Auswirkungen von depressiven Erkrankungen und Hilfsoptionen der Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2014
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2. Depression: Definition und depressives Erleben
2.1 Definition Depression
2.2 Depressives Erleben

3.Auswirkungen auf das Leben der Angehörigen
3.1 Auswirkungen auf das Familienleben bzw. die Partnerschaft
3.2 Auswirkungen auf das Arbeitsleben bzw. finanzielle Sorgen
3.3 Auswirkungen auf das soziale Umfeld

4. Professionelle Selbstsorge
4.1 Die eigenen Grenzen erkennen
4.2 Personale Ressourcen
4.3 Soziale Ressourcen

5. Unterstützung und Angebote für Angehörige
5.1 Psychoedukation
5.2 Selbsthilfegruppen
5.3 Therapeutische Hilfe

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Reflexionsprotokoll vom

1.Einleitung

In unserer heutigen Gesellschaft spricht man von einer Depression, ähnlich wie von einer Grippeerkrankung.

Circa fünf % der Bevölkerung (etwa 3,1 Millionen Menschen) in Deutschland zwischen 18-65 Jahren leiden an einer Depression.

Worüber man nicht sonderlich viele Informationen bekommt, ist die Lage der Angehörigen, eines an Depression erkrankten Menschen. In der Literatur heißt es, dass die Auswirkungen der Krankheit auf das Familienleben bzw. die Partnerschaft der Betroffenen gravierender sein sollen, als Familien in denen ein Angehöriger bspw. alkoholabhängig oder schizophren ist (Bischkopf et al., 2002; Bouras et al. 1986, zit. n. Bischkopf, 2005, Vorwort)

Wie genau wirkt sich eine Depression auf das Familienleben, das Arbeitsleben oder auf das soziale Umfeld aus? Wo können sich Angehörige selbst Hilfe holen und woher bekommen sie Informationen über die Krankheit und den Umgang damit? Wie können Angehörige dem Betroffenen helfen, ohne selbst daran zu Grunde zu gehen? Dies sind Fragen die in dieser Ausarbeitung beantwortet werden sollen.

Im ersten Kapitel geht es um die Definition der Depression als Krankheit. Anschließend werfe ich einen Blick darauf, wie depressiv erkrankte Menschen ihre Krankheit erleben. Im zweiten Kapitel betrachte ich die Auswirkungen, die sich aufgrund der Krankheit auf das Familienleben bzw. eine Partnerschaft, das Arbeitsleben und das soziale Umfeld ergeben können. Im dritten Kapitel geht es dann um die Frage, wie es Angehörige schaffen können sich abzugrenzen und auf sich selbst zu achten. Wie kann man versuchen den Betroffenen zu helfen, ohne selber daran zu Grunde zu gehen? Auf welche Ressourcen können die Angehörigen dabei zurückgreifen? Im nächsten Schritt soll es um die professionellen Unterstützungsmöglichkeiten für Angehörige gehen. Um das Thema handhabbar zu halten, wird aus dem Gesamtspektrum von Unterstützungsmöglichkeiten der Blick ausschließlich auf die Psychoedukation, Selbsthilfegruppen und therapeutische Unterstützung geworfen. Im Schlusskapitel fasse ich die wesentlichen Argumente noch einmal zusammen und nehme zu den eingangs aufgeworfenen Fragen Stellung.

2. Depression: Definition und depressives Erleben

2.1 Definition Depression

„Depression kommt von deprimere = herunter- oder niederdrücken“(Schäfer, 2001, S. 11). Es wird ein Zustand der Niedergeschlagenheit beschrieben. Betroffene können sich zu nichts ermutigen und empfinden eine tiefe Leere in sich (vgl. Bock, 2012, S. 48).

Die Depression entwickelt sich meistens schleichend. D. h. es fängt mit leichten Beschwerden an und mit der Zeit vermehren sich die Symptome. Symptome können unter anderem Schlafstörungen, Konzentrationsmangel, allgemeine Niedergeschlagenheit, Verlust der Libido, Verspannungen des Nackens, Interessenlosigkeit, Panikattacken, Ängste und Sorgen sein. Erst wenn die Symptome länger als zwei Wochen, täglich auftreten spricht man von einer Depression. In fast der Hälfte der Fälle, übersieht der Hausarzt die Depression und es werden Untersuchungen durchgeführt, welche zu keinem Ergebnis kommen (vgl. Bischkopf, 2009, S. 11-12).

