Korruption ist mittlerweile als Übel allgemein erkannt. Den Kampf dagegen haben sich Politik, Verwaltung und Wirtschaft erklärtermaßen aufs Panier geschrieben. Dabei wird leicht übersehen, dass es nach wie vor riesige Lücken und Schwachstellen bei der Bekämpfung von Korruption gibt, die auf andere Bereiche ausstrahlen und es auch dort erschweren, energisch gegen Korruption vorzugehen. Für die Korruption besonders anfällige Bereiche sind die Kommunen, generell die Politik und die Wirtschaft. Das hat systematische Gründe: In den Kommunen ist öffentliche Kontrolle ausgesprochen schwach. Bei der Bekämpfung politischer Korruption entscheiden Politiker in eigener Sache. In der Wirtschaft ist der Korrekte oft der Dumme im Wettbewerb. Hinzu kommt die fortschreitende Ökonomisierung von Staat und Verwaltung, einschließlich der neu entdeckten Neigung zum Sponsoring. Dadurch drohen überkommene Hemmungen gegen Korruption abgebaut zu werden. Diese besonders „corruptogenen“ Bereiche werden auch in der wissenschaftlichen Forschung eher stiefmütterlich behandelt.
Inhaltsverzeichnis
Die Kultur der Korruption im Bermudadreieck Politk-Verwaltung-Wirtschaft
Korruption in der Politik
Korruption in der Verwaltung
Korruption in der Wirtschaft
Epilog
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Korruption im deutschen Politik-, Verwaltungs- und Wirtschaftssystem, mit dem Ziel, die verbreiteten Strukturen und die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz dieses "Bermudadreiecks" kritisch zu hinterfragen und die zugrunde liegenden Mechanismen der Bestechung und Vorteilsnahme aufzuzeigen.
- Strukturelle Korruption in Politik, Verwaltung und Wirtschaft
- Analyse aktueller Korruptionsfälle und statistischer Daten des BKA
- Unterscheidung zwischen situativer, struktureller und endemischer Korruption
- Die Rolle der "Geber" und "Nehmer" sowie ihre soziale Einbettung
- Präventionsmechanismen und die Notwendigkeit normativer Gegensteuerung
Auszug aus dem Buch
Die Kultur der Korruption im Bermudadreieck Politk-Verwaltung-Wirtschaft
Korruption ist mittlerweile als Übel allgemein erkannt. Den Kampf dagegen haben sich Politik, Verwaltung und Wirtschaft erklärtermaßen aufs Panier geschrieben. Dabei wird leicht übersehen, dass es nach wie vor riesige Lücken und Schwachstellen bei der Bekämpfung von Korruption gibt, die auf andere Bereiche ausstrahlen und es auch dort erschweren, energisch gegen Korruption vorzugehen. Für die Korruption besonders anfällige Bereiche sind die Kommunen, generell die Politik und die Wirtschaft. Das hat systematische Gründe: In den Kommunen ist öffentliche Kontrolle ausgesprochen schwach. Bei der Bekämpfung politischer Korruption entscheiden Politiker in eigener Sache. In der Wirtschaft ist der Korrekte oft der Dumme im Wettbewerb. Hinzu kommt die fortschreitende Ökonomisierung von Staat und Verwaltung, einschließlich der neu entdeckten Neigung zum Sponsoring. Dadurch drohen überkommene Hemmungen gegen Korruption abgebaut zu werden. Diese besonders „corruptogenen“ Bereiche werden auch in der wissenschaftlichen Forschung eher stiefmütterlich behandelt.
Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein neuer Korruptionsfall auffliegt. Dies freilich als Beleg für ein gut funktionierendes Rechtssystem zu werten, hieße die Zustände in der real existierenden Wirtschaft zu verkennen. Ans Licht kommt nur, was entweder die Geschädigten der Justiz offenbaren oder was irgendwelchen Nutznießern in den Kram passt. So war es bei der Berliner Bankgesellschaft und beim Badischen Phantombohrer Flowtex, bei der Kölner Müllverbrennungsanlage wie bei dem westfälischen Springreiter und Pferdehändler. Selbst scheinbar über jeden Zweifel erhabene Institutionen und Firmen geraten ins Zwielicht. In Nürnberg fälschte die Bundesanstalt für Arbeit jahrelang systematisch die Vermittlungsstatistiken, in München frisierten die öffentlichen Alten- und Pflegeheime ihre Leistungsnachweise und das öffentlich-rechtliche Fernsehen taumelte: sieben Milliarden Euro Gebühren – aber kein gebührendes Programm ohne heimliche Hintertür einer undurchsichtigen Schleichwerbung. Der Sport, allen voran ein Schiedsrichter, watete im Wettsumpf, gekrönt von heimlichen Gaben, Bayerns Vorzeige-Fußball-Arena erstellt aus Mauern von Schmiergeld. Weil sie kaum noch mithalten können mit den Leistungen ihrer Konkurrenten rings um den Globus greifen die Täter – wie mancher Spitzensportler – zur Dopingpille, immer häufig zum süßen Gift der Korruption zu Lug und Trug und Täuschungsmanövern.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Kultur der Korruption im Bermudadreieck Politk-Verwaltung-Wirtschaft: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und analysiert die systematischen Ursachen für die Anfälligkeit von Politik, Verwaltung und Wirtschaft für Korruption.
Korruption in der Politik: Der Abschnitt beleuchtet die politische Korruption und die zunehmende Entwertung ethischer Standards im parteipolitischen Kontext.
Korruption in der Verwaltung: Hier wird dargelegt, wie Bestechung in der Verwaltung zum alltäglichen Handlungsmuster wird und welche Rolle Hierarchien dabei spielen.
Korruption in der Wirtschaft: Dieses Kapitel diskutiert die systemische Korruption in der Wirtschaft und ihre zerstörerischen Auswirkungen auf den freien Wettbewerb.
Epilog: Der Epilog reflektiert die menschliche Preisvorstellung und hinterfragt kritisch, wen wir im Kontext von Korruption als Täter in den Blick nehmen müssen.
Schlüsselwörter
Korruption, Bestechung, Vorteilsnahme, Wirtschaftskriminalität, Politik, Verwaltung, Schmiergeld, Wettbewerb, Ethik, Compliance, Dunkelfeld, Korruptionsprävention, Strukturkriminalität, öffentlicher Dienst, Kartellbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das verbreitete Phänomen der Korruption in den deutschen Bereichen Politik, Verwaltung und Wirtschaft und analysiert deren systemische Hintergründe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Formen der Korruption (aktiv/passiv), deren systematische Verbreitung in Kommunen und Behörden sowie der schädigende Einfluss auf den fairen Wettbewerb in der Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Mechanismen und die Ausmaße der Korruption in Deutschland aufzuzeigen und die gesellschaftliche Akzeptanz sowie die Defizite in der Bekämpfung zu hinterfragen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung offizieller Statistiken, wie das Bundeslagebild Korruption des BKA, sowie auf eine Analyse von Fachliteratur und aktuellen Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Korruption differenziert nach den Bereichen Politik, Verwaltung und Wirtschaft und beleuchtet statistische Daten zu Tätern, Tatbereichen und Funktionsgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Korruption, Bestechung, systemische Kriminalität, Wettbewerbsverzerrung und Präventionsnotwendigkeit charakterisiert.
Wie unterscheidet der Autor zwischen verschiedenen Korruptionsformen?
Er differenziert zwischen aktiver und passiver Korruption, sowie zwischen situativer (spontaner), struktureller (geplanter) und endemischer (bereichsspezifischer) Korruption.
Welche Rolle spielt das BKA-Lagebild in der Analyse?
Das Lagebild dient als empirische Grundlage, wobei der Autor einschränkend darauf hinweist, dass diese Daten nur die Spitze des Eisbergs (das Hellfeld) abbilden.
Was bedeutet der Begriff "Bermudadreieck" im Titel?
Er symbolisiert das für Korruption anfällige Geflecht aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, in dem öffentliche Gelder und moralische Integrität häufig "verschwinden".
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor im Epilog?
Der Autor warnt vor einer fatalistischen Sichtweise und betont, dass man den Fokus auf die Akteure richten muss, die bestehende Ordnungsschranken zugunsten der Kapitalverwertung gezielt aushebeln.
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- M. A. Uwe Dolata (Author), 2007, Die Kultur der Korruption in Politik, Verwaltung und Wirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279997