Fußball und Gesten – wenn diese beiden Themenbereiche aufeinandertreffen, denkt heutzutage jeder an Torjubel, doch es geht auch anders.
22 Spieler/innen auf einem Rasenplatz, die versuchen, einen Ball in das gegnerische Tor zu befördern. Fußball ist ein weltweit verbreitetes Thema und in Deutschland die wohl beliebteste Volkssportart. Vom deutschen Vereinsbild über die Infrastruktur bis hin zur Medienlandschaft – alles ist durch den Fußball beeinflusst.
Eine weitaus größere Präsenz besitzen Gesten – nur dass uns dieses nicht immer bewusst und im Gegensatz zum Fußball längst nicht so offensichtlich ist. Gesten sind ständige Begleiter unseres Alltags und unserer Sprache. Sie sind ein Teil unserer Kommunikation und wir lassen uns unbewusst oder auch bewusst von ihnen beeinflussen.
Bisher wurde die Verwendung von Gesten im Fußball nur minimal erforscht und wenn meist anhand von Spielsituationen oder Fernsehaufzeichnungen. Ich möchte mich daher auf eine andere Richtung konzentrieren und habe mit einer Spielerin der Berlin Liga und einer Spielerin der Regionalliga Nord-Ost jeweils ein Interview geführt, um herauszufinden, wie diese in einer Interviewsituation Gesten verwenden und ob sich hinsichtlich der Gestenfunktion, des Gestentyps, der mimetischen Modi und der Handform gewisse Regelmäßigkeiten feststellen lassen, wenn über feste Speilabläufe / -positionen oder einfach über Erlebnisse erzählt wird. Ich möchte anhand der Interviews beweisen, dass durch den aktiven Charakter des Fußballspielens eher singuläre, referentielle und agierende Gesten verwendet werden. Weiterhin werde ich auch noch kurz auf den Zusammenhang der verwendeten Handform und der Anzahl der beschriebenen Spieler oder Formationen eingehen. Ich werde mich bezüglich der mimetischen Modi, der Gestenfunktion und des Gestentyps an der Analysemethode Cornelia Müllers orientieren und bezüglich der Handform und der gesture phrases an den Transkriptionsvorgaben Jana Bressems.
Insgesamt werde ich in meiner Arbeit zunächst einen kurzen Überblick über Gesten geben, dann meine Methode der Gestenanalyse vorstellen, daraufhin zu meinem Datenmaterial, dem Gesamteindruck und der Auswertung der Analyse übergehen, um letztendlich zu einem Fazit zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodischer Teil
2.1 Gesten – ein Überblick
2.2 Mögliche Notationsvorgaben
2.3 Analysemethode
3. Empirischer Teil
3.1 Erstellung und Inhalt des Datenmaterials
3.2 Gesamteindruck
3.3 Auswertung der Interviews
3.3.1 Überblick
3.3.2 Gestenfunktion und Gestentyp
3.3.3 Mimetischer Modus
3.3.4 Handform
4. Fazit
5. Abstract
6. Anhang
Abbildungen
Fragenkatalog
7. Literaturverzeichnis
Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Sprache und Gestik bei Fußballspielerinnen in Interviewsituationen, um Regelmäßigkeiten in der Verwendung von Gesten in Bezug auf sportliche Inhalte zu identifizieren und theoretisch einzuordnen.
- Analyse der Gestik im Kontext des Frauenfußballs
- Einfluss der Gesprächssituation auf Gestenfunktion und -typ
- Untersuchung von mimetischen Modi und Handformen
- Vergleich von individuellen Kommunikationsstilen im Interview
- Korrelation zwischen beschriebenen Spielsituationen und Gestik
Auszug aus dem Buch
2.1 Gesten – ein Überblick
Schon seit der Antike besteht ein Bewusstsein für Gesten. Das beweist allein die Existenz des lateinischen Wortes „gestus“, was dem Verb „gero“ entstammt, welches unter anderem „zur Schau tragen“ bedeutet. (pons.eu, 2013)
Wenn man nun die Gestenforschung der Neuzeit betrachtet, sind hier als Begründer wohl vor allem David McNeill und Adam Kendon zu nennen. Beide haben die darauffolgenden Forschungen maßgeblich beeinflusst. McNeill definiert die von ihm untersuchten Gesten als „the movements of the hands and arms that we see when people talk“. (McNeill, 1992: 1) Er verfolgt bei seinen Untersuchungen eher den psychologischen Aspekt der Gesten und sieht das Sprechen und Gesten als Teile des Oberbegriffs Sprache. (vgl. McNeill, 1992: 1) McNeill stellt fest: „the hand and its movements are symbolic; they present thought in action.“ (McNeill, 1992: 1). Das bedeutet, dass Gesten sich nicht selbst darstellen, sondern unsere Gedanken vermitteln. Zudem ist es für ihn wichtig, dass Gesten spontan, einzigartig und vor allem nicht festgelegt sind. (vgl. McNeill, 1992: 1)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz der Gestenforschung im Frauenfußball und formuliert die Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Methodischer Teil: Dieses Kapitel liefert einen theoretischen Überblick über die Gestenforschung, definiert relevante Notationsvorgaben und erläutert die gewählte Analysemethode.
3. Empirischer Teil: Hier erfolgt die detaillierte Präsentation der durchgeführten Interviews, die Auswertung der gesammelten Daten hinsichtlich Gestenfunktion, Gestentyp, mimetischem Modus und Handform sowie die grafische Aufbereitung der Ergebnisse.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen, reflektiert die Hypothesenbildung sowie die Methodik und gibt einen Ausblick auf die Bedeutung der Gestik im Fußball.
5. Abstract: Eine kurze Zusammenfassung der Forschungsarbeit in englischer Sprache.
6. Anhang: Enthält ergänzende Abbildungen der erhobenen Daten und den verwendeten Fragenkatalog.
7. Literaturverzeichnis: Eine Auflistung aller verwendeten Quellen sowie Internetressourcen.
Schlüsselwörter
Gestenforschung, Frauenfußball, Interviewanalyse, Gestenfunktion, Gestentyp, mimetischer Modus, Handform, Kommunikation, nonverbale Kommunikation, Fußball, Spielabläufe, empirische Untersuchung, Körpersprache, Annotation, Elan
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung von Gesten, die von Fußballspielerinnen während Interviews in Bezug auf ihr sportliches Erleben verwendet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Gestenforschung, die Kommunikation im Sport sowie die spezifische Anwendung von Gesten zur Veranschaulichung von Spieltaktiken und Erlebnissen im Fußball.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Regelmäßigkeiten in der Gestik von Fußballspielerinnen zu finden und zu prüfen, ob bestimmte Gestenfunktionen und -typen in diesem spezifischen Kontext gehäuft auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine empirische Interviewanalyse durchgeführt, bei der die Videodaten transliteriert und mit der Annotationssoftware Elan nach den Kategorien von Cornelia Müller und Jana Bressem ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Datenerhebung durch Interviews, den Gesamteindruck der Gesprächssituation sowie die quantitative und qualitative Auswertung der Gesten hinsichtlich Funktion, Typ, Modus und Handform.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gestenforschung, Frauenfußball, Gestenfunktion, mimetischer Modus und empirische Analyse charakterisiert.
Welche Unterschiede zeigten sich in der Gestik der beiden interviewten Spielerinnen?
S. agierte deutlich lebhafter und gestikulierte häufiger als N., wobei N. anfänglich eine stärkere Verkrampfung und eine Vorliebe für das Festhalten von Gegenständen zeigte.
Warum dominieren in dieser Studie agierende Gesten?
Da es beim Thema Fußball primär um bewegungsintensive und lebendige Spielabläufe geht, repräsentieren die Hände bei der Beschreibung meist die Aktivität selbst (agierend) statt statische Objekte darzustellen.
- Quote paper
- Anna Catharina Jess (Author), 2012, Gesten im Frauenfußball, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280716