Die Politik stellt sich zunehmend dem Problem des demographischen Wandels in der Bundesrepublik Deutschland. Fachkräftemangel in der Seniorenpflege- und Betreuung als auch in der allgemeinen Wirtschaft sowie die Sorge vor drohender Altersarmut in der Bevölkerung nehmen hierbei einen besonderen Stellenwert ein. Eher weniger Thema in dem allgemeinen Diskurs sind die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Doch auch in diesem Bereich wird es zwangsläufig zu Veränderungen kommen. Die Menschen werden älter und damit anfälliger für Krankheiten, während zur selben Zeit ein immer kleiner werdender Anteil der Bevölkerung im Erwerbstätigenalter ist, um die wohlfahrtsstaatlichen Leistungen zu finanzieren.
Ist die heutige Politik bereits so vorausschauend, dass mit den derzeitigen Mitteln die Gesundheitsversorgung der Zukunft sicher gestellt werden kann? Ist das derzeitige Gesundheitssystem mit der Differenzierung in gesetzliche- und private Krankenversicherung flexibel genug um auf zukünftige Verwerfungen in der Kostenstruktur reagieren zu können?
Die politische Linke favorisiert zur langfristigen Bewahrung des Gesundheitssystems die Bürgerversicherung und damit die Abkehr vom dualen Versicherungssystem, während die CDU und die FDP im derzeitigen dualen System die Lösung sehen, da, ihrer Meinung nach, nur über einen Wettbewerb am Markt die Leistungsfähigkeit und damit verbunden die Finanzierbarkeit der Gesundheitsversorgung sichergestellt werden kann.
Doch bleibt die Frage offen, welche Leistungen in welchem Umfang, die Krankenkassen in der Zukunft überhaupt erbringen müssen. Wie wird sich die finanzielle Belastung verschieben? Wie kann eine vorausschauende und faire Gesundheitsversorgung aussehen?
Ausgehend von diesen Fragen möchte ich, dem Titel dieser Hausarbeit entsprechend, der Frage nachgehen, welche Auswirkungen der demographische Wandel auf die Ausgaben im Gesundheitssektor hat. Gesundheitssektor ist ein viele Bereiche umfassender Begriff, in dieser Hausarbeit werde ich mich aufgrund des vorgegebenen Umfangs auf die Bereiche privater und öffentlicher Haushalt sowie insbesondere die Krankenkassen konzentrieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Demographische Entwicklung
3. Definition Gesundheitsausgaben
4. Aktuelle Situation der Gesundheitsausgaben
4.1 Private Haushalte
4.2 Staatlicher Haushalt
4.3 Krankenkassen
5. Lebenslage
6. Auswirkungen der höheren Lebenserwartung
6.1 Private Haushalte
6.2 Staatlicher Haushalt
6.3 Krankenkassen
7. Maßnahmen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Gesundheitsausgaben in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird analysiert, wie sich die veränderte Altersstruktur sowie der medizinisch-technische Fortschritt auf die Finanzierbarkeit des dualen Krankenversicherungssystems auswirken und welche Lösungsansätze die Politik verfolgt.
- Analyse der demographischen Entwicklung und ihrer Folgen für die Altersstruktur.
- Untersuchung der aktuellen und zukünftigen Ausgabensituation im Gesundheitssektor.
- Gegenüberstellung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung sowie ihrer Finanzierungsmodelle.
- Diskussion politischer Reformansätze wie der Kopfpauschale und der Bürgerversicherung.
- Bewertung des Einflusses des medizinisch-technischen Fortschritts auf die Kostenentwicklung.
Auszug aus dem Buch
6. Auswirkungen des demographischen Wandels
Die Auswirkungen des demographischen Wandels, beziehungsweise der höheren Lebenserwartung, auf die Gesundheitsausgaben hängt insbesondere mit den Gesundheitskosten im Alter zusammen. Hierzu gibt es zwei Theorien, die ich im Folgenden vorstellen werde.
Als erstes sei hier die Medikalisierungsthese genannt, wonach man die dazugewonnen Jahre in schlechter Gesundheit verbringe, die Gesundheitskosten also durch eine höhere Lebenserwartung steigen würden. Dies geschehe vor allem aufgrund des technisch-medizinischen Fortschritts. Dieser helfe, ehemals tödliche Krankheiten soweit zu heilen, dass die Mortalität sich in höhere Lebensjahre verschiebe, gleichzeitig aber chronische Folgeerkrankungen bleiben, dessen Kosten nun in den weiteren Lebensjahren zu tragen seien (vgl. Rothgang: 122, Breyer/Felder 2004: 4).
