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Die Welt aus venezianischer Sicht. Venedig-Reminiszenzen in Calvinos "Le città invisibili" und die Verbildlichung der unsichtbaren Städte in der Bildenden Kunst

Title: Die Welt aus venezianischer Sicht. Venedig-Reminiszenzen in Calvinos "Le città invisibili" und die Verbildlichung der unsichtbaren Städte in der Bildenden Kunst

Master's Thesis , 2013 , 65 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Joana Tornow (Author)

Romance Studies - Italian and Sardinian Studies
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Summary Excerpt Details

Das umfangreiche schriftstellerische Werk Italo Calvinos entstand im Laufe mehrerer Jahrzehnte und ist geprägt durch das Experimentieren mit unterschiedlichen Textgattungen
und das Aufgreifen neuer stilistischer Elemente. Seine Feingespür und sein innovativer Geist, die sich in seiner schriftstellerischen Experimentierfreudigkeit ausdrücken,
haben dazu geführt, dass sein OEvre heute als eines der abwechslungsreichsten Gesamtwerke des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird:
Calvino [...] è tra gli scrittori italiani uno dei più sensibili e innovatori, sempre pronto a comunicare con i segni del tempo e a inserirli in una scrittura che si acuisce nel confronto tra storia e letterature.
Bereits in den Jahren vor seinem Umzug nach Paris, wo Calvino mehr als ein Jahrzehnt seines Lebens verbrachte, setzte er sich intensiv mit den Theorien seiner französischen Kollegen auseinander. Von den Einflüssen des französischen Poststrukturalismus und seinem Interesse für die Ideen der Oulipiens sowie für die Verfahren der strukturalen Textanalyse zeugen insbesondere die Texte des späten Calvino.
Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht 1972 erschienene, sich einer konkreten Gattungszuordnung entziehende Text Le città invisibili (1972), bei dem es sich um eine ré-écriture von Marco Polos Reisebericht Il Milione aus dem 13. Jahrhundert handelt.
Bereits im Jahr 1960 hatte sich Calvino erstmals mit dem Vorhaben einer ré-écriture dieses Textes beschäftigt. Das Projekt kam jedoch erst zehn Jahre später mit dem Entwurf von Le città invisibili zu einer konkreten Realisierung und zwar inhaltlich „arricchito dalla complessità delle sperimentazioni combinatorie degli anni sessanta“.
In seinem formalen, beinahe mathematisch anmutenden Aufbau ist dieser Text wiederholter Ausdruck der Affinität Calvinos gegenüber dem Experimentieren mit nichtliterarischen
Textformen.
Die vorliegende Arbeit nähert sich dem Text zunächst über den notwendigen Exkurs zu einigen theoretische Grundbegriffen, dessen Ziel es ist, das écriture-Konzept des Autors speziell im Hinblick auf Le città invisibili zu erarbeiten. Das poststrukturalistische Verständnis von Text als intertextuelles Konstrukt wendet Calvino auf seine unsichtbaren Städte an, die ihrerseits als rein intertextuelles Produkt zu verstehen sind. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Einordnung von Le città invisibili in den poststrukturalistischen und postmodernen Kontext

2.1.1 Der Text als intertextuelles Konstrukt

2.1.2 Lesen als produktiver Akt

2.1.3 écriture, ré-écriture, mythécriture

2.1.4 Dekonstruktion und différance

2.2 Mythos und Mythenanalyse

2.2.1 Begriffsklärung

2.2.2 Die strukturale Mythenanalyse von Lévi-Strauss

2.3 Über Calvinos Umgang mit Intertextualität und Mythos

3. Prätext und ré-écriture

3.1 Der Prätext: Il Milione

3.1.1 Einführung

3.1.2 Wahrheitsgehalt und Spannungsaufbau

3.2 Die ré-écriture: Le città invisibili

3.2.1 Einführung

3.2.2 Die Problematik der Gattungszuordnung

3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede

3.4 Il Milione und Le città invisibili zwischen Beschreibung und Erzählung

4. Der venezianische Blick. Venedig-Reminiszenzen in den Città invisibili

4.1 Kulturell-historischer Kontext der Stadt Venedig und ihre Bedeutung als Wirtschaftsmacht

4.2 Venedig als literarischer Schauplatz und Mythos

4.3 Venedig in der Imagination Calvinos – zwischen Archetyp und Utopie

4.4 Die Stadt als initiales Dispositiv und das Funktionieren von Erinnerung

5. Textanalyse

5.1 Vorbemerkung

5.2 Città acquatiche

5.3 Handel und Handwerk

5.4 Die Bedrohungen der (modernen) Stadt

6. Die Transformation der erzählten unsichtbaren Städte in eine sichtbare Bildergalerie

6.1. Vorüberlegung

6.2. Das Verhältnis von Bild-Text und Text-Bild

6.3. Die künstlerischen Stadt-Dispositive von Cano und Corrado Brannigan

6.4. Bild-Analyse

6.4.1 Bauci - Eine Frage der Perspektive

6.4.2 Ottavia - Die Stadt als Imitation der Natur

6.4.3 Pentesilea - Die Stadt als Makrokosmos

6.4.4 Sofronia - Die demontierte Stadt

7. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Italo Calvinos Werk Le città invisibili als eine poststrukturalistische ré-écriture von Marco Polos Reisebericht Il Milione, wobei Venedig als ein zentrales, initiales Dispositiv für die Konstruktion der unsichtbaren Städte fungiert. Ziel ist es, die intertextuellen Bezüge sowie die Bedeutung der persönlichen Imagination und Erinnerung bei der Transformation dieser literarischen Städte in eine bildkünstlerische Darstellung zu analysieren.

  • Poststrukturalistische Texttheorie und das Konzept der écriture
  • Die Funktion von Venedig als literarischer Mythos und Archetyp
  • Vergleichende Analyse von Il Milione und Le città invisibili
  • Die Rolle der Erinnerung und Imagination im Schreibprozess
  • Interdisziplinäre Untersuchung der Transformation von Text in visuelle Kunst (Pedro Cano und Colleen Corradi Brannigan)

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Wahrheitsgehalt und Spannungsaufbau

Insbesondere zwei entscheidende Faktoren spielen hinsichtlich der Bewertung des Wahrheitsgehalts der Darstellungen und der Glaubwürdigkeit des Textes eine Rolle. Zum einen ist es der Umstand, dass Marco Polo das Werk nicht selbst verfasst hat, sondern dass er mit Rustichello da Pisa einen Koautoren hinzugezogen hat. Die Tatsache, dass es sich bei diesem um einen Berufserzähler handelt, wirkt sich auch inhaltlich auf das Werk aus. Als „fabbricante di libri perituri“ und „raccontatore di storie altrui, di favole, di legende“ (Milione, S.X) ist es, so Manganelli in der Prefazione zu Il Milione, „impossibile che egli non abbia cercato di interpretare Marco Polo, l’uomo che gli diceva d’aver visto l’unicorno“ (Milione, S.XI). Manganelli unterstellt Rustichello hier die mündlichen Darstellungen Marco Polos nicht nur aufgezeichnet, sondern vielmehr ganz nach seiner Gewohnheit als „cantastorie di favole medievali“ (Milione, S.IX) interpretiert zu haben. Als das Aufeinandertreffen zweier unvereinbarer Welten bezeichnet er die Begegnung zwischen Marco Polo und Rustichello und weist sodann auf das Resultat dieses unwahrscheinlichen Paares hin: „e pure dalla loro impossibile collaborazione nacque questo libro mirabile, favola e non favola“ (Milione, S. IX).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die poststrukturalistische Analyse von Calvinos Werk ein und stellt die zentrale These der ré-écriture sowie die Rolle Venedigs als Modellstadt auf.

2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die poststrukturalistischen Konzepte von Intertextualität, écriture und die strukturale Mythenanalyse nach Lévi-Strauss, die für die Textdeutung unerlässlich sind.

3. Prätext und ré-écriture: Hier wird der Vergleich zwischen Marco Polos Il Milione und Calvinos Le città invisibili vorgenommen, wobei die gattungstheoretischen Differenzen und die intertextuellen Gemeinsamkeiten im Fokus stehen.

