Die literarische Montage in Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

11 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Die Literarische Montage
2.1. Begriffserklärung und Geschichte
2.2. Dominierende Fremdelemente in der literarischen Montage
2.2. 1. Die Verwendung von Zeitungen In der literarischen Montage
2.2.2. Die Verwendung von Zitaten In der literarischen Montage

3. Die Montage in Alfred Döblins Alexanderplatz

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Alfred Döblin gilt als einer der bedeutendsten und innovativsten Autoren seiner Generation.[1] In seinem erfolgreichsten Roman „ Berlin Alexanderplatz“ wird seine Hauptfigur Franz Biberkopf nach einer Haftstrafe wegen Totschlags aus dem Gefängnis entlassen und versucht sein Leben wieder zu ordnen.

Er hat zwar seine Straftat abgesessen, die Geschehnisse allerdings nicht vollständig verarbeitet und seine Moral nicht verändert. Dadurch begegnen ihm erneut Situationen im Leben, die ihn immer wieder auf den Boden zwingen. Er schafft es immer wieder aufzustehen und den Glauben an Erfolg und das Gute nicht zu verlieren, bis er schließlich in einer Lebenskrise endet und dem Tod begegnet.

Neben der Geschichte Biberkopfs beschreibt Döblin allerdings auch eindrucksvoll die Großstadt Berlin während der Weimarer Republik. Er verstand es, die Großstadt mit ihren vielen Gesichtern darzustellen und ihren Facettenreichtum offenzulegen.[2] Er stellt sowohl die schönen Seiten heraus, als auch die weniger schönen und gar makaberen. Um diese ungreifbare und komplexe Vielfalt einer pulsierenden Großstadt einfangen und darstellen zu können, nahm er sich die in der Filmwelt bereits bekannte Montagetechnik als Vorbild und übertrug sie auf seinen Roman.

In dieser Hausarbeit werde ich zunächst im zweiten Kapitel die Montagetechnik näher beschreiben. Nachdem ich in 2.1 eine Begriffserklärung und die Geschichte der Montage vorstelle, erläutere ich in 2.2 in der literarischen Montage dominierende Elemente um den Begriff Montage greifbarer zu machen.

Im dritten Kapitel analysiere ich dann mit diesem Wissen die literarische Montage in Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ und runde diese Hausarbeit im vierten Kapitel mit einem Fazit ab.

2. Die literarische Montage

2.1 Begriffserklärung und Geschichte

Die Bezeichnung Montage stammt aus dem Französischen und bedeutet zusammenbauen, zusammenfügen und wurde aus Bereich der Filmtechnik übernommen.

Hierbei werden in der Literatur sprachlich, inhaltlich und stilistisch vollkommen heterogene Texte und Textteile wie in einer Collage in der Kunst zusammengefügt.[3]

In der Kunst wurde diese Arbeitsweise durch die Dadaisten während der Weimarer Republik etabliert[4], bei dem der Bruch mit der Konvention einen Teil des Protestes gegen Krieg darstellen sollte. In der Literatur prägten den Begriff der Montage insbesondere Bertholt Brecht und Alfred Döblin.[5]

Da der Begriff und die Technik der Montage in Filmen, Kunst und Literatur verwendet wird, spricht man von einem interdisziplinären Phänomen.[6]

Die Begriffe „Montage und Collage“ wurden, da sie im Kern dieselbe Technik bearbeiten, bis zum Ende der 60er Jahre synonym verwendet. Seit dieser Zeit dominiert in der Literatur die Bezeichnung Collage, da sie einen stärkeren Realitätsbezug unterstellt.[7] In dieser Arbeit werde ich die Begriffe für eindeutigere Quellenbezüge synonym verwenden. Obwohl sich die Montage als Technik in der Literatur der Weimarer Republik etabliert hat, findet man deren Vorformen bereits in der Antike bei Platon und Sokrates.[8] Dort jedoch ohne besondere Bezeichnung als montiertes Werk. Da diese revolutionäre Art Texte aus verschiedenartigen Textstellen zusammenzustellen unter den Zeitgenossen mit der literarische Tradition brach, setzten sich während der Weimarer Republik hauptsächlich die Künstler selbst und die Kritiker mit der Montage und ihrer Begrifflichkeit auseinander. Unter den Literaturwissenschaftlern wurde nicht über diese Thematik gesprochen.[9] Gerade der Bruch mit der Tradition der deutschen Literatur und der Ursprünge einer dadaistischen Protestbewegung gegen den Krieg führten dazu, dass das nationalsozialistische Regime jegliche Verwendung der Montagetechnik in der Literatur verbot. Sie werteten diese Art literarischen Schaffens als „entartete Kunst“ ab.[10]

