Die Frage nach der Notengebung im Sportunterricht ist schon seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner und ein unendliches Thema. Der Sport im Sportunterricht sollte nicht nur die Fitness und die Gesundheit verbessern, sondern auch die Gemeinschaft und die Solidarität der Schüler und Schülerinnen entwickeln und stärken. Noten hingegen führen verstärkt zu Konkurrenzverhalten und Ellenbogendenken der Schüler und Schülerinnen. Besonders schwächere Schüler und Schülerinnen leiden unter dem Leistungsdruck, der auf Grund von Notengebung entsteht. Andererseits können Noten auch zu Leistungssteigerungen motivieren. Zudem ist – wie später näher erklärt wird – die Notengebung als pädagogisches Mittel sehr wirkungsvoll. Es gibt verschiedene Aspekte der Sportnote, die diese befürworten aber genauso auch sich gegen diese auszusprechen. Die Problemfrage in unserer Hausarbeit ist somit, „Ist die Sportnote in der Grund- und Sekundarschule noch empfehlenswert?“
Bei der folgenden Hausarbeit wollten wir uns nicht nur auf Literatur beziehen, sondern auch das Thema unter der Perspektive der realen Benotungspraxis im Lehreralltag mit einbeziehen. Deshalb haben wir einen Fragebogen für Sportlehrer entwickelt. In diesem wurden sowohl Grund- und Hauptschul-, Realschul- als auch Gymnasiallehrer und -Lehrerinnen befragt. Die Auswertungen unserer Befragung von insgesamt 38 Lehrer und Lehrerinnen werden in unserer Arbeit an den entsprechenden Stellen mit einfließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Funktionen der Notengebung
2.1. Aussagekraft von Noten
2.2. Zensurenvergabe nach dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport
3. Leistungsmessung und -bewertung
3.1. Leistungsmessung und -bewertung
3.2. Probleme der Leistungsmessung und Bewertung
4. Notengebung
4.1. Zusammensetzung der Sportnote
5. Modell für Ermittlung einer Leistungsfortschrittsnote
6. Beurteilungsmodelle
7. Argumente gegen eine Zensierung im Fach Sport
7.1. in der Grundschule
7.2. in der Sekundarschule
8. Argumente für die Beibehaltung der Sportnote
8.1. in der Grundschule
8.2. in der Sekundarschule
9. Fazit
10. Literaturangaben
10.1. Fachliteratur
10.2. Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Sinnhaftigkeit der Notengebung im Sportunterricht der Grund- und Sekundarschule. Ziel ist es, anhand theoretischer Literatur und einer empirischen Befragung von 38 Sportlehrkräften zu analysieren, ob die Sportnote als pädagogisches Mittel noch empfehlenswert ist oder welche Alternativen bestehen.
- Funktionen und Problematik von Noten im schulischen Kontext
- Methoden der Leistungsmessung und -bewertung
- Modellbildung zur Integration von Leistungsfortschritten
- Pro- und Contra-Argumente zur Benotung im Sport
- Empirische Einblicke in die reale Benotungspraxis
Auszug aus dem Buch
3.2. Probleme der Leistungsmessung und Bewertung
Aufgrund der Vielseitigkeit dieses Gebiets kommt es in der Praxis auch zu Problemen und Fehlern bei der Benotung. Grob gesagt, gibt es zwei Arten von Fehlerquellen. Auf der einen Seite stehen die strukturellen Fehler, auf der anderen Seite die subjektiven Fehler.
Die Über- oder Unterbewertung einer Teilnote sind zum Beispiel mögliche strukturelle Fehler. Der Fokus hier wird allerdings auf die subjektiven Fehler gerichtet und im folgenden Abschnitt werden abschließend fünf mögliche subjektive Fehler skizziert.
1. Reihungsfehler: Während der Bewertung von Übungen und Klausuren gibt es Lehrer und Lehrerinnen, die dazu neigen, die ersten Arbeiten und Vorführungen strenger zu bewerten. Spätere Schüler und Schülerinnen werden nach anderen Maßstäben beurteilt, da die Lehrer ihre Erwartungen dem Niveau der ersten Arbeiten anpassen.
2. Projektionsfehler: Es kommt vor, dass Schüler und Schülerinnen, die dem Lehrer ähnlich sind, besser bewertet sind. Auch projizieren Lehrer eigene Interessen, Fähigkeiten, aber auch Wünsche in die Schüler und Schülerinnen ein.
3. Kontrastfehler: Gerade im Sportunterricht werden immer wieder Schüler und Schülerinnen verglichen. Fällt nun einer der beiden besonders positiv auf, so fällt im gleichen Moment der andere Schüler trotz einer nur minimal schlechteren Ausführung trotzdem besonders negativ auf.
4. Halo-Effekt: Da jeder Mensch im Laufe seines Lebens Erfahrungen macht, entwickelt er Vorlieben und Abneigungen. Laut Ziegenspeck (1999) „bestimmt somit ein globaler Allgemeineindruck die Wahrnehmung einzelner Merkmale“. Das heißt, wenn ein Schüler oder eine Schülerin einen guten Eindruck auf den Lehrer macht und diesem sympathisch ist, so könnte das die Notengebung beeinflussen.
5. Logischer Fehler: Der Logische Fehler geht in die gleiche Richtung wie der Halo-Effekt. Nur hier wird von einem Merkmal eines Schülers auf ein anderes nicht beobachtetes Merkmal geschlossen, da manche Merkmale durch Vorurteile miteinander gekoppelt sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Problemfrage auf, ob die Sportnote in Schulen noch empfehlenswert ist, und erläutert die methodische Vorgehensweise mittels Literaturanalyse und Lehrerbefragung.
2. Funktionen der Notengebung: Diskutiert verschiedene pädagogische und gesellschaftliche Funktionen von Noten, wie Kontrolle, Orientierung, Motivation und Selektion.
3. Leistungsmessung und -bewertung: Beleuchtet den theoretischen Leistungsbegriff und differenziert zwischen objektiver Messung und subjektiver Bewertung im sozialen Raum.
4. Notengebung: Analysiert die Zusammensetzung der Sportnote und zeigt auf, dass diese über rein motorische Leistungen hinaus auch soziale und methodische Aspekte umfasst.
5. Modell für Ermittlung einer Leistungsfortschrittsnote: Entwirft ein Modell, wie Leistungsfortschritte positiv in die Gesamtnote einfließen können, ohne objektive Standards aufzuheben.
6. Beurteilungsmodelle: Stellt drei Modelle der Benotung gegenüber: Zensurenskala, Personenvergleich und kriterienorientierte Notengebung.
7. Argumente gegen eine Zensierung im Fach Sport: Führt Gründe wie Motivationsverlust, Konkurrenzdenken und Messprobleme an, getrennt nach Schulstufen.
8. Argumente für die Beibehaltung der Sportnote: Argumentiert mit Funktionen wie Rückmeldung, Anreiz und der Notwendigkeit, Sport als gleichwertiges Fach der Gesamtqualifikation zu wahren.
9. Fazit: Fasst die Positionen zusammen und schlägt vor, die Sportnote transparenter und kriterienorientiert zu gestalten oder ggf. durch Berichtszeugnisse zu ergänzen.
Schlüsselwörter
Sportnote, Notengebung, Leistungsmessung, Sportunterricht, Schulsport, Pädagogik, Leistungsbewertung, Benotungspraxis, Leistungsfortschritt, Lehrerbefragung, Schulnoten, Sportdidaktik, Objektivität, Subjektivität, Selektionsfunktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Berechtigung und Sinnhaftigkeit der Notengebung im Sportunterricht an Grund- und Sekundarschulen unter Berücksichtigung pädagogischer Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Funktionen von Noten, die methodische Trennung von Leistungsmessung und -bewertung sowie Argumente für und gegen die Zensierung im Sport.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet: „Ist die Sportnote in der Grund- und Sekundarschule noch empfehlenswert?“
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Neben einer ausführlichen Literaturanalyse führten die Autoren eine empirische Befragung von 38 Sportlehrkräften durch, um die Praxis der Notengebung zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Notengebung, Leistungsfortschrittsmodelle, Beurteilungsmodelle sowie spezifische Pro- und Contra-Argumente im Kontext von Grund- und Sekundarschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Sportnote, Leistungsmessung, pädagogische Funktionen, Benotungspraxis und Leistungsfortschritt.
Warum wird im Kontext der Sportnote der "Halo-Effekt" thematisiert?
Er dient als Beispiel für subjektive Fehlerquellen bei der Bewertung, bei denen der Gesamteindruck eines Schülers die Notengebung unbewusst beeinflussen kann.
Wie unterscheidet sich die Beurteilung in der Grund- und Sekundarschule laut der Autoren?
Während in der Grundschule eine ganzheitliche Entwicklung im Vordergrund steht, gewinnt in der Sekundarschule die Ziffernnote aufgrund ihrer Selektionsfunktion für Bildungswege an Bedeutung.
- Arbeit zitieren
- Janina Hunger (Autor:in), 2012, Sind Noten im Sportunterricht der Grund- und Sekundarschule empfehlenswert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280611