Eine Vielzahl von Unternehmen befindet sich in einem bedeutenden ökonomischen Wandel, der oftmals durch die zunehmende Globalisierung, den wachsenden Qualitäts- und
Servicebedarf von Kunden, starken Konkurrenzdruck sowie die kürzer werdenden Produktlebenszyklen bedingt wird. Um auf die Veränderungsprozesse des Marktes geeignet zu reagieren, ist das Projektmanagement, respektive bei einer vielfältigen Projektlandschaft - das Multiprojektmanagement, die flexible und reaktionsschnelle sowie methodische Antwort. „Durch Management by Projects werden die organisatorische
Flexibilität und Dynamik gesteigert, die Managementverantwortung dezentralisiert, das Lernen im Unternehmen verbessert und die organisatorischen Veränderungen erleichtert.“ Außerdem sind Projekte das vorrangigste Instrument, um sich den Marktanforderungen
anzupassen.
Vor diesem Hintergrund steigt der Bedarf an vielschichtigen Ressourcen, vor allem die IT und das Personal betreffend, welche sich in einer Maßnahmenvielfalt oder in organisationsübergreifenden Vorhaben niederschlagen. Die Folge ist eine „Projekte-Inflation“. Die Aufsattelung zusätzlicher Projekte ist leichter als deren Priorisierung, die Steuerung von Budgetengpässen und das Management von Kapazitäten- und Ressourcenkonflikten.
Eine repräsentative Umfrage von Droege & Comp. aus dem Jahr 2003, bei welcher 481deutsche Manager zum Erfolg der Projektziele befragt wurden, offenbarte, dass 47% der
Befragten weniger als 30% der Projektziele und 35% der Manager zwischen 30% und 70% der Ziele erreicht haben. Die dadurch geschätzten Schäden belaufen sich auf ca. 4% der Umsatzrendite. Diese Studie zeigt, dass eine frühzeitige Beschäftigung mit Risiken zu einer höheren Quote hinsichtlich einer erfolgreichen Projektzielerfüllung führt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung: Der aktuelle Markttrend
2. Zielsetzung, Abgrenzung und Gang der Arbeit
3. Konzeptionelle Darlegungen
3.1. Grundlagen
3.1.1. Projekt
3.1.2. Projektlebenszyklus
3.1.3. Multiprojektmanagement / Projektportfolio
3.1.4. Risiken von Projekten und Projektportfolios
3.1.5. Risiko- und Chancenmanagement
3.1.6. Budget / Budgetierung
3.1.7. Business Case
3.1.8. Priorisierung von Projekten
3.1.9. Tools und Techniken
3.2. Ausgewählte kritische Erfolgsfaktoren
4. Darstellung der Ausgangssituation
4.1. Rückblick auf die branchenübergreifende Konstellation im Markt
4.2. Rückblick auf die Situation bei der Zurich Gruppe Deutschland
4.3. Rückschau auf konkrete Defizite
4.4. Ziele und Auswirkungen der Multiprojektimplementierung im Risikokontext
5. Risikomanagementkreislauf
5.1. Identifikation von Risiken
5.2. Bewertung von Risiken
5.2.1. Business Case und Budget-Berücksichtigung
5.2.2. Auswertungsübersichten
5.2.3. Prozessschnittstellen
5.3. Steuerungspolitik
5.4. Überwachung und Controlling
6. Projekt-Priorisierungsmodell der Zurich Gruppe Deutschland
6.1. Kurzdarstellung des Modells
6.1.1. Multiprojektmanagement-Prozess
6.1.2. Risikomanagement-Prozess
6.2. Risikoidentifikation und -bewertung
6.2.1. „Risk-Checker“-Tool
6.2.2. Total Risk Profiling des Projektportfolios
6.2.3. Konvertierung der Risiko-Faktoren
6.2.4. Angewendeter Business Case- und Budget-Ansatz
6.2.5. Angewendete Auswertungsübersicht
6.3. Steuerungspolitik-Anwendung
6.4. Controlling- und Reporting-Anwendung
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen eines Multiprojektportfolios unter Einbeziehung von Risikoaspekten auf die Priorisierung von Projekten. Das Ziel besteht darin, durch die Quantifizierung und frühzeitige Identifizierung von Risiken eine realistischere Budgetplanung sowie eine wirtschaftlichere, proaktivere Auswahl der Projekte innerhalb eines Unternehmens zu ermöglichen.
- Multiprojektmanagement (MpM) in der Versicherungsbranche
- Methoden der Risikoidentifikation und -quantifizierung
- Integration von Risikomanagement in den Budgetierungsprozess
- Priorisierung von Projekten in einem Multiprojektportfolio
- Modellentwicklung am Beispiel der Zurich Gruppe Deutschland
Auszug aus dem Buch
3.1.4. Risiken von Projekten und Projektportfolios
Historische Wurzeln des Risikobegriffes lassen sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Das Wort „riscio“ bedeutet das Umschiffen von Klippen, bezogen auf den aufblühenden italienischen Seehandel.36
„Das Risiko quantifiziert das Ausmaß einer Unsicherheit und ermöglicht den kontrollierten Umgang damit.“37 Risiko stellt die Nichterreichung eines Ziels dar bei einer Soll-Ist-Abweichung, wobei es ökonomisch sinnvoll ist, sowohl positive wie negative Abweichungen zu betrachten. Ein Risiko ist unter ökonomischen Gesichtspunkten, die aus der Unvorhersehbarkeit der Zukunft resultierende, durch „zufällige“ Störungen verursachte Möglichkeit, von den geplanten Zielen abzuweichen.38
Die Abgrenzung von Projektrisiken aus Einzelprojekten zu Projektfortfolios ist nach folgenden Risikotypen zu klassifizieren:39
• Kumulierte Risiken: Da Risiken in den Einzelprojekten bezüglich des inhaltlichen Schwerpunkts oder Zeitraums parallel auftreten, erfolgt eine Potenzierung des Risikos für das Portfolio insgesamt.
• Risiken einer falschen Schwerpunktsetzung: Diese falschen Schwerpunkte im Projektportfolio sind Ergebnis einer ungenügenden Strategieanbindung oder ausformulierten Strategie, so dass falsche Investitionen getätigt werden.
• Risiken aus Abhängigkeiten zwischen Projekten: Wenn sich Probleme eines Projektes auf weniger risikobelastete Projekte übertragen, treten Dominoeffekte auf, indem beispielsweise ein Projekt dem falschen Fachkonzept eines anderen Projektes folgt.
• Risiken aus dem Ressourceneinsatz: Eine von mehreren Projekten nachgefragte kritische Ressource führt zu „Flaschenhälsen“.
• Risiken aus Inkompatibilitäten von Ergebnissen verschiedener Projekte: Unterschiedliche Projekte sind oftmals regulatorisch, geschäftspolitisch oder länderspezifisch different und dadurch nicht kompatibel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Der aktuelle Markttrend: Beschreibt den ökonomischen Wandel und die wachsende Bedeutung des Multiprojektmanagements zur Bewältigung von Marktanforderungen und Risiken.
2. Zielsetzung, Abgrenzung und Gang der Arbeit: Definiert das Forschungsziel, die methodische Vorgehensweise sowie die inhaltliche Fokussierung auf Risiken in der Budgetplanung und Projektpriorisierung.
3. Konzeptionelle Darlegungen: Erläutert grundlegende Begriffe wie Projekt, Risikomanagement und Budgetierung, um ein Verständnis für die wissenschaftliche Basis der Arbeit zu schaffen.
4. Darstellung der Ausgangssituation: Analysiert die historische Projektsituation, insbesondere bei der Zurich Gruppe Deutschland, und identifiziert spezifische Defizite in der bisherigen Steuerung.
5. Risikomanagementkreislauf: Detailliert den Prozess der Identifikation, Bewertung und Steuerung von Projektrisiken bis hin zur Überwachung und Kontrolle.
6. Projekt-Priorisierungsmodell der Zurich Gruppe Deutschland: Präsentiert das vom Autor entwickelte Modell zur quantitativen Berücksichtigung von Risiken bei der Priorisierung von Projekten im Portfolio.
7. Schlussbetrachtung: Führt die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit flächendeckender, risikobasierter Ansätze im Multiprojektmanagement.
Schlüsselwörter
Multiprojektmanagement, Projektportfolio, Risikomanagement, Risikokategorien, Budgetierung, Projektpriorisierung, Risikoquantifizierung, Total Risk Profiling, Risikokosten, Unternehmensstrategie, Business Case, Projektcontrolling, Risk-Checker, Risikobewertung, Ressourcenplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit behandelt die Herausforderungen bei der Priorisierung von Projekten in einem Multiprojektportfolio unter spezifischer Berücksichtigung von Risikoaspekten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen das Risikomanagement bei Projekten, die Budgetierung im Multiprojektumfeld sowie die Entwicklung eines priorisierenden Modells für Projektbündel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, ein Modell aufzuzeigen, das durch die Quantifizierung von Risiken eine realistischere Budgetplanung ermöglicht und die Projektpriorisierung systematischer und wirtschaftlicher gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem analytisch-methodischen Ansatz, der durch Literaturrecherche und Experteninterviews mit Branchenkoryphäen untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Ist-Analyse der Situation (Beispiel Zurich Gruppe Deutschland), die Beschreibung des Risikomanagement-Kreislaufs und die Präsentation eines praktischen Priorisierungsmodells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. Multiprojektmanagement, Risikomanagement, Budgetierung, Priorisierung, Projektportfolio und Risikoquantifizierung.
Wie trägt das „Risk-Checker“-Tool zur Risikobewertung bei?
Es dient als ZGD-internes Modul zur systematischen Identifikation und qualitativen Bewertung von Risikofaktoren durch Projektleiter, die in eine standardisierte vierstufige Bandbreite eingestuft werden.
Warum ist eine risikobasierte Budgetplanung notwendig?
Sie verhindert Fehlentscheidungen durch die Einbeziehung unsicherer Planannahmen und stellt sicher, dass Projekte mit angemessenem Chancen-Risiko-Verhältnis priorisiert werden, um Unternehmenswerte zu schützen.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Kaufmann (FH) Michael Kunze (Autor:in), 2008, Die Auswirkung eines Multiprojektportfolios auf die Projekt-Priorisierung unter Risikoaspekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280428