Die soziale Arbeit als Beruf wird seit ihrem Bestehen direkt sowie indirekt von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen beeinflusst und ist – mindestens zum Teil – abhängig von den entsprechenden Gegebenheiten. Insofern kann wenigstens das Vorhandensein eines gesellschaftspolitischen Interesses der (angehenden) SozialarbeiterInnen als erforderlich angesehen und als zugehörig zur professionellen Kompetenz verstanden werden.
In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, ob die Studierenden und die Berufstätigen in der sozialen Arbeit über ein politisches Interesse verfügen und ob sie politisches Interesse und Handeln im Allgemeinen und besonders im Hinblick auf ihre (bevorstehende) Berufspraxis als wichtig und notwendig erachten.
Als Erhebungsmethode im Rahmen dieser empirisch qualitativen Studie wurde die Gruppendiskussion gewählt. Die Betrachtung und Interpretation der Forschungsergebnisse erfolgte vor dem Hintergrund der Entwicklungen der sozialen Arbeit im historischen Kontext sowie unter Einbeziehung aktueller Anforderungen und Herausforderungen, denen sich der Beruf in der Gegenwart stellen muss.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sozialarbeit und Sozialpädagogik - Einblicke und Rückblicke
2. 1 Die Begriffe „Sozialarbeit“ und „Sozialpädagogik“
2. 2 Sozialarbeit und Sozialpädagogik im historischen Kontext
2. 3 Aktuelle Anforderungen und Herausforderungen
2. 3. 1 Bedingungen für die Sozialarbeit und die Sozialpädagogik
2. 3. 1. 1 Gesellschaftliche Bedingungen
2. 3. 1. 2 Ökonomische Bedingungen
2. 3. 1. 3 Politische Bedingungen
2. 3. 2 Praxisfelder und Institutionen - zunehmende politische Abhängigkeiten?
2. 3. 3 Ziele und Interventionen
2. 4 Sozialarbeit/ Sozialpädagogik und Politik
2. 4. 1 Die Definition von „Politik“
2. 4. 2 Möglichkeiten und Bedeutungen politischen Handelns in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik
2. 4. 2. 1 Im Bereich der Wohnungslosenhilfe
2. 4. 2. 2 Im Bereich der Heimerziehung
3 Selbstverständnis, Identitätsentwicklung und Identität von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen
3. 1 Begriffsdefinition
3. 1. 1 Selbstverständnis
3. 1. 2 Identitätsentwicklung und Identität
3. 2 Sozialisation als Bedingungsfaktor
3. 2. 1 Eigene Erfahrungen und familiäre Sozialisation
3. 2. 2 Hochschule als Sozialisationsinstanz
3. 2. 3 Berufliche Sozialisation und Berufskompetenz
4 Politik, ihre Entwicklung und die Entstehung politischer Einstellungen
4. 1 Politische Entwicklungen in Deutschland
4. 1. 1 Politik im Wandel
4. 1. 2 Politisches Interesse einst und jetzt
4. 2 Politische Wahrnehmung und politisches Lernen
4. 2. 1 Politische Bedingungen als Sozialisationsfaktor
4. 2. 2 Bereitschaft zu politischem Handeln
5 Von der Motivation zur Kompetenz: SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen in der Ausbildung
5. 1 Entwicklungslinien und -tendenzen in der Hochschulausbildung und im Studium
5. 1. 1 Hochschulen und Hochschulpolitik im zeitlichen Verlauf
5. 1. 2 StudentInnenproteste - und was davon übrig blieb
5. 2 Sozialarbeit und Sozialpädagogik an Fachhochschulen
5. 2. 1 Rückblicke
5. 2. 2 Ausbildungsziele und -inhalte
5. 2. 3 Wissenschaft, professionelles Handeln und Berufskompetenz
5. 3 Studierende der Sozialarbeit und Sozialpädagogik
5. 3. 1 Motivationen
5. 3. 2 Vorstellungen über das zukünftige Tätigkeitsfeld
5. 3. 3 Berufliche Vorerfahrungen
5. 3. 4 Persönliche Situationen
5. 4 Studium und Politik
5. 4. 1 Politisches Interesse
5. 4. 2 Politische Aktivitäten
5. 4. 3 Politische Einstellungen vor und nach dem Studium
5. 5 Berufseinstieg
5. 5. 1 Berufliche Vorstellungen
5. 5. 2 Übernahme der Berufsrolle
5. 5. 3 Einstellungsänderungen durch die Praxis
6 Konzeption und Durchführung der Untersuchung
6. 1 Die ausgewählten Gruppen und relevante Kriterien
6. 2 Planung, Verlauf und Auswertung der Untersuchung
6. 2. 1 Grundannahmen und forschungsleitende Gedanken
6. 2. 1. 1 Forschungsstand und Fragestellung der Untersuchung
6. 2. 1. 2 Die Gruppendiskussion als Erhebungsmethode
6. 2. 2 Durchführung der Untersuchung
6. 2. 3 Auswertung der Untersuchung
6. 2. 3. 1 Kurzprotokoll
6. 2. 3. 2 Transkription
6. 2. 3. 3 Die Analyse des Diskurses
7 Ergebnisse der Untersuchung
7. 1 Die ausgewählten Gruppen und ihre Kriterien
7. 1. 1 Die studentischen Gruppen
7. 1. 2 Die Gruppen der SozialarbeiterInnen
7. 2 Berufsrelevante Einstellungen
7. 2. 1 Die Motivation
7. 2. 2 Probleme der Klientel und die Ursachen jener Schwierigkeiten aus Sicht der StudentInnen und SozialarbeiterInnen
7. 2. 3 Die Funktion sozialer Arbeit aus Sicht der DiskussionsteilnehmerInnen
7. 2. 4 Aufgaben und Ziele der Sozialarbeit aus Sicht der Studierenden und der Berufstätigen
7. 2. 5 Das Verständnis der DiskussionsteilnehmerInnen über die Aufgaben der SozialarbeiterInnen sowie über die Methoden und Inhalte von sozialer Arbeit
7. 2. 6 Das Verständnis von Professionalität und Qualität in der sozialen Arbeit sowie die als notwendig erachteten Kompetenzen von SozialarbeiterInnen
7. 2. 7 Das Verständnis von Erfolg in der sozialen Arbeit
7. 2. 8 Das Ansehen von sozialer Arbeit
7. 3 Erwartungen an das Studium und die Bewertung des Studiums und dessen Inhalte
7. 4 Erwartungen an die Berufstätigkeit
7. 5 Politisches Interesse und politisches Handeln
7. 5. 1 Politisches Interesse der (angehenden) SozialarbeiterInnen
7. 5. 2 Politisches Handeln der Studierenden und Berufstätigen
7. 6 Die Einschätzung politischen Bewirkens - oder: Ist Politik noch möglich?
7. 6. 1 Politisches Handeln in der sozialen Arbeit
7. 6. 2 Veränderungen von Einstellungen und Verhaltensweisen durch den Eintritt in die berufliche Praxis
7. 6. 3 Umstände, die sich auf die politische Partizipation auswirken
7. 6. 3. 1 Gesellschaftliche Bedingungen
7. 6. 3. 2 Wirtschaftliche und politische Bedingungen
7. 7 Demokratische Partizipation und Einverständnis mit dem politischen System in Deutschland
7. 8 Einfluss der Fachhochschule auf das politische Interesse und das politische Handeln
7. 9 Arbeitsbedingungen in den Institutionen sozialer Arbeit und politisches Handeln
7. 9. 1 Möglichkeiten, Vorstellungen in der beruflichen Praxis ein- und umzusetzen
7. 9. 2 Identifikation mit dem eigenen Tätigkeitsbereich
7. 9. 3 Kritik an der sozialen Arbeit und ihren Bedingungen
7. 9. 4 Aktuelle Diskussionen und Herausforderungen in der sozialen Arbeit
8 Auswirkungen und Aussichten
8. 1 Aspekte und Perspektiven für die soziale Arbeit
8. 1. 1 Wandel des Berufsbildes?
8. 1. 2 Schlussfolgerungen für das Studium der sozialen Arbeit und für die Fachhochschulen
8. 1. 3 Selbstverständnis und Zukunftsaussichten
8. 1. 3. 1 Bedingungen für die soziale Arbeit und der Umgang mit ihnen
8. 1. 3. 2 Gestaltungsperspektiven
8. 1. 4 Im Blickpunkt: Die AdressatInnen der sozialen Arbeit
8. 2 Politisches Interesse und politische Ansichten
8. 2. 1 Politikverdrossenheit - ist Politik „out“?
8. 2. 2 Durchsetzungschancen
9 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Dissertation untersucht, inwieweit Studierende und Berufstätige der sozialen Arbeit politisches Interesse und Handeln als relevant für ihren (zukünftigen) Beruf erachten und welche Rolle dabei ihr Selbstverständnis sowie ihre Ausbildung spielen.
- Politisches Selbstverständnis von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen
- Einfluss von Studium und Ausbildung auf politisches Engagement
- gesellschaftspolitische Relevanz sozialer Arbeit
- Bedeutung persönlicher Erfahrungen für berufliches Handeln
- Herausforderungen durch ökonomische und politische Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
2. 1 Die Begriffe „Sozialarbeit“ und „Sozialpädagogik“
Sowohl die Bezeichnung der Sozialarbeit als auch die Bezeichnung der Sozialpädagogik hat seit ihrem „ersten Auftauchen“ bis zum heutigen Zeitpunkt keine einheitliche Anwendung gefunden. Dabei besteht Unstimmigkeit in der inhaltlichen Ausgestaltung des jeweiligen Begriffs, wie auch in der Meinung darüber, ob diese synonym zu verwenden sind oder aber über einen unterschiedlichen Sinngehalt verfügen.
Die Differenzierung von Sozialarbeit und Sozialpädagogik lässt sich aus den unterschiedlichen historischen Wurzeln der beiden Berufsbezeichnungen herleiten und verstehen. Die berufliche Sozialarbeit findet ihren Ursprung insbesondere in der behördlichen Armenpflege des 19. Jahrhunderts, in der freien Liebestätigkeit, der Wohlfahrtspflege und der Frauenbewegung. Dabei kann die Sozialarbeit als Reaktion auf vorhandene Notlagen, wie beispielsweise das vermehrte Auftreten von Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, unzureichende Wohnverhältnisse und infolgedessen die Zunahme von Krankheiten in Zeiten der Industrialisierung verstanden werden. Die Arbeitsfelder und Institutionen, in denen eingangs Sozialarbeit geleistet wurde, konzentrierten sich besonders auf Einrichtungen der Wohnungs-, Gesundheits-, Familien-, Säuglings- und Gefährdetenfürsorge etc.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehungsgeschichte der Arbeit und hinterfragt kritisch die Aussage, dass heutige Studierende unpolitisch seien.
2 Sozialarbeit und Sozialpädagogik - Einblicke und Rückblicke: Dieses Kapitel arbeitet die historischen Wurzeln und die begriffliche Unschärfe von Sozialarbeit und Sozialpädagogik im Kontext gesellschaftlicher Notlagen auf.
3 Selbstverständnis, Identitätsentwicklung und Identität von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen: Hier wird der theoretische Rahmen für das Verständnis von Selbstbild und Identitätsentwicklung innerhalb der professionellen Sozialarbeit skizziert.
4 Politik, ihre Entwicklung und die Entstehung politischer Einstellungen: Dieser Abschnitt analysiert die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und deren Einfluss auf die politische Wahrnehmung und das Lernen.
5 Von der Motivation zur Kompetenz: SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen in der Ausbildung: Das Kapitel fokussiert auf die Ausbildungssituation, Studienverläufe und die Entwicklung beruflicher Kompetenzen unter dem Einfluss hochschulpolitischer Faktoren.
6 Konzeption und Durchführung der Untersuchung: Darstellung der methodischen Vorgehensweise, insbesondere der Wahl und Umsetzung der Gruppendiskussion als empirisches Erhebungsinstrument.
7 Ergebnisse der Untersuchung: Dieses Hauptkapitel präsentiert und analysiert die empirischen Daten zu Einstellungen, Handlungen und Perspektiven der Teilnehmenden.
8 Auswirkungen und Aussichten: Eine zusammenfassende Reflexion, die Schlussfolgerungen für die Ausbildungspraxis und zukünftige politische Perspektiven der sozialen Arbeit zieht.
9 Resümee und Ausblick: Abschließende Betrachtung und kritische Einordnung der Forschungsergebnisse im gesellschaftlichen Kontext.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Sozialpädagogik, Politisches Interesse, Selbstverständnis, Berufsidentität, Profession, Ausbildung, Fachhochschule, Gruppendiskussion, politische Partizipation, Sozialpolitik, Professionalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das politische Selbstverständnis von Studierenden und Berufstätigen in der sozialen Arbeit und untersucht, wie diese ihr berufliches Handeln im Kontext gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen verorten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung der sozialen Arbeit, Identitätsentwicklung der Fachkräfte, den Einfluss der Hochschulausbildung und die Bedeutung politischen Handelns in der Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob und wie politisches Interesse und Handeln von Studierenden und Fachkräften der sozialen Arbeit als notwendig erachtet werden und wie sich ihr Selbstverständnis in diesem Spannungsfeld konstituiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine empirisch-qualitative Studie, bei der Gruppendiskussionen als Erhebungsmethode genutzt wurden, um kollektive Orientierungsmuster und Einstellungen zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Darstellung des Forschungsdesigns (Gruppendiskussionen) sowie eine umfassende Auswertung und Interpretation der empirischen Ergebnisse bezüglich Motivation, Berufsverständnis und politischem Wirken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Professionalisierung, politisches Interesse, Soziale Arbeit/Sozialpädagogik und Identitätsentwicklung charakterisieren.
Welche Bedeutung hat die Fachhochschulausbildung für das politische Verständnis?
Die Ausbildung an Fachhochschulen wird als eine entscheidende Sozialisationsinstanz verstanden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die theoretische Fundierung und die praktische Anwendung im Studium einen maßgeblichen Einfluss auf das (politische) Selbstverständnis haben.
Wie bewerten die Teilnehmenden ihre Möglichkeiten der Einflussnahme?
Die Bewertung ist pluralistisch: Während einige die Möglichkeiten zur politischen Gestaltung gering einschätzen (teilweise aufgrund von Zeitmangel oder bürokratischen Hürden), sehen andere die Chance, durch Öffentlichkeitsarbeit oder Gremienarbeit auf institutionelle und gesellschaftliche Bedingungen einzuwirken.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Dietrich (Autor:in), 2014, Das politische Selbstverständnis von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen in Studium und Praxis. Auswirkungen auf professionelles Handeln in der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280520