4. Der venezianische Blick. Venedig-Reminiszenzen in den Città invisibili: Das Kapitel beleuchtet Venedig als historischen Kontext, literarischen Mythos und als zentrales Dispositiv für die Imagination des Autors.

5. Textanalyse: Eine detaillierte Untersuchung der Stadterzählungen hinsichtlich ihrer Wasserbezüge, wirtschaftlichen Aspekte und kritischen Darstellungen der modernen Stadt.

6. Die Transformation der erzählten unsichtbaren Städte in eine sichtbare Bildergalerie: Dieses Kapitel analysiert, wie die bildenden Künstler Pedro Cano und Colleen Corradi Brannigan den Text interdisziplinär in visuelle Kunstwerke transformieren.

7. Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass Le città invisibili als semiotisches Spiel verstanden werden muss, das durch die Offenheit des Textes und die persönliche Imagination der Rezipienten neue Bedeutungen generiert.

Schlüsselwörter

Italo Calvino, Le città invisibili, Marco Polo, Il Milione, Intertextualität, Poststrukturalismus, Venedig-Mythos, ré-écriture, écriture, strukturale Mythenanalyse, Claude Lévi-Strauss, Imagination, visuelle Kunst, Pedro Cano, Colleen Corradi Brannigan

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Italo Calvinos Le città invisibili und Marco Polos Reisebericht Il Milione, wobei sie das poststrukturalistische Verständnis von Texten als intertextuelle Konstrukte nutzt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die Literaturtheorie (Poststrukturalismus), der Mythos Venedig als Ausgangspunkt der Imagination sowie die künstlerische Transformation von literarischen Texten in visuelle Medien.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit fragt danach, inwieweit Venedig als "initiales Dispositiv" für die Städte in Le città invisibili dient und wie persönliche Imagination und Erinnerung die Transformation dieser fiktiven Städte in Kunst beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die poststrukturalistische Ansätze (Intertextualität, écriture) mit der strukturalen Mythenanalyse nach Lévi-Strauss kombiniert und um einen kunsthistorischen Vergleich erweitert.

Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?

Der Hauptteil befasst sich mit dem theoretischen Fundament, dem direkten Vergleich der Texte Il Milione und Le città invisibili sowie der Analyse spezifischer Städte unter Berücksichtigung der Venedig-Reminiszenzen und der künstlerischen Interpretationen.

Was charakterisiert die Arbeit in Bezug auf ihre Keywords?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Intertextualität, ré-écriture und die Verknüpfung von Literatur und Bildender Kunst, wobei die Subjektivität der Wahrnehmung im Zentrum steht.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen den Reisenden in beiden Werken?

Die Arbeit betont, dass Marco Polo im Milione als historischer Kaufmann agiert, während der fiktive Erzähler bei Calvino als ein dezentriertes Subjekt fungiert, dessen Wahrnehmung durch Erinnerung und Imagination an Venedig geprägt ist.

Warum spielt die Kunstbetrachtung eine so zentrale Rolle im letzten Kapitel?

Die Kunstbetrachtung demonstriert praktisch das poststrukturalistische Konzept, dass ein Text nicht durch eine endgültige Wahrheit, sondern durch die produktive Lektüre (und Sichtbarmachung) des Rezipienten bzw. Künstlers lebt.

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Details

Title
Die Welt aus venezianischer Sicht. Venedig-Reminiszenzen in Calvinos "Le città invisibili" und die Verbildlichung der unsichtbaren Städte in der Bildenden Kunst
College
University of Potsdam  (Romanistik)
Grade
1,0
Author
Joana Tornow (Author)
Publication Year
2013
Pages
65
Catalog Number
V280276
ISBN (eBook)
9783656764380
ISBN (Book)
9783656764397
Language
German
Tags
Italo Calvino Marco Polo Venedig Kunst Pedro Cano Kublai Khan Romanische Literatur Italienisch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Joana Tornow (Author), 2013, Die Welt aus venezianischer Sicht. Venedig-Reminiszenzen in Calvinos "Le città invisibili" und die Verbildlichung der unsichtbaren Städte in der Bildenden Kunst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280276
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