In betriebswirtschaftliche Entscheidungen kann auf zweierlei Weise Unbestimmtheit einfließen: Unternehmerische Entscheidungen sind im allgemeinen in die Zukunft gerichtet und es ist nicht möglich, die Rahmenbedingungen der Umwelt für die Entscheidung exakt zu prognostizieren. Diese Ausprägung der Unbestimmtheit wird als Unsicherheit bezeichnet. Sofern es zumindest gelingt statistische Gesetzmäßigkeiten anzugeben, liegt eine Entscheidung unter Risiko vor, andernfalls besteht Ungewißheit.
Neben Unsicherheit kommt Unschärfe ins Spiel. Unschärfe beruht im Gegensatz zur Unsicherheit nicht auf Unwissenheit über zukünftige Ereignisse, sondern leitet sich aus der Problematik der Beschreibung hochkomplexer Sachverhalte mittels simpler Zahlen ab. Zur Beschreibung des Phänomens der Unschärfe wird der Anatz der Fuzzy-Theorie verwendet, der eine Erweiterung mathematischer Operationen auf unscharfe Zahlen ermöglicht. Es gibt zahlreiche mathematische Ansätze zur Modellierung von Fuzzy-Mengen.
Die mathematischen Modelle zur Erfassung von Unschärfe werden auf die Beschreibung von Unschärfen bei betriebswirtschaftlich entscheidungsrelevanten Größen. Insbesondere wird dabei auf zweierlei Problemkreise eingegangen: Einerseits werden die häufig linguistisch umschriebenen „weichen“ Begriffe der Sozialwissenschaft besprochen, welche zwar eine Nachbarwissenschaft der Betriebswirtschaftslehre darstellt, aber in Entscheidungen über das Verhalten von Entscheidungsträgern wie auch von Betroffenen (etwa von Kunden bei Absatzentscheidungen) einfließt. Andererseits wird auf Unschärfen im betrieblichen Rechnungswesen eingegangen, welche einerseits auf unscharfe Vorschriften des Handelsrechts zurückzuführen sind, und andererseits auf die Problematik der Abbildung von komplexen Sachverhalten durch eine einzige exakte Zahl; auch unscharfe steuerrechtliche Bestimmungen finden Würdigung. Diese so gewonnenen entscheidungsrelevanten unscharfen Daten werden im Entscheidungsmodell zur Generierung unscharfer Entscheidungen herangezogen. Besondere Beachtung finden Verfahren der Fuzzy-Statistik, welche einerseits zur Gewinnung unscharfer Information für Modellierung unscharfer Wahrscheinlichkeiten im Entscheidungsmodell unter Risiko herangezogen werden, und anderseits selbst Lösungsalgorithmen für risikobehaftete unscharfe betriebswirtschaftliche Entscheidungsprobleme bereitstellen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Unsicherheit und Unschärfe?
Unsicherheit bezieht sich auf das Unwissen über zukünftige Ereignisse, während Unschärfe aus der Schwierigkeit resultiert, komplexe Sachverhalte durch exakte Zahlen zu beschreiben.
Was versteht man unter der Fuzzy-Theorie?
Die Fuzzy-Theorie ermöglicht mathematische Operationen mit unscharfen Mengen und Zahlen, um vage Begriffe (z.B. „hoch“, „gering“) berechenbar zu machen.
Wie wird Unschärfe im betrieblichen Rechnungswesen relevant?
Unschärfe tritt beispielsweise bei Bilanzansätzen, der Schätzung von Nutzungsdauern oder der Interpretation von Bilanzkennzahlen auf.
Was sind linguistische Variablen?
Das sind Begriffe der Alltagssprache, die in den Sozialwissenschaften genutzt werden, um menschliches Verhalten oder Präferenzen (z.B. von Kunden) zu beschreiben.
Wie hilft die Fuzzy-Statistik bei Unternehmensentscheidungen?
Sie stellt Lösungsalgorithmen bereit, um risikobehaftete Entscheidungsprobleme trotz unscharfer Daten mathematisch fundiert zu modellieren.
- Arbeit zitieren
- Petra Comploj (Autor:in), 2002, Unscharfe Daten bei risikobehafteten Unternehmensentscheidungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281048