Reflexionen zum Feuilleton im Wandel der Zeit


Hausarbeit, 2000
17 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1 Was versteht man unter Feuilleton und wie Wilmont Haacke in seinem Aufsatz dazu Stellung nimmt
1.1 Definition Feuilleton lt. Brockhaus, Die Enzyklopädie
1.2 Aufsatz von Wilmont Haacke: Das Feuilleton im 20. Jahrhundert

2 Ein Beispiel: Das Wiener Jüdische Feuilleton3

3 Der Liberalismus in Österreich

4 Der Antisemitismus und das Bild der Juden
4.1 historischer Hintergrund/Die Wiener Juden
4.2 Der Antisemitismus: Schwerpunkt österreichische Medien
4.2.1 Die Bekämpfung der Juden in der Presse

5 Absolutistische Medien- und Kommunikationspolitik und NS-Medienpolitik
5.1 Absolutistische Medien- und Kommunikationspolitik (Vormärz)
5.2 NS-Medienpolitik

6 Schlussbemerkungen

1 Was versteht man unter Feuilleton und wie Wilmont Haacke in seinem Aufsatz dazu Stellung nimmt

1.1 Definition Feuilleton lt. Brockhaus, Die Enzyklopädie

Feuilleton:

Der Begriff Feuilleton leitet sich aus dem französischen „feuillet“, das soviel wie „Blatt“ bzw. „Druckbogen“ bedeutet, her. Das Feuilleton repräsentiert im Gegensatz zum politischen, wirtschaftlichen, lokalen und Sportteil den kulturellen Teil einer Zeitung, bzw. auch den einzelnen Beitrag in einem Feuilletonteil einer Zeitung oder Zeitschrift. Es enthält Nachrichten und Berichte aus dem Kultur- und Geistesleben, Kritiken (Theater, Film, Hörfunk, Fernsehen, Kunst, Musik), Buchbesprechungen, Glossen und Abhandlungen zum Zeitgeschehen (die mitunter die Ansprüche eines Essays erfüllen), Gedichte, Erzählungen und Fortsetzungsromane. Auch die Kulturredaktion einer Zeitung oder Zeitschrift wird gemeinhin als Feuilleton bezeichnet. Der Begriff und die Form des Feuilletons gehen auf Herausgeber französischer Literaturzeitschriften, mit deren Herausgabe um 1740 begonnen wurde, zurück, Buchbesprechungen in einem besonderen Teil jeder Ausgabe, dem Feuilleton zusammenzufassen, zur besseren Unterscheidung von den politischen Beiträgen. Eine Vorstufe dazu waren in Deutschland die „gelehrten Artikel“ in diversen Zeitungen des 18. Jahrhunderts, so in der Berliner „Vossischen Zeitung“. Die Anordnung „unterm Strich“ findet sich in Deutschland erstmals im „Nürnberger Correspondenten“ (1831). Mit der weiteren Entfaltung der Tagespresse und der Gründung von Familien-, Frauen- und Kulturzeitschriften seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, verbreitete sich das Feuilleton im gesamten europäischen Zeitungswesen.

Meister des Feuilletons fanden sich anfänglich vor allem in Frankreich (A. Dumas, C. A. Sainte-Beuve, T. Gautier, J. G. Janin u.a.). In Deutschland verhalfen die Dichter des „Jungen Deutschland“ (H. Heine, L. Börne) dem Feuilleton zu einer ersten Blüte. Im letzten Drittel des

19. Jahrhunderts dominierte das Feuilleton der Wiener und Berliner Presse (F. Kürnberger, L. Speidel, E. Hanslick in Wien; J. Rodenberg, T. Fontane in Berlin).

Bekannte deutschsprachige Feuilletonisten des 20. Jahrhunderts: P. Altenberg, V. Auburtin, H. Bahr, P. Bamm, E. Friedell, E. E. Kisch, H. Knobloch, A. Polgar, K. Tucholsky

In jüngster Zeit: H. Bender, W. Ebert, W. Henkels, E. Henscheid, H. Krüger, S. von Radecki, E. Skasa-Weiss, T. Troll, W. Weyrauch, B. Witter u.a.[1]

1.2 Aufsatz von Wilmont Haacke: Das Feuilleton im 20. Jahrhundert

In dieser Analyse des Feuilletons wird vor allem nach der Aufgabe des kleinen Formats gefragt. Da es in den Reihen mancher Verlagshäuser, Redaktionen und Sendeleiter einen fragwürdigen Ruf genießt, werden die dem Ressort Feuilleton verantwortlichen Mitarbeiter oftmals belächelt. [2]

Jedoch vermag Haacke auf sehr plausible Art und Weise darzulegen, dass man auf die Pflege dieser journalistischen und literarischen Form durchaus Wert legen sollte. Das Feuilleton kann sich zahlreicher Aussageformen bedienen, ist somit in seiner formalen und inhaltlichen Gestaltung wandelbar und stets aufs neue interessant.

