Die Inszenierung der Mädchenfiguren in Astrid Lindgrens Kinderbuchverfilmungen

Ronja Räubertochter und Madita im Vergleich


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. RONJA RÄUBERTOCHTER
2.1 Figurenanalyse von Ronja im Hinblick auf ihr soziales Geschlecht
2.2 Weitere Genderrollen in RONJA RÄUBERTOCHTER

3. MADITA
3.1 Figurenanalyse von Madita im Hinblick auf ihr soziales Geschlecht
3.2 Weitere Genderrollen in MADITA

4. Vergleich und zusammenfassende Bewertung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1.Einleitung

Die Filme, die auf Astrid Lindgrens Büchern basieren, gehören bis heute zu den bekanntesten und beliebtesten Kinderfilmen weltweit. Sie entstanden vor allem zwischen 1947 und 197 zum Großteil unter der Regie von Olle Hellbom und wurden im Laufe der Zeit einem weltweiten Publikum zugänglich gemacht. Im Zentrum dieser Filme stehen zumeist Kinder, die fantastische Abenteuer erleben, sich nicht unbedingt an gesellschaftliche Normen halten und vor der Kulisse der prächtigen schwedischen Natur agieren.

Besonders die weiblichen Protagonistinnen dieser Filme sind allgemein bekannt und beliebt geworden. So gehört Pippi Langstrumpf (in der Darstellung von Inger Nilsson) bis heute zu einer der prominentesten (Kinder-)Filmfigur und ihre Bücher wurden in mehr als 50 Sprachen übersetzt.1 Was macht den besonderen Reiz dieser Figuren aus und inwiefern kann man vor allem bei den weiblichen Figuren von Emanzipation sprechen? In dieser Hausarbeit sollen zwei exemplarische Protagonistinnen der Lindgren-Filme analysiert werden, und es soll untersucht werden inwieweit diese die konservativen Genderrollen durchbrechen und welche typisch „weiblichen“ und typisch „männlichen“ Attribute sie besitzen, vertreten und vielleicht auch umkehren. Die Begriffe „weiblich“ und „männlich“ werden in dieser Hausarbeit in einem klassisch-konservativen Sinne verwendet und sollen vollkommen wertfrei bleiben. Es soll hierbei besonders auf die Figur Ronja Räubertochter (Hanna Zetterberg) aus dem gleichnamigen Film von Tage Danielsson aus dem Jahre 1984 eingegangen werden, auch im Hinblick auf die Rollenbilder in ihrem familiärem und gesellschaftlichen Umfeld. Weiterhin wird auch Titelfigur aus MADITA (R:Göran Graffman, S 1979), dargestellt von Jonna Liljendahl, untersucht, die sich in einer völlig anderen Welt als Ronja bewegt und somit auch andere Werte und Charaktereigenschaften vertritt. Trotzdem besitzen diese so unterschiedlichen Figuren einige Gemeinsamkeiten, besonders was ihr moralisches Wertgefühl und ihre Weltanschauung und somit auch eventuelle Vorbildfunktionen für junge Mädchen (aber auch Jungen) betrifft. Außerdem erfährt vor allem Ronja im Laufe der Handlung eine charakterliche Veränderung, welche es zu untersuchen gilt.

2. RONJA RÄUBERTOCHTER

2.1 Figurenanalyse Ronja

Schon zu Beginn wird Ronja als selbstbewusstes und mutiges Mädchen in die Geschichte eingeführt. Sie wird im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Donnerschlag geboren und wie Sabine Maldacker feststellt in zwei unterschiedliche Welten „Damit wird Ronja auf zweierlei Weise ins Leben eingeführt: zum einen in die Welt der Fabel- und Naturwesen und zum anderen in die heile Welt ihrer Eltern, die sie schon erwarten.“2 Elf Jahre später beschließen ihre Eltern, dass es an der Zeit sei, Ronja endlich allein in den Wald zu schicken und sie dort ihre Abenteuer erleben zu lassen. Ronja kommentiert diesen, für ein junges Mädchen doch recht gefährlichen Vorschlag, nur mit einem lauten Ausruf:„Her mit den Gefahren!“ (RONJA RÄUBERTOCHTER, S 1984) Sie ist „ohne Scheu, stark, unabhängig, eigenwillig und nicht zuletzt durchsetzungsfähig.“3

Äußerlich passt sich Ronja sehr dem wilden Räuberumfeld, in dem sie aufwächst, an. Ihre Kleidung ist kaum mädchenhaft oder weiblich, sie trägt eine einfache braune Stoffhose und eine Leinentunika, sowie einen praktischen Lederriemen, der sich im Laufe des Filmes noch als nützlich erweisen soll. Ihre Haare sind ungezähmt und buschig und es kommt vor, dass sie den ein oder anderen Schmutzflecken im Gesicht trägt. Um Schmutz oder ein sauberes, gepflegtes Auftreten scheint sie sich jedoch nicht zu kümmern. Sie ist außerdem die einzige weibliche Figur im Film, die Hosen trägt. Ihre Mutter Lovis (Lena Nyman) sowie Birks Mutter Undis (Med Reventberg) tragen beide sehr einfache Kleider, die sie jedoch vom Rest der Räuberbande abheben. Besonders deutlich wird der Unterschied in Betrachtung der adeligen Dame, die von den Mattisräubern überfallen wird. Diese wird in ihrer Weiblichkeit nicht nur durch ihre Kleidung definiert, sondern auch durch ihren sanften Gesang und schließlich ihre Panik und Machtlosigkeit im Angesicht der Räuberbande.

Interessanterweise wird niemals Ronjas „Mädchensein“ in Frage gestellt. Trotz ihres Geschlechts wird sie sowohl von ihrem Vater als auch der restlichen Räuberbande als zukünftiger Räuberhauptmann angesehen und akzeptiert. Laut Maldacker ein „Plädoyer für die Stärke der Weiblichkeit“4. Trotz der Tatsache, dass nur die Ehefrauen der Hauptmänner die einzigen weiblichen Mitglieder der Räuberbanden sind, scheinen also die klassischen Rollenbilder nur eine zweitrangige Rolle zu spielen.

Ronja scheint sehr neugierig zu sein und kann es kaum abwarten, endlich allein den Mattiswald zu erkunden. Sie lässt sich auch von den vielen Warnungen ihres fürsorglichen Vaters nicht beunruhigen. Dabei kehrt sie sogar die Anweisungen von Mattis (Börje Ahlstedt) ins Gegenteil um, als dieser sie beispielsweise dazu ermahnt, in der Wolfssklamm nicht zu schreien, da sie sonst von herunterfallenden Steinen getroffen werden könnte. Prompt muss Ronja dies austesten. Sie sucht praktisch nach den Gefahren, vor denen ihr Vater sie gewarnt hat und begründet dies mit seiner Warnung, sie solle sich „in Acht nehmen“, was ihr ihrer Meinung nach nur gelingen kann, wenn sie direkt mit der jeweiligen gefährlichen Situation konfrontiert wird. Es scheint also, als wolle sie sich aus der väterlichen Fürsorge befreien und ihre Grenzen austesten.5

Ronja wird als ein unbeschwertes, manchmal lautes und außerordentlich naturverbundenes Kind dargestellt, sie „[…] drückt in ihrem Frühlingsschrei all die im Winter aufgestaute Lebensfreude aus“6. Als Kind des Räuberhauptmannes und dessen Nachfolger wurde ihr gegenüber von klein auf nur Respekt von den Räubern, aber auch von ihren Eltern entgegengebracht. Man könnte dadurch fast vermuten, dass sie in gewisser Weise verwöhnt ist und gewohnt ist, ihren Willen zu bekommen. Dies wird besonders deutlich in der Szene, in der sie Birk (Dan Håfström) dafür kritisiert, dass dieser erneut einen Lachs von seinem Beutezug mitbringt, den sie ihrer Meinung nach „schon so oft“ gegessen hatten oder auch als sie Birk zum zweiten Mal überhaupt begegnet und dort den Mattiswald als „ihren Wald“ bezeichnet. Sie „[…] pocht noch auf ihr Hoheitsrecht und empfindet den Jungen als Störenfried in ‚ihrem‘ Wald“7.

[...]


1 http://astrid-lindgren.de/pippi/kuriosa/utland.htm( Internetquelle, Zugriff: 12.03.2014) 1

2 Maldacker 2002, S. 42

3 S.Koebner 2010, S. 233

4 Maldacker 2002, S.44

5 vgl. Maldacker 2002, S.51

6 S. Koebner 2010, S. 233

7 S. Koebner 2010, S. 231

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Inszenierung der Mädchenfiguren in Astrid Lindgrens Kinderbuchverfilmungen
Untertitel
Ronja Räubertochter und Madita im Vergleich
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V279971
ISBN (eBook)
9783656738336
ISBN (Buch)
9783656738305
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Astrid Lindgren, Ronja Räubertochter, Madita, Schwedenfilm, schwedischer Film, Mädchenfiguren, Frauenfiguren, Gender
Arbeit zitieren
Farah Caroline Woditschka (Autor:in), 2014, Die Inszenierung der Mädchenfiguren in Astrid Lindgrens Kinderbuchverfilmungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279971

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