Frage nach Parametern Klangfarbe und Raum in der Neuen Musik nach 1950 wird exemplarisch an Pierre Boulez' Sur Incises durchexerziert
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sur Incises Analyse
a. Instrumentierung
b. Gifle, Toccata und Stroboskopie
c. Der Sacher-Hexachord
d. Revision von Incises
e. Signal, Hülle, Satellit und Verstärkung
3. Klangfarbe und Raum in Sur Incises
a. Klangfarbe
b. Raum und Räume
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "Sur Incises" (1996/1998) von Pierre Boulez hinsichtlich seiner kompositorischen Struktur, mit einem besonderen Fokus auf die Funktionen der musikalischen Parameter Klangfarbe und Raum. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob diese Parameter motivische Funktionen übernehmen und somit als Substitute für herkömmliche Themen oder Motive innerhalb der Neuen Musik fungieren können.
- Analyse der kompositorischen Struktur und der Verwendung von Parametern
- Untersuchung der "Refraktion" als zentrales Kompositionsprinzip
- Bedeutung von Klangfarbe und Raum als strukturgebende Elemente
- Vergleich der Revision von "Incises" hin zu "Sur Incises"
- Diskussion zur Erfahrbarkeit von komplexer Struktur in der Neuen Musik
Auszug aus dem Buch
b. Gifle, Toccata und Stroboskopie
Das erste von zwei Momenten dieses Stückes, welches die direkte Weiterverarbeitung von Incises darstellt, beginnt mit der Verteilung des für das ganze Stück zentralen SACHER-Hexachords – der hier auch noch gesondert thematisiert werden wird – über die drei Klaviere, während das Schlagwerk zwischen rapiden Repetitionen des Tons F und arppegioähnlichen 32tel-Läufen wechselt. Ein kurzer Übergangsteil in den Pianos endet ebendort auf der Repetition des Tons Fis/Ges, welcher hiernach in einer merkwürdig impressionistisch anmutenden, weil anfangs tonalen Akkordfolge als Spitzenton fungiert. Die angedeutete Tonalität wird jedoch sofort entfernt, es folgen atonale Mehrklänge, welche vom dreifachen piano ins dreifache forte und in das erste zentrale Motiv des Stückes führen: einen Schlag (Boulez nennt es la gifle), der in drei Teile unterteilt verstanden werden soll.
Erstens der Schlag selber, ein Akkord mit einem gleichbleiben Spitzenton, hier F, im dreifachen forte, der eine Resonanz erfährt. Die Resonanz geschieht ebenfalls in dreierlei Weise: erstens durch einen mit Haltebogen notierten Folgeakkord, der in niedrigerer Lautstärke gespielt wird; zweitens durch den enormen Nachhall des unterstützenden Schlagwerks; und drittens durch die Harfen, welche zwar zurückhaltend, aber dennoch hörbar die Klaviere doppeln. Der Akkord wird insgesamt also vervielfacht und über den Ensembleapparat verteilt (vgl. Partitur Studienziffer 6).
Der zweite Teil des gifle bildet die Expansion ins Bassregister. Dies geschieht sehr anschaulich in einer siebenteiligen Akkordprogression in Klavier 1, erneut Schlag-artig im dreifachen forte, welche den Hexachord in zwei Dreiklänge unterteilt, wobei der untere Dreiklang im Register abwärts geführt wird (Partitur Studienziffer 7).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Neuen Musik ein, indem sie das Verhältnis zwischen strukturellen Merkmalen einer Komposition und deren Wahrnehmbarkeit durch den Hörer thematisiert.
2. Sur Incises Analyse: Dieses Kapitel analysiert das Werk "Sur Incises" detailliert hinsichtlich seiner Instrumentierung, der zentralen Gesten wie "Gifle", der Bedeutung des Sacher-Hexachords, der revisionsbasierten Entstehungsgeschichte sowie der spezifischen kompositorischen Terminologie von Boulez.
3. Klangfarbe und Raum in Sur Incises: Dieses Kapitel untersucht, wie durch die gezielte Instrumentierung, Positionierung und Dynamik Klangfarbe und Raum als konstituierende Elemente zur Strukturierung des Werkes beitragen.
4. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Klangfarbe und Raum in "Sur Incises" motivische Funktionen übernehmen und trotz der komplexen Struktur eine unmittelbare, teils archetypische Erfahrbarkeit ermöglichen.
Schlüsselwörter
Pierre Boulez, Sur Incises, Neue Musik, Klangfarbe, Raum, Sacher-Hexachord, Instrumentierung, Refraktion, Stroboskopie, Motiv, Thema, Analyse, Kompositionstechnik, Elektroakustik, Virtuosität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Werk "Sur Incises" von Pierre Boulez und untersucht dabei, wie die musikalischen Parameter Klangfarbe und Raum als strukturgebende und motivische Elemente fungieren.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Die zentralen Themen sind die instrumentale Besetzung, kompositorische Analyse von Gesten, die Bedeutung des Sacher-Hexachords sowie die Rolle von Raum und Klangfarbe in der modernen Instrumentalmusik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob Klangfarbe und Raum in "Sur Incises" motivische Funktionen übernehmen und als Substitute für traditionelle Motive oder Themen dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse des Werks im Kontext der Neuen Musik, wobei neben der Notentextanalyse auch Konzepte der musikalischen Struktur und des vom Komponisten entwickelten Vokabulars verwendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der kompositorischen Struktur, die Untersuchung der Revision vom ursprünglichen "Incises" zu "Sur Incises" sowie eine spezifische Betrachtung der Funktionen von Klangfarbe und Raum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pierre Boulez, Sur Incises, Klangfarbe, Raum, Sacher-Hexachord, Refraktion und motivische Funktion charakterisiert.
Was bedeutet der Begriff "Refraktion" im Kontext von "Sur Incises"?
Refraktion beschreibt das zentrale Kompositionsprinzip, bei dem sich der Klavierklang im umgebenden Instrumentarium sowie im Sacher-Hexachord spiegelt und in komplexer Weise entfaltet.
Warum wird das Werk "Sur Incises" als besonders wertvoll für die moderne Musik erachtet?
Es wird als wertvoll erachtet, da es durch seine komplexe, vielschichtige Struktur und die bewusste spielerische Handhabung von "Stroboskopie" ein exzellentes Beispiel für die Vermittlung und Erlebbarkeit von Parametern in der Neuen Musik darstellt.
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- Lukas Heger (Author), 2014, Klangfarbe und Raum in Pierre Boulez‘ Sur Incises (1996/1998), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280391