Die soziale Arbeit ist geprägt von den verschiedensten Konfliktfeldern. Daraus ergibt sich, dass auch ein großes Potential für die Möglichkeit von Konfliktvermittlungen vorhanden ist. Jedoch ist, je nach Arbeitsgebiet, die Färbung der Methodik durch die anerkannten Spielräume und Arbeitsweisen der jeweiligen Fachrichtungen mitbestimmt. „Ein Sozialarbeiter, der zur Konfliktbewältigung aufgerufen wird, greift in der Regel auf die Methode zurück, die in seinem Tätigkeitsfeld als fachlich anerkannt, angemessen und erfolgsversprechend gilt“. Dabei kann es sein, dass es nicht im Interesse der Institution ist, bei welcher der Sozialarbeiter arbeitet, dass die Konflikte bis aufs kleinste Detail und ausführlich bearbeitet werden. Das kann zum Beispiel in einer totalen Institution wie einem Gefängnis der Fall sein.
Die verschiedenen Möglichkeiten der Konfliktvermittlung lassen sich in vier Bereiche einteilen. Der erste Bereich ist die Vermittlung in Konflikten innerhalb von Familien. Der zweite Bereich ist die Gruppe der Konflikte von Individuum zu Individuum auf nichtfamiliärer Ebene. Der dritte Bereich umfasst Konflikte von Individuum zu Institution. Der vierte Bereich ist der Bereich von Konflikten zwischen Institutionen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konflikte als Störfaktor oder als Chance
2.1 Grundsätze erfolgreicher Konfliktvermittlung im Sinne von Mediation
2.1.1 Allgemeine Voraussetzung des Mediationsverfahrens
2.1.2 Von den Konfliktparteien zu beachtende Grundsätze
2.1.3 Die grundsätzlichen Anforderungen an die „dritte Partei“
2.2 Phasen der Konfliktvermittlung im Sinne von Mediation
2.2.1 Die Vorbereitungsphase
2.2.2 Die Einleitungsphase
2.2.3 Die Sichtweise der einzelnen Kontrahenten
2.2.4 Konflikterhellung/-Vertiefung
2.2.5 Problemlösung/ Entwurf von Lösungen
2.2.6 Übereinkunft
2.2.7 Umsetzungsphase
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die verschiedenen Möglichkeiten der Konfliktvermittlung in unterschiedlichen Feldern der Sozialen Arbeit. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie professionelle Sozialarbeiter in festgefahrenen Konfliktsituationen intervenieren können und inwieweit die Methode der Mediation, mit ihren spezifischen Grundsätzen und Phasen, in verschiedenen institutionellen Kontexten anwendbar oder modifizierbar ist.
- Sichtweisen auf Konflikte als Störfaktor oder als Chance in der Sozialen Arbeit
- Grundsätze und Rahmenbedingungen eines erfolgreichen Mediationsverfahrens
- Phasen der Konfliktvermittlung von der Vorbereitung bis zur Umsetzung
- Herausforderungen der Anwendung von Mediation in verschiedenen sozialen Arbeitsfeldern
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die Vorbereitungsphase
In der Vorbereitungsphase kommt es zur ersten Kontaktaufnahme zwischen dem Mediator und den Konfliktparteien. Im Idealfall kommt die Initiative von beiden Parteien, die sich hilfesuchend an den Mediator wenden. Wahrscheinlicher ist aber die Alternative, dass nur ein Konfliktbeteiligter mit dem Mediator Kontakt aufnimmt. Dabei kommt dem Mediator die Aufgabe zu, die verbleibende Konfliktpartei zu einem Vermittlungsgespräch zu motivieren und einzuladen. Es ist meist eher schädlich, wenn die Aufforderung von der konkurrierenden Partei kommt, da dann ein Trick vermutet werden kann. Die Einladung des Mediators sollte so formuliert werden, dass schon in dieser Phase die Basis für ein vertrauensvolles Verhältnis gelegt wird. Die Konfliktparteien sollten zu einem Mediationsgespräch bereit sein, und nicht dazu gedrängt werden. Das wäre für den erfolgreichen Verlauf eher hinderlich. Es kann auch dazu kommen, dass der Mediator über Dritte informiert wird und dann mit beiden Konfliktparteien in Kontakt treten muss.