In dem Buch von Müller-Rörich et al.(2007) heißt es, dass die Depression sehr schwer zu definieren ist. Dieses wird so begründet, dass die Depression sehr vielfältig auftritt. Weiterhin gibt es für die Diagnose Depression keinen Blutwert, den ein Arzt überprüfen kann, um die Krankheit zu diagnostizieren (vgl. Müller-Rörich et al., 2007, S. 2).

Die Depression tritt in den meisten Fällen nicht nur einmalig auf, sondern kann im Laufe des Lebens immer wieder auftreten. Sie beeinträchtigt das Leben des Betroffenen in hohem Maße, Sowohl im Beziehungs- als auch im Leistungsleben. Die Depression gilt als eine lebensgefährliche Krankheit, weil die Suizidsterblichkeit bei Patienten mit Depression hoch ist (vgl. Wolfersdorf, 2010, S. 16).

Laut Bischkopf (2005) wird sich heutzutage bei der Diagnostizierung einer Depression, auf sichtbare Merkmale beschränkt und nicht darauf, was gegebenenfalls zu der Erkrankung geführt haben kann (lebensgeschichtlich). Es wird geschaut, wie sich der Verlauf der Krankheit gestaltet: Tritt die Krankheit in Episoden auf oder ist sie anhaltend? Ferner wird zwischen verschiedenen Graden der Krankheit unterschieden. Leichter, mittlerer und schwererer Grad. Schließlich wird darauf geachtet, ob der Patient psychotische - oder somatische Symptome aufweist Treten die Symptome in Episoden auf und es liegt ein Abstand von mindestens sechs Monaten dazwischen, so spricht man von einem rezidivierenden Verlauf. Ist der Abstand zwischen den Verläufen kürzer, handelt es sich um eine anhaltende Störung. Des Weiteren heißt es in dem Buch von Bischkopf (2005), dass bei Depressionen in den meisten Fälle Begleiterkrankungen auftreten. Bei sehr vielen Patienten tritt die Depression im Zusammenhang mit einer Angststörung auf. Aber auch durch körperliche Erkrankungen, wie z. B. Krebs, Migräne oder einem Herzinfarkt, kommt es oft zu einer Depression (vgl. Bischkopf, 2005, S. 9-12).

Aus den oben genannten Punkten entnehme ich, dass man sich bei der Diagnose, ausschließlich auf sichtbare Merkmale bezieht. Diese Vorgehensweise ist aus meiner Sicht unzureichend, da die Lebensgeschichte des Betroffenen sicherlich ein wichtiger Punkt für die Diagnostizierung bzw. die Behandlung darstellt.

2.2 Depressives Erleben

Bis jetzt haben wir uns mit der Definition der Depression beschäftigt. An dieser Stelle soll das Krankheitserleben von Betroffenen erläutert werden. Für Angehörige ist es meines Erachtens von hoher Bedeutung, dass sie verstehen können, wie Betroffene sich in ihrer Krankheit fühlen und was es für sie bedeutet ein Leben mit einer Depression zu führen. Dieses Verständnis kann Angehörigen im Umgang mit Betroffenen Personen helfen, indem sie manche Handlungen nachvollziehen und dementsprechend handeln können.

Laut Wolfersdorf , (2010, S. 24) formulierte ein depressionserfahrener Student seine Depression folgendermaßen: „ Antriebsschwäche wird zur Lustlosigkeit, dann neigt man zum Rückzug und man nimmt an nichts mehr teil. >Depressiv sein< heißt für mich Antriebsschwäche und Niedergeschlagenheit.“

Es wird beschrieben, dass das Selbstwertgefühl des Betroffenen auf dem Null-Punkt angelangt und dass der Erkrankte sich zu nichts im Stande sieht. Auch für Zuwendungen von außen ist er nicht mehr zugänglich. Da Betroffene ein so geringes Selbstbewusstsein haben, gehen sie davon aus, dass Urteile aus dem sozialen Umfeld, automatisch negativ ihnen gegenüber sind. Es kann sogar zu wahnhaften Vorstellungen in Bezug auf die Außenwelt kommen. Des Weiteren haben depressiv erkrankte Menschen kein Zeitgefühl mehr. Sie leben in der grauenhaften Gegenwart, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint (vgl. Bock, 2012, S. 48-49).

„Die depressive Herabgestimmtheit ist ein seltsames Phänomen, das sich als Entleerung des Menschen von Emotionalität bzw. Affektivität beschreiben lässt und für den Außenstehenden nicht nachvollziehbar erscheint“ (Wolfersdorf, 2010, S. 44).

