich auch in der Kafka-Exegese wider. Als ein frühes Bespiel poststrukturalistischer Lektüre kann das 1975 erstmals veröffentlichte Bändchen Kafka. Pour une littérature mineure von Gilles Deleuze und Félix Guattari genannt werden. »Wie findet man Zugang zu Kafkas Werk?«, fragen sie zu Beginn ihres Textes. »Es ist ein Rhizom, ein Bau. Das Schloß hat ›vielerlei Eingänge‹, deren Benutzungs- und Distributionsgesetzte man nicht genau kennt. […] Das Prinzip der vielen Eingänge behindert ja nur das Eindringen des Feindes, des Signifikanten; es verwirrt allenfalls jene, die ein Werk zu ›deuten‹ versuchen, das in Wahrheit nur experimentell erprobt sein will.«[37] Unter diesem Blickwinkel, der mit dem Modell des Rhizoms versucht, sich vom Denken in hierarchischen Strukturen und binären Oppositionen zu lösen, untersuchen Deleuze und Guattari die Deterritorialisierung der Sprache in Kafkas Literatur als kleiner oder minderer Literatur[38] und die damit verbundenen politischen Dimensionen.

Während unterschiedliche poststrukturalistische Lektüren mehr oder weniger unter methodischen Aspekten zusammengefasst werden können, gibt es neben dem Phänomen der Uninterpretierbarkeit weitere inhaltliche Aspekte, um die herum sich Arbeitsgebiete entwickelt haben. Unterschiedliche Arbeiten liegen beispielsweise zum Thema »Schreiben« vor, wobei u.a. untersucht wird, welche Bedeutung das Schreiben für Kafka gehabt hat (hier werden Verknüpfungen zur Biographie hergestellt). Zunächst muss Malcolm Pasley genannt werden, der als Mitherausgeber der kritischen Kafka Ausgabe in diesem Kontext zeigen kann, »dass die Manuskripte zum Selbstzweck des Schreibens eingerichtet sind«[39]. Während aber Pasley in erster Linie auf editorischer Basis Informationen bereitstellt, schaffen Detlef Kremer und Christian Schärf unter dem Gesichtspunkt des »Schreibens« eine neue Interpretationsperspektive.[40]

Einen ähnlichen Verlauf nehmen auch die Arbeiten zum Thema »Kafka und das Kino«. Der 1996 erstmals veröffentlichte Band Kafka geht ins Kino von Hanns Zischler stellt in Form einer umfangreichen Materialiensammlung Kafkas Verhältnis zu diesem neuen Medium seiner Zeit dar und kann damit dessen Begeisterung für den Film, die seit den Anfängen der Kafkarezeption bekannt ist, mit einem neuen Fundament versehen. Einen systematischen Versuch, die Bedeutung dieser Vorliebe für das literarische Werk Kafkas auszuloten, unternimmt Peter-André Alt in seinem Buch Kafka und der Film. Über Kinematographisches Erzählen (2009). Wie der Untertitel bereits verrät, geht es hier neben inhaltlichen und motivischen Anleihen vor allem um strukturelle Ähnlichkeiten zwischen dem filmischen Erzählen mit Bildern und dem literarischen Erzählen Kafkas.

Hiermit seinen einige wichtige Interpretations- und Analyseperspektiven bis heute genannt. Bevor nun die Essays von Benjamin und Adorno in Beziehung zur skizzierten Rezeptionsgeschichte gesetzt werden sollen, ist es für das zweite Anliegen dieser Arbeit, die Stellung dieser Essays zur Kritischen Theorie genauer zu bestimmen, sinnvoll darzulegen, welches Verständnis von Kritischer Theorie hier zugrunde liegt.

