Zur Repräsentation von Bezugswelten in zeitgenössischen Kochbuchkonzepten und Kochzeitschriften


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

12 Seiten, Note: 1

Maria Mendel (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung und Methodik

II. Analyse
1. Zwei Kochbuchkonzepte: 50er / 60er Jahre vs. Tim Mälzer Born To Cook (2004)
2. Aktuelle Kochbuchkonzepte
2.1 Christian Begyn Huhn á la Cartoon vs. Sebastian Dickhaus Kochen! Das Gelbe
3. Kochzeitschriften: Essen & Trinken
3.1 Metaphorischer Sprachgebrauch und Bezugswelten
4. Veganer- Fanzine: Kochen ohne Knochen
4.1 Metaphorischer Sprachgebrauch und Bezugswelten

III. Zusammenfassung

IV. Literaturliste

I. Einleitung und Methodik

In der folgenden Arbeit soll anhand von ausgewählten Textbeispielen (Anspruch auf Vollständigkeit wird keinesfalls erhoben) die Vielfalt der gegenwärtigen Publikationen in dem Bereich Kochbuch - Kochzeitschriften in einem synchronen Ansatz untersucht werden.

Die Frage nach den Bezugswelten von Kochbuch- Kochzeitschriftenkonzepten legt die Annahme zugrunde, dass man im Falle des Untersuchungsgegenstandes von einer Textsorte ausgehen kann, die eine spezifische Textfunktion erfüllt.

Brinker ist zuzustimmen, dass der Terminus der „Textfunktion“ sich anknüpfen lässt an den allgemeinsprachlichen Gebrauch des Begriffes „Funktion“. Anders gesagt, ist sie der „Sinn, den ein Text in einem Kommunikationsprozess erhält, bzw. der Zweck, den ein Text im Rahmen einer Kommunikationssituation erfüllt.“ (Brinker 2010: 78)

Für den Untersuchungsgegenstand bedeutet dies, dass der Käufer/Rezipient eines Kochbuches/Kochzeitschrift mit dem Autor des Werkes in einen kommunikativen Modus tritt, der über den rein informativen Modus hinausgeht. Der Kochbuchautor/ Zeitschriften- redakteur versucht, durch seine jeweilige Konzeption auf den Käufer einzuwirken. Es handelt sich dabei um eine zielgerichtete Tätigkeit, ist also sprachliches Handeln und somit intentional.

Im Gegensatz zur Textsorte der Kochrezepte besteht allerdings hier keine appellative Funktion. (Vgl. Brinker 2010: 78) Höchstens ließe sich von einer persuasiven Funktion sprechen, indem der Käufer zum Kauf des Kochbuches überredet werden soll.

Für die vergleichende Analyse von Kochbuchkonzepten ist jedoch die Frage nach den jeweils zugrunde liegenden Bezugswelten von Interesse. Mit Ziem ist zu konstatieren, dass im Sinne des psychologischen Sprachverstehens zwei Sprachen existieren: Die explizite „äußere Sprache“ und die implizite „innere Sprache“. (Ziem 2008:158)

Demzufolge ist Sprachverstehen ein Vorgang, bei dem sprachlicher Input in kognitive Strukturen verwandelt wird. (Ziem 2008: 157) Dies führt im Ergebnis zu „einer bedeutungsgesättigten konzeptuellen Struktureinheit.“ (Ziem 2008: 157- 158)

Was dies für die individuelle Kommunikationssituation des Rezipienten, der sich für ein bestimmtes Kochbuch entscheidet bedeutet, wird im praktischen Teil ausgeführt werden.

Welche Rolle und Bedeutung Inferenzen und Intertextualität beim Rezipieren von Kochbuchkonzepten spielen, wird ebenfalls im praktischen Teil zu erläutern sein. Nur ein Beispiel sei vorweg gegeben, um den Begriff der Inferenz im Kontext einer „semantischen Epistemologie“ (Ziem 2008: 158) mit Inhalt zu füllen. Wenn in den Veganer- Fanzinen von „Robin Food“ die Rede ist, so ist der Begriff nur im Rückgriff auf den legendären Helden spätmittelalterlicher englischer Balladenzyklen zu verstehen. Erst durch die Kenntnis der historischen Vorlage kommt es zu der Bedeutungsaktualisierung und der affektiv- positiven Konnotierung vom Vorkämper für soziale Gerechtigkeit, als die die Veganer sich im Hinblick auf eine öko- soziale, umweltpolitische political correctness verstehen. Hier wird deutlich, dass erst das verstehende Individuum dem sprachlichen Zeichen Bedeutung geben kann. (Ziem 2008: 158)

Die Rolle von Inferenzen, auf die in der praktischen Analyse genauer eingegangen werden soll, liegt also in der „Kohärenzetablierung“ und der „Referentialisierung“. (Ziem 2008: 159- 169) Kohärenz bezeichnet demnach die Verknüpfung einer konzeptuellen Struktur mit einer neuen. Dies kann laut Ziem auf den Ebenen von Wort- Satz- Text geschehen. (Ziem 2008: 160) Zur Interpretation von Zeichen steht dem Rezipienten Vorwissen zur Verfügung, sei es allgemeines Weltwissen, Sachwissen oder enzyklopädisches Wissen. Ziem spricht in dem Zusammmenhang auch von „Frames“, oder typisiertem Wissen. (Ziem 2008: 161) Inferenzen werden wissensbasiert übertragen,daher spricht er auch von einem „Übersetzungsprozess“ der stattfindet. (Ziem 2008: 161)

Schemata werden beim jeweiligen Rezipienten aktiviert, durch dieer eine mentale Repräsentation der Realität konstruiert. (Vgl. Ziem 2008: 160) Mit diesem Übersetzungsprozess sind auch Emotionen auf Seiten des Rezipienten verbunden. Auf der affektiv- emotionalen Ebene ist festzuhalten, dass die Entscheidung für ein bestimmtes Kochbuch auch daran gekoppelt ist, inwiefern der Käufer/Rezipient sich mit den Bezugswelten, die in der Konzeption des Kochbuches inferiert werden, identifizieren kann. Es geht unter anderem auch um die Bestätigung eines gleichen oder ähnlichen Weltbildes, wenn der Käufer sich beispielsweise für Veganer- oder Vegetarier- Kochbücher entscheidet. Fandrych unterscheidet bei der Analyse von Textsorten unter mehreren Textfunktionen, da sie Struktur und sprachliche Ausgestaltung entscheidend mitbestimmt. (Fandrych 2011: 29) Er versteht seine Darstellung der Textfunktionen als „heuristisches Modell“, das Textsortenkonventio- nen herausarbeitet, und diese mit „den gesellschaftlichen Zwecken und der kommunikativen Einbettung der Textsorte verbindet.“ (Fandrych 2011: 29) Wichtig ist für ihn hierbei die „Beschreibung des Verstehenszusammenhangs“, (Fandrych 2011:29) was von Adamzik als „Weltbezug“ bezeichnet wird (Adamzik 2004:64), ein Begriff, der m.E. treffsicherer ist, ganz besonders im Hinblick auf den hier untersuch- ten Gegenstand.

Fandrych ordnet Kochrezepte unter der instruktiven Funktion ein. (Fandrych 2011:31) Da m.E. bei den Kochbuchkonzepten eine völlig andere Textfunktion als im eher normativ verfassten, wenig variierenden (im synchronen Vergleich) Kochrezept vorliegt, ist dieser Einordnung nicht zu folgen. Vielmehr liegt eine expressiv- kommunitäre sowie auch eine soziale Funktion (Fandrych 2011: 30) vor, positioniert sich der Rezipient doch in einer post- industrialisierten, stark partikularisierten Gesellschaft und regelt in gewisser Weise die Beziehung von Selbst und Umwelt –

Gesellschaft – sozialer Gemeinschaft. (Fandrych 2011: 32) So wird dies bsw. im Veganer- Vegetarier- Flexitarier[1] - Kontext noch genauer zu erörtern sein.

Es könnte also eine Funktion von Kochbuchkonzepten sein, dass u.a. expressive Sinnsuche ein Faktor ist. Die Funktion ist jedoch jeweils abhängig von der weltanschaulich- ideologischen Ausrichtung bzw. den rigiden oder auch nicht rigiden geschlechtsspezifischen Konzepten der Zeit, in der das jeweilige Kochbuch resp. die Kochzeitschrift produziert wurde.

Welche sprachlichen Handlungen also in Kochbuchkonzepten vorgenommen werden und wie diese mit Sinnwelten bzw. Bezugswelten korrelieren, soll im Folgenden durch die Analyse von Inhaltsverzeichnissen bzw. Gliederungen sowie des Sprachgebrauchs verdeutlicht werden.

Es muss betont werden, dass die anschließenden Analysen keinem starren Raster folgen, vielmehr werden die Kriterien eher induktiv entwickelt.

[...]


[1] „Flexitarier“ sind flexible, undogmatische Vegetarier: Gelegenheitsvegetarier, e&t, 9/10, S. 54.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Zur Repräsentation von Bezugswelten in zeitgenössischen Kochbuchkonzepten und Kochzeitschriften
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich Germanistik)
Veranstaltung
Textproduktion, -Rezeption und -Interpretation
Note
1
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V280248
ISBN (eBook)
9783656737728
ISBN (Buch)
9783656737704
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
repräsentation, bezugswelten, kochbuchkonzepten, kochzeitschriften
Arbeit zitieren
Maria Mendel (Autor:in), 2011, Zur Repräsentation von Bezugswelten in zeitgenössischen Kochbuchkonzepten und Kochzeitschriften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280248

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