Depressiv erkrankte Menschen erleben eine gedrückte Stimmung oder Niedergeschlagenheit, eine unerklärliche Traurigkeit. Oftmals fangen sie an zu weinen und können selber nicht erklären, warum sie weinen oder warum sie eigentlich traurig sind. Der Betroffene leidet ständig unter unerklärbaren Ängsten und fürchtet, dass jeden Moment etwas Schlimmes passieren könnte. Auch plagen ihn Schuldgefühle. Der Erkrankte fühlt sich schuldig, weil er anderen zur Last fällt. Auch darüber kommt es zu einem Verlust des Selbstwertgefühls. „Ich kann nichts, ich tauge nichts“(vgl. Schäfer, 2001, S. 13-14).

Wolfersdorf (2010) beschreibt Gespräche mit depressiv erkrankten Menschen so, dass man den enormen Leidensdruck des Erkrankten spürt bzw. erkennt. Bspw. wenn der Erkrankte zusammengesackt auf seinem Stuhl sitzt oder weint. So kommt es vor, dass der Erkrankte auf Nachfragen des Befindens, antworten möchte, aber unter so einem hohen Leidensdruck steht, dass er unwillkürlich und unaufhörlich zu weinen anfängt. Nach Wolfersdorf (ebd.) kann es auch passieren, dass der Patient sich gar nicht unterhalten möchte bzw. kann und dass er immer wieder ermuntert oder ermutigt werden muss, auf Fragen zu antworten (vgl. Wolfersdorf, 2010, S. 31).

3.Auswirkungen auf das Leben der Angehörigen

3.1 Auswirkungen auf das Familienleben bzw. die Partnerschaft

Die Auswirkungen auf eine Partnerschaft sind gravierend. Es kann zu sozialem Rückzug, Verlust der Libido und zur Ablehnung aller Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen des Partners kommen. Die Partner verstehen dieses Verhalten oft als persönliche Ablehnung und Zurückweisung. Das Verhalten, welches durch die Symptome der Depression gesteuert wird, wird oft als Ablehnung der gesamten Beziehung wahrgenommen (vgl. Bischkopf, 2005, S. 26-27).

Des Weiteren ist die Unberechenbarkeit der Stimmung des Erkrankten beängstigend und einschüchternd für die Partner. Man fragt sich, ob man den Betroffenen zu einem Gespräch verleiten soll, auch wenn dieser nicht in der Stimmung für Gespräche ist, ob man ihm etwas zu Essen machen soll, obwohl er keinen Appetit hat, oder ob man zu ihm gehen soll und einfach nur für ihn oder sie da sein soll. Einen weiteren gravierenden Gesichtspunkt der Beziehung zu dem Erkrankten stellt die Angst dar, dass der Partner sich suizidiert. Diese Angst ist stets präsent; der Angehörige ist in ständiger Alarmbereitschaft. Aufgrund von Arbeits- oder andere Verpflichtungen, können sich Angehörige aber meist nicht rund um die Uhr um den Erkrankten kümmern, was die Anspannung noch verstärkt. Sie haben ihr Telefon immer parat oder rufen in regelmäßigen Abständen zu Hause an und erkundigen sich nach dem Befinden des Partners (vgl. Bischkopf, 2009, S. 32-33).

Bischkopf (ebd.) beschreibt weiter, dass Angehörige den Betroffenen oftmals als Kind empfinden. Der Betroffene ist schwach und der Angehörige muss seinen Part im Haushalt oder bei der Kindererziehung übernehmen. Auch spontane oder längerfristig geplante Aktivitäten können oft nicht wahrgenommen werden, da die Stimmungsschwankungen des Erkrankten nur schwer einzuschätzen oder gar voraussehbar sind. Angehörige müssen sich mit spontanen Stimmungswechseln auseinandersetzen, was oftmals mit Enttäuschung verbunden ist. Aufgrund der Stimmungsschwankungen ist der Erkrankte kein verlässlicher Partner, was dazu führt, dass der Partner gänzlich die Organisation und Koordinierung von familiären Ablaufen übernimmt (vgl. Bischkopf, 2009, S. 34-35).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen von depressiven Erkrankungen und Hilfsoptionen der Sozialen Arbeit
Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V279989
ISBN (eBook)
9783656738428
ISBN (Buch)
9783656738404
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, erkrankungen, hilfsoptionen, sozialen, arbeit
Arbeit zitieren
Dshamila Locke (Autor), 2014, Auswirkungen von depressiven Erkrankungen und Hilfsoptionen der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279989

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