Thema dieser Arbeit soll die Fabel Pygmalion sein.
Wie wir sehen werden, ist die Figur des Bildhauers Pygmalion zum großen Teil eine eigenständige Erfindung Ovids. Auf Ovids mögliche Quellen und ältere Versionen dieser Geschichte möchte ich im ersten Teil der Arbeit eingehen, mich jedoch dabei sehr stark auf den literarischen Aspekt beschränken. Andere sicherlich auch sehr interessante Gesichtspunkte wie z. B. ethymologische, kulturgeschichtliche und religionswissenschaftliche, werde ich außer Acht lassen.
Im zweiten, dem Mittelalter-Teil, wende ich mich den Behandlungen zu, die diese pagane Fabel aus Ovids „Heidenbibel“ durch christliche Autoren erfahren hat. Dabei möchte ich keine langen Nacherzählungen ihrer Pygmalion-Versionen liefern, sondern nur die Besonderheiten ihrer Interpretation und - soweit vorhanden - ihr moralisches Urteil herausstreichen.
Am Ende dieser Arbeit ist noch ein Abschnitt über die Abbildungen Pygmalions in der Buchmalerei vor 1500 n. Chr. und ein knapper Ausblick seiner explosiven Entwicklung in der Neuzeit beigefügt.
Da ich Abbildungen aus dem Pygmalion-Kreis vor 1500 hauptsächlich aus dem Roman de la Rose von Jean Molinet für diese Arbeit gefunden habe, wollte ich das Kapitel 2. 3. Pygmalion in der Poesie der Vollständigkeit halber nicht auslassen, auch wenn es nicht unbedingt zu den primären Anforderungen an diese Arbeit gehört.
In diesem Punkt werde ich nur sporadisch auf einige Beispiele des Nachlebens Pygmalions in der poetischen Literatur eingehen und die im Seminar gezogene zeitliche Grenze von 1500 genau einhalten. Es ist sehr wahrscheinlich, daß in diesem Kapitel einige Behandlungen Pygmalions übersehen wurden, aber eine genauere Beachtung würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
„Pygmalion“
P. Ovidius Naso
1. Altertum
1. 1. Inhalt
1. 2. Variationen zu diesem Thema
1. 3. Der Name „Pygmalion“
1. 4. Abbildungen aus der Antike
1. 5. „Pseudo-Lactantius“
2. Das Mittelalter
2. 1. Lateinische Überlieferungen
2. 1. 1. Arnulf von Orléans
2. 1. 2. John of Garland
2. 1. 3. John de Vergilio
2. 1. 4. „Ovidius moralizatus“ (Petrus Berchorius)
2. 2. Übersetzungen in Landessprache
2. 2. 1. „Ovide moralisé“
2. 2. 2. „Morales de Ovidio“ (Pierre Berçuire)
2. 2. 3. Albrecht von Halberstadt
2. 3. Pygmalion in der Poesie:
2. 4. Buch_Illustrationen vor 1500
3. Fortleben der Pygmalion-Thematik in der Neuzeit
Nachwort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Rezeptionsgeschichte der Ovidschen Fabel von Pygmalion, mit einem besonderen Fokus auf die mittelalterliche Interpretation und Umdeutung des Stoffes durch christliche Autoren sowie dessen künstlerische Darstellung in Buchillustrationen vor dem Jahr 1500.
- Literarische Quellen und antike Vorläufer des Pygmalion-Mythos
- Mittelalterliche christliche Allegorisierung und moralische Deutungen
- Übersetzungstraditionen des Ovid in europäische Landessprachen
- Ikonographische Entwicklung und Buchillustrationen des Pygmalion-Motivs
- Nachleben und Rezeptionswandel der Pygmalion-Thematik in der Neuzeit
Auszug aus dem Buch
1. 1. Inhalt:
Ovid leitet zu Pygmalion über, indem er in der Fabula zuvor die Metamorphose der Propoeteiden erzählt. Die Propoetiden sind äußerst lasterhafte zyprische Frauen. Sie leugnen die Göttin Venus und haben ihre Körper als Erste prostituiert. Wegen ihrer Schamlosigkeit verwandeln sie sich in harte Kieselsteine. Pygmalion beschließt wegen dieser (erlebten) obszönen Schamlosigkeiten und „ob der Menge der Laster des Weibergeschlechts“, frauenlos zu leben.
