Ist Empowerment ein geeignetes Konzept für die Arbeit mit psychisch Kranken?


Hausarbeit, 2014

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - Hinführung zum Thema (SEIFRIED)

2. Begrifflichkeiten (KLEIN)
2.1. Paternalismus (KLEIN)
2.2. Ressourcen (KLEIN)
2.3. Empowerment (KLEIN)

3. Geschichtlicher Rückgriff (KLEIN)

4. Ebenen des Empowerments (KLEIN)
4.1. Die individuelle Ebene (KLEIN)
4.2. Die Gruppenebene (KLEIN)
4.3. Die institutionelle Ebene (KLEIN)
4.4. Die Gemeindeebene (KLEIN)

5. Die erlernte Hilflosigkeit (SEIFRIED)

6. Die Philosophie der Menschenstärken als ÄAntwort“ auf erlernte Hilflosigkeit (SEIFRIED) .
6.1. Kritik am Modell der Menschenstärken (SEIFRIED)
6.1.1. Die Ideologie des autonomen Subjekts und die Nicht-Beachtung von realen Leidenserfahrungen (SEIFRIED)
6.1.2. Die Ideologie des ÄEllenbogen-Menschens“ (SEIFRIED)
6.1.3. Die neoliberale Umarmung des Empowerment-Konzepts (SEIFRIED)

7. Empowerment in der Arbeit mit psychisch Kranken (SEIFRIED)
7.1. Systemimmanente Hürden vs. Empowerment und ressourcenorientiertes Arbeiten (KLEIN)
7.2. Defizitorientierung (KLEIN)
7.3. Ressourcenorientierung (KLEIN)
7.4. Empowerment - auf dem Weg ins psychiatrische Arbeitsfeld? (KLEIN)

8. Fazit und Ausblick (KLEIN)

Literaturverzeichnis

Erklärung

1. Einleitung - Hinführung zum Thema (SEIFRIED)

Empowerment ist heutzutage in aller Munde. Für Herriger ist es Äein modisches Fortschrittsetikett, das auf die Verpackungen altvertrauter und schon angestaubter Handlungskonzepte und Praxisrezepturen aufgeklebt wird“ (Herriger 2010: 8). Für den Diplom-Psychologen Andreas Knuf ist der Begriff Empowerment Äeinfach nur schrecklich“ und in der psychiatrischen Arbeit noch kaum realisiert (Knuf 2003: 17). Ein Betroffener aus dem Psychiatriebereich nannte es einmal Äein Wort in Lederkluft“ (vgl. Knuf 2003: 17).

Betrachtet man die Ottawa Charta der WHO (1986), dann Äzielt Gesundheitsförderung auf einen Prozess allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“ (Ottawa Charta 1986). Diese Aussage kommt dem Empowerment-Konzept gleich.

In unserer Hausarbeit wollen wir der Frage nachgehen, ob Empowerment in der Arbeit mit psychisch Kranken ein geeignetes Konzept darstellt, um diese Menschen zu befähigen, wieder Einflussnahme auf ihr eigenes Leben zurückzugewinnen.

Zunächst wollen wir den Begriff Empowerment und dazugehörige Begrifflichkeiten erläutern, im Anschluss einen kurzen geschichtlichen Rückblick geben. Danach erfolgt die Darstellung der vier Ebenen des Empowerments. Im fünften Kapitel stellen wir die Theorie der Äerlernten Hilflosigkeit“ von Seligman dar, und skizzieren im Anschluss die ÄPhilosophie der Menschenstärken“ als Antwort auf erlernte Hilflosigkeit. In Kapitel sieben werfen wir einen Blick auf die Sichtweise Empowerment in der Arbeit mit psychisch Kranken.

Im Fazit nehmen wir kritisch Stellung zu dem von uns formulierten Konzept des Empowerments und werden v.a. den Fokus auf die Haltung der professionell Tätigen legen, denn nach Knuf ist ÄEmpowerment […] keine ‚Spezialdisziplin‘, sondern eine Haltung, die sich in jeder Alltagshandlung professionell Tätiger manifestiert“ (Knuf 2003: 18).

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werden wir in dieser Hausarbeit ausschließlich die männliche Form verwenden. Dies impliziert selbstverständlich auch die weibliche Form.

2. Begrifflichkeiten (KLEIN)

Zunächst wollen wir auf wichtige Begriffserklärungen eingehen, die im Zusammenhang mit Empowerment stehen.