Erst in den 1960er Jahren begann man sich wieder mit der Montage in der Literatur zu befassen. Diesmal sollte es sogar so sein, dass die Montage ihren Weg in die Literaturwissenschaft findet und die verschiedensten Literaturwissenschaftler die Montage erforschen.

2.2 Dominierende Fremdelemente in der literarischen Montage

2.2.1 Die Verwendung von Zeitungen in der literarischen Montage

Zeitungen haben per se den Charakter, das aktuelle Geschehen und den Alltag widerzuspiegeln. Sie wirken wie Zeitzeugen der Geschehnisse des Tages, an dem sie gedruckt wurden und schaffen so eine Nähe zur Zeit und zum Ort des Geschehens.[11]

In Romanen erfüllte die Montage mit Zeitungselemente zwei wichtige Funktionen.

Zum einen wird die Montage als Werkzeug der künstlerischen Gestaltung verwendet und macht somit die Technik selbst zur Kunst, und das Werk zum Kunstwerk. Zum anderen bringt sie eine Wirklichkeitsnähe in den Roman, die wie losgelöst vom literarischen Handwerk des Autors wirkt. Der Autor bettet also die Geschichte einer Figur in eine realistische Wirklichkeitsabbildung der außerliterarischen Außenwelt.

Dazu ist das Besondere der Zeitung als Element der Montage, dass sie selbst montiert ist. Sie besteht aus unzähligen einzelnen und völlig heterogenen Elementen, die als Gesamtheit den Alltag einer Großstadt wiederspiegeln. Völlig verschiedene Anzeigen, die ohne jeglichen Bezug zueinander stehen, symbolisieren die pulsierende Großstadt mit ihren tausend Gesichtern.[12] Es wäre den Autoren ein leichtes gewesen, in der großen Vielfalt von Zeitungsausschnitten jene herauszusuchen, die inhaltlich zusammenpassen.

Doch gerade die Tatsache, dass alles nicht so wirklich zusammen passt, verstärkt das Gefühl der Rastlosigkeit einer Großstadt und das Gefühl von Verlorenheit in einer Welt die so voll von Stimmen, Geschehnissen und Verschiedenartigkeit ist.

[...]


[1] Vgl. Alfred Döblin, Gabriele Sander, Reclam 2001, Stuttgart, S.179

[2] Vgl. Erläuterungen und Dokumente, Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz, Gabriele Sander, Philip Reclam jun., Stuttgart, 1998, S.145

[3] Vgl. Def. Montageroman Metzler, Literaturlexikon Begriff und Defintion, Hrsg. Günther und Irmgard Schweikle, zweite Auflage, Stuttgart, 1990

[4] Vgl.Literarische Grundlagen, Texte, Quellen, Theorie, Hrsg. Volker Hage, Stuttgart, Reclam-Verlag, 1981

[5] Vgl Hanno Möbius „Montage und Collage“, Wilhelm Funk Verlag, München, 2000, S.443

[6] Ebd. S. 24

[7] Vgl. Metzler, Literaturlexikon Begriff und Defintion, Hrsg. Günther und Irmgard Schweikle, zweite Auflage, Stuttgart, 1990

[8] Vgl Hanno Möbius „Montage und Collage“, Wilhelm Funk Verlag, München, 2000, S.15

[9] Vgl. Ebd. S.19

[10] Vgl. Hanno Möbius „Montage und Collage“, Wilhelm Funk Verlag, München, 2000, S.20f.

[11] Vgl. Ebd.S.237f.

[12] Vgl. Ebd. S.240

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die literarische Montage in Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz"
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Die Neue Sachlichkeit in der Literatur
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V280891
ISBN (eBook)
9783656742104
ISBN (Buch)
9783656742074
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
montage, alfred, döblin`s, berlin, alexanderplatz
Arbeit zitieren
Daniel Cruz (Autor), 2014, Die literarische Montage in Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280891

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