Ist Montesquieus Haltung der Sklaverei gegenüber aufklärerisch?


Hausarbeit, 2014
11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Handel mit schwarzen Sklaven in den französischen Kolonien

3. Montesquieu zur Sklaverei
3.1 Lettres Persanes
3.2 De L’Esprit De Lois

3.3Mes Pensées

4. Schluss

5. Bibliographie

1 Einleitung

Am 4. Februar 1794 versammelte sich das Nationalkonvent in Paris, um das Dekret über den Sklavenhandel zu unterzeichnen.[1]

„Au nom des libertés, au nom de la dignité humaine, au nom des droits de l'homme, nulle terre française ne devra plus jamais porter d'esclaves.[2]

Aufgrund eines Widerrufs dauerte die vollkommene Umsetzung jedoch weitere 54 Jahre, sodass sie im Jahr 1848 erfolgte.[3] Dieser Beschluss ist der erste seiner Sorte gewesen und spiegelt zudem den Geist der Aufklärung wider, der sich seit Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich in vollem Maße ausbreitete. Der Sturm auf die Bastille zeichnet nicht nur den Anfang der französischen Revolution, aber auch der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Menschheit. Die Forderungen der Aufständischen nach liberté, fraternité und egalité führten zu der ersten niedergeschriebenen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 1789. Die Grundlage dieser Erklärung bildeten die Aufklärer in jener Zeit. Trotz der vielen Bemühungen um das Recht jedes Einzelnen, waren es wenige französischen Aufklärer, die sich zu jener Zeit mit dem Thema des Sklavenhandels beschäftigten.[4] Einer der Philosophen, der die Diskussion zur Frage des Sklavenhandels öffentlich begann, war Montesquieu.[5] Er befürwortete als einer der ersten Aufklärer die Anerkennung der Menschen- und Bürgerrechte nicht nur für Weiße, sondern auch für Schwarze und kritisierte öffentlich die Sklaverei.

Im Folgenden wird der französische Sklavenhandel kurz dargestellt, gefolgt von Montesquieus Äußerungen diesbezüglich anhand von drei seiner Schriften. Am Schluss wird resümiert inwieweit seine Gedanken aufklärerisch oder darüber hinaus revolutionär für jene Zeit gewesen sind.

2 Der Handel mit schwarzen Sklaven in den französischen Kolonien

Eine gesetzlich geregelte Organisation des Handels mit schwarzen Sklaven in den französischen Kolonien begann im Jahre 1685, als das Dekret zur Regelung des Umgangs mit Sklaven, besser bekannt als der Code Noir, in Kraft trat.[6] Der Code Noir wurde von Jean-Baptiste Colbert, dem Finanzminister von Ludwig XIV. entworfen. Beteiligt waren jedoch auch Mitglieder der Katholischen Kirche, besonders die Jesuiten, da sie die Kolonialisierung und die Sklavenhaltung als Weg sahen, den heidnischen Völkern die christliche Religion beizubringen.[7] Das Regelbuch gab an, wie man mit den schwarzen Sklaven in den Kolonien umzugehen habe, und welche Rechte diese besäßen. Frankreich machte im 17. Jahrhundert einen starken Gebrauch des Sklavenhandels um den Merkantilismus weiterhin zu fördern. Diese Handelspolitik wurde genauso wie der Code Noir von Colbert erfunden und ist auch bekannt unter dem Namen Colbertismus. Ziel Colberts war es mit dem sogenannten Dreieckshandel die Finanzen in Frankreich zu steigern. Frankreich produzierte Manufakturwaren in großen Massen und schickte diese in die französischen Kolonien in Afrika. Diese Waren, meist Bekleidung und Waffen, wurden gegen schwarze Sklaven eingetauscht. Danach wurden sie nach Amerika verkauft, um in den Plantagen der französischen Kolonien zu arbeiten. Als Entlohnung für die Sklaven bekam Frankreich Zucker, Rum, Tabak oder weitere wertvolle Artikel.[8] Durch dieses System waren die Sklaven eine große Gewinnquelle, vor allem, weil sie kostenlose Arbeitskräfte waren. Ein einziger Sklave schaffte es in den Zuckerrohrplantagen eine Produktionsleistung von drei bis vier Tonnen Zucker zu erbringen.[9] Die Sklaven waren jedoch nicht nur ein Gewinn für die Kaufleute. Auf dem Sklavenhandel konnte sogar Geld angelegt werden, sodass jeder, der es sich leisten konnte, daran beteiligt war.[10] Aus diesen Gründen waren es wenige, die sich dem Sklavenhandel widersetzten.

3 Montesquieu zur Sklaverei

Charles Louis de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu, war ein französischer Philosoph und Staatstheoretiker, welcher von 1689 bis 1755 lebte und als einer der Frühaufklärer Frankreichs gilt.[11] Montesquieu ist heute besser bekannt als einer der Erfinder unserer heutigen Gewaltenteilung, doch er beschäftigte sich in seinen Schriften auch mit anderen Themen. Als Gegner des Sklavenhandels äußerte er sich in seinen Werken, meist mit Ironie und Satire, zu dieser Problematik. Seine Haltung gegenüber der Sklaverei basierte vermutlich auf seine eigenen Erfahrungen. Er wurde in einer der wichtigsten Zentren für den französischen Sklavenhandel, Bordeaux, geboren und wuchs dort auf.[12] Um seine Stellungnahme herauszuarbeiten und mit den Ideen der Aufklärer zu verknüpfen, werden Auszüge aus drei seiner Schriften, Lettres Persanes, De l’Esprit des Lois und Mes Pensées analysiert.