Haacke geht im folgenden in Form eines kurz gehaltenen geschichtlichen Abrisses auf die Unbeugsamkeit des Feuilletons während der absolutistischen Kommunikationspolitik und der nationalsozialistischen Herrschaft bzw. der NS-Kultur- und Medienpolitik ein. Durch die dem Feuilleton eigenen Art des „Schreibens-zwischen-den-Zeilen“ vermochten zeitkritische Verfasser der kleinen Form stets zu den aktuellen politischen Ereignissen Stellung zu nehmen. Dank seiner vermeintlichen Trivialität konnte das Feuilleton auch unter heftigstem politischen Druck immer Überleben. Durch meisterliche Formulierungen und Zuhilfenahme von Metaphern, Aphorismen, Fabeln und Antithesen hatte man stets einen wirksames Medium gegen die aufoktroyierten Auffassungen in der Hand und erreichte gleichzeitig die nachdenkliche Bevölkerungsschicht.

Diese Ausführungen stellen meines Erachtens die zentralen Aussagen des Aufsatzes dar.

2 Ein Beispiel: Das Wiener Jüdische Feuilleton

Bei der Lektüre dieses Artikels offenbarte sich nun eine ganz andere Seite des Hrn. Haacke.[3]

Der Lebenslauf Wilmont Haackes ist wohl angesichts seines 1940 veröffentlichten Artikels (in: Handbuch der Zeitungswissenschaft, 1940) über das Wiener Jüdische Feuilleton mehr als eine selbstgefällige Autobiografie. Er beschränkt sich ausschließlich auf seine Verdienste im Zusammenhang mit der geschichtlichen Dokumentation des Feuilletons bzw. der deutschsprachigen Publizistik und Zeitungswissenschaft im allgemeinen.

Im Zuge des Studiums seines Artikels über das Wiener Jüdische Feuilleton lässt sich eine klar antisemitische Haltung erkennen. Angesichts der damals herrschenden politischen Verhältnisse würde alles andere an einer Wunder grenzen, bzw. wären „judenfreundliche“ Artikel wohl kaum publiziert worden. Für mich stellt sich nun die Frage, aus welcher Motivation heraus er diesen Artikel verfasst hat. Stand er etwa unter politischem Druck, oder war der Artikel eine Auftragsarbeit der „gleichgeschalteten“ Hochschulen, da er ja von 1939 bis 1942 in Wien weilte und gemeinsam mit Geheimrat Prof. Dr. Walter Heide an der Gründung des Wiener Instituts arbeitete.[4] Oder hat er aus freien Stücken eine derartig rassistische Schrift verfasst, in diesem Fall muss sich wohl jeder liberale, von humanistischen Idealen geleitete Bürger fragen, warum ein Akademiker mit einer derartig ausgeprägten antisemitischen Haltung überhaupt noch in der Lage sein „durfte“, nach dem Zweiten Weltkrieg in der Öffentlichkeit zu wirken. Hier hat die Entnazifizierung wohl schmählich versagt.

Beim Studium des Beitrags von Wilmont Haacke stößt man unwiderruflich auf zwei - für damalige Verhältnisse - typische Strömungen, die ich erläutern will:

a) Liberalismus (den Haacke vehement verurteilt)

b) und Antisemitismus (den er vertritt).

Im Anschluss daran gehe ich auf die beiden - aus medienpolitischer Sicht - interessanten geschichtlichen Abschnitte ein, deren Auswirkungen auf die Medien- und Kommunikationsstruktur im allgemeinen und auf das Feuilleton im besonderen in beiden Beiträgen von Wilmont Haacke anklingen:

a) absolutistische Medien- und Kommunikationspolitik (Schwerpunkt: Vormärz)

b) Medienpolitik während des Dritten Reichs.

[...]


[1] Brockhaus, Die Enzyklopädie, 20. Auflage, F. A. Brockhaus Leipzig – Mannheim, 1997, Band 7,

[2] Zuerst veröffentlicht in: Publizistik 21 (1976), Heft 3, S.285 – 312

[3] Handbuch der Zeitungswissenschaft, Hrg. Walther Heide, bearbeitet von Ernst Herbert Lehmann, Band II, Verlag Karl W. Hiersemann, Leipzig, 1940, Sp. 2052 - 2072

[4] Vgl. Medien- und Kommunikationsgeschichte, Studienbücher zur Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Band 6, Wien Braumüller, 1987,

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Reflexionen zum Feuilleton im Wandel der Zeit
Hochschule
Universität Wien  (Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
iG 2: Medien- und Kommunikationsgeschichte
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V2800
ISBN (eBook)
9783638116886
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Basiert auf 2 Texten von Wilmont Haacke, dt. Zeitungswissenschaftler/Schwerpunkte: Antisemitismus und Medienpolitik im Vormärz und während der NS-Zeit. 340 KB
Schlagworte
Reflexionen, Feuilleton, Wandel, Zeit, Medien-, Kommunikationsgeschichte
Arbeit zitieren
Michaela Fabian (Autor), 2000, Reflexionen zum Feuilleton im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2800

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Reflexionen zum Feuilleton im Wandel der Zeit


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden