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Ist Empowerment ein geeignetes Konzept für die Arbeit mit psychisch Kranken?

Title: Ist Empowerment ein geeignetes Konzept für die Arbeit mit psychisch Kranken?

Term Paper , 2014 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Frank Klein (Author), Erika Seifried (Author)

Social Work
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Empowerment ist heutzutage in aller Munde. Für Herriger ist es „ein modisches Fortschrittsetikett, das auf die Verpackungen altvertrauter und schon angestaubter Handlungskonzepte und Praxisrezepturen aufgeklebt wird“.
Für den Diplom-Psychologen Andreas Knuf ist der Begriff Empowerment „einfach nur schrecklich“ und in der psychiatrischen Arbeit noch kaum realisiert. Ein Betroffener aus dem Psychiatriebereich nannte es einmal „ein Wort in Lederkluft“.
Betrachtet man die Ottawa Charta der WHO (1986), dann „zielt Gesundheitsförderung auf einen Prozess allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“. Diese Aussage kommt dem Empowerment-Konzept gleich.
In unserer Hausarbeit wollen wir der Frage nachgehen, ob Empowerment in der Arbeit mit psychisch Kranken ein geeignetes Konzept darstellt, um diese Menschen zu befähigen, wieder Einflussnahme auf ihr eigenes Leben zurückzugewinnen.
Zunächst wollen wir den Begriff Empowerment und dazugehörige Begrifflichkeiten erläutern, im Anschluss einen kurzen geschichtlichen Rückblick geben. Danach erfolgt die Darstellung der vier Ebenen des Empowerments. Im fünften Kapitel stellen wir die Theorie der „erlernten Hilflosigkeit“ von Seligman dar, und skizzieren im Anschluss die „Philosophie der Menschenstärken“ als Antwort auf erlernte Hilflosigkeit. In Kapitel sieben werfen wir einen Blick auf die Sichtweise Empowerment in der Arbeit mit psychisch Kranken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Hinführung zum Thema (SEIFRIED)

2. Begrifflichkeiten (KLEIN)

2.1. Paternalismus (KLEIN)

2.2. Ressourcen (KLEIN)

2.3. Empowerment (KLEIN)

3. Geschichtlicher Rückgriff (KLEIN)

4. Ebenen des Empowerments (KLEIN)

4.1. Die individuelle Ebene (KLEIN)

4.2. Die Gruppenebene (KLEIN)

4.3. Die institutionelle Ebene (KLEIN)

4.4. Die Gemeindeebene (KLEIN)

5. Die erlernte Hilflosigkeit (SEIFRIED)

6. Die Philosophie der Menschenstärken als „Antwort“ auf erlernte Hilflosigkeit (SEIFRIED)

6.1. Kritik am Modell der Menschenstärken (SEIFRIED)

6.1.1. Die Ideologie des autonomen Subjekts und die Nicht-Beachtung von realen Leidenserfahrungen (SEIFRIED)

6.1.2. Die Ideologie des „Ellenbogen-Menschens“ (SEIFRIED)

6.1.3. Die neoliberale Umarmung des Empowerment-Konzepts (SEIFRIED)

7. Empowerment in der Arbeit mit psychisch Kranken (SEIFRIED)

7.1. Systemimmanente Hürden vs. Empowerment und ressourcenorientiertes Arbeiten (KLEIN)

7.2. Defizitorientierung (KLEIN)

7.3. Ressourcenorientierung (KLEIN)

7.4. Empowerment – auf dem Weg ins psychiatrische Arbeitsfeld? (KLEIN)

8. Fazit und Ausblick (KLEIN)

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob das Empowerment-Konzept in der psychiatrischen Versorgung geeignet ist, Patienten zu befähigen, wieder Einfluss auf ihr eigenes Leben zu nehmen, und welche Rolle dabei die Haltung der professionell Tätigen spielt.

  • Grundlagen von Empowerment und relevanten Begrifflichkeiten
  • Historische Wurzeln und Ebenen des Empowerment
  • Die Theorie der erlernten Hilflosigkeit und deren Kritik
  • Das Modell der Menschenstärken als Gegenentwurf zur Defizitorientierung
  • Herausforderungen und Praxisbeispiele im psychiatrischen Arbeitsfeld

Auszug aus dem Buch

6.1.1. Die Ideologie des autonomen Subjekts und die Nicht-Beachtung von realen Leidenserfahrungen (SEIFRIED)

Im Modell der Menschenstärken haben „Schwach-Sein“ und „Nicht-Gelingen“ keinen Platz, ebenso wenig die Erfahrung des Andersseins.

Das Konzept hat das Ziel, Menschen zu „vernünftigen, funktionierenden Subjekten zu machen (Qindel/Pankofer 2000: 36f, zitiert in Herriger 2010: 82). Der Kern der Kritik ist, dass das Menschenbild in diesem Modell die „individuellen Freiheitsgrade von Autonomie und freier Selbstbestimmung“ ideologisch überzeichnet und dadurch die Menschen ihrer Erfahrungen von Misslingen, Angst, Leid und Trauer beraubt werden (vgl. Herriger 2010: 82). Andererseits gegenargumentiert Herriger, dass beim Modell der Menschenstärken auch „Perspektiven für neue Lebensmöglichkeiten in der nahen Zukunft“ eröffnet werden können (Herriger 2010: 82). Trotz negativer Erfahrungen und Gefühle des Klienten, kann es gelingen, dass ein Prozess der Stärkung und Selbstbemächtigung angestoßen wird, bei dem Negativ-Erfahrungen verblassen und Erfahrungen von Lebensgelingen, Selbstwert und Eigenvermögen aus der Vergangenheit wachgerufen bzw. reaktiviert werden.

