Einleitung
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Somnium Scipionis in Buch VI, 9-29 von Ciceros Werk de re publica. Der Traum ist jedoch nicht im Palimpsest des Werkes, sondern in einem Kommentar des Macrobius erhalten1 und wird von Büchner als „Krönung des Werkes“ bezeichnet.
Scipio erzählt seinen Gesprächsteilnehmern im Jahre 129 v. Chr. einen Traum, den er 20 Jahre zuvor erlebt hat. Laelius, ein Freund des Scipio, hat ihm dazu die Gelegenheit gegeben, indem er darüber geklagt hat, dass dem Scipio Nasica keine Statuen zum Lohn für die Beseitigung des Tyrannen errichtet worden sind. Scipio antwortet in VI, 8, dass auf der Erde solchen Staatsmännern die conscientia ipsa factorum egregiorum genug sei. Irdische Belohnungen seien in Größe und Qualität beschränkt, im Gegensatz zu denjenigen, die es bonis reum publicarum [...] rectoribus im Himmel gebe. Über jenseitige Belohnungen war schon von Platon berichtet worden. Aber sein ER- Mythos war ab indoctis3 verlacht worden, worauf Cicero auf die Frage des Laelius nach diesen Belohnungen sich für die Form des Traumes entscheidet, damit nicht die Argumente dieser Leute, nämlich dass der Philosoph „seine Gedanken nicht mit Fiktionen mischen“ dürfe, auch dagegen verwendet würden. Das Ziel der Arbeit besteht in der Analyse des Traumes im Kontext des Werkes; in einem zweiten Teil soll der Vergleich mit Platons ER- Mythos stehen und zum Abschluss die Frage untersucht werden, warum Cicero die Form des Traumes als Schluss des Werkes de re publica verwendet hat. Nicht das Ziel der Arbeit ist es hingegen, Ciceros (politisches) Leben mit dem Somnium zu verknüpfen, wie es beispielsweise Fuhrmann tut. Ebenso wenig soll Cicero als bloßer Imitator von Quellen dargestellt werden6, sondern als aktiv handelnder, eigenständiger Autor, der aber natürlich Kenner der hellenistischen Philosophie ist.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Analyse des Traumes
2.1) Situation des Traumes
2.2) Scipios Erscheinung, Prophezeiung und Verheißung
2.3) Die Unterhaltung mit dem Vater Paulus
2.4) Kosmosschau
2.5) Relativierung des irdischen Ruhmes
2.6) Corollarium: Der Mensch ist Gott
3) Platons ER- Mythos in der Politeia im Vergleich mit dem Somnium
4) Die Form des Somnium als Finale des Werkes
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit analysiert das „Somnium Scipionis“ aus dem sechsten Buch von Ciceros „de re publica“. Ziel ist es, den Traum in den Kontext des Gesamtwerkes einzuordnen, einen systematischen Vergleich mit Platons „ER-Mythos“ aus der „Politeia“ vorzunehmen und die Bedeutung der gewählten Traumform für den Abschluss des Werkes zu untersuchen.
- Analyse der Traumsituation und der zentralen Botschaften an Scipio.
- Untersuchung der kosmologischen und ethischen Dimensionen im Somnium.
- Gegenüberstellung von Ciceros Staatsmodell mit Platons Entwurf.
- Reflexion über das Verhältnis von Staatsmann, Seele und Unsterblichkeit.
Auszug aus dem Buch
2.4) Kosmosschau (§ 17- 19)
Scipio kann sich nicht vom Anblick der Sterne abwenden, und Africanus mahnt ungeduldig, dass er seine Sinne lieber höheren Sphären widmen soll. Die folgende Kosmosschau zeigt, dass alles in Kreisen und Kugelschalen zusammengefügt und miteinander verbunden ist. Der äußerste göttliche Globus ist der Himmel, der die übrigen in Ordnung hält (summus ipse deus arcens et continens ceteros). Unter der obersten Sphäre kreisen die übrigen Sphären, die ihr nicht nur folgen, sondern unterworfen (subiecti) sind und sich in entgegengesetzter Richtung bewegen (retro).
Der Himmelssphäre folgen also nach innen Saturn, Jupiter und Mars und dann die Sonne, welcher der breiteste Raum gewidmet ist und die von Venus und Merkur begleitet wird. Die Grenze zwischen dem Sterblichen (mortale) und dem Ewigen (aeterna) bildet der Mond, und die innerste Sphäre ist die unbewegliche Erde, die an der Unvergänglichkeit des Kosmos teilnimmt. Das Bild der bewegten Sphären steht dem der starren Erde entgegen. Ewigkeit der Bewegung steht also im Kontrast zu irdischer Plumpheit. Als Scipio bei der Betrachtung des Kosmos einen Ton hört, den er von der Erde aus nicht hat wahrnehmen können, erklärt Africanus die Quelle des Tones: die Sphärenharmonie. Dieser Ton wird durch intervalla bewirkt, die impares, aber distincti sind, also unterschieden werden. Jeder Planet produziert einen eigenen Laut durch die Bewegung der Kreisbahnen, der Kugelschalen selbst: je größer die Entfernung zur Erde ist, desto schneller wird gekreist, und desto höher ist der Ton.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung zur Einordnung des „Somnium Scipionis“ innerhalb von Ciceros Werk „de re publica“ dar.
2) Analyse des Traumes: Dieses Kapitel zergliedert den Traum von Scipio in seine strukturellen Teile, von der Situation des Traumes bis hin zur theologischen Bedeutung der Seele.
3) Platons ER- Mythos in der Politeia im Vergleich mit dem Somnium: Hier wird Ciceros Staatsauffassung mit Platons Modell aus der Politeia verglichen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herausgearbeitet.
4) Die Form des Somnium als Finale des Werkes: Dieses Kapitel untersucht, warum Cicero das Somnium als krönenden Abschluss für sein Werk wählte und welche philosophische sowie politische Intention dahintersteht.
Schlüsselwörter
Cicero, de re publica, Somnium Scipionis, Platon, Politeia, Staatsmann, Seele, Unsterblichkeit, Kosmologie, Sphärenharmonie, antike Philosophie, Ethik, Politische Theorie, Römische Republik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das „Somnium Scipionis“ als zentralen philosophischen Text innerhalb von Ciceros „de re publica“ und untersucht dessen Funktion und Bedeutung im Werk.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis des Einzelnen zum Staat, die Unsterblichkeit der Seele, die kosmologische Ordnung und die Bewertung von irdischem Ruhm.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Analyse des Traumes im Kontext des Werkes, der Vergleich mit Platons „ER-Mythos“ sowie die Klärung, warum Cicero die Traumform als Finale wählte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse sowie den philosophischen Vergleich, um Ciceros eigenständige Position gegenüber griechischen Vorbildern aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine detaillierte Analyse der Traumbestandteile, eine Gegenüberstellung zu Platons Staatstheorie und eine Interpretation der Unsterblichkeitslehre bei Cicero.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Staatsmann, Seele, Kosmologie, Sphärenharmonie, antike Philosophie und Ciceros Werk „de re publica“.
Inwiefern unterscheidet sich Ciceros Staatsmodell von dem Platons?
Während Platon einen idealen Staat konstruiert, bezieht sich Cicero auf die bestehende Römische Republik und betont die Rolle des aktiven Politikers gegenüber dem rein philosophischen Ideal.
Welche Rolle spielt der Ruhm in der Argumentation des Textes?
Der irdische Ruhm wird als vergänglich und zweitrangig relativiert; wahrer Lohn ist nur die dem Staatsmann im Jenseits zuteilwerdende Unsterblichkeit durch rechtschaffenes Handeln.
- Quote paper
- Ulrich Schwender (Author), 2004, Der wahre Lohn des Staatsmanns - Somnium Scipionis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28076