Die Provenienz der geistigen und der sinnhaften Lust nach Thomas von Aquin

Die Lust der Quaestio 31, Artikel 3 und 4, sowie Quaestio 32. Artikel 1 bis 4 aus der 'Summa Theologica'


Seminararbeit, 2013

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die übersinnliche Freude der Engel und die sinnliche Lust der Tiere
2.1 Die Distinktion zwischen Lust und Freude
2.2 Die Lust im übersinnlichen trebevermögen als Weg zu Gott

3. Die Agenzien der Lust in Bezug auf die Artikel 1 bis 4 der Quaestio
3.1 Die Tätigkeit und die Bewegung als Voraussetzung für Lust
3.2 Die Lust entsprungen aus Hoffnung und Erinnerung
3.3 Die Traurigkeit als Grundlage der Lust

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Alle Dinge werden zu einer Quelle der Lust, wenn man sie liebt." Thomas von Aquin

Dieses bekannte Zitat von Thomas von Aquin bildet einen geeigneten Einstieg für das Thema dieser Abhandlung. Sie beschäftigt sich zunächst mit der Differenzierung von Lust und Freude. Im Weiteren wird hinterfragt, ob es Lust im geistigen Strebevermögen gibt. Abschließend werden verschiedene Ursachen von Lust und Freude betrachtet. Da es den Rahmen dieser Arbeit zu weit ausdehnen würde, werden lediglich die ersten vier Artikel der Quaestio 32, auf ihre Lustursachen untersucht. Genauer werden hierbei die Tätigkeit, die Bewegung, die Hoffnung und die Erinnerung, aber auch die Traurigkeit im Fokus der Aufmerksamkeit gestellt.

Bevor jedoch der Hauptteil beginnen kann, ist es notwendig etwas zum Allgemeinen Aufbau des zu Rate gezogenen Werkes, der Summa Theologica, von dem heiligen Thomas von Aquin zu sagen. Die Summa Theologica wird zunächst in drei große Hauptbücher untergliedert, wobei das erste Buch die philosophisch- theologischen Gotteslehre, der zweite mit der Morallehre und der letzte die Christologie abhandelt. Alle Abschnitte werden in Quaestios unterteilt und diese wiederum in einzelne Artikel. Die Quaestios 31 und 32, welche die Lust an sich und ihre Ursachen behandeln, sind im zweiten Teil der Summa Theologica zu finden.1

2. Die übersinnliche Freude der Engel und die sinnliche Lust der Tiere

2.1 Die Distinktion zwischen Lust und Freude

In der Summa Theologica nimmt Thomas von Aquin im dritten Artikel der Quaestio 31 eine Differenzierung von Freude und Lust vor. Diese Unterscheidung ist für die Problematik der Lust in der Summa Theologica vorallem in Bezug auf den vierten Artikel der Quaestio 31 unabdingbar. Aus diesem Grund stellt die genaue Abgrenzung von Freude zur Lust einen ersten wichtigen Schwerpunkt meiner Ausarbeitung dar. Der dritte Artikel der 31. Quaestio, welcher sich der Aufgabe der genauen Begriffsbestimmung von Freude und Lust widmet, beginnt mit drei Antithesen. Diese definieren Lust und Freude als dasselbe. Leidenschaften, so besagt der erste Abschnitt, können auf die gleiche Art differenziert werde und zwar durch ihren Gegenstand, zu welchen sie hinstreben. Dieser ist sowohl bei der Freude, als auch bei der Lust, das Gut, das im eigenen Besitz ist. Dem zu Folge handelt es sich bei Freude und Lust um die gleiche Leidenschaft.2 Jedoch unterliegt der Gegenstand der Freude und der Lust verschiedenen Wahrnehmungen, welches zu einer Differenzierung desselben in "naturhaft" und "nicht- naturhaft" - also ganz ähnlich der Einteilung der Begierden - führt.3 Die Freude ist nämlich nicht wie die Lust an körperlichen und sinnlichen Objekten gebunden, sondern vielmehr an seelische und vernünftige Lusterlebnisse.4

Zum Zweiten legt Thomas die Begierde als gemeinsame Bewegung von Freude und Lust fest und erklärt, dass eine Bewegung nur ein Ziel haben kann. Es müssten aber zwei Endpunkte vorhanden existieren, wenn sich Freude und Lust grundlegend unterscheiden würden.5 Dies wird widerlegt, indem ein Beispiel aus der vorangegangenen Quaestio eingeführt wir - Die Begierde. Sie ist die Bewegung der körperlich- sinnlichen Lust. Dem gegenüber steht das Streben nach der nicht- naturhaften "Begehrlichkeit" bzw. Sehnsucht, welche zur Freude gehört. Es handelt sich also um zwei verschiedene Bewegungen und somit ist Freude von Lust verschieden.6

Im Dritten wird argumentiert, dass eine Differenzierung zwischen Lust und Freude auch zur Unterscheidung von Fröhlichkeit, Frohlocken und Frohsinn führen würde und somit alle eigene Leidenschaften wären. "Das scheint aber falsch zu sein", wie Thomas schreibt.7 Aber dennoch handelt es sich bei Freude und Lust nicht um Synonyme, auch wenn sie häufig als solcher gebraucht werden.8 Denn sowohl die Fröhlichkeit, als auch das Frohlocken und der Frohsinn sind alle Erscheinungen der inneren Lust und gehören zur Freude, welche nur die vernunftbegabten Wesen - die Menschen - besitzen, wie bereits Aristoteles erklärte.9

Damit wird der eigentlich Unterschied zwischen Freude und Lust deutlich. Wie es schließlich eine vernunftlose, naturhafte und eine von Vernunft gesteuerten nicht- naturhaften Begierde bzw. Sehnsucht gibt, so existiert auch eine unvernünftige Lust im sinnlichen Strebevermögen und eine vernünftige, übernatürliche Freude.10 Sie ist also eine Erscheinungsform der Lust, welche nur die Menschen, nicht aber die unvernünftigen Tieren innehaben.11

2.2 Die Lust im übersinnlichen Strebevermögen als Weg zu Gott

Der vierte Artikel der Quaestio 31 beschäftigt sich mit der Frage, ob im geistigen bzw. übersinnlichen Strebevermögen Lust vorhanden ist. Teilweise wird dieses Problematik bereits im letzten Abschnitt behandelt Durch die Differenzierung der körperlichen Lüste und den geistigen Freuden, ist bereits eine ungenaue Antwort erbracht wurden.Eine Spezifizierung ist demnach notwendig. So wird die erste Antithese mit einem Zitat des Aristoteles begonnen., welches die Lust als eine Bewegung bezeichnet, die im sinnlichen Teil vollzogen wird. Lust kann daher nicht übersinnlich sein.12

Lust gehört zu den Leidenschaften und diese wiederum sind im Strebevermögen der Sinne verankert und nicht in der Vernunft, also dem geistigen Strebevermögen.13 Allerdings zählt Lust nur zu den Leidenschaften, solange mit ihr der Körper einer Wandlung erfährt. Wenn sie auf die Erkenntnis der Vernunft folgt, also dem Willen nach entsteht, handelt es sich hierbei um das übersinnliche Strebevermögen, ergo der Freude. Bei der geistigen Freude wird der Leib keinerlei Veränderung ausgesetzt.14

Wie bereits im Abschnitt über die Verschiedenheit von Lust und Freude erwähnt, haben die Menschen die Lust als Gemeinsamkeit mit den Tieren. Deshalb kann die Lust nur in dem sein, was wir mit den Tieren gemeinsam haben - dem Körper. Jedoch meint Thomas, dass die Menschen "nicht nur die Lust [...] [der] Tiere, sondern auch diejenige, die wir mit den Engeln teilen"15 besitzen. Freilich wird mit der Lust der Engel hierbei nichts anderes als die Freude umschrieben.16

Ein weiterer Grund, wenn nicht gar der Hauptgrund, weshalb die Lust im geistigen Strebevermögen näher beschrieben wird, findet sich mit dem - ebenfalls im Artikel 4 der Quaestio 31 erwähnten - Psalm 37, 4 "Hab deine Lust am Herrn". Es erscheint schwierig an Gott Lust zu empfinden, wenn diese sich auf körperliche Ebene befindet. Bekanntlich ist Gott in keiner Form leiblich, er kann auf "tierische" Art und Weise z.B. nicht gesehen, gefühlt oder gar gerochen werden. Deshalb muss es nach Thomas eine Lust im übersinnlichen Strebevermögen geben - die Freude.

[...]


1 Schopp, Matthias: Thomas von Aquin, Summa theologica. S. 4.

2 Summa Theologica. S. 144.

3 Ebd. S. 130- 132.

4 Ebd. S. 144/ 145 - 146.

5 Ebd. S. 144.

6 Ebd. S. 131/ 144/ 146.

7 Ebd. S. 144.

8 Cathrein, Viktor: Lust und Freude. S. 18.

9 Ebd. S. 19. Und: Summa Theologica. S. 146.

10 Summa Theologica. S. 132/ 145.

11 Rother, Wolfgang: Lust. S. 59.

12 Cathrein, Viktor: Lust und Freude. S. 8. Und: Summa Theologica. S. 147.

13 Ebd.

14 Ebd. S. 147/ 148.

15 Ebd. S. 149.

16 Meier, Matthias: Die Lehre des Thomas von Aquino. S.80/ 81. 5

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Provenienz der geistigen und der sinnhaften Lust nach Thomas von Aquin
Untertitel
Die Lust der Quaestio 31, Artikel 3 und 4, sowie Quaestio 32. Artikel 1 bis 4 aus der 'Summa Theologica'
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Emotionen – Die Theorie der Affekte in der mittelalterlichen Philosophie
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V280719
ISBN (eBook)
9783656746140
ISBN (Buch)
9783656746126
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas von Aquin, Lust, Freude, Summa Theologica
Arbeit zitieren
Dorothee Stauche (Autor), 2013, Die Provenienz der geistigen und der sinnhaften Lust nach Thomas von Aquin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280719

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