Der Kompressionsthese zu Folge verschiebe sich mit der erhöhten Lebenserwartung auch die Phase der Morbidität. So gehe dem Tod immer eine Zeit der Krankheit vorher, die sich mit höherem Alter jedoch nicht verlängere. Im Gegenteil wird die Phase, laut der Theorie, dank des medizinisch-technischen Fortschritts sogar kürzer (vgl. Rothgang: 123, Breyer/Felder 2004: 4 ).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des demographischen Wandels und die daraus resultierenden Herausforderungen für das deutsche Gesundheitssystem.
2. Demographische Entwicklung: Beschreibung der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland mit einem Fokus auf die Verschiebung der Altersstruktur und den Anstieg des Altersquotienten.
3. Definition Gesundheitsausgaben: Definition des Begriffs Gesundheitsausgaben und Abgrenzung der relevanten Träger wie Individuen, Staat und Krankenkassen.
4. Aktuelle Situation der Gesundheitsausgaben: Bestandsaufnahme der Ausgaben im Gesundheitssektor im Jahr 2011 unter Berücksichtigung von privaten Haushalten, öffentlichem Haushalt und Krankenkassen.
5. Lebenslage: Erläuterung des Einflusses von sozialen Faktoren und Lebenslagen auf das Morbiditätsrisiko und das Gesundheitsverhalten.
6. Auswirkungen der höheren Lebenserwartung: Analyse der theoretischen Auswirkungen der Demographie auf die Kosten, inklusive der Kontroverse zwischen Medikalisierungsthese und Kompressionsthese.
7. Maßnahmen: Darstellung und kritische Diskussion politischer Reformmodelle wie der Kopfpauschale und der Bürgerversicherung zur Sicherung des Gesundheitssystems.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Herausforderungen sowie Ausblick auf notwendige strukturelle Reformen im Gesundheitsbereich.
Schlüsselwörter
Demographischer Wandel, Gesundheitsausgaben, gesetzliche Krankenversicherung, private Krankenversicherung, Lebenserwartung, Morbidität, Kopfpauschale, Bürgerversicherung, medizinisch-technischer Fortschritt, Kompressionsthese, Altersstruktur, Sozialpolitik, Finanzierungslücke, Gesundheitsreform, Solidargedanken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie sich der demographische Wandel in Deutschland konkret auf die Ausgaben im Gesundheitssektor auswirkt und vor welche Herausforderungen dies die verschiedenen Finanzierungsträger stellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die demographische Entwicklung, die aktuelle Ausgabenstruktur des Gesundheitswesens sowie die finanzpolitische Debatte über die Zukunft des Krankenversicherungssystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob das deutsche Gesundheitssystem mit seinen derzeitigen Strukturen flexibel genug auf zukünftige demographische Verwerfungen reagieren kann und welche Reformen diskutiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und wertet aktuelle demographische Prognosen sowie gesundheitsökonomische Studien aus, um die Kostenentwicklung zu modellieren.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Im Hauptteil werden die Ausgaben von privaten Haushalten, dem Staat und den Krankenkassen beleuchtet sowie die Auswirkungen der Lebenserwartung durch theoretische Konzepte wie die Kompressionsthese erklärt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie demographischer Wandel, Gesundheitsausgaben, Kompressionsthese und die Debatte zwischen Kopfpauschale und Bürgerversicherung definieren.
Wie unterscheidet sich die Finanzierung von GKV und PKV?
Die GKV unterliegt dem Umlageverfahren und dem Solidargedanken, während die PKV nach dem Kapitaldeckungsprinzip arbeitet und Beiträge stärker an das individuelle Risiko koppelt.
Welche Rolle spielt der medizinisch-technische Fortschritt für die Kosten?
Laut der Untersuchung ist der medizinisch-technische Fortschritt ein stärkerer Kostentreiber als der reine demographische Wandel, da er zwar die Lebenserwartung erhöht, aber gleichzeitig kostenintensive chronische Erkrankungen länger begleitet.
Warum wird die Kopfpauschale kritisch gesehen?
Obwohl sie eine Entlastung der Lohnnebenkosten verspricht, gilt sie aufgrund des wegfallenden Solidargedankens und der sozialen Auswirkungen als gesellschaftlich nur schwer durchsetzbar.
- Arbeit zitieren
- Eike Ubben (Autor:in), 2013, Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Gesundheitsausgaben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280772