Als meine Großeltern fernsahen und Radio hörten oder erste Eindrücke der Vorkriegsgeneration von audio-visuelle Medien


Hausarbeit, 2000
13 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Als meine Großeltern fernsahen und Radio hörten oder erste Eindrücke der Vorkriegsgeneration von audio-visuelle Medien

1. Einleitung

Da ich mich leider aufgrund einer größeren geografischen Entfernung außerstande sehe, die gestellte Aufgabe im vorgesehenen Rahmen auszuführen, habe ich mich entschlossen, die Großmutter meines Lebensgefährten zu diesem Thema zu interviewen. Diese erklärte sich auch sofort bereit, mich bei der Bewältigung der Aufgabe zu unterstützen.

Da ich die Dame bis zum gegebenen Zeitpunkt kaum kannte, musste ich mich erst mit ihren biografischen Daten auseinandersetzen, um bei dem bevorstehenden Interview ein tieferes Verständnis für das Gesagte aufbringen zu können. Mein Interviewpartner neigte dazu, alle medialen Ereignisse vor dem Hintergrund des jeweils spezifischen Lebenskontextes aus der Erinnerung hervorzukramen. Man musste teilweise sehr genau hinhören, um einzelne Passagen des Interviews im medialen Zusammenhang zu erkennen.

Ich möchte mich, nach einer anfänglich kurzen Beschreibung der Methodik des biografischen Interviews, über einen historischen Abriss der Entstehungsgeschichte von Rundfunk und Fernsehen zum eigentlichen Kern der Thematik vorarbeiten: die Darstellung der Mediengeschichte in der Lebensgeschichte. Anhand der schwerpunktmäßigen Dokumentation der verschiedenen Rezeptionsformen, der bevorzugten Programminhalte und der parallel dazu ablaufenden sozialen Veränderungen, soll eine Mediengeschichte konstruiert werden, die sich aus den Ergebnissen des biografischen Interviews zusammensetzt.

2. Erinnerungsaktivierung im biografischen Interview

Der alltäglich Gebrauch der Medien, insbesondere derjenige des Radios und des Fernsehgerätes, führt dazu, dass die Erinnerung an frühere Lebensgewohnheiten im Umgang mit Medien und deren Veränderung erschwert wird. Es entstand für mich also

die Notwendigkeit, Erinnerungen im Zusammenhang mit Medien zu aktivieren, ohne entscheidend in den biografischen Konstruktionsprozess des Interviewpartners einzugreifen.

Für mich stand außer Frage, dass ich mich im Vorfeld so intensiv wie nur möglich mit den Medien Fernsehen und Hörfunk, vor allem mit deren geschichtlichen Werdegang und deren Verbreitung, auseinandersetzen musste. Ich bediente mich relevanter Literaturquellen die ich eifrig zu lesen begann, um mir ein Wissensgerüst anzueignen, dessen ich mich während des Interviews unterstützend bedienen konnte. Mit diesem Basiswissen bewaffnet und nach einer kurzen einführenden Information des Gegenübers, begann das Abenteuer biografisches Interview.

Im nachhinein muss ich festhalten, dass sich ein Mindestmass an themenspezifischem Vorwissen als in höchstem Maße hilfreich erwies. Ich versuchte, das Interview nicht zu steuern oder störend einzugreifen sondern konnte teilweise „Zündungen“ (in Form von Stichworten: Namen von SchauspielerInnen, Filme, Radioprogramme, etc) liefern - also eine Erinnerungsaktivierung auslösen. Diese wurden nicht nur dankbar angenommen, sie ermöglichten auch einen Verlauf des Interviews in entspannter Atmosphäre.

3. Chronik der österreichischen Rundfunklandschaft – Zahlen und Fakten

Im Jahr 1924 fand die Verleihung der Konzession statt und man begann mit Probesendungen aus dem Studio im ehemaligen Kriegsministerium (Wien I). Im September 1924 ging die erste konstituierende Generalversammlung der RAVAG über die Bühne, bei der Oskar Czeija zum Generaldirektor bestellt wurde. Darauf folgte im Oktober die offizielle Eröffnung des Rundfunkbetriebes, die Programmzeitschrift „Radio Wien“ wurde von der RAVAG herausgegeben und etablierte sich als erstes Medium über ein Medium. Bereits 20 Tage nach der offiziellen Eröffnung des Hörfunks zählte man 30.000 Rundfunkteilnehmer, bis zum Jänner 1925 stieg die Zahl der registrierten Teilnehmer auf 100.000 an.