Wenn die Konfliktparteien ihr Interesse an der Mediation bekundet haben, ist es Aufgabe des Mediators, sich möglichst gründlich auf den Konflikt vorzubereiten. Es kann später trotzdem als Stilmittel günstig sein, „dumme Fragen“ zu stellen, aber bei einigen Klienten kann das dazu führen, die Kompetenz des Mediators anzuzweifeln. Zur Vorbereitung kann zum Beispiel auch gehören, sich mit Sachverständigen auseinander zu setzen, um einen tieferen Einblick in die Thematik zu bekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die vielfältigen Konfliktfelder in der Sozialen Arbeit und differenziert zwischen der Konfliktvermittlung innerhalb von Familien, zwischen Individuen, zwischen Individuum und Institution sowie zwischen Institutionen.
2. Konflikte als Störfaktor oder als Chance: Das Kapitel analysiert, wie das Selbstverständnis einer Einrichtung beeinflusst, ob Konflikte lediglich unterdrückt (Störfaktor) oder konstruktiv durch Mediation bearbeitet werden (Chance).
2.1 Grundsätze erfolgreicher Konfliktvermittlung im Sinne von Mediation: Hier werden die wesentlichen methodischen Prinzipien und Kommunikationsfähigkeiten dargelegt, die für eine zukunftsorientierte „Sieger-Sieger-Lösung“ zwingend erforderlich sind.
2.2 Phasen der Konfliktvermittlung im Sinne von Mediation: Dieser Abschnitt beschreibt detailliert den siebenstufigen Ablauf der Mediation, von der ersten Vorbereitung bis zur finalen Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Anwendung von Mediationsmethoden in der Sozialen Arbeit zwar sehr wertvoll ist, aber je nach Arbeitskontext in ihrer Anwendbarkeit variiert.
Schlüsselwörter
Konfliktvermittlung, Soziale Arbeit, Mediation, Konfliktmanagement, Konstruktive Konfliktlösung, Allparteilichkeit, Sieger-Sieger-Lösung, Empathie, Kommunikative Fähigkeiten, Einleitungsphase, Vorbereitungsphase, Prävention, Verhandlungsführung, Konfliktparteien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Konfliktvermittlung in verschiedenen Bereichen der Sozialen Arbeit, wobei ein besonderer Fokus auf der Methode der Mediation liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Konflikte in Familien, zwischen Individuen, zwischen Individuum und Institution sowie zwischen Institutionen, jeweils unter dem Aspekt ihrer Bearbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Eignung der Mediation als konstruktive Methode zur Konfliktbearbeitung in der professionellen sozialen Praxis zu prüfen und aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Mediationsansätzen sowie auf eine Analyse der strukturellen Phasen, die bei einer professionellen Konfliktvermittlung durchlaufen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu den Sichtweisen auf Konflikte sowie in eine detaillierte Darstellung der Grundsätze und der sieben Phasen des Mediationsprozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Konfliktvermittlung, Mediation, soziale Arbeit, Allparteilichkeit und konstruktive Konfliktlösung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Störfaktor" und "Chance" so wichtig?
Diese Unterscheidung ist fundamental für das Handeln der Sozialarbeiter, da sie entscheidet, ob ein Konflikt repressiv unterdrückt wird oder ob er als Ausgangspunkt für eine positive, lösungsorientierte Veränderung genutzt werden kann.
Was bedeutet "Allparteilichkeit" konkret für einen Mediator?
Im Gegensatz zur reinen Unparteilichkeit bedeutet Allparteilichkeit, dass der Mediator aktiv beide Seiten unterstützt und manchmal gezielt eine Seite stärkt, um ein Gleichgewicht in der Verhandlungssituation wiederherzustellen.
Inwiefern ist die Anwendung von Mediation in totalen Institutionen schwierig?
In Institutionen wie einem Gefängnis sind die Spielräume für konstruktive Verhandlungen durch starre Regularien und sicherheitstechnische Anforderungen oft so stark begrenzt, dass eine wirkliche Mediation kaum möglich ist.
Was ist das Ziel der "Einleitungsphase" in der Mediation?
Ziel ist es, eine vertrauensvolle, angstfreie Atmosphäre zu schaffen, das Verfahren transparent zu machen und die Verbindlichkeit der Regeln sowie die Rollen von Mediator und Konfliktparteien zu klären.
- Arbeit zitieren
- Stefan Grote (Autor:in), 2002, Möglichkeiten der Konfliktvermittlung in Feldern der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280396