Was sind Menschenrechte? Ein Überblick


Hausarbeit, 2013
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Was sind Menschenrechte?

1. Die Historie der Menschenrechte

2. Was sind Menschenrechte?

3. Negative Freiheitsrechte

4. Positive Freiheitsrechte

5. Eigenschaften der Menschenrechte

6. Der inhaltliche Kern der Menschenrechte

Literaturverzeichnis

Was sind Menschenrechte?

1. Die Historie der Menschenrechte

Die Idee der Menschenrechte ist keine genuin moderne Erscheinung. Der naturrechtliche Gedanke wird schon seit der Antike in vielen Schriften und Überlegungen angeführt, auf welchem die Idee der Menschenrechte letztlich beruht. Insbesondere die stoische Schule begründete schon früh den Grundgedanken, dass für alle Menschen eine natürliche Gleichheit besteht. In diesem Zusammenhang wurde dieses vormoderne Naturrecht aber viel mehr als pflichtbezogenes Naturgesetz interpretiert, weshalb die Verpflichtungen, welche sich aus dem Naturgesetz ergaben, deutlich im Vordergrund standen.[1]

In Folge dessen verwurzelte das Christentum diese Vorstellungen des Naturrechts in dem Gedanken vom Menschen als Ebenbild Gottes, doch war es dem naturrechtlichen Gedanken bis ins Mittelalter gemein, dass sie den Naturrechtsgedanken nicht in Zusammenhang mit individuellen Rechten setzte, sondern vielmehr die Verpflichtungen des Einzelnen innerhalb der Gemeinschaft wiederspiegelten. Im Umkehrschluss bestanden diese Verpflichtungen jedoch nicht für die Gemeinschaft bzw. die Herrschenden gegenüber den Individuen.[2] Die Menschen hatten also Bürgerverpflichtungen, jedoch keine Bürgerrechte.[3]

Mit den aufkommenden politischen, ökonomischen und sozialen Veränderungen der europäischen Neuzeit wurde das auf das Individuum ausgelegte Menschenbild gefördert. Das an der Gemeinschaft ausgerichtete Menschenbild wich der neuen politischen Philosophie „von Betonung der Pflichten des Einzelnen hin zu den Rechten des Einzelnen.“[4] Insbesondere die Krise der bisher als unantastbar geltenden religiösen und politischen Ordnung, der wachsende Einfluss der Bürgertums und die langeanhaltenden Konfessionskriege waren Gründe für die Entstehung einer neuen politischen Philosophie.[5] Zunächst wurden diese neuen Rechte des Einzelnen vor allem als Abwehrrechte des Individuums gegenüber staatlicher Willkür begriffen. Diese moralisch begründeten und universellen Abwehrrechte wurden als positive Rechte begriffen, welche der Staat zu garantieren hatte.

Mit der „Magna Charta Libertatum“ aus dem Jahr 1215 fanden Teile dieses Grundgedanken zum ersten Mal Eingang in der positiv rechtlichen Wirklichkeit.[6] Die Magna Charta gilt als ein erster Schritt zu einem fundamentalen Herrschaftsvertrag, den der Herrschende mit den Beherrschten einzugehen hatte, um Machtmissbrauch und Willkür der Herrschenden einzudämmen.

Mit der „Bill of Rights” von 1698 und der „Habeas Corpus Akte“ von 1679 wurde die Macht der Monarchen noch weiter eingeschränkt.

Zu einem richtigen Durchbruch kommt es mit der amerikanischen „Virginia Bill of Rights“ von 1776 und der „Declaration des droits de l’hommes et du citoyen“ von 1789 in Frankreich. Hier wurden explizit Rechte jedes Individuums, die vom Staat garantiert werden sollten, in einer Erklärung niedergeschrieben.[7]

In der Philosophie war der Menschenrechtsgedanke jedoch schon weit früher präsent und den Deklarationen weit voraus. Als Grundlage der Deklarationen gelten insbesondere die Werke von Thomas Hobbes (Leviathan), John Lockes (Two Treatise of Government) und Jean-Jacques Rousseau (Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts). Diese Entwicklung kann man sicherlich nicht als ex nihilo verstehen. So waren beispielweise die Gedanken von Aristoteles und der Scholastik sehr einflussreich auf die damalige gedankliche Entwicklung.[8]

Einen sehr bedeutenden Beitrag für das moderne Menschenrechtsverständnis lieferte 1798 Immanuel Kant mit seinem Hauptwerk „Die Metaphysik der Sitten“.

Heute finden sich Menschenrechte in verschiedensten Verfassungen der Staaten wieder. Nach den grausamen Erfahrungen des zweiten Weltkriegs wurden diese in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen 1948 ratifiziert und niedergeschrieben. Diese Erklärung wird heute von nahezu allen Staaten akzeptiert.[9] Der „internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ sowie der „Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte“ von 1966 erweitern diese Rechte und bilden zusammen die so sogenannte „Bill of Rights“, die zwar bereits im Jahre 1966 verabschiedet wurde, jedoch erst 1977 in Kraft trat.[10] Allen Erklärungen liegt der Grundgedanke zugrunde, dass jeder Mensch angeborene und unveräußerliche Rechte hat, die von jedem Staat gewährt werden müssen.[11] Die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ ist ein umfangreicher Katalog von 30 Artikeln, in dem höchst unterschiedliche Menschenrechte formuliert sind. Die Präambel benennt die „Menschenrechte als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal“[12] Die Vertreter fast aller Staaten einigten sich auf dieses normative Ideal, da die Verbrechen der deutschen Nazis und die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs noch tief in drückender Erinnerung in den Köpfen weilten.[13]

2. Was sind Menschenrechte?

Menschenrechte sind Rechte, die jedem Menschen unabhängig von seiner Stellung, Gesellschaft, seiner Staatsangehörigkeit, seiner Religion oder seinem Geschlecht angeboren sind und als unabdingbar gelten, um ein Leben in Würde zu führen. Über die Frage, welche Rechte jedoch unabdingbar sind und welchen Rechten Vorrang gegenüber anderen Menschenrechten zu erteilen sind, wird heftig debattiert.

Einerseits kann man die Menschenrechte als moralisch begründete Rechte verstehen, die für alle Menschen auf der Welt gleich gelten sollen. Andererseits bedürfen Sie, „um vollwertige Rechte zu werden, einer Verrechtlichung, ein Prozess, der sowohl innerstaatlich wie zwischenstaatlich zu verstehen ist.“[14] Diese Verrechtlichung erfolgte später durch die internationalen Pakte der Vereinten Nationen und durch ihren Einbau als Grundrechte in die einzelstaatlichen Verfassungen und sind einem höchst schwierigen politischen Prozess der Ausbalancierung von historischen, nationalen und wirtschaftlichen Interesen geschuldet.[15]

Die Menschenrechte stehen also zwischen einer moralischen Idealisierung auf der einen Seite und einer politisch ausgehandelten, rechtlichen Institutionalisierung auf der anderen Seite.[16]

In den gängigen Publikationen und Diskussionen zu Menschenrechten wird zwischen zwei Freiheitsrechten unterschieden: zwischen den positiven und den negativen Freiheitsrechten. Diese Kennzeichnungen sollen im Folgenden genauer unter die Lupe genommen werden.

3. Negative Freiheitsrechte

Der Begriff negative Freiheit bedeutet zunächst einmal die „Freiheit von“ und somit im Allgemeinen das frei sein von äußeren und inneren Zwängen. Sie kann sich sowohl auf die Willens- als auch auf die Handlungsfreiheit beziehen. Der Begriff negativ meint, dass niemand Gewalt gegen mich initiieren darf, wie es ihm beliebt.

[...]


[1] Vgl. Weston, Burns H.: Human Rights. Questions for Reflection and Discussion, 1992, in: Claude, Richard; Weston, Burns H. (Hrsg.): Human Rights in the World Community, Philadelphia 1992, S. 14.

[2] Vgl. Hamm, Brigitte: Menschenrechte: Ein Grundlagenbuch, Opladen 2003, S. 16.

[3] Vgl. Probst, Manuel: Die Menschenrechte als universeller Rechtsmaßstab. Eine ideengeschichtliche Analyse, Arbeitspapier Nr. 2/2006, Universität Hamburg, Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, 2006, S. 8.

[4] Hamm, Brigitte: Menschenrechte, 2003, S. 16.

[5] Vgl. Probst, Manuel: Die Menschenrechte als universeller Rechtsmaßstab, 2006, S. 8.

[6] Vgl. Probst, Manuel: Die Menschenrechte als universeller Rechtsmaßstab, 2006, S. 8.

[7] Vgl. Probst, Manuel: Die Menschenrechte als universeller Rechtsmaßstab, 2006, S. 8.

[8] Vgl. Probst, Manuel: Die Menschenrechte als universeller Rechtsmaßstab, 2006, S. 9.

[9] Vgl. Hamm, Brigitte: Menschenrechte, 2003, S. 26.

[10] Vgl. Hamm, Brigitte: Menschenrechte, 2003, S. 26.

[11] Vgl. Probst, Manuel: Die Menschenrechte als universeller Rechtsmaßstab, 2006, S. 9.

[12] Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10.12.1948, abgedruckt in: Wolfgang Heidelmeyer (Hrsg.), Die Menschenrechte, Paderborn/München/Wien/Zürich 1982, S. 271.

[13] Vgl. Lohmann, Georg: Die Menschenrechte: moralisch, rechtlich und politisch gesehen, Vortrag an der Southeast University, Nanjiing 2007, S. 1.

[14] Lohmann, Georg: Die Menschenrechte, 2007, S. 1.

[15] Vgl. Lohmann, Georg: Die Menschenrechte, 2007, S. 2.

[16] Vgl. Lohmann, Georg: Menschenrechte zwischen Moral und Recht, in: Gosepath, Georg; Lohmann, Georg (Hrsg.): Philosophie der Menschenrechte, Frankfurt a. Main 1998, S.63ff.

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Details

Titel
Was sind Menschenrechte? Ein Überblick
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Menschenrechte
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V280094
ISBN (eBook)
9783656738862
ISBN (Buch)
9783656738855
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
menschenrechte, überblick
Arbeit zitieren
Dominik Mönnighoff (Autor), 2013, Was sind Menschenrechte? Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280094

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