Offensichtlich hat er jedoch im Hinterkopf ein edleres Frauenideal, denn er fertigt die Statue einer Frau an, die so schön wird, daß er sich in sein eigenes Werk verliebt. Nun verzehrt ihn das Feuer der Leidenschaft zu dieser perfekten Jungfrau, die jedoch aus leblosem Stein ist. Pygmalion behandelt die Statue wie eine lebendige Person: er küßt sie, umarmt sie, führt Gespräche mit ihr und will nicht zugeben, daß sie nur Elfenbein ist. Er steigert sich immer mehr in seinen Liebeswahn hinein, beschenkt die Statue bald reichlich und nimmt sie sogar mit ins Bett.
An einem Fest zu Ehren der Venus opfert Pygmalion der Göttin und bittet sie scheu, sie möge seine Frau - Ovid betont hier noch, daß Pygmalion nicht von seiner elfenbeinernen Jungfrau spricht - „similis mea“ machen. Die Göttin, an ihrem Feste im Tempel anwesend, erhört diese Bitte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Altertum: Dieses Kapitel untersucht die antiken Wurzeln des Mythos, insbesondere bei Ovid, und beleuchtet die philologischen sowie kulturgeschichtlichen Ursprünge der Figur Pygmalion.
2. Das Mittelalter: Hier wird detailliert analysiert, wie mittelalterliche christliche Autoren die Fabel allegorisierten und den Stoff durch moralisierende Deutungen in ihr Weltbild integrierten.
3. Fortleben der Pygmalion-Thematik in der Neuzeit: Dieses Kapitel bietet einen Ausblick auf die Weiterentwicklung des Motivs in der Kunst und Literatur nach 1500 bis hin zur Moderne.
Schlüsselwörter
Pygmalion, Ovid, Metamorphosen, Mittelalter, Allegorie, Rezeptionsgeschichte, Buchmalerei, christliche Deutung, Mythologie, Antike, Literaturgeschichte, Ikonographie, Statue, Verwandlung, Venus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen und ikonographischen Entwicklung der Ovidschen Fabel "Pygmalion" von der Antike bis zum Ende des Mittelalters.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Ovid-Rezeption, die christliche Umdeutung antiker Mythen im Mittelalter sowie die visuelle Darstellung des Stoffes in mittelalterlichen Handschriften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Pygmalion als eigenständige Erfindung Ovids in späteren Jahrhunderten unter verschiedenen religiösen und kulturellen Vorzeichen moralisch und allegorisch interpretiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine philologische und literaturwissenschaftliche Analyse von Primär- und Sekundärtexten sowie auf eine Auswertung ikonographischer Nachweise.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung antiker Vorläufer, die Analyse lateinischer und volkssprachlicher mittelalterlicher Kommentare sowie die Betrachtung der Buchillustrationen vor 1500.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pygmalion, Ovid, Mittelalter, Allegorie, Ikonographie und Rezeptionsgeschichte maßgeblich geprägt.
Warum wird der "Roman de la Rose" so ausführlich diskutiert?
Der Roman de la Rose gilt als zentraler Beleg dafür, wie die Pygmalion-Figur im Mittelalter sowohl als negatives Symbol der Abgötterei als auch in moralisierten christlichen Kontexten interpretiert wurde.
Welche Rolle spielt die "Soziale Verwandlung" im Ovide moralisé?
Im Ovide moralisé wird der Pygmalion-Mythos in eine realistische Erzählung über einen Gutsherrn transformiert, dessen soziale Fürsorge für eine einfache Magd als eine Form der Erziehung und „sozialen Verwandlung“ gedeutet wird.
- Arbeit zitieren
- Uli Goenczi (Autor:in), 1998, Literaturanalyse: "Pygmalion", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28086