3. Adorno, Benjamin und die Kritische Theorie

3.1 »Kritische Theorie« und »Frankfurter Schule« – terminologische Bestimmung

Wenn es in dieser Arbeit um die Rezeption Kafkas im näheren Umfeld der Kritischen Theorie gehen soll, steht es zunächst an, das hier zugrunde liegende Verständnis des Begriffs »Kritische Theorie« und der häufig synonym gebrauchten Bezeichnung »Frankfurter Schule« darzulegen.

Die Kritische Theorie ist weder inhaltlich noch personell klar eingrenzbar. Während die Namen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno am engsten mit ihr verknüpft sind (Horkheimer als Begründer und Adorno als wichtigster Vertreter), werden mit unterschiedlicher Häufigkeit auch Jürgen Habermas, Herbert Marcuse, Walter Benjamin, Erich Fromm, Leo Löwenthal und andere als Vertreter hinzugerechnet. Die Antwort auf die Frage, wer zu den Vertretern der Kritischen Theorie oder der Frankfurter Schule gezählt werden kann, hängt entscheidend davon ab, ob man die Bindung an institutionelle Größen wie das Frankfurter Institut für Sozialforschung (IfS) oder deren Organe wie beispielsweise die Zeitschrift für Sozialforschung (ZfS, 1932–1939) als Kriterium ansetzt oder wissenschaftsparadigmatisch nach gemeinsamen Fragestellungen und Methoden klassifiziert.[41] Auch die Frage nach der Terminologie steht in diesem Zusammenhang; würden doch Vertreter wie Marcuse und Löwenthal, die aus dem amerikanischen Exil nicht nach Deutschland bzw. Frankfurt zurückgekehrt sind, unter dem Label »Frankfurter Schule« in gewisser Weise marginalisiert. Überhaupt hat sich diese Bezeichnung erst nach der Rückkehr Horkheimers und Adornos nach Frankfurt etabliert und ist weiterhin von außen erfolgt, während der Titel »Kritische Theorie« eine auf Horkheimers Aufsatz »Traditionelle und kritische Theorie« (1934) zurückgehende Selbstetikettierung darstellt. Auch wenn der Begriff »Frankfurter Schule« seine Berechtigung haben mag, wird im Folgenden aus wissenschaftsparadigmatischer Perspektive die Rede von »Kritischer Theorie« sein. Mit dieser Entscheidung kommt zudem der Standpunkt zum Ausdruck, dass auch Benjamin mit seinen Arbeiten, zumindest in das nähere Umfeld der Kritischen Theorie gehört. Die Frage, was unter Kritischer Theorie zu verstehen ist, soll nun in einem kurzen historischen Abriss holzschnittartig zur Darstellung kommen. Hierbei wird die Betrachtung jüngerer Ansätze (nach Adornos Tod) aufgrund der fehlenden Relevanz für diese Arbeit nur am Rande stattfinden.[42]

[...]


[1] Theodor W. Adorno, »Aufzeichnungen zu Kafka«, in: Gesammelte Schriften, hrsg. von Rolf Tiedemann unter Mitwirkung von Gretel Adorno, Frankfurt 1970–1986, Bd. 10.1, 254–287, 254.

[2] Vgl. u.a. Peter Beicken , Franz Kafka. Eine kritische Einführung in die Forschung, Frankfurt/M. 1974, 58; Claudia Liebrand, Franz Kafka. Neue Wege der Forschung, Darmstadt 2006, 11; Victor Žmegač, »Kafka-Deutungen im Umkreis der Frankfurter Schule«, in: Weimar am Pazifik. Literarische Wege zwischen den Kontinenten, hrsg. von Dieter Borchmeyer und Till Heimeran, Tübingen 1985, 116‒125.

[3] Eine umfassendere aber ältere Einführung in die Forschung findet sich bei Peter Beicken , Franz Kafka.. Für neuere aber weniger umfassendere Darstellungen vgl. u.a. Michael Müller, »So viele Meinungen! Ausdruck der Verzweiflung? Zur Kafka-Forschung I«, in: Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur, Sonderband Franz Kafka, hrsg. von Ludwig Arnold, München 22006, 8–41; sowie ders., ebd., »Wo aber ist Kafka? Er bleibt unsichtbar … Zur Kafka-Forschung II«, 322–330; und Waldemar Fromm, »Kafka-Rezeption«, in: Kafka-Handbuch, hrsg. von Bettina von Jagow und Oliver Jahraus, Göttingen 2008, 250–272. Eine aktuelle und umfassende Darstellung der Kafka-Rezeption ist ein Desideratum der Forschung.

[4] Vgl. Fromm, »Kafka-Rezeption«, 250. Weiterhin stellt auch schon die Form des Essays gewissermaßen eine Mischform von wissenschaftlicher und künstlerischer Auseinandersetzung dar.

[5] In Peter Beickens Forschungsüberblick finden sich drei kürzere Kapitel zur Rezeption in Frankreich, England und Amerika: Beicken, Franz Kafka, 1974, 33–51; eine umfassendere aber ebenfalls nicht mehr aktuelle Übersicht findet sich in Hartmut Binder [Hrsg.], Kafka-Handbuch, Bd. 2, Stuttgart 1979, 624–786. Für monographische Darstellungen vgl. u.a. Weidong Ren, Kafka in China. Rezeptionsgeschichte eines Klassikers der Moderne, Frankfurt/M. 2002; Franz Kafka in der Kommunistischen Welt. Kafka Symposion 1991, hrsg. von Norbert Winkler und Wolfgang Kraus, Wien 1993.

[6] Susan Sontag, Kunst und Antikunst. 24 literarische Analysen, dt. übers. von Mark W. Rien, München/Wien 1980, 9‒18, 13.

[7] Vgl. Beicken, Franz Kafka, 21f.; Für eine Zusammenstellung der Rezeption vor Kafkas Tod siehe Franz Kafka. Kritik und Rezeption zu seinen Lebzeiten 1912–1924, hrsg. von Jürgen Born, Frankfurt/M. 1979.

[8] Ebd., 22.

[9] Fromm, »Kafka-Rezeption«, 254.

[10] Müller, »Zur Kafka-Forschung«, 11.

[11] Max Brod, »Der Dichter Franz Kafka«, heute abgedruckt in: Franz Kafka. Kritik und Rezeption zu seinen Lebzeiten 1912–1924, hrsg. von Jürgen Born, Frankfurt/M. 1979.

[12] Beicken, Franz Kafka, 23.

[13] Brod, »Der Dichter Franz Kafka«, 153.

[14] Ebd., 154.

[15] Ebd., 158.

[16] Beicken, Franz Kafka, 24.

[17] Brod, »Nachwort zur ersten Ausgabe«, in: Kafka, Amerika, hrsg. von Max Brod, Frankfurt/M. 1953.

[18] Vgl. Müller, »Zur Kafka-Forschung«, 27. Der Aufsatz von Hellmuth Kaiser, »Franz Kafkas Inferno. Eine psychologische Deutung seiner Strafphantasie«, ist wiederabgedruckt in: Heinz Politzer, Franz Kafka, Darmstadt 1973, 69–142.

[19] Kaiser, »Franz Kafkas Inferno«, 118.

[20] Walter Benjamin, »Franz Kafka. Zur zehnten Wiederkehr seines Todestages«, in: Ders., Gesammelte Schriften, hrsg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser [im Folgenden GS], Bd. II.2, Frankfurt/M. 1974, 409–438.

[21] Benjamin synthetisiert in seinem zweiten Baudelaireaufsatz, der im Umkreis seiner Passagenarbeit entstanden ist, Prousts Idee der »mémoire involontaire« mit dem Begriff des »Chockerlebnisses« aus Sigmund Freuds Aufsatz »Jenseits des Lustprinzips«. So kommt Benjamin zu einer Darstellung der Veränderung der Wahrnehmung im 19. Jahrhundert, die – so Benjamins These – der Entstehung der Fleurs du Mal zugrunde liegt. (Benjamin, »Über einige Motive bei Baudelaire«, GS I.2, 605–653.)

