In dieser Arbeit wird eine Einordnung des Expertenstandards als Qualitätsinstrument vorgenommen und Rahmenbedingungen bei der Implementierung dargelegt. Dabei wird im Detail auf den Bedarf der externen Qualitätsentwicklung in der Pflege sowie dem Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege eingegangen. In diesem Kontext wird dessen Rolle im Zusammenhang mit Expertenstandards eingegangen. Nach Darlegung der Entwicklung von nationalen Expertenstandards folgt zur trennscharfen Darstellung der in der pflegerischen Praxis vorfindbaren Instrumente eine definitorische Abgrenzung von Standards, Leitlinien und Richtlinien. Zur Erläuterung der Monodisziplinarität als einem wichtigen Merkmal von Expertenstandards wurde unsererseits der Fokus auf die Professionalisierungsdebatte der Pflege gelegt. Dem folgt eine Diskussion über evidenzbasierte Pflege als Ausgangspunkt für ein professionelles und abgesichertes pflegerisches Handeln. Es folgt die Darlegung von vorliegenden wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen bei der Implementierung, welche zur Erlangung einer systemischeren Sichtweise beitragen sollen. Die von uns identifizierten Grenzen in der Entwicklung von Expertenstandards runden diesen Teil kritisch ab.
Aus dem Inhalt:
- Externe Qualitätsentwicklung,
- Abgrenzung von Standards, Leit- und Richtlinien,
- Monodisziplinarität,
- Evidence-based Nursing,
- Rahmenbedingungen,
- Grenzen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2 Externe Qualitätsentwicklung
2.1 Bedarf von externer Qualitätsentwicklung in der Pflege
2.2 Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege
2.3 Die Entwicklung von nationalen Standards
3 Abgrenzung von Standards, Leitlinien und Richtlinien
4 Monodisziplinarität von nationalen Expertenstandards
5 Evidence - based Nursing als Basis für professionelles pflegerisches Handeln
6 Wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen bei Implementierung
6.1 Ökonomische Implikationen im Krankenhaussektor
6.2 Qualität unter juristischen Aspekten
7 Grenzen in der Entwicklung von Expertenstandards
8 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit ordnet den Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ als zentrales Qualitätsinstrument ein und analysiert die ökonomischen sowie gesetzlichen Rahmenbedingungen, die bei dessen Implementierung in die pflegerische Praxis relevant sind.
- Bedarf und Rolle der externen Qualitätsentwicklung in der Pflege
- Abgrenzung der Begriffe Standards, Leitlinien und Richtlinien
- Monodisziplinarität als Merkmal und Chance für die Professionalisierung der Pflege
- Evidence-based Nursing als wissenschaftliche Basis pflegerischen Handelns
- Wirtschaftliche Implikationen und juristische Anforderungen bei der Implementierung
Auszug aus dem Buch
3 Abgrenzung von Standards, Leitlinien und Richtlinien
Im Zusammenhang mit der Implementierung von Standards in die pflegerische Praxis wird deutlich, dass mit der Verwendung des Begriffes „Standard“ innerhalb der gesichteten Literatur uneinheitliche Verständnismuster vorfindbar sind. Manche Autoren sprechen in diesem Zusammenhang auch von einem „heillosen Durcheinander“ und in der Praxis entsprechenden Verwirrung, was Terminologie, Umsetzung und somit auch die Implementierung von Pflegestandards angeht (vgl. Bölicke/Steinhagen-Thiessen 2002, 182). Benachbarte Konzepte wie Leit- oder Richtlinien werden zum Teil mit Standards gleichgesetzt oder zumindest sehr unterschiedlich verwendet. Beispielsweise wird der nationale Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ in einer breit zugänglichen Veröffentlichung unter anderem als „breit akzeptierte Leitlinie“ bezeichnet (Leffmann et al. 2003, 16). Trede (1997) weist in ihrer Literaturanalyse über Ziele und Merkmale von Pflegestandards darauf hin, dass innerhalb der Analyse große Uneinheitlichkeit in der Verwendung der Terminologie von Standards und verwendeten Begriffen festzustellen ist (vgl. Trede 1997, 262). Uns erscheint es in diesem Zusammenhang wichtig, die Begrifflichkeiten klar zu trennen, um innerhalb der folgenden Implementierungsdiskussion eine einheitliche Basis der Begrifflichkeit zu schaffen und um Missverständnisse zu vermeiden. Nachfolgend wird der Unterschied zwischen Standards, Leitlinien und Richtlinien dargelegt und durch die Abgrenzung zu den benachbarten Konzepten eine Eingrenzung des Begriffes vorgenommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Einordnung des Expertenstandards als Qualitätsinstrument ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die zentralen Diskussionspunkte der Untersuchung.
2 Externe Qualitätsentwicklung: Dieses Kapitel erläutert den Bedarf externer Qualitätsentwicklung in der Pflege und stellt die Rolle des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) sowie die Genese nationaler Standards dar.
3 Abgrenzung von Standards, Leitlinien und Richtlinien: Hier erfolgt eine definitorische Trennung der Begriffe, um Verwirrungen in der pflegerischen Praxis durch eine uneinheitliche Terminologie zu vermeiden.
4 Monodisziplinarität von nationalen Expertenstandards: Das Kapitel diskutiert die Bedeutung der Monodisziplinarität für den Identitätsgewinn und die berufliche Autonomie der Pflege im Rahmen der Professionalisierungsdebatte.
5 Evidence - based Nursing als Basis für professionelles pflegerisches Handeln: Der Abschnitt betrachtet die Rolle wissenschaftlich begründeter Erfahrungen als Grundlage für die Pflegepraxis und setzt sich kritisch mit dem Konzept des Evidence-based Nursing auseinander.
6 Wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen bei Implementierung: Dieses Kapitel beleuchtet die ökonomischen Herausforderungen im Krankenhaussektor sowie die rechtlichen Grundlagen und Qualitätsberichtsverpflichtungen, die bei der Implementierung von Standards zu beachten sind.
7 Grenzen in der Entwicklung von Expertenstandards: Hier werden die Restriktionen bei der Entwicklung von Standards analysiert, insbesondere hinsichtlich mangelnder Datenlage und begrenzter finanzieller Ressourcen.
8 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Expertenstandards einen wichtigen Meilenstein für die Profession darstellen, jedoch eine konsequente Fortführung der eingeschlagenen Wege erfordern, um trotz widriger Rahmenbedingungen Bestand zu haben.
Schlüsselwörter
Expertenstandard, Dekubitusprophylaxe, Qualitätsentwicklung, Qualitätssicherung, Pflegepraxis, DNQP, Evidence-based Nursing, Professionalisierung, Monodisziplinarität, Krankenhausfinanzierung, Pflegestandards, Gesundheitswesen, Pflegewissenschaft, Implementierung, Pflegeautonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Einordnung von nationalen Expertenstandards – am Beispiel der Dekubitusprophylaxe – als Instrumente der Qualitätsentwicklung in der Pflege und untersucht die Rahmenbedingungen für deren Implementierung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernpunkten gehören die externe Qualitätsentwicklung, die begriffliche Abgrenzung von Standards, Leitlinien und Richtlinien, die Bedeutung der Monodisziplinarität für die Pflege sowie ökonomische und juristische Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Klarheit über den Beitrag von Expertenstandards zur professionellen Pflege zu schaffen und aufzuzeigen, wie diese Instrumente trotz komplexer wirtschaftlicher und struktureller Herausforderungen erfolgreich in die Praxis integriert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Autoren stützen sich auf eine fundierte Literaturrecherche und die Analyse professionstheoretischer Diskurse sowie gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Rolle des DNQP, die Entwicklung evidenzbasierter Pflege, die Abgrenzung verschiedener Qualitätsinstrumente sowie die ökonomischen Implikationen, insbesondere im Kontext von DRGs und Qualitätssicherungsverpflichtungen.
Was zeichnet die Arbeit in Bezug auf ihre Schlüsselwörter aus?
Die Arbeit verknüpft pflegefachliche Begriffe (Dekubitusprophylaxe, Pflegestandards) eng mit gesundheitsökonomischen und berufssoziologischen Themen wie Professionalisierung und Handlungsautonomie.
Warum wird der Begriff der Monodisziplinarität im Kontext der Expertenstandards besonders hervorgehoben?
Die Autoren sehen in der Entwicklung der Standards durch Pflegeexperten für Pflegende eine essenzielle Chance für die Identitätsbildung und die Etablierung eines eigenständigen, wissenschaftlich fundierten Beitrags der Pflege zur Gesundheitsversorgung.
Welche Rolle spielen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei der Implementierung von Expertenstandards?
Sie bilden ein Spannungsfeld: Einerseits können Standards die Ergebnisqualität erhöhen und somit wirtschaftlich sinnvoll sein, andererseits stehen sie unter dem Druck von Kostenreduzierungsmaßnahmen und der Notwendigkeit, Effektivität nachzuweisen.
- Arbeit zitieren
- Carmen Wolfsteiner (Autor:in), Michelangelo Ferrentino (Autor:in), 2006, Die Einordnung des Expertenstandards „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ als Qualitätsinstrument und Rahmenbedingungen bei der Implementierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280448