Die Rezeption von Online-Zeitungen ist in fachwissenschaftlichen Beiträgen hinreichend betrachtet worden. Die Art und Weise des Lesens des mobilen Pendants dagegen ist bislang kaum Gegenstand von Untersuchungen gewesen. Diese Forschungslücke wird hier aufgenommen. Dabei werden exemplarisch eine Einstiegsseite und die Seite eines einzelnen Artikels von "FAZ.NET-Mobil" untersucht, um herauszufinden, welche Art und Weise des Lesens sie verlangen. Als Analysekategorien dienen dabei drei Phänomene, welche die Rezeption von Online-Zeitungen bestimmen: integrierendes Lesen, Interaktivität und die Rezeptionsmodi Activity und Goal Mode. Der erste Teil dieser Arbeit enthält eine Erklärung dieser Phänomene, eine kurze Erläuterung zu technischen Charakteristika mobiler Endgeräte sowie eine nähere Darstellung der mobilen Seite von" FAZ.NE"T. Im zweiten Teil wird anhand der Kategorien integrierendes lesen, Interaktivität und Rezeptionsmodi untersucht, welche Art des Lesens "FAZ.NET-Mobil" erfordert. Da sich diese Untersuchung nicht auf eigens empirisch erhobene Daten berufen kann, bezieht sie die Analyse des Textdesigns von "FAZ.NET-Mobil" sowie Befunde aus der Textdesignforschung und zu den Lesegewohnheiten von Online-Zeitungen mit ein. Wo Analogien hergestellt und Ergebnisse übertragen werden können, werden auch Befunde zum Textdesign und zu Lesegewohnheiten bei gedruckten Zeitungen mit einbezogen. Am Schluss zeigt die Arbeit die Relevanz der Untersuchung für den Deutschunterricht auf und macht Vorschläge für die unterrichtliche Umsetzung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Rezeption von Online-Zeitungen
2.1 Integrierendes Lesen
2.2 Interaktivität
2.3 Rezeptionsmodi: Activity Mode, Goal Mode und Orientierung auf Leseflächen
3. Medienspezifische Erläuterungen
3.1 Technische Besonderheiten von Smartphone und Tablet PC hinsichtlich mobiler Online-Seiten
3.2 FAZ.NET-Mobil: Die mobile Online-Seite der Zeitung für Deutschland
4. Untersuchung zur Rezeption von FAZ.NET-Mobil
4.1 Integrierendes Lesen
4.2 Interaktivität
4.3 Rezeptionsmodi
4.3.1 Activity Mode
4.3.2 Goal Mode
5. Zusammenfassung und Ausblick
6. Perspektiven für den Deutschunterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption der mobilen Online-Zeitung FAZ.NET-Mobil und analysiert, wie sich das veränderte Textdesign auf das Leseverhalten der Nutzer auswirkt. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, welche Anforderungen das spezifische Layout und die Interaktivitätsoptionen von FAZ.NET-Mobil an den Rezipienten stellen und inwiefern diese die Art des Lesens steuern.
- Analyse des integrierenden Lesens bei Schrifttext-Bild-Kombinationen.
- Untersuchung der Interaktivität und ihrer Bedeutung im mobilen Kontext.
- Differenzierung der Rezeptionsmodi zwischen Activity Mode und Goal Mode.
- Ableitung von didaktischen Perspektiven für den Deutschunterricht.
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Activity Mode
Das Flanieren (Activity Mode) bietet sich auch bei FAZ.NET-Mobil an. Untersuchungen zum Rezeptionsmodus Activity Mode bei Online-Zeitungen auf Smartphones und Tablet-PCs kann hier nicht vorgegriffen werden, da eine Studie mit der Eye-Tracking-Methode oder dem lauten Denken den Rahmen dieser Arbeit deutlich sprengen würde. Dennoch können im Folgenden begründete Vermutungen darüber angestellt werden, wie das veränderte Textdesign der mobilen Version die Art und Weise der Rezeption beeinflussen können. Da der Rezipient im „Activity Mode von den optisch auffallenden Gestaltungselementen gelenkt wird“, lässt sich für die Einstiegsseite von FAZ.NET-Mobil sagen, dass diese Lenkung gezielt vom Beginn der Einstiegsseite zu deren Ende erfolgt. Die Untereinander angeordneten Module enthalten allesamt Farbfotos und nur eine Dachzeile und Überschrift. Platziert werden also genau jene Elemente, die in den „ersten 10 bis 15 Sekunden“ für Leser am relevantesten sind.
Zudem folgt die Verwendung von Farbbildern den folgenden, aus empirischen Untersuchungen resultierenden Regeln: (1.) Wenn ein Bild vorhanden ist, erfolgt der Einstieg in die Zeitungsseite (ob gedruckt oder digital) über das Bild und der Schrifttext ist sekundär, (2.) „Fotos und Grafiken“ werden vor Überschriften und „restlichen Textelementen“ wahrgenommen, (3.) „Farbfotos werden länger betrachtet als Schwarzweißfotos und [(4.)] die zugehörigen Texte werden häufiger gelesen“. Das Textdesign lädt also dazu ein, entlang der untereinander angeordneten Bilder in Richtung des jeweils folgenden Moduls zu lesen und somit bis an das Ende der hierarchisch aufgebauten Einstiegsseite zu gelangen (vgl. M4). Diese aufgrund des Textdesigns getätigte Annahme lässt sich mit einem empirisch gesicherten Befund unterstützen:
Several studies indicate that readers will generally begin looking at a web page near the top left of the screen, proceed across the screen horizontally, and then return to the left and scan vertically down the page. […] [S]uch a pattern is referred to as […] an F pattern [.]
Dieses F-förmige Bewegungsmuster passt exakt auf die Platzierung der Textelemente in der Einstiegsseite der mobilen Version von FAZ.NET: Zuerst nimmt der ziellos umherschweifende Blick des Rezipienten das den Bildschirmrand an beiden Seiten berührende Aufmacherfoto wahr, schweift dann nach unten links zum nächsten Foto und erblickt, je nach Nutzungsdauer, Überschrift und Dachzeile des jeweiligen Moduls.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage bezüglich des veränderten Textdesigns der mobilen Version von FAZ.NET im Vergleich zur stationären Ausgabe.
2. Zur Rezeption von Online-Zeitungen: Theoretische Einführung in die Konzepte des integrierenden Lesens, der Interaktivität sowie der Rezeptionsmodi Activity und Goal Mode.
3. Medienspezifische Erläuterungen: Darstellung der technischen Bedingungen von Smartphones und Tablets sowie eine detaillierte Beschreibung der mobilen Seite FAZ.NET-Mobil.
4. Untersuchung zur Rezeption von FAZ.NET-Mobil: Empirisch begründete Analyse, wie das Textdesign der mobilen Seite das Leseverhalten, die Interaktivität und die Selektionsprozesse der Nutzer beeinflusst.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der zentralen Ergebnisse bezüglich der Anforderungen an den Leser und Ausblick auf Möglichkeiten zur weiteren wissenschaftlichen Untersuchung.
6. Perspektiven für den Deutschunterricht: Erörterung der Relevanz des Themas für die Schule und konkrete Vorschläge zur Umsetzung von Unterrichtsreihen zum Thema Textdesign.
Schlüsselwörter
FAZ.NET-Mobil, Online-Zeitung, Textdesign, integrierendes Lesen, Interaktivität, Activity Mode, Goal Mode, mobile Endgeräte, Medienrezeption, Deutschunterricht, Medienkompetenz, Layout, Hypertext, Nutzerorientierung, digitale Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das spezifische Layout und Design der mobilen Nachrichtenseite FAZ.NET-Mobil die Lesegewohnheiten und die Informationsaufnahme der Nutzer beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Prozessen der Textrezeption im digitalen Raum, den technischen Anforderungen an mobiles Design und den sich daraus ergebenden didaktischen Implikationen für den Deutschunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es herauszufinden, welche Art des Lesens das Layout von FAZ.NET-Mobil erfordert und wie die Platzierung von Textelementen die Nutzer bei der Selektion von Nachrichten steuert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Analyse des Textdesigns unter Heranziehung bestehender medienwissenschaftlicher Theorien, Textdesignforschung und empirischer Befunde zu Lesegewohnheiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie die mobile Version die klassischen Rezeptionsmodi (Activity und Goal Mode) durch ihr Layout lenkt und welche Rolle dabei Interaktivität und die Verknüpfung von Bild und Schrifttext spielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Textdesign, integrierendes Lesen, mobile Rezeption, Interaktivität, Activity Mode, Goal Mode und Medienkompetenz.
Warum spielt die Unterscheidung von Activity Mode und Goal Mode eine Rolle?
Die Unterscheidung verdeutlicht, ob ein Nutzer beim Lesen der Seite eher ziellos „flaniert“ (Activity Mode) oder gezielt nach bestimmten Informationen sucht (Goal Mode), was durch das Design unterschiedlich unterstützt wird.
Wie wirkt sich das mobile Design auf die Nutzerinteraktion aus?
Das Design zwingt den Nutzer zu einer stärkeren haptischen Interaktion mit dem Bildschirm, während gleichzeitig komplexe interaktive Angebote der stationären Seite zugunsten der Lesbarkeit auf kleinen Displays reduziert wurden.
Welche didaktischen Empfehlungen gibt der Autor?
Der Autor schlägt vor, die Gestaltung von Internetzeitungen als Unterrichtseinheit zu nutzen, um Schülern ein kritisches Verständnis für Leserlenkung, Layoutentscheidungen und Textwirkung zu vermitteln.
- Arbeit zitieren
- Franz Kröber (Autor:in), 2014, Lesen in Bewegung. Zur Rezeption von Onlinezeitungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281134