Wortspiele im Sprechgesang. Ambiguität in Diskografien von Kollegah und Farid Bang


Masterarbeit, 2013
122 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

7. Semantische Modelle
7.1 Franz Joseph Hausmanns semasiologisches Modell
7.2 Winfried Nöths Nichtdifferenzierungsmodell
7.3 Ergänzung dessemasiologischen Modells von Hausmann

10. Äquivokationsfächerung
10.1 Polysemie
10.2 Homonymie
10.2.1 Homographie
10.2.2 Homophonie

11. Wortspieltypologie
11.1 Wortspiele mit Eigennamen
11.2 Wortspiele mit Buchstabenverdreher
11.3 Wortspiele mit Abkürzungen
11.4 Wortspiele mit Lexien

12. Metaphern u. Anspielungen
12.1 Metaphernkompabilität
12.2 Motivationstypologie von Komposita
12.3 Anspielungen

13. Mehrdeutigkeit

14. Phonologische ambigue Reimschemata

15. Sprechgesang
15.1 Kritikübung am Sprechgesang und Künstlerauswahl
15.1.1 Kollegah
15.1.2 Farid Bang

16. Gradierung der Wortspielkomplexität
16.1 Sehr simple Wortspiele
16.2 Simpel-komplexe Wortspiele
16.3 Mittel komplexe Wortspiele
16.4 Komplexe Wortspiele
16.5 Sehr komplexe Wortspiele
16.6 Extrem komplexe Wortspiele

17. Auswertung der Analyse
17.1 Ausblick

18. Resümee

Literaturverzeichnis CX

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zeichenmodell nach Saussure

Abbildung 3: Peirce Zeichenmodell

Abbildung 3: Semasiologische Modell nach Hausmann

Abbildung 4: Semasiologische Modell nach Nöth

Abbildung 5: Ergänzung des semasiologischen Modells von Hausmann

Abbildung 6: Wortbedeutung

Abbildung 7: Wortbedeutung am Beispiel eines Herzens

Abbildung 8: Homonymie-Homophonie-Paronymie-Matrix

1. Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Eruierung des Habitus von auf Sprechgesang fußenden Wortspielen

Anstöße dieser Arbeit waren zahlreiche seit Jahren angeführte Kritikausübungen ge- genüber dem von migrationshintergründigen Künstlern dargebotenen Sprechgesang, die Einhalt gebietende Forderungen zum Schutze der Jugend stellten. Demgegenüber habe das partiell zu Unrecht an den Pranger gestellt Musikgenre weitaus mehr zu bie- ten als frauenverachtende und gewaltverherrlichende Sinngehalte, das bei einer unvor- eingenommenen Analyse eruiert werden soll. Zum Trotz aller Kritiker ist die Zielset- zung die Aufstellung von Antithesen, die das einfallsreiche Vermögen von Kollegah und Farid Banger und die damit verbundene Entfaltung der linguistischen Fertigkeiten gewährt, zu attestieren. Vom theoretischen hin zum praktischen Übergang vollziehen sich viererlei Prozesse, die einen schlüssigen und nachvollziehbaren Gedankenfluss gewähren sollen. Primär werden in dem Kapitel 2. der vorliegenden Arbeit die Defi- nitionen vom Begriff Wortspiel zusammengestellt und parallel dazu werden Funktio- nen und Anwendungsbereiche überreicht. Sekundär sollen im Kapitel 3. semiotische Zeichenlehremodelle von Ferdinand de Saussure und Charles Sanders Peirce näher beleuchtet werden, die sich behilflich beim Verständnis von Wortspielen darstellen. Im nachfolgenden Kapitel wird sich mit den beiden Realisierungsformen von Wort- spielen auseinandergesetzt. Im fünften Kapitel wird die Relevanz von der Textkom- plexität hinsichtlich der Wortspiele mit zusammenhängender Fachterminibestimmung von der Isotopie vorgebracht. Das 6. Kapitel umspannt die Darlegung der drei Kohä- renztypen, die sich als nutzbringend bei der Ergründungserläuterung von Wortspielen erweisen, die durch nachvollziehbare Beispiele begleitet werden. Das darauffolgende Kapitel impliziert drei semantische Modelle, die die Isotopie in der Nebeneinander- stellung mit dem Gegenstück, der Allotopie, und damit verbundener Begriffserklärung von weiteren Fachtermini folgen lässt. Im Kapitel 8. wird die Wortbedeutung präzise entschleiert, die unter anderem verschiedenerlei Assoziationsbildungen gewährt. Das 9. Kapitel widmet sich der schwachen und starken Ambiguitätsstärke. Im nachfolgen- den Kapitel und Unterkapiteln wird die Äquivokationsfächerung dargelegt, die sich in Polysemie und Homonymie segmentiert. Anspielungen sind als eine wortspielver- wandte Erscheinung zu erfassen und das 11. Kapitel wendet sich explizit der Proble- matik. Im 12. Kapitel wird die Wortspieltypologie präsentiert, die sich in Wortspiele mit Eigennamen, Buchstabenverdrehern, Abkürzungen und Lexien fächert. Ein extra Kapitel wird den Methapern gewidmet, zu deren Problematik Metaphernkompabilität und Motivationstypologie von Komposita ins Gewicht fallen. Die Mehrdeutigkeitsar- ten, auf deren grundsätzlich Wortspiele ohne Zuhilfenahme von Derivaten basieren, werden im darauffolgenden Kapitel (14) aufgezeigt. Infolge von auf Sprechgesang fu- ßender Transkriptionen werden ebenfalls phonologische ambigue Reimschemata bei der Auswertung mit einbezogen, die im Kapitel 15. wiederzufinden sind. Das 16. Ka- pitel gibt sich der Problematik des Sprechgesang hin, speziell hinsichtlich dem Unter- kapitel 16.1. Im demselben Unterkapitel wird die Musikinterpretenauswahl begrün- det, die auf Sprechgesangsinterpreten Kollegah und Farid Bang fällt. Im 17. Kapitel wird die von mir konzipierte Gradierung der Wortspielkomplexität, die sich in simple Wortspiele , mittel-komplexe Wortspiele , ziemlich komplexe Wortspiele , komplexe Wortspiele , überaus komplexe Wortspiele , extrem komplexe Wortspiele gliedert, konkretisiert und regelkonform praktiziert. Im Anschluss erfolgt die Auswertung der erhaltenen Resultate, die mit dem Ausblick ausklingen. Die vorliegende Arbeit wird in einem Resümee umschlossen. Zuallerletzt werden Literaturverzeichnis, Internet- quellen als auch Audioquellen angeführt.

2. Wortspiele

Unter dem Begriff Wortspiel wird ein rhetorisches Stillmittel verstanden, das den Zweck der Entlarvung doppelbödiger semantischer Träger erfüllen soll. Dieses Phä- nomen ist keinesfalls eine Entwicklung der heutigen Zeit, sondern verfügt über Wur- zeln die bis mindestens ins 17. Jahrhundert reichen. In Bezug auf die Übersetzbarkeit verhalten sich die Wortspiele derlei wie idiomatische Redewendungen und lassen fol- gerichtig in seltenen Fällen eine Übersetzung in andere Sprachen zu. Die Brandbreite, in denen Wortspiele zu Tragen kommen, fällt äußerst zerstreut aus, zumal sie mit ihrer Anwesenheit die existenzirrelevante Welt der Gedichte als auch existenzrelevante Welt der Sachtexte schmücken. Allerdings kann man das Vorkommen von Wortspie- len in Sachtexten durchaus sporadischer beobachten. Mit steigender Quantität an Wortspielen in einem Text, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen un- sachlichen Text handeln muss, der in überspitzter Form gemäß dem Motto die Kunst f ü r die Kunst gleichen kann. Infolgedessen trägt die Überladung von Wortspielen den Unterhaltungswert bei (vgl. Heibert 1993,11).

Demzufolge kommt erst dann eine äquivalente Bedeutung eines im Satz stehenden Wortes zu tragen, wenn beiden Bedeutungskontexten ein sinngemäßer Auslegungsweg eingeräumt werden kann. Ungeachtet dessen kann zuweilen das semantische Doppelleben eines Lexems nicht ohne Kontextungebundenheit innewerden. Eine Abnormität, dazu konstituieren wortspielhafte Neologismen, welche keine Zusammenhangsbezogenheit voraussetzen. Erst der unentbehrliche Bezugsrahmen lässt den Rezipienten die Doppelbödigkeit offenlegen (Ebd., 19). Das folgende Paradebeispiel soll die latent wirkende Nebenbedeutung ans Tageslicht führen:

Soldat spielen Soll Dart spielen

Dieses Exempel lässt die Schlussfolgerung zu, dass der Linguistik in Ansehung der Wortspielschöpfung ein vielversprechender zukunftspotenzialorientierter Wirkungskreis bevorsteht, welcher einer tiefschürfenden Ergründung bedarf.

Die Begriffserklärung von Wortspielen fällt schon allein schwer, dieweil gemäß der Definition von Begriffserklärungen an sich bereits etliche Male über mehrere Bedeu- tungen mit sich führen und somit in Anbetracht dessen kommensurabel zu den Wort- spielen sind. Der Bedeutungsinhalt reicht von tiefganglosen und verwässerten bis hin zu detaillierten Darlegungen. Eine redundanzfreie Begriffsbestimmung wird hiermit zur Schau gestellt: Redewendungen respektive Redensarten verbaliter zu nehmen, ist als Wortspiele zu verstehen (Ebd.).

Die zahlreich disponiblen Definitionen von Spiel werden geschlossen mit Zuhilfen- ahme vom Ernst und Regeln charakterisiert. Dabei spielt die Wechselbeziehung zwi- schen Ernst und Regeln eine ausschlaggebende Rolle. Weitergehend soll die Abwei- chung vom Ernst des Lebens infolge von beharren auf Einhaltung der Regeln, das syn- chron ebenfalls Regelwidrigkeiten verursacht und ergo sich als ein Widerspruch in sich entpuppt. Simple ausgedrückt eignen sich Wortspiele exzellent zur Enthüllung von Widersprüchen, Schwachstellen respektive linguistischen Defiziten im Sprachsys- tem. Die existierende Diskrepanz zwischen Wortspiel und Gesellschaftsspiel ist nicht lediglich in Hinsicht auf das Objekt der Begierde zu deduzieren. Sintemal basieren Gesellschaftsspiele auf Befolgung von im Vorhinein fixierten Regeln im Gegensatz zu Wortspielen, die zwar einen regelkonformen Eindruck erwecken, allerdings im End- effekt den Regelverstoß hinaus beschwören wollen. Darüber hinaus fungieren Gesell- schaftsspiele in Anbetracht der Ernsthaftigkeit des Lebens als sinnentleerte und reali- tätsverfremdete Tätigkeiten, hinwegsehend von der Befriedung auf psychischer Ebene. Demgegenüber bilden die Wortspiele einen realitätsnahen Filter des alltäglich gebrauchten Sprachsystems. Dieses Sprachgeflecht evaluiert unablässig zurücklas- sende respektive neukreierende Sprachsystemrisse, die einen Spielraum für Wortspiele einräumen (Ebd., 11ff.).

Funktion und Anwendungsbereich von Wortspielen

Das Nutzen aus Wortspielen kann auf mannigfach Weise gezogen werden. Der Ge- brauch von Wortspielen verläuft willentlich und zum Zwecke der Erweckung des In- teresses gegenüber den Texten beziehungsweise den Hörtexten. Daraus resultiert die Erkenntnis über das Auftreten von Wortspielen in Überschriften respektive Werbun- gen, die durch ihre anziehende Wirkung zum Lesen, Hören und Erwerb anregen sollen. Ebenfalls greifen Anspielungen zu diesem rhetorischen Stillmittel. Bei Anspielungen, in denen Wortspiele mit inbegriffen sind, können Wortspiele nach Komplexitätsgrad der Wiedererkennung und damit verbundene Enkodierung in explizite und implizite gefächert werden. Mit steigendem Schwierigkeitsgrad gehen die Anspielungen von den expliziten zu den impliziten fließend über. Dabei betreiben Wortspiele ein Ver- steckspiel mit dem Hintergedanken zu mindestens nicht umgehende aufgedeckt zu werden. Somit richten sich die impliziten Wortspiele an gewandte „Elite“-Rezipienten und haben keinen Platz an niveauschwache gerichtete Rezipienten zu finden, da sie widrigenfalls keineswegs der Zweckerfüllung nachgehen. Die exakte Scheidelinie zwischen den Wortspielen und Anspielungen zu ziehen, stellt sich beinahe als ein inkommensurables Unterfangen aus (vgl. Anz, Kaulen 2009, 459ff.).

3. Semiotische Zeichenlehremodelle

Um Wortspiele tiefer zu Grunde gehen zu dürfen, bedarf es einer Auseinandersetzung mit der Semiotik. Grundlage der Zeichentheorie gehen aus den Zeichenmodellen nach Ferdinand de Saussure und Charles Sanders Peirce.

In Übereinstimmung mit Ferdinand de Saussure ist ein Zeichen eine fest fixierte Über- einkunft auf der Sozialebene mit dazu in Verbindung stehendem Lautbild, welche sich zu einer Einheit formen. Fortschreitend löst ein Zeichen einen mentalen Prozess im Gehirn aus, das wiederum nicht zwangsläufig mit einem physisch existierenden Objekt in Verbindung gebracht werden kann. Zusammenspiel zwischen dem Zeichen und dem Objekt ist ontologisch arbiträr. Unter diesem Aspekt würde ein gegenseitiger Zeichen- transfer keinen Einfluss auf die Wirklichkeit nehmen - die Katze in Hund beziehungs- weise den Hund in Katze umzubenennen würde keinen Unterschied darstellen, solange sich alle ausnahmslos konsequent daran halten würden. Infolgedessen versucht der Mensch durch Zeichen die Realität nachzuahmen, jedoch spiegelt er sie nicht wieder (vgl. http://www.krenseling.de/semiotic.html letzter Zugriff 22.8.2012).

Signifikant Signifikat

Abbildung 1: Zeichenmodell nach Saussure

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Charles Sanders Peirce versteht unter dem Begriff Zeichen ein für ein Objekt stehen- den „Vertreter“ (vgl. Peirce, 1983, 64), der damit gewisse verbundene Emotionen und Vorstellungen herbeiruft, die wiederrum dafür ein Zeichen im Interpretanten erzeugen. Demnach seien Zeichen einer aller beschreibenden und unendlichen Dimension, die relativ vom Vorwissen der Interpretanten bestimmt wird und daher von der Subjekti- vität gekennzeichnet sei.

Interpretant Objekt

Abbildung 2: Peirce Zeichenmodell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Beide Zeichenmodeltheorien verkörpern eine wechselseitige Relation zwischen dem Objekt und dem entsprechenden Zeichen. Wortspiele bereichern diese Beziehung mit- tels der im Fachjargon sogenannten Dichotomie, welche sich vermöge eines komple- mentären Begriffspaars charakterisiert. Der mutuelle Zusammenhang basiert auf der Differenzierung zwischen Klang und Bedeutung, Form und Inhalt beziehungsweise Ausdruck und Sinngehalt (vgl. ebd.). Dieser Zwiespalt zwischen der äußeren Erschei- nung und dem inneren Sinngehalt, welche wesenhaft für Wortspiele ist, kann ebenfalls als Oppositionspaar Norm und Anomalie aufgefasst werden. Unter Norm wird ein Ver- halten ohne Abweichungen gegenüber einem System verstanden - hingegen bildet die Anomalie dazu das analogische Gegenstück. Dementgegen kann die Anomalie durch das normkonforme System integriert werden, solange sich die Abweichung nicht als all zu groß herausstellt (vgl. Heibert, 1993, 24). Diese Integration durchläuft grund- verschiedene Phasen: Zuallererst muss das notwendige Wissen über das Sprachsystem vorhanden sein um die Anomalie rezeptiv wahrzunehmen. Zweitens wird die Anomalität dekodiert und es vollzieht eine Überprüfung der sinngerechten Erkennung und Dekodierung des Unbekannten.

Um dafür ein bedeutungsschweres Verständnis zu erlangen, soll folgende Situation die Integration von der Anomalität durch die Normalität veranschaulichen. Ein gebürtiger Franzose neige dazu das r rollend zu artikulieren, dies stehe gewiss im Widerspruch mit dem phonetischen Sprachgebrauch des Deutschen. Ungeachtet dessen ruft die Anomalie größtenteils keine Missverständnisse hervor und insofern trägt sich die re- zeptive Aufnahme und Endkodierung sinnentsprechend zu (vgl. ebd.). Demgemäß sind Wortspiele eine Anomalie, welche erkannt und zu dekodieren ist. Je prägnanter respektive stärker die Anomalie zur Geltung kommt, desto problematischer wird eine sinngemäße Rezeption und Endkodierung. Dieses Zusammenhängende Gedankengut innerhalb eines Textes wird im Fachjargon als Koh ä renz definiert. Bei einer zu großen Kluft zwischen der Norm und der Anomalie kann die verbindende Koh ä renz nicht überblickt werden und somit ist eine Rückführung der Anomalität auf die Normalität indiskutabel. Folglich sind Wortspiele kein Störfaktor, sondern eine Bereicherung der rhetorischen Stilmittel (vgl. ebd., 25f.).

4. Horizontale und vertikale Wortspiele

Grundsätzlich lassen sich Wortspiele in horizontale und vertikale fächern. Bei dem horizontalen Wortspiel ist der Ausgangspunkt ein einförmiges Morphem, aus welchen geringsten falls zwei Wörter submorphemisch herausgeschält werden können (vgl. Anz, Kaulen 2009, 456)

Der Begriff Submorphem wird nach Ronneberger-Sibold folgendermaßen verstanden:

„Eine ... in verschiedenen Wörtern rekurrierende Lautfolge, die zwar nicht den Status eines

Morphems hat, aber dennoch in den meisten Wörtern, in denen sie vorkommt, eine ge- meinsame, assoziative Bedeutungsnuance hervorhebt, bezeichnet man als »Phonästhem«

oder - weil sie gewissermaßen unterhalb der Morphemebene, aber über der reinen Phonemebene angesiedelt ist - als »Submorphem«“ ( Ronneberger-Sibold 2010, 61f.)

Im Verhältnis dazu sind vertikale Wortspiele Inbegriff von zwei gleichförmigen Mor- phemen die eine semantisch-kontaminative Wortbildung formen (vgl. Anz, Kaulen 2009, 456). Das komplex wirkende Gefüge von Wortspielen lässt sich sehr banal aus- drücken. Tritt ein Wortspiel in Form eines wiederkehrenden Wortes in einer diver- genten Bedeutung auf, spricht man von horizontalen Wortspielen. Im Falle eines ein- maligen Zum-Vorschein-Kommens, allerdings in doppeldeutiger Form, so handelt es sich um ein vertikales Wortspiel. (vgl. http://www.ono-line.de/wortspiel/ws- kap24121.htm (letzer Zugriff 22.8.2012).

Wortspiele verdanken ihre Existenz ebenfalls der sogenannten lexematischen Pluri- valenz, welche Polysemie und Homonymie unter diesem Begriff inhäriert. Dieser Fachtermini durchzieht sich durch die vorliegende Arbeit und ist dieserhalb erwäh- nenswert. Desgleichen wären die oben genannten horizontalen respektive vertikalen Wortspiele nicht ohne die plurivalenten Zeichen erdenklich (vgl. Hausman 1974, 105 und Halwachs 1994, 76f.).

