Die Mikrofinanzierung hat in den Jahren 2005 und 2006 durch die Vergabe des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus sowie durch Maßnahmen der UN einen großen Bekanntheitsschub erhalten. Infolgedessen wurde die Mikrofinanzierung als Anlageklasse stärker wahrgenommen. Zu den ersten ethisch motivierten Investmentmöglichkeiten kamen schnell weitere deutlich kommerzieller orientierte Fonds hinzu. Die Mikrofinanzierung entwickelte sich zu einer Anlageklasse, in der eine hohe Rendite mit gleichzeitig einem hohem Maße an Sicherheit möglich war.
In den Jahren 2010 und 2011 wurden zunehmend negative Pressestimmen laut. Aufgrund von Selbstmorden und anderer Problemfelder geriet der Bereich der Mikrofinanzierung teilweise in Verruf. Ziel dieser Arbeit ist es, der Frage nachzugehen, ob der Bereich Mikrofinanzierung als Anlageklasse für nachhaltiges und ethisches Investment dient.
Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass Mikrofinanzierung durchaus als Anlageklasse hierfür dienen kann. Es bedarf jedoch der Berücksichtigung einiger wesentlicher Faktoren. Das Augenmerk ist hierbei auf verschiedene Ebenen zu lenken. Neben der Motivation der Investoren, ist eine eingehendere Analyse der einzelnen Mikrofinanzinstitute und ihrer Arbeitsweisen wichtig sowie eine Betrachtung der Ausrichtung der einzelnen Anlageprodukte. Nur dann lässt sich sicherstellen, dass ein entsprechendes Investment wirklich nachhaltig und ethisch ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen der Mikrofinanzierung
2.1 Definition und Geschichte
2.1.1 Definition
2.1.2 Historische Betrachtung der Mikrofinanzierung
2.2 Produktpalette der Mikrofinanzinstitutionen
2.2.1 Mikrokredite
2.2.2 Mikroansparungen
2.2.3 Mikroversicherungen
2.2.4 Geldtransfer
2.2.5 Mikrofranchising
2.3 Teilnehmer der Mikrofinanzierung
2.3.1 Kunden der Mikrofinanzinstitutionen
2.3.2 Anbieter der Mikrofinanzprodukte
2.3.3 Investoren und Geldgeber
2.4 Risiken der Mikrofinanzierung
3 Ethisch nachhaltige Kapitalanlage
3.1 Begriffsdefinition und historische Hintergründe
3.1.1 Grundlagen zum Begriff Ethik
3.1.2 Grundlagen zum Begriff Nachhaltigkeit
3.2 Ziele und Aufgaben ethisch nachhaltiger Anlagestrategien
4 Investmentmöglichkeiten im Mikrofinanzsektor
4.1 Angebote im Mikrofinanzierungsbereich
4.1.1 Microfinance Investment Vehicles
4.1.2 Direktinvestitionen in Mikrofinanzinstitutionen
4.2 Anbieter im Mikrofinanzierungsbereich
4.2.1 Anbieter MIV
4.2.2 Anbieter Direktinvestitionen
5 Beurteilung der Investments im Mikrofinanzsektor
5.1 Beurteilung der Nachhaltigkeit der Investmentmöglichkeiten
5.2 Beurteilung der Rendite
6 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Frage zu beantworten, ob die Mikrofinanzierung als Anlageklasse für ein ethisches und nachhaltiges Investment geeignet ist. Dabei soll ein grundlegendes Verständnis für die oft komplexen Strukturen der Mikrofinanzierung sowie die damit verbundenen Risiken und Chancen vermittelt werden.
- Grundlagen der Mikrofinanzierung und ihre Produktpalette
- Die Rolle der verschiedenen Akteure (Kunden, Anbieter, Investoren)
- Kriterien für ethisch nachhaltige Kapitalanlagen
- Analyse und Beurteilung der Investmentmöglichkeiten im Mikrofinanzsektor
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Mikrokredite
Der Mikrokredit ist die bekannteste und am häufigsten verwandte Form der Mikrofinanzierung. Die Mikrokredite sind Klein- bzw. Kleinstkredite an die armen Bevölkerungsschichten, welche keinen Zugang zu normalen Bankkrediten haben. Ziel dieser Kredite ist es, den Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, mit Hilfe des Kredites ein Mikrounternehmen zu gründen und über eine Selbstständigkeit der Armut zu entkommen.
Wie in der hiesigen Bankenlandschaft auch, wird im Bereich der Mikrofinanzierung zwischen einem Verbraucherkredit und einem Geschäftskredit unterschieden. Der Verbraucherkredit dient dem privaten Konsum. Beispielsweise Geschenke für Feste, Medizin oder aber auch Schulmaterialien sind an dieser Stelle zu nennen. Der Geschäftskredit hingegen dient der originären Investition in ein Unternehmen. Hierbei ist der Verwendungszweck des Geldes ausschließlich für das Unternehmen bestimmt.
Die Ursprungsidee der Mikrofinanzierung war der Geschäftskredit, welcher in der Praxis zugleich am häufigsten Verwendung findet. Parallel dazu wird aus Gründen der Überschuldung wiederkehrend Kritik an Krediten für den privaten Konsum geäußert. Mittlerweile kristallisiert sich jedoch heraus, dass der Kunde am besten entscheiden kann, wofür das Geld bestimmt ist. Als Unternehmer hängt sein Erfolg eng mit seinem privaten Umfeld zusammen, sei es in Form von Geschenken für Geschäftspartner oder andere Arten der Kontaktpflege.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Problemstellung der Arbeit vor und erläutert den Aufbau, um die Eignung der Mikrofinanzierung als ethische und nachhaltige Anlageklasse zu untersuchen.
2 Grundlagen der Mikrofinanzierung: Das Kapitel definiert den Begriff der Mikrofinanzierung, beleuchtet ihre Geschichte und stellt die Produktpalette sowie die Akteure des Sektors detailliert vor.
3 Ethisch nachhaltige Kapitalanlage: Hier werden die Begriffe Ethik und Nachhaltigkeit im Kontext der Geldanlage definiert und die Ziele sowie Aufgaben entsprechender Anlagestrategien erörtert.
4 Investmentmöglichkeiten im Mikrofinanzsektor: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Investitionsangebote im Mikrofinanzsektor, von MIVs bis hin zu Direktinvestitionen.
5 Beurteilung der Investments im Mikrofinanzsektor: Das Kapitel analysiert, wie die Nachhaltigkeit und Rendite von Mikrofinanzinvestments beurteilt werden können, unter Berücksichtigung verschiedener Risikofaktoren.
6 Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bekräftigt die Eignung der Mikrofinanzierung als Anlageklasse unter Berücksichtigung spezifischer Sorgfaltskriterien.
Schlüsselwörter
Mikrofinanzierung, Mikrokredit, ethisches Investment, Nachhaltigkeit, MIV, Mikrofinanzinstitutionen, Armutsbekämpfung, Rendite, Sozialkapital, Direktinvestition, Risikomanagement, Finanzintermediär, Microfinance Investment Vehicles, Ethik, Kapitalanