Der wahre Lohn des Staatsmanns - Somnium Scipionis


Seminararbeit, 2004

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Analyse des Traumes
2.1) Situation des Traumes
2.2) Scipios Erscheinung, Prophezeiung und Verheißung
2.3) Die Unterhaltung mit dem Vater Paulus
2.4) Kosmosschau
2.5) Relativierung des irdischen Ruhmes
2.6) Corollarium: Der Mensch ist Gott

3) Platons ER- Mythos in der Politeia im Vergleich mit dem Somnium

4) Die Form des Somnium als Finale des Werkes

5) Quellen- und Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Somnium Scipionis in Buch VI, 9-29 von Ciceros Werk de re publica. Der Traum ist jedoch nicht im Palimpsest des Werkes, sondern in einem Kommentar des Macrobius erhalten[1] und wird von Büchner als „Krönung des Werkes“ bezeichnet.

Scipio erzählt seinen Gesprächsteilnehmern im Jahre 129 v. Chr. einen Traum, den er 20 Jahre zuvor erlebt hat. Laelius, ein Freund des Scipio, hat ihm dazu die Gelegenheit gegeben, indem er darüber geklagt hat, dass dem Scipio Nasica keine Statuen zum Lohn für die Beseitigung des Tyrannen[2] errichtet worden sind. Scipio antwortet in VI, 8, dass auf der Erde solchen Staatsmännern die conscientia ipsa factorum egregiorum genug sei. Irdische Belohnungen seien in Größe und Qualität beschränkt, im Gegensatz zu denjenigen, die es bonis reum publicarum [...] rectoribus im Himmel gebe. Über jenseitige Belohnungen war schon von Platon berichtet worden. Aber sein ER- Mythos war ab indoctis[3] verlacht worden, worauf Cicero auf die Frage des Laelius nach diesen Belohnungen sich für die Form des Traumes entscheidet, damit nicht die Argumente dieser Leute, nämlich dass der Philosoph „seine Gedanken nicht mit Fiktionen mischen“ dürfe, auch dagegen verwendet würden.[4]

Das Ziel der Arbeit besteht in der Analyse des Traumes im Kontext des Werkes; in einem zweiten Teil soll der Vergleich mit Platons ER- Mythos stehen und zum Abschluss die Frage untersucht werden, warum Cicero die Form des Traumes als Schluss des Werkes de re publica verwendet hat.

Nicht das Ziel der Arbeit ist es hingegen, Ciceros (politisches) Leben mit dem Somnium zu verknüpfen, wie es beispielsweise Fuhrmann tut.[5] Ebenso wenig soll Cicero als bloßer Imitator von Quellen dargestellt werden[6], sondern als aktiv handelnder, eigenständiger Autor, der aber natürlich Kenner der hellenistischen Philosophie ist.[7]

2) Analyse des Traumes

2.1) Situation des Traumes (§ 9- 10 Anf.)

Scipio tritt im Jahre 149 v. Chr. seinen neuen Posten als Legionskommandeur in Afrika an und besucht Masinissa, den mit seiner Familie befreundeten (iustis de causis amicissmum) König von Numidien. Dieser hat sich im Zweiten Punischen Krieg Scipio, dem Großvater dieses Scipios, angeschlossen, der nach dem endgültigen Sieg über Hannibal Africanus genannt wurde und Masinissa zum Bundesgenossen Roms gemacht hat.[8]

Masinissa spricht ein Dankgebet für den Besuch Scipios und ruft dabei die Sonne (summe sol) an, die nicht nur in vielen östlichen Religionen die oberste Gottheit ist, sondern deren Erwähnung vor allem schon einen ersten Hinweis auf die Wichtigkeit der Sonne für den Verlauf des Traumes gibt.[9] Nach einem Gespräch über die allgemeine politische Lage unterhält man sich bis spät in die Nacht über Africanus, wobei sich Masinissa scheinbar nicht nur an jede Tat, sondern auch an alle seine Worte erinnert, was auf die besondere Freundschaft hinweist, die zwischen beiden bestanden haben muss.[10] Spät nachts geht Scipio dann schlafen und beginnt unter dem Eindruck dieses Gesprächs zu träumen.

2.2) Scipios Erscheinung, Prophezeiung und Verheißung (§ 10 Mitte- 13)

Im Traum erscheint Africanus dem erschrockenen Scipio, der ihn nur durch das Abbild einer Wachsmaske (ex imagine eius) kennt, da Africanus schon bald nach der Geburt Scipios gestorben war. Africanus beruhigt ihn, lässt ihn von der Milchstraße aus einem Blick auf Karthago tun (was wirklich nur in einem Traum möglich ist) und prophezeit ihm seine Zukunft: als Prokonsul werde er 146 Karthago zerstören, eine Stadt, die nie Ruhe geben könne.[11] Für diesen Sieg werde Scipio ebenfalls den Beinamen Africanus (minor) erhalten, worauf Africanus (maior) stolz hinweist.

Die nächsten 14 Jahre von Scipios Karriere werden kurz und formal[12] ausgeführt. Nach dem Triumphzug (triumphum egeris) anlässlich des Sieges und dem Amt des Zensors 142 wird die große diplomatische Mission Scipios im Staatsauftrag hervorgehoben, in der er von 141- 139 als Legat Aegyptum, Syriam, Asiam, Graeciam bereist.

[...]


[1] Marg, Harder, 354. Im Gegensatz zum Palimpsest, das bis 1820 verloren war, lebte das Somnium mit dem Kommentar des Macrobius vermutlich wegen seines religiösen Gehalts fort.

[2] Der Kampf gegen seinen Vetter Tiberius Sempronius Gracchus kostete Nasica das Leben.

[3] Gemeint sind die Epikureer.

[4] Büchner, Kommentar, 435 ff.

[5] Fuhrmann, Verheißung, 265 f. meint, dass Cicero „zuallererst seine eigenen Zeitgenossen aufrütteln“ wollte bei gleichzeitiger Stärkung seiner Position.

[6] Büchner, Kommentar, 442 kritisiert andere Autoren wie Harder, der glaubt, dass Cicero nur eine platonische Quelle, eine hellenistische Diatribe über den Ruhm sowie eine Kosmosbeschreibung ineinandergeschachtelt habe (Marg, Harder, 374 ff.).

[7] Boyancé, Songe, 54

[8] Büchner, Kommentar, 443 f.

[9] Zetzel, Selections, 225 verweist hier schon auf die Kosmosschau in § 17 des Traumes

[10] Büchner, Quellen, 21

[11] Die Formulierung nec potest quiescere resultiert aus der römischen Sicht des Africanus wie Zetzel, Selections, 227 bemerkt, da Karthago, vom Numiderstaat Masinissas gedrängt, durchaus ernsthafte Versuche unternommen hat, den Dritten Punischen Krieg zu vermeiden.

[12] in einer Reihung von abhängigen cum- Sätzen

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der wahre Lohn des Staatsmanns - Somnium Scipionis
Hochschule
Universität Konstanz  (Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
PS: Cicero, de re publica
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V28076
ISBN (eBook)
9783638299640
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lohn, Staatsmanns, Somnium, Scipionis, Cicero
Arbeit zitieren
Ulrich Schwender (Autor:in), 2004, Der wahre Lohn des Staatsmanns - Somnium Scipionis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28076

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