3.1 Lettres Persanes

Der im Jahre 1721 erschienene Briefroman Lettres Persanes ist die erste Veröffentlichung Montesquieus, in welcher er sich über den Sklavenhandel äußert. In diesem widmet Montesquieu zwar nur wenige Zeilen dem Thema Sklavenhandel, doch diese äußern durch ihre Satire und Ironie eine starke Kritik. Der Roman besteht aus einer fiktiven Korrespondenz zwischen den Persern Usbek und Rica, die nach Frankreich gefahren sind, und deren Verwandten und Freunden. In einem Brief erklärt Usbek seinem Freund Rhedi, dass in Europa die Sklaverei bereits abgeschafft und verboten wurde „parce que, disaient-ils, le christianisme rend tous les hommes égaux.“[13] Zwar sei die Sklaverei in Europa verboten gewesen, doch außerhalb Europas war der Sklavenhandel erlaubt und gesetzlich geregelt. Grund hierfür wird im Folgenden ausgeführt: „Ils ont […] fait des conquêtes dans des pays où ils ont vu qu’il leur était avantageux d’avoir des esclaves: ils ont permis d’en acheter et d’en vendre, oubliant ce principe de religion qui les touchait tant. “[14] Montesquieu deutet hiermit auf das Paradoxon des Sklavenhandels hin. Die Abschaffung der Sklaverei erfolgte in europäischen Ländern, wie Frankreich, aufgrund des christlichen Gebots, dass alle Menschen gleich sind. Gleichzeitig betrieben jedoch genau diese Länder den Sklavenhandel außerhalb Europas. Als Frühaufklärer kritisierte Montesquieu, dass seine Mitmenschen ihre christlichen Prinzipien zugunsten ihrer Profite vergessen hätten. Montesquieu sah die Afrikaner, im Gegensatz zu vielen seiner Mitbürger, als Menschen, unabhängig von ihre Hautfarbe. Tatsächlich war Montesquieu der einzige unter den französischen Aufklärern, der bei der Bezeichnung der Schwarzen nicht von einer anderen „Rasse“ von Menschen sprach, sondern einfach nur von Menschen.[15] In einem weiteren Brief der Lettres Persanes drückt sich der Verfasser folgendermaßen über die Behandlung der schwarzen Sklaven in den französischen Kolonien aus:„Ces esclaves […] y périssent à milliers. […] Il n’y a rien de si extravagant que de faire périr un nombre innombrable d’hommes pour tirer du fond de la terre l’or et l’argent. “[16] Montesquieu stellt die selbstsüchtige und egoistische Haltung der Kolonialherren bloß, die Tausende von Afrikanern unter gnadenlosen Lebens- und Arbeitsbedingungen hielten und somit zum Sterben brachten. Diese Versklavung wird als extravagant beschrieben, um die Ratlosigkeit dieser Logik zum Ausdruck zu bringen. Die Verwendung des Worts „hommes“ anstatt „noires“ zeigt des Weiteren erneut, dass Montesquieu die Afrikaner als gleichwertige Wesen sah.

[...]


[1] Vgl. Tulard, Jean: Frankreich im Zeitalter der Revolutionen 1789-1851. Stuttgart 1989, S. 477.

[2] http://www.assemblee-nationale.fr/histoire/esclavage/abolition.asp (Zugriff: 14.03.2014).

[3] Vgl. Tulard (1989), S. 492.

[4] Vgl. Tiainen-Anttila, Kaija : The Problem of Humanity. The Blacks in the European Enlightenmen t. Helsinki 1994, S. 251.

[5] Vgl. Tiainen-Anttila (1994), S. 348.

[6] Vgl. Peabody (1996), S. 11.

[7] Vgl. Peabody (1996), S. 12.

[8] Vgl. Mayer, Jean: Frankreich im Zeitalter des Absolutismus 1515-1789. Paris 1985, S 322-328.

[9] Vgl..http://www.deutsches-museum.de/bibliothek/unsere-schaetze/gewerbegeschichte/achard/zuckerrohr-und-sklaverei/ (Zugriff: 02.09.2014).

[10] Vgl. Dobie, Madeleine: Trading Places. Colonization and Slavery in Eighteenth-Century French Culture. Cornell University 2010, S. 200.

[11] Vgl. Tiainen-Anttila (1994), S. 73.

[12] Vgl. Tiainen-Anttila (1994), S. 251.

[13] Montesquieu : Lettres persanes. Présentation par Laurent Versini. Paris 1995, S. 188, LXXV.

[14] Lettres persanes, S. 188, LXXV.

[15] Vgl Tiainen-Anttila (1994), S. 147.

[16] Lettres persanes, S. 272-273, CXVIII.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Ist Montesquieus Haltung der Sklaverei gegenüber aufklärerisch?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Literaturwissenschaft II
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V281013
ISBN (eBook)
9783656745600
ISBN (Buch)
9783656745594
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Montesquieu, Sklaverei, Französische Revolution, Aufklärung, Aufklärer, Lettres Persanes, Mes Pensées, De l'Esprit des Lois, Abolition, Sklavenhandel, Frankreich
Arbeit zitieren
Alexia Soraia Pimenta Gomes Zonca (Autor), 2014, Ist Montesquieus Haltung der Sklaverei gegenüber aufklärerisch?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281013

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