2.1. Paternalismus (KLEIN)

Paternalismus meint eine ÄHerrschaftsform in nicht-familialen Bereichen, in denen die Führung aufgrund väterlicher Autorität beansprucht wird. Der Begriff entstammt der familialen Ordnung der vorindustriellen Gesellschaft. Übertragen auf moderne Organisationen, widerspricht der Paternalismus demokratischen Strukturen. Der Paternalismus betont besonders die Fürsorgepflicht und sieht eine Beteiligung der Untergebenen an Entscheidungen prinzipiell nicht vor." (www.fremdwort.de/suchen/bedeutung/Paternalismus)

2.2. Ressourcen (KLEIN)

ÄRessource“ kommt aus dem Lateinischen beziehungsweise Französischen und bedeutet soviel wie Hilfsmittel, Hilfsquelle, Reserve und Geldmittel. Gleichzeitig steht der Begriff in Verbindung mit einer noch relativ neuen Sichtweise der Sozialen Arbeit.

Sozialen Arbeit war lange geprägt von der Defizit- beziehungsweise Krankheitsperspektive (Defizitorientierung, Krankheit), zunehmend gewinnt die Ressourcen- oder Kompetenzperspektive an Bedeutung. Wichtig für die Soziale Arbeit werden damit zum Beispiel Fähigkeiten, Kompetenzen und Kräfte, also die Ressourcen des Klienten oder des sozialen Systems. Diese müssen nutzbar gemacht werden.

Aufgrund der Umfänglichkeit des Begriffes Ressource ist es mitunter schwierig, eine eindeutige Schärfe zu benennen. Unterscheidungen werden gemacht hinsichtlich materieller Ressourcen, wie beispielsweise Sachwerte oder Geld, als auch in personelle Ressourcen, worunter ehrenamtliche Helfer, aber auch Freunde und Familie eines Klienten fallen können, die mit im Helfersystem agieren.

(vgl. www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/l53/l5354.htm).

2.3. Empowerment (KLEIN)

Herriger (2010) definiert Empowerment als Selbstbefähigung, Selbstermächtigung sowie Stärkung von Autonomie und Eigenmacht. Weiterhin stellt nach Herriger (2010) Empowerment einen zeitlichen Ablauf dar, in der es Menschen gelingt, wieder Kraft zu erlangen, die sie benötigen, um ihr Leben wieder selbstständig organisiert und geregelt bekommen (vgl. Herriger 2010: 13).

Dabei verfolgt Empowerment das Ziel, vorhandene, jedoch nicht abrufbare Ressourcen wieder zu aktivieren, damit Lebensräume- und Wege wieder frei gestaltet werden können. Mike Seckinger stellt mit seinem Postulat die Wichtigkeit und Multidimensionalität von Empowerment dar, indem er folgende Definition herausstellt: Im Kontext des Empowerments richtet die soziale Arbeit den Blick auf individuelle und kollektive Ressourcen und achtet dabei auf die Verknüpfung von drei Handlungsebenen: Individuum-soziales NetzOrganisation (vgl. Seckinger 2011: 313). Jedoch bleibt beim Versuch einer Definition eine gewisse Unschärfe, denn die greifbare Festigung des Agierens ist abhängig von den Beteiligten der drei Handlungsebenen (vgl. Seckinger 2011: 313).

3. Geschichtlicher Rückgriff (KLEIN)

Ein Blick in die Vergangenheit und zu den Wurzeln von Empowerment unterstreicht den multidimensionalen Ansatz dieses Konzeptes. Nach Seckinger stellen die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, das Herausbilden von Selbsthilfegruppen und auch die feministische Bewegung bedeutsame Anstöße für die Entstehung von Empowerment dar (vgl. Seckinger 2011: 314).

Auch Herriger sieht die Ursprünge von Empowerment aus diesen Ansätzen heraus und beschreibt als Geburtsstätte und den Beginn der Praxis von Empowerment die Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Minderheitsbevölkerung in den USA. Obgleich er auch feststellt, dass die noch früheren, afrikanische Unabhängigkeitsbewegungen praktisch eine Anleitung der Protagonisten der amerikanischen Bewegungen darstellen (vgl. Herriger 2010: 23).

Die Bürgerrechtsbewegungen im schwarzen Amerika der 1950er und 1960er, bei denen Martin Luther King (1929-1968) mit seinen Inspirationen zu Aktionen von gewaltfreiem zivilem Ungehorsam bekannt wurde, forderten 'Empowerment of black communities' gegenüber der in den USA herrschenden rassistisch-segregativen Politik und Alltagspraxis. Im industriell geprägten Norden der USA nahm die Mobilisierung der schwarzen Bevölkerung eine militantere Ausprägung an, z.B. unter Führung von Malcolm X (1925-1965) oder der Nation of Islam. Diese 'civil-rights-movements' gaben schwarzen Bürgerinnen ein neues Selbstwertgefühl, schafften ein neues politisches Bewusstsein und zeigten ihre Stärke "im Plural des Projektes kollektiver Selbstorganisation [und der] Entwicklung von durchsetzungskräftigen Instrumentarien eines strittigen bürgerschaftlichen Engagements".

(vgl. Herriger 2010: 23).

Eine zweite geschichtliche Wurzel stellt nach Herriger der Feminismus dar. Feminismus steht für wirtschaftliche, politische sowie soziale und kulturelle Gleichstellung der Frauen und richtet sich gegen die gesellschaftliche Vorrangstellung der Männer. Europaweit wurden noch in den letzten drei Jahrhunderten den Frauen der Zugang zu wesentlichen Rechten verwehrt, beispielsweise das Wahlrecht, Recht auf Bildung oder freie Sexualität. Wenngleich der Feminismus schon bedeutsame Erfolge verzeichnen kann, bedeutet dies nicht, dass die Gleichberechtigung aktuell durchgängige Praxis erreicht hat (vgl. Meade 2002: 8).

Feminismus unterliegt einer groben, dreiteiligen Ausprägungsform. Innerhalb des radikalen Feminismus liegt der Focus auf den Strukturen sozialer Ungleichheit. Der liberale Feminismus blickt auf die Anpassung von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten hinsichtlich der Bildungs- und Arbeitspolitik sowie der sozialen Sicherung. Der dritte Aspekt, der sozialistische Feminismus, setzt sich gegen die Unterwerfung von Rassen und Geschlechtern ein (vgl. Herriger 2010: 25f).

In der Geschichte und Entwicklung von Empowerment findet sich als weiterer Baustein die Selbsthilfebewegungen der 1970er, die, nach dem Vorbild der 1935 entstandenen ersten Selbsthilfegruppe der 'Alcoholics Anonymus', vom anglo-amerikanischen Raum ausgingen. Sie stellten sich als Gegenprogramm zu einer staatlichen Fürsorglichkeit dar, die den Bedürfnissen ihrer Adressatinnen nicht gerecht wurde. Wichtige Selbsthilfebewegungen entwickelten sich in der Gesundheitsselbsthilfe, der Verbraucherschutz-Bewegung und der 'Selbstbestimmt-Leben'-Bewegung von Menschen mit einer Behinderung (vgl. Herriger 2010: 28f.).

4. Ebenen des Empowerments (KLEIN)

Abläufe des Empowerment vollziehen sich nach Herriger auf vier Ebenen, die nicht getrennt voneinander betrachtet werden können sondern mannigfaltige Verknüpfungen aufweisen (vgl. Herriger 2010: 86).

4.1. Die individuelle Ebene (KLEIN)

Hier finden sich fast alle Unterstützungsleistungen, die der Einzelne auf der fachlichen Ebene, aber auch sich im sozialen Umfeld befindliche Hilfen erfährt, die dazu dienen, handlungsfähig und aktiv zu werden (vgl. Engel, Sickendiek, & Nestmann 2005: 28). In sozialberuflichen Arbeitsfeldern ist Beratung ein elementarer Faktor, der stark auf Empowerment ausgerichtet ist und sich entsprechend von Bevormundung und restriktiven Vorgaben von Entscheidungen distanziert (vgl. Engel, Sickendiek, & Nestmann 2005: 28f), so dass Handlungsspielräume erweitert, bzw. neue eröffnet werden können, mit der Folge einer verbesserten Selbstwahrnehmung und Aktivierung. In diesem Zusammenhang sind für ein gelingendes Empowerment auch die persönliche Geschichte des Klienten und die Narration bedeutsam.

Herriger beschreibt diese Ebene als das Erkunden von biographischen Wegen von Menschen, denen es gelingt, mit der innerlich schlummernden, eigenen Kraft Situationen von Machtlosigkeit und Resignation zu meistern und handlungsfähig zu werden, um ihr Leben und ihre Angelegenheiten wieder zu regeln (vgl. Herriger 2010: 86). In diesem Zusammenhang stellt er in der Praxis fest, dass für viele Betroffene der Weg zur eigenen Stärke nicht barrierefrei ist. Unsicherheit und Überforderung sowie Angst verhindern oft den Zugang zur inneren Stärke.

4.2. Die Gruppenebene (KLEIN)

Die Gruppenebene meint den Zusammenschluss von aktiven Menschen, die in der Gemeinschaft neue Hilfsmittel zur Stärkung eruieren und somit einwirken wollen auf äußere

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Ist Empowerment ein geeignetes Konzept für die Arbeit mit psychisch Kranken?
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,3
Autoren
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V280019
ISBN (eBook)
9783656742456
ISBN (Buch)
9783656742401
Dateigröße
1230 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
empowerment, konzept, arbeit, kranken
Arbeit zitieren
Frank Klein (Autor)Erika Seifried (Autor), 2014, Ist Empowerment ein geeignetes Konzept für die Arbeit mit psychisch Kranken?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280019

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