[22] Benjamin, »Franz Kafka«, 425.

[23] Vgl., Beicken, Franz Kafka, 31.

[24] Vgl., Müller, »Zur Kafka-Forschung«, 30.

[25] Beicken, Franz Kafka, 58 u. 60.

[26] Adorno, »Aufzeichnungen zu Kafka«, 257.

[27] Vgl. Fromm, »Kafka-Rezeption«, 258.

[28] Müller, »Zur Kafka-Forschung«, 35.

[29] Friedrich Beißner, »Der Erzähler Franz Kafka«, in: Ders., Der Erzähler Franz Kafka und andere Vorträge, mit einer Einführung von Werner Keller, Frankfurt/M., 1983, 19–54, 21f.

[30] Vgl. Müller, »Zur Kafka-Forschung«, 36. Die genannten Arbeiten sind: Wilhelm Emrich, Franz Kafka, Wiesbaden 91981 (1958); Heinz Politzer, »Parabel und Paradox«, in: Ders., Franz Kafka, der Künstler, Frankfurt a. M. 1978, 138–190 (Zuerst: Parabel and Paradox, New York 1962); Walter H. Sokel, Franz Kafka. Tragik und Ironie. Zur Struktur seiner Kunst, München/Wien 1964.

[31] Fromm, »Kafka-Rezeption«, 258.

[32] Ebd., 258.

[33] Vgl. Els Andringa, Wandel der Interpretation. Kafkas ›Vor dem Gesetz‹ im Spiegel der Literaturwissenschaft, Opladen 1994, 116.

[34] Oliver Jahraus, Kafka. Leben, Schreiben, Machtapparate, Stuttgart 2006, 164.

[35] Ebd., 163.

[36] Wie beispielsweise von Bernd Witte in seinem Aufsatz »Das Gericht, das Gesetz, die Schrift. Über die Grenzen der Hermeneutik am Beispiel von Kafkas Türhüter-Legende«, in: Neue Literaturtheorien in der Praxis. Textanalysen von Kafkas ›Vor dem Gesetz‹, hrsg. von Klaus Michael Bogdal, Göttingen 2005, 94–114.

[37] Gilles Deleuze und Félix Guattari, Kafka. Für eine kleine Literatur, aus dem Französischen übersetzt von Burkhart Kroeber, Frankfurt/M. 1976, 7.

[38] »Eine kleine oder mindere Literatur ist nicht die Literatur einer kleinen Sprache, sondern die einer Minderheit, die sich einer großen Sprache bedient.« Ebd., 24.

[39] Fromm, »Kafka-Rezeption«, 263.

[40] Vgl. Jahraus, Kafka. Leben, Schreiben, Machtapparate, 35.

[41] Vgl. Herfried Münkler, »Die kritische Theorie der Frankfurter Schule«, in: Politische Philosophie des 20. Jahrhunderts, hrsg. von Karl Graf Ballestrem und Henning Ottmann, München/Wien 1990, 179–210.

[42] Mir der Aufnahme neuerer Ansätze in die Darstellung soll der Standpunkt vertreten werden, dass die Kritische Theorie, wenn auch unter anderen Perspektiven, bis heute relevant ist.

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Zwischen Vorwelt und Moderne. Zur Kafkarezeption im näheren Umfeld der Kritischen Theorie
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
73
Katalognummer
V279933
ISBN (eBook)
9783656731009
ISBN (Buch)
9783656730989
Dateigröße
866 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kafka, Adorno, Walter Benjamin
Arbeit zitieren
Timm Steenbock (Autor), 2010, Zwischen Vorwelt und Moderne. Zur Kafkarezeption im näheren Umfeld der Kritischen Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279933

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