Saleeby äußert sich ebenfalls dahingehend und sagt: „[…] Die Perspektiven der Stärken verkennt nicht den ‚harten Griff‘ von Sucht und Abhängigkeit und die Beschädigungen, die diese an Lebensqualität und Lebensmöglichkeiten eines jeden Individuums anrichten können. Aber […] sie bestreitet, daß alle Menschen, die sich Traumatisierungen und Schmerzen gegenüber sehen, in ihren Leben notwendigerweise verletzt, handlungsunfähig, aller Lebensmöglichkeiten beraubt werden“ (Saleeby 1996: 297, zitiert in Herriger 2010: 83). Sie ist überzeugt, dass „Menschen, die Mißhandlung und Trauma überwunden haben“ aus diesem Überlebenskampf gestärkt herausgehen und einen, wie Saleeby es ausdrückt, „Überlebensstolz“ (survivor´s pride) wieder entdeckt haben, an dem soziale Arbeit anknüpfen kann, ohne dem Menschen das „Schwach-Sein“ abzusprechen (vgl. Saleeby 1996: 299, zitiert in Herriger 2010: 83).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung – Hinführung zum Thema (SEIFRIED): Die Autoren führen in das Thema ein und formulieren die Forschungsfrage, ob Empowerment ein geeignetes Konzept zur Rückgewinnung von Selbstbestimmung in der Psychiatrie darstellt.

2. Begrifflichkeiten (KLEIN): Definition und Klärung der zentralen Fachbegriffe Paternalismus, Ressourcen und Empowerment als theoretisches Fundament der Arbeit.

3. Geschichtlicher Rückgriff (KLEIN): Aufarbeitung der historischen Wurzeln des Empowerments, insbesondere durch die Bürgerrechtsbewegung und den Feminismus.

4. Ebenen des Empowerments (KLEIN): Differenzierung des Konzepts in vier Bereiche: individuell, Gruppe, institutionell und auf Gemeindeebene.

5. Die erlernte Hilflosigkeit (SEIFRIED): Darstellung der Theorie von Seligman und der Auswirkungen von Unkontrollierbarkeit auf Motivation, Lernfähigkeit und emotionale Stabilität.

6. Die Philosophie der Menschenstärken als „Antwort“ auf erlernte Hilflosigkeit (SEIFRIED): Vorstellung des Stärkenmodells als Perspektivenwechsel sowie kritische Auseinandersetzung mit dessen Ideologie des autonomen Subjekts und neoliberalen Einflüssen.

7. Empowerment in der Arbeit mit psychisch Kranken (SEIFRIED): Analyse der Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Konzepts im psychiatrischen Alltag und notwendiger struktureller Veränderungen.

8. Fazit und Ausblick (KLEIN): Zusammenfassende Einschätzung, dass Empowerment eher eine professionelle Haltung als eine bloße Methode darstellt, die Vertrauen in die Fähigkeiten der Klienten voraussetzt.

Schlüsselwörter

Empowerment, Soziale Arbeit, Psychiatrie, Ressourcenorientierung, Defizitorientierung, erlernte Hilflosigkeit, Selbstbestimmung, Menschenstärken, professionelle Haltung, Paternalismus, systemimmanente Hürden, Teilhabe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Empowerment-Konzept im Kontext der psychiatrischen Versorgung und analysiert, wie professionell Tätige ihre Haltung anpassen können, um die Selbstbestimmung psychisch kranker Menschen zu fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Empowerments, die Kritik am defizitorientierten Blick in der Psychiatrie sowie die Theorie der erlernten Hilflosigkeit.

Welche Forschungsfrage verfolgen die Autoren?

Die Autoren gehen der Frage nach, ob Empowerment ein geeignetes Konzept ist, um psychisch Kranken zu helfen, wieder Einflussnahme auf das eigene Leben zu gewinnen.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis einschlägiger Fachliteratur, die durch die Darstellung von Modellen (z.B. Seligman, Herriger, Knuf) und deren kritische Reflektion gestützt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Begriffen, die historische Herleitung, die theoretische Unterfütterung durch das Konzept der erlernten Hilflosigkeit sowie die kritische Analyse der Umsetzung von Empowerment in psychiatrischen Einrichtungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Empowerment, Ressourcenorientierung, psychiatrische Arbeit, Defizitorientierung und Selbstwirksamkeit.

Warum kritisieren die Autoren die „neoliberale Umarmung“ des Empowerment-Begriffs?

Sie kritisieren, dass der Begriff politisch instrumentalisiert wird, um im Sinne des „Förderns und Forderns“ Eigenverantwortung einzufordern, was der ursprünglichen Absicht von Empowerment als Befreiungskonzept widerspricht.

Was bedeutet der „Perspektivenwechsel“ im Kontext der Arbeit?

Er beschreibt die Abkehr von einer ausschließlichen Fokussierung auf die Defizite und Symptome eines Patienten hin zu einer Anerkennung und Aktivierung vorhandener Stärken und Ressourcen.

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Details

Title
Ist Empowerment ein geeignetes Konzept für die Arbeit mit psychisch Kranken?
College
University of Applied Sciences Koblenz
Grade
1,3
Authors
Frank Klein (Author), Erika Seifried (Author)
Publication Year
2014
Pages
19
Catalog Number
V280019
ISBN (eBook)
9783656742456
ISBN (Book)
9783656742401
Language
German
Tags
empowerment konzept arbeit kranken
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frank Klein (Author), Erika Seifried (Author), 2014, Ist Empowerment ein geeignetes Konzept für die Arbeit mit psychisch Kranken?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280019
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