5. Wortspiele im Zusammenhang der Textkomplexität

Des Weiteren spielt die Komplexität des Textes eine führende Rolle bei den Wortspielen. Darauf fußend kann folgende Fächerung zugrundegelegt werden:

a) Simple eindeutige Texte

Hieran wird den plurivalenten Zeichen ein monosemantischer Kontext geboten, wel- cher der alternativen Bedeutung nicht zu tragen erlaubt zu kommen. Demzufolge spricht man von einer Disambiguierung, welche dem plurivalenten Zeichen die Zwei- deutigkeit entraubt und es zu einer Eindeutigkeit formen lässt. Zu diesem Zwecke sollen jegliche Störfaktoren aus dem Weg geräumt werden. Bedienungsanleitungen sind hierfür ein Bilderbuchbeispiel, weil sie kurz und bündig themenorientiert sind und überwiegend auf stilistische Mittel gänzlich verzichten - der Druck liegt auf der Aus- drucksökonomie (vgl. Heibert 1993, 28).

b) Mehrdeutige Texte

Bei mehrdeutigen Texten liegt vorerst eine als kommunikationsstörend empfundene Anomalie vor, welche auf einer Ausdifferenzierung von relevant bezogenem Teilele- ment, dem so genannten Fragment beruht. Hiernach kann der Rezipient entweder das Fragment antizipierend aufschließen oder weiterhin Plurivalenz ausgesetzt bleiben. Diese Auslassen kann bezweckt oder nicht bezweckt vonstattengehen seitens des Wortführers, dieweil er dieses Mitteilungsmosaikstück für redundant zuschreibt. Demzufolge inhäriert der Redner über den disambiguierenden Kontext im Gegensatz zum Rezipienten, dem das Mitteilungsmosaikstück vorbehalten bleibt und somit keine Disambiguierung zulässt. Sollte sich dieses fehlende Mitteilungsmosaikstück dagegen als Kommunikationsbeeinträchtigungsfaktor erweisen, so kann der Rezipient mittels Hinterfragung das zu wünschen übrig lassende Vorwissen ergänzen (vgl. ebd.).

c) Doppelt eindeutige Texte

Hierbei handelt es sich um eine aufsehend ergehende Sonderform von Bi-Kontexten. Beide Kontexte sind sinngemäß und lassen keine Disambiguierung zu - somit kann dies als ein Paralleltext im Text aufgegriffen werden. Diese führe freilich zunächst zu keinen Missverständnissen beim Kommunikationsvorgang, allerdings verschuldet dies im Grunde genommen erst im Endeffekt ein Kommunikationshemmnis (vgl. ebd., 28f.).

Dieses bizarre Sprachphänomen bildet den Brennpunkt zwischen der Anomalie und der Norm. Demgemäß können Gegensätze durch Gegensätze verkörpert werden - folglich könnte gut, was mit positiven Assoziationen in Verbindung gebracht werden, sich synchron als etwas Negatives herausstellen.

Um trotz der schwerzuziehenden Scheidelinie bei doppelter Eindeutigkeit eine Differenzierung zu ermöglichen, wurde der Fachterminus Isotopie eingeführt. Unter diesem Begriff versteht man laut Hausmann (1974, 23):

„Das mehrfache Vorkommen (...) eines Inhaltsmerkmals in einer Sequenz schafft eine feste einheitliche Sinnebene, die Isotopie. Die Isotopie stellt also eine Art „semantischer Redundanz“ dar, die der Mitteilung „semantische Kohärenz“ verleiht.“

Demnach ist ein Isotop eine Doppeldeutigkeit, die kontextungebunden von der Satzeinheit ist und somit sowohl auf Supra- als auch Subsatzebene agieren kann. Im Falle des doppelten Auftretens von Isotopen spricht man von der oben erwähnten doppelten Eindeutigkeit. (vgl. Heibert, 1993, 29ff.)

Um die komplex wirkende Definition praxisbezogener näher zu bringen, erscheint der nachstehender Beispielsatz (ebd., 31f.) nützlich zu sein:

„Um etwas zu gelten, müssen sich die Nullen hübsch rechts halten.“

Hierbei werden die zwei präsenten Isotope von Substantiv Null und der Redewendung sich rechts halten. Um von einer doppelten Eindeutigkeit sprechen zu können, müssen ebenfalls die Isotope zweimalig untereinander kompatibel sein. Einerseits wird mit jeder rechts haltenden Null die Zahl immenser und kommt somit zur Geltung. Ander- seits verkörpert die Null Charakterzüge, die mit einem gescheiterten, beziehungsweise lebensunfähigen Menschen in Verbindung gebracht werden, der infolgedessen des Öf- teren am Existenzminimum lebt. Solche Menschen streben daher oftmals nach konser- vativen - rechts haltenden - Lebensprinzipen, um sich einen geltenden Platz in der Gesellschaft zu ergattern. Die Redewendung sich rechts halten wird auf die historisch- politische Sitzordnung im Parlament zurückgeführt, in dem die konservativen Partei- anhänger auf der rechten Seite ihre Sitzplätze einnahmen. Mit Isotopen bespickte Texte werden daher auch komplexe Text genannt. Sintemal die Isotopie eine so be- langvolle Ingredienz der Wortspiele bilde, wird die Wechselbeziehung zwischen der Kohärenz und der Isotopie in folgende 3 Kategorien klassifiziert (vgl. ebd.)

6. Kohärenztypen

Die Isotopie beruht nicht alleinigst auf der semantischen Ebene, sondern zugleich auf der sachlichen und konventionellen Ebene. Die semantische Isotopie fußt auf einem intralinguistischen Leitmotiv im Unterschied zur sachlichen Isotopie, die extralinguistisch bedingt ist (vgl. Heibert, 1993, 32). Demzufolge verlangt die semantische Isotopie über ordentliche Sachkenntnisse, die durch die Sozialgesellschaft bedingt sind. Um diese sachliche Isotopie genauer erfassen zu können, wird sich die Arbeit dafür des nachfolgenden Beispiels (vgl- ebd.) bedienen:

„Euro-Markt: Wenn nicht nur Kohl zur Wahl“

Neben der semantischen Isotopie, die durch Euro-Markt, zur Wahl stehen und Kohl (ehem. Bundeskanzler Helmut Kohl) verkörpert wird, sei die sachliche mittels Kohl und die konventionelle mittels zur Wahl stehen präsent (vgl. ebd.).

Die Konventionelle Isotopie fußt auf einer linguistischen Übereinkunft, die im Fachjargon als Syntagma zu verstehen ist. Nach Ferdinand de Saussure wird Syntagma zergliedert in Wörter, welche unter dem Fachausdruck Paradigma überliefert werden. (vgl. Kallan, 2009, 92f.)

Paradigma und Syntagma

Obgleich Paradigmen das Fundament für das Syntagma gründen, sind diese Fachtermini ungeachtet dessen Antonyme. Diese komplexe Beziehung wird hervorragend durch folgende Begriffsdeutung wiedergegeben:

„Sprachliche Elemente, die zusammen in einem Syntagma stehen können, stehen in syntagma- tischer Beziehung zueinander. Sprachliche Elemente, die an derselben Stelle eines Syntagmas eingesetzt werden können, stehen zu einander in einer paradigmatischen Beziehung.“

(http://de.wikipedia.org/wiki/Syntagma letz-

ter Zugriff 22.8.2012).

Dabei fällt die Diskrepanz zwischen den Lexemen, eine linguistische Bedeutungsein- heit, und dem Paradigma sehr gering aus. Das alleinige Unterschiedsmerkmal betrifft die der Ersetzbarkeit des Paradigmas in einem Syntagma ohne dabei die grammatische Korrektheit zu zerrütten. Demzufolge ist das Lexem autonom im Gegensatz zum Pa- radigma, welches dem Syntagma unterprivilegiert ist. Interessanterweise kann der

Sinngehalt eines grammatisch konformen Syntagmas völlig absurde Ausmaße annehmen, wie es im nachstehenden Beispiel dargelegt wird:

„Der Hund kauft gerne sonntagnachts im Genethikforschungsinstitut Getriebeübersetzungen ein.“ (Snuszka, 2011, 29)

Nachdem die entscheidenden Fachtermini erläutert wurden, kann man sich wieder der konventionellen Isotopie zuwenden. Demgemäß sei eine kohärente Relation zwischen den einzelnen Lexemen zu erfassen. Darüber hinaus sei die Kohärenz zwischen den Paradigmen viel stärker als der Sinngehalt des einzelnen Paradigmas. Somit befolgen Paradigmen ein hierarchisches bedingtes Bedeutungssystem, welches die bedeutungs- übereinstimmende Intention des Syntagmas höher klassifiziert, als die eigene (vgl. Heibert, 1993, 33).

7. Semantische Modelle

7.1 Franz Joseph Hausmanns semasiologisches Modell

Das Gegenstück zur Isotopie heißt Allotopie, ebenfalls von Hausmann semantische Unvertr ä glichkeit genannt. (vgl. Trupia, 1997, 111) Dieser Begriff bezieht sich auf die vorherrschende inkompatible Beziehung zwischen geringstenfalls zweier Lexeme, die ausschlagegebend für die Plurivalenz ist. Im Falle von zwei disponiblen bedeu- tungsunverwandten Lexemen wird in der Sprachwissenschaft von einem Semem aus- gegangen. Demzufolge ist ein Lexem plurivalent und somit wortspielfähig, wenn z.B. das Verb nachgehen über keine bedeutungsgemeinsame Verträglichkeit zwischen den Sememen folgen und ü berpr ü fen disponiert, ungeachtet auf das Lautbild beziehungs- weise die phonetische Realisierung (vgl. Hausmann, 1993, 24, 58f.).

Das nachstehende semasiologische Modell von Hausmann (vgl. Michel, 2000, 434ff.) versucht die Scheidelinie zu finden, ab wann die Allotopie zu gering ist um Wortspiele zu befähigen:

Phonetisch Realisierung

Abbildung 3: Semasiologische Modell nach Hausmann

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: vgl. Heibert, 1993, 34

Unter dem Terminus Bedeutungsumfang schließt Hausmann (vgl. 1974, 61) jegliche Homonyme mit ein. Hingegen sind Summensememe Ganzheit von Sememen. Die Plurivalenz ist abhängig der Kontextvarianz, die auf Interpretationen beziehungsweise

Meinungen der Sememe fußt. Folgerichtig gibt es prinzipiell unerschöpfliche Interpre- tationsauslegungen. Allerdings genügt keineswegs die alleinige Kontextvarianz um die Grenzlinie der Verstehbarkeit von Wortspielen zu ziehen. Infolgedessen hat das Lexem Ball in erster Bedeutung einen kugelförmigen Sportgegenstand, in zweiter Be- deutung ein Tanzvergnügen inne. Demzufolge kann es sich in erster Bedeutung sowohl um einen Fußball als auch um einen Tischtennisball handeln. Hierbei kann kein Wort- spiel zu Stande kommen, da Allotopie viel zu gering ausfällt (vgl. ebd., 8ff.). Aller- dings sei die Wortspielfähigkeit intrasemantisch erdenklich, d.h. die Wechselbezie- hung zwischen der ersten und der zweiten Bedeutung lässt gewiss zum Entstehung eines Wortspiels zu.

7.2 Winfried Nöths Nichtdifferenzierungsmodell

Das Nöth Modell geht im Gegensatz zum Hausmanns Modell (vgl. Nöth, 1977, 2) von keiner Unterscheidung von Gradierung aus, sondern teilt alle Wörter in sieben eben- bürtige Stufen, die in gewisser Weise ein interdisziplinare Wissenschaft geschlossen bilden (vgl. ebd.).

1. Stufe PH - physikalische, chemische Strukturen
2. Stufe PX - biologische, physiologische Vorgänge
3. Stufe PSY - psychologische Vorgänge
4. Stufe SZ - soziologische Organisation aller Lebewesen
5. Stufe SEM - Symbolverhalten aller Lebewesen
6. Stufe L - menschliche Sprache
7. Stufe M - Metasprachen, Philosophie

Abbildung 4: Semasiologische Modell nach Nöth

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Nöth, 1977, 2

Bei diesem semiotischen Modell baut jede Stufe auf den jeweiligen vorherigen Stufen auf. Dabei können keinerlei Stufen mittels Auslassung übersprungen werden. Zwar basieren die jeweiligen Stufen auf den vorherigen, jedoch wird jede Stufe individuell unter repräsentierendem Aspekt analysiert. Übereinstimmend mit dem Modell ist für Wortspiele die 3. - 7. Stufe von Relevanz. Die 3. und 4. Stufe werden von der Rhetorik respektive Pragmatik verkörpert, hingegen finden sich Wortspiel ermöglichenden mehrdeutigen Symbole auf der 5. Stufe wieder. Auf der 6. Stufe findet die Umset- zung und somit Transformation von Symbolen in sprachliches System (Sprache) statt. Die allerletzte Stufe (7.) berücksichtigt die metasprachlichen und philosophischen As- pekte, die sich hinter einem Wortspiel verbergen. Demzufolge fällt die semantische Kluft beziehungsweise Unvertr ä glichkeit verhältnismäßig zur Entfernung der jeweili- gen Stufe aus, die vom Gedankengut des Symbols abgeleitet ist. Dieses Modell soll anhand des nachfolgenden Modelsatzes praxisbezogen näher besehen werden (vgl. ebd. 2ff.).

Euro-Markt: Wenn nicht nur Kohl zur Wahl (Heibert, 1977, 33)

Die erste Isotopie bezieht sich auf Euro-Markt, dieserhalb wird einerseits der Europäische Binnenmarkt gemeint, anderseits eine Supermarktkette, somit handelt es sich hierbei um die Stufen SZ und SEM. Die zweite Isotopie zur Wahl stehen kann sowohl wörtlich als auch figurativ verstanden werden, deshalb liegen hier die Stufen SEM, L, M zugrunde. Die dritte Isotopie bezieht sich auf eine Gemüsesorte und einen Eigennamen, demzufolge werden damit die Stufen PH, SZ angesprochen.

Schlussfolgernd fußt das oben erwähnte und durchleuchtete Beispiel auf der Isotopie der Stufen PH i SZ, welche mittels L verbalisiert wird, die sich durch SEM aneinander fügt. Allerdings inhäriert das Modell über Schwachstellen, zumal in manchen Fällen Zuordnungsschwierigkeiten der Stufen PH und M zugrunde liegen. Darüber hinaus implizieren die höher rangierten Stufen die niedriger eingeordneten. Das Nöths Modell geht von einer Nichtdifferenzierung aus, d.h. das gleichstufige Sememe nicht gehindert werden, eine Wortspielbildung entstehen zulassen - überdies bilden different stufige Sememe gewiss Wortspiele (vgl. Nöth, 1977, 2ff.).

7.3 Ergänzung dessemasiologischen Modells von Hausmann

Allerdings beziehen sich Wortspiele keinesfalls uneingeschränkt auf Symbole, die für mindestens zwei Bedeutungen stellvertretend stehen, sondern ebenso auf nahezu iden- tische Ausdrücke. Im Gegensatz zu der semantischen Unverträglichkeit, die auf einer Isotopie der Sememe basieren, tragen ähnlich klingende respektive aussehende Wörter zur Assoziationen bei, sind aber wegen ihrer Wirkungsstärke beschwerlicher einzu- schätzen. Nicht immer wird die Abweichung von der Schriftform, beziehungsweise Lautform, assoziativ wahrgenommen, um sie in einen Zusammenhang mit einem na- hezu identisch aussehenden bzw. bzw. klingenden Wort zu bringen. Um dieses diffi- zile Unterfangen der Separation der zum Verwechseln ähnlichen Wörtern, die assozi- ativsicher sind, von den zum Verwechseln ähnlichen Wörtern, die assoziativfragil sind, zu ermöglichen, wurde der Terminus Minimalpaar eingebettet (vgl. Hausmann, 1974, 20). Das Minimalpaar bezieht sich auf zum Verwechseln ähnliche Wörter, wel- che assoziativbeständig sind. Alle zum Verwechseln ähnliche Wörter, die sich jensei- tig des Minimalpaares befinden, können lediglich vermöge der pragmatischen Anwen- dung mittels der Wirksamkeit eines Wortspiels überprüft werden. Diese Minimalpaare unterscheiden sich lediglich durch ein Phonem, wie z.B. Hund/Mund, allerdings muss es über eine Triebfeder inhärieren, die zur kontextbedingten Isotopie verleitet. Das nachstehende Modell soll die zum Verwechseln ähnlichen Wörter innerhalb eines wortspielbedingten Kontextes näher beleuchten (vgl. Hausmann, 1977, 115f.).

Abbildung 5: Ergänzung des semasiologischen Modells von Hausmann

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an Hausmann, 1977, 115

Um die Paronymie, zum Verwechseln ähnliche Wörter, wiedergeben zu können, stockt Hausmann sein semiotisches Modell auf (vgl. Tecza, 1997, 63). Unter dem Begriff Paronymie versteht er Minimalpaare. Zwar verfügen Paronyme über disjunkte Seme, jedoch lässt die Nähe eines zweiten nahezu ähnlich aussehenden Wortes die Disjunk- tion aufheben und somit eine assoziative Verbindung entstehen. Allerdings erscheinen in Texten selten beide Minimalpaare synchron, um solch eine assoziative Wirkung zu erzeugen. Ungeachtet dessen entsteht in einem kohärent gängigen Text durch eine Ab- weichung in Form eines Gegenstückes des Minimalpaares kein kommunikationshem- mender Einfluss, da die Paronymie einerseits auf einem Teil des Minimalpaares ba- siert, anderseits wird der zweite Teil eines Minimalpaares durch den Kontext stellver- tretend. Im schlimmsten Falle können die Abweichungen als Tippfehler oderVerspre- cher wahrgenommen werden, auch wenn damit das Wortspiel ihr Ziel verfehlt. Die Bezogenheit auf das abwesende Wort, welches durch ein Paronym substituiert wird, wird Derivand genannt (vgl. Michel, 2000, 436). Hingegen sind Derivate das entspre- chende Gegenstück, das die Derivanden vertritt. Demzufolge verhalten sich Derivate und Derivande gewissermaßen wie Isotope, weil sie ebenso bi-assoziativ geprägt sind. Die Relation zwischen dem Derivat und Derivand wird von Hausmann als Konnexion aufgefasst (vgl. Heibert, 1993, 39ff.).

Wie schon bei den Isotopen erwähnt wurde, figurieren drei Kohärenztypen, die sich auch auf die Derivate und Derivanden beziehen . Allerdings sind Merkmalsdifferenzen zwischen den beiden Fachtermini auszumachen. Derweil Derivanden ausschließlich von der Kohärenz zeugen müssen, verkörpern Derivate nicht lediglich die Kohärenz, sondern auch die Anomalie. Demzufolge muss die Kohärenz beide Isotope fördern und die Anomalie muss für die angestrebt Wirkungsreize einer zwangsläufigen Asso- ziation des zweiten Isotops sorgen, dem so genannten Derivanden. Dabei darf die Anomalie nicht zu wirkungsstark die Grenze der Verstehbarkeit überqueren - die As- soziationsverbindung, Konnexion darf nicht abhandenkommen. Dabei kann die Deri- vatskohärenz lediglich semantisch und sachlich bedingt sein, da die konventionelle Kohärenz zu stark wäre um eine assoziationsstabile Beziehung zum Derivanden zu schaffen. Im Gegensatz dazu verhält sich die Kohärenz bei Derivanden kontradikto- risch, da dort die konventionelle Kohärenz nahezu hinaus beschwört wird um somit die Konvention des Derivands zum Derivaten kundzugeben. Die Abweichung des De- rivats vom Derivanden fällt different stark aus. Je größer die Abweichung eines Deri- vats vom Derivanden ist, umso stärker wird der Wirkungsreiz, welcher mittels Asso- ziation zur Annahme führen soll um welches ein Ausgangswort (Derivand) es sich dabei handelt. Die Kluft der Konnexion kann zum absoluten Nullpunkt führen, an dem man anhand des Derivats von keinerlei Interpretation beziehungsweise Erschließung des Derivands ausgehen kann. Diese scheinbare Unverbindlichkeit des Derivats und Derivanden definiert Hausmann als totale Inkompatibilit ä t. In diesem Fall tritt entwe- der die völlige Allotopie auf, respektive sie unterscheiden sich zu stark unter dem Ge- sichtspunkt der Lexeme. Der einzige Lösungsweg hierbei wäre eine größere Kon- texterweiterung, die zu mindestens verschiedene Interpretationen ausschließen lassen und somit den potenziellen Derivandenkreis einengen würden (vgl. ebd., 40ff.).

8. Wortbedeutung

Grundsätzlich verfügt jedes Lexem über eine Bedeutung, auch wenn z.B. mögliche Komposita total sinnentleert sein können und somit ein ausdrucksloses Symbol darstellen. Allerdings besitzen manche Lexeme ausgenommen der Hauptbedeutung, die als Denotation definiert werden (vgl. Dahms, 2011, 13), mindestens eine Nebenbedeutung, die so genannte Konnotation. Das aus dem Latein stammende Denotat verfügt über eine festgeschriebene Bedeutung und führt ein unbedingtes Dasein mit sich im Gegenpol zum Konnotat, welches von einer zugeschriebenen Bedeutung und von einer Abhängigkeit gegenüber dem Denotat geprägt ist. Das Konnotat lässt sich unterfächern in Gefühlswert, Worthöhe und Vorstellungskraft.

Hauptbedeutung Nebenbedeutung Assoziatives Umfeld

Gefühlswert Worthöhe Vorstellungskraft

Abbildung 6: Wortbedeutung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:In Anlehnung an http://www.rsf.uni-greifswald.de/fileadmin/mediapool/lehrs- tuehle/pechtl/Kommunikationspolitik_SS2012_03042012.pdf (letzter Zugriff 15.9.2013)

Hinter dem Begriff Gef ü hlswert deckt sich der mitgeführte Emotionswert, der in manchen Fällen äußerst emotionsvoll sein kann. Hingegen gibt die Worthöhe Auskunft über die Zugehörigkeit zum jeweiligen Sprachregister. Die Vorstellungskraft betrifft das Verbildlichen einer Sache beziehungsweise eines Ideenguts (vgl. Link, 1997, 41). Brinker (1992, 114) definiert die Konnotation folgendermaßen:

Unter der konnotativen Bedeutung eines Wortes versteht man in der linguistischen Semantik den Komplex von Begleit- und Nebenvorstellungen wertender und emotionaler Art, der zusammen mit dem begrifflichen Inhalt (der sog. denotativen Bedeutung) die Gesamtbedeutung eines Wortes ausmacht“.

Demzufolge nehmen Konnotate eine pragmatische und Denotate eine referentielle Bedeutung an. Ferner existiert neben der Hauptbedeutung und Nebenbedeutung noch ein assoziatives Umfeld, jenes individualspezfisch motiviert von Erfahrungs- und Emotionsstand ist und sich als eine Begleiterscheinung des Konnotats herauskristallisiert. Dieses Umfeld ist von intralingualer Bedeutungsnatur und ist entweder wahllos oder beabsichtigt. Um diese Begriffe näher bringen zu können, wird das nachstehende Beispiel anhand des Herzens Licht ins Dunkel bringen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Wortbedeutung am Beispiel eines Herzens

Quelle: Eigene Darstellung

Schlussfolgernd lässt sich folgendes Fazit ausbedingen: Nicht jedes Wort weist neben der Hauptbedeutung eine Nebenbedeutung auf, allerdings diejenigen Worte, die diese Bedingung erfüllen, sind als Mehrdeutigkeit, Doppeldeutigkeit bzw. Ambiguit ä t zu verstehen, die unterschiedlich stark vertreten sein können.

9. Ambiguitätsstärke

Nachdem die Konnexion auf der Textebene und die Wortbedeutung näher durchleuch- tet wurden, wendet sich die Arbeit spezifischer der Wirkungsstärke der Assoziationen, die zwischen Mehrdeutigkeiten in Form von Isotopen und Derivat/Derivand herr- schen. Dabei differenziert man die Mehrdeutigkeit nach dem Umfang der Assoziation und Kontextgebundenheit. Entsteht eine Assoziation separat vom Kontext, so spricht man von einer so genannten starken Ambiguit ä t. Demgegenüber ist die schwache Am- biguit ä t Zeugnis der kontextabhängigen, beziehungsweise situationsbedingten Asso- ziation (vgl. Pinkal, 1985, 72f.).

a. Starke Ambiguität

Die starke Ambiguität unterliegt in keinem Falle einer situationsungebundenen Sachlage, bzw. sie muss keine mitbedeutenden Eigenschaften mit sich ziehen, anderenfalls handelt es sich um die schwache Ambiguität. Der Kontext ist für gewöhnlich unerheblich, lediglich bei Ausnahmen kann er gegebenenfalls andeuten, welche Bedeutung zur Sprache kommt. Um diese Ausnahmen zu verdeutlichen, wird ein zum Tragen kommendes Beispiel angeführt (Ebd.):

Sprecher 1: Wo ist das Geld?

Sprecher 2: Es liegt auf der Bank.

Obschon sich die Ambiguität der Bank auf entweder ein Geldinstitut respektive ein Sitzgelegenheit ermöglichenden Gegenstand bezieht, können keine unwiderlegbaren Rückschlüsse gezogen werden, die der Bedeutungen zum Tragen kommen. Frühestens erlauben die Gesprächsumstände eine der Bedeutungen kategorisch auszuschließen, wie dies in der Ergänzung der Fall ist:

Sprecher 2: So wie vereinbart - U-Bahnhof Friedrichstra ß e

b. Schwache Ambiguität

Die schwache Ambiguität betrifft Wörter, die lediglich in kontextabhängigen Konstel- lationen doppelsinnig sind. Obgleich sie potenzielle Träger der Ambiguität sind, kön- nen sie in gewisser Wechselbeziehung über eine Nebenbedeutung inhärieren. Diese mit sich geführte Fähigkeit einer Nebenbedeutung wird an den vorausgehenden Bei- spielen beleuchtet (Ebd.):

gr ü n schnell

Das erste vorhin genannte Adjektiv gr ü n gibt Auskunft über den Farbenton. Allerdings kann es ebenso in gewissen Zusammenhängen die Nebenbedeutung vom mangelnden Reifezustand mit sich bringen, der hervorragend mittels zweier Beispielsätze dargebo- ten wird (Ebd.):

1. Die Weintrauben sind noch gr ü n. Er ist noch gr ü n hinteren den Ohren.
2. Der schnelle knallrote Ferrari fuhr mit 120 km/h auf der Autobahn. Mit 80 Sachen fuhr Opa schnell in seinem Trabi durch die Spielstra ß e.

Hierbei handelt es sich um eine Nebenbedeutung unreif, die direkt und indirekt vermittelt wird. Im ersten Satz sind tatsächlich die Weintrauben grün und somit logischerweise unreif, allerdings inhärieren die Ohren keineswegs über einen grünen Farbton, sondern sollen lediglich von Unreife zeugen.

Das zweite obenerwähnte Adjektiv schnell, beschreibt die Wechselbeziehung zwi- schen den Umständen und der Tätigkeit. Erstens ist bei einem sich mit 120 km/h fort- bewegenden Ferrari die Geschwindigkeit zu betonen irrelevant und redundant. Im Ge- gensatz dazu sind die 80 km/h in einer Spielstraße sehr wohl nennenswert. Daraus resultiert die Erkenntnis, dass die Umstände ebenfalls angegeben werden müssen, un- ter denen solch eine Geschwindigkeit zu Stande gekommen ist, ob etwas als schnell eingestuft wird oder nicht. Somit kann sich ein langsamer fahrender Trabi als schnell erweisen, im Gegensatz zu einem schneller fahrenden Ferrari. Folglich zeichnet sich die Ambiguität von schnell durch eine objektive Bedeutung und eine subjektive Ne- benbedeutung aus (vgl. ebd.).

In der Sprachwissenschaft wird die Ambiguität ebenfalls durch die Termini wie Mehr- deutigkeit oder Doppeldeutigkeit verkörpert, hingegen ist in der Psychologie die Rede von der Ambivalenz und in der Philosophie von der sogenannten Äquivokation (vgl. ebd.).

10. Äquivokationsfächerung

Bereits im 12. Jahrhundert taucht der Begriff Ä quivokation in Fallacie Parviponate, Equivocatio est eadem diversorum non eadem ratione appellatio auf und wurde ge- deutet als eine uniformierte Benennung von Verschiedenartigem, welche keineswegs dies als inhomogen bestimmt (vgl. Park, 1999, 252). Laut der philosophischen Errun- genschaften parzelliert sich die Äquivokation in Homonymie und Polysemie. Sowohl die Homonymie als auch die Polysemie verkörpern zu mindestens in kontextungebun- denen Konstellationen, wenn nicht auch in kontextabhängigen Sachverhalten, die Vag- heit. Diese tritt im Falle einer Unklarheit ein, bei der geringstenfalls zwei vernunftge- mäße Auslegungswege zu vertreten sind. Die Nutznießung der Vagheit kann entweder unvorsätzlich oder bezweckt vorliegen. Insbesondere in Gesetzestexten sollte eine auf- tretende Vagheit strengstens verwehrt bleiben, derweil heißt sie bei ironischen bzw. sarkastischen geprägten Anlässen Willkommen.

Um dieser Vagheit entgegenzusetzen, greifen Wortführer speziell bei offiziellen Kom- munikationen beziehungsweise Reden des Öfteren zur Meidungstechnik von ambiva- lenten Worten beziehungsweise Ausdrücken. Je mehr Redner sich eines äquivalenten eindeutigen Synonyms bedienen, anstatt des Gebrauchs einer mehrdeutigen eigentli- chen Entsprechung, umso sukzessiver wird dieses ambivalente Wort bzw. Ausdruck aus dem aktiven oder passiven Vokabular dahinschwinden. Graduell wird die Doppel- deutigkeit zu einer Eindeutigkeit entleert, somit läuft der Sprecher Gefahr auf höchst- wahrscheinlich missverstanden zu werden, so dass im Endeffekt sich der Bedeutungs- wandel bzw. Bedeutungsverlust vollzieht (vgl. Keller, Kirschbaum, 101).

In manchen Fällen fällt die unzweifelhaft Differenzierung zwischen der Homonymie und der Polysemie äußerst schwer, trotz der Miteinbeziehung des Diskrepanzenkrite- riums, welches mittels des semantischen Beziehungsgrades ermittelt werden kann.

10.1 Polysemie

Im Gegensatz zur Homonymie, kennzeichnet sich die Polysemie durch einen im enge- ren bzw. weiteren Sinne bestehenden Bedeutungsbeziehungsgrad. Die Polysemie bil- det das Gegenstück zur Homonymie und kann trotz etymologischer Verwandtschaft im gleichen Maße wie die Homonymie Mehrdeutigkeiten aufweisen. Als Beispiel dient hierbei das Pferd, welches sowohl ein Säugetier, als auch als eine Schachfigur verstanden werden kann (vgl. König, 10).

10.2 Homonymie

Die Homonymie bezieht sich auf Worte, die geringstenfalls über zwei sowohl bedeu- tungsentfernte als auch abstammungsunabhängige Beziehungen inhäriert werden. In Hinsicht der Etymologie entsprieß ein Homonym aus mindestens zwei ursprünglich inkongruenten Worten, die sukzessive durch die 2. Lautverschiebung gleich lauteten. Dabei können Homonyme hinsichtlich des Wortspiels sowohl vertikal als auch hori- zontal in Erscheinung treten. Auf der Homonymie basierende vertikale Wortspiele werden unter dem Begriff Amphibolien erfasst. Die Amphibolie beruht auf einem ei- nander fügendem denotativen und konnotativen Semem (vgl. Heibert, 1993, 44). Um dies verdeutlichen zu können, bediene ich mich eines aussagekräftigen Beispiels:

Nur Flaschen m ü ssen immer voll sein.(Cruse, 2005, 188)

Hierbei umfängt das Beispiel eine doppelte Isotopie, die durch die Wörter Flaschen und voll verkörpert wird. Die Hauptbedeutungen von Flasche ist "ein Glas- bzw. Plas- tikgefäß" und von voll"gänzlich" bzw. "ausgefüllt". Jedoch verfügen beide Lexeme über eine Nebenbedeutung, im Falle von Flasche eine abwertende Bezeichnung für einen körperlich beziehungsweise psychisch schwachen Menschen, der infolgedessen vom Versagen gekennzeichnet ist. Hingegen ist voll von einer konnotativen Bedeutung geprägt, die umgangssprachlich als "angeheitert" (http://www.duden.de/rechtschrei- bung/voll_gefuellt_besetzt letzter Zugriff 15.9.2013) verstanden wird. Dabei können die Isotopiepaare Flaschen und voll nicht in den Hauptbedeutung und Nebenbedeu- tung untereinander vermengt werden, da ansonsten daraus kein logischer Gedanken- flug resultieren wird. Demgegenüber werden auf der Homonymie basierende horizon- tale Wortspiele in der Linguistik als Variation festgelegt. In Bezug darauf kehrt ein isotopes Homonym wieder, allerdings fördert diese Wortspielart keinesfalls eine un- abdingbare Interpretation bzw. Vervollständigung, trotz des isotopischen Semems wird sie vom eindeutigen Kontext determiniert. Demzufolge handelt es sich hierbei um eine semantische Doppeldeutigkeit, allerdings bleibt die Intention eindeutig.

[...]

Ende der Leseprobe aus 122 Seiten

Details

Titel
Wortspiele im Sprechgesang. Ambiguität in Diskografien von Kollegah und Farid Bang
Hochschule
Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
122
Katalognummer
V281225
ISBN (eBook)
9783656747116
ISBN (Buch)
9783656747093
Dateigröße
1153 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
SOllte die Arbeit nicht zu einem entsprechenden Verkaufspreis zur Verfügung gestellt werden, möchte ich diese Arbeit hier nicht anbieten.
Schlagworte
wortspiele, sprechgesang, ambiguität, diskografien, kollegah, farid, bang
Arbeit zitieren
Piotr Snuszka (Autor), 2013, Wortspiele im Sprechgesang. Ambiguität in Diskografien von Kollegah und Farid Bang, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281225

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