Die RAVAG adaptierte neue Studienräume in der Johannesgasse im 1. Wiener Gemeindebezirk, überhaupt begann sich das neue Medium in Österreich auszubreiten (Grazer Schlossbergsender: Eröffnung am 30. März 1925; Sender Klagenfurt: Februar 1927; Sender Innsbruck: Juni 1927). Erste Höhepunkte des Hörfunkprogramms bildeten eine drahtlose Übertragung aus London und die Ausstrahlung der Salzburger Festspiele im August 1925.

Ende der 30er Jahre begann man mit der Etablierung eines mitteleuropäischen Programmaustauschs, außerdem gab es nun regelmäßig Sportreportagen (mit tragbaren Kurzwellensendern), die „Aktuelle Stunde“ wurde von der RAVAG eingeführt. 1929 wurde das „wandernde Mikrophon“ zum ersten Mal eingesetzt, das den Reportern eine flexiblere Berichterstattung erlaubte und den Arbeitsalltag erheblich erleichterte.

Im Mai 1933 wird der Großsender Bisamberg (100 kW) in Betrieb genommen. Im November desselben Jahres zählte man bereits 500.000 registrierte Hörer.

Nicht zuletzt durch den mitteleuropäischen Programmaustausch erfreute sich das Programmrepertoire des Hörfunks einer immer größeren Vielfalt. Die RAVAG war aber auch bemüht, ihr Programm permanent zu erweitern und für jedermann Interessantes anzubieten. Das Programm reichte von der „Turnstunde“, über Übertragungen aus dem Parlament, Dreiländerreportagen Bayern-Österreich-Schweiz, die „Geistliche Stunde“ und regelmäßigen Gottesdienstübertragungen bis zu den am Vormittag ausgestrahlten „Frauen-Stunden“. Daran kann man auch ganz deutlich erkennen, welche Bedeutung den Frauen von Anfang an bei der Programmgestaltung zukam. Die Rolle, die ihnen bei der Rezeption des damals neuen Mediums zufiel, deckte sich mit der sozialen Rolle der Frau.

Am 9. März 1938 kündigte Schuschnigg bei der Übertragung der Innsbrucker Rede die Volksabstimmung an. Nur zwei Tage später wurden der Programmbetrieb von der deutschen „Reichsrundfunkgesellschaft“ und der Sendebetrieb von der deutschen „Reichspost“ übernommen. Bereits am 12. März 1938 meldeten sich die Sender der ehemaligen RAVAG mit der Ansage: „Hier ist der deutsch-österreichische Rundfunk“. Der Rundfunk gehörte nunmehr der Hauptabteilung 7 der NSDAP-Landesleitung Österreich an. In der Folge (1939) erwarb die „Deutsche Reichspost-Direktion“ von der Reichsrundfunkgesellschaft die Sendeanlagen der ehemaligen RAVAG. Es wurde eine Neugliederung des „Ostmärkischen Rundfunkwesens“ vorgenommen, die Reichsrund-

funkgesellschaft übernahm das RAVAG-Vermögen und im Wiener Handelsregister erklärte man die RAVAG für erloschen.

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Als meine Großeltern fernsahen und Radio hörten oder erste Eindrücke der Vorkriegsgeneration von audio-visuelle Medien
Hochschule
Universität Wien  (Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
iG 2: Medien- und Kommunikationsgeschichte
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V2801
ISBN (eBook)
9783638116893
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Empirische Arbeit ohne Fremdquellen.
Schlagworte
Großeltern, Radio, Eindrücke, Vorkriegsgeneration, Medien, Medien-, Kommunikationsgeschichte
Arbeit zitieren
Michaela Fabian (Autor), 2000, Als meine Großeltern fernsahen und Radio hörten oder erste Eindrücke der Vorkriegsgeneration von audio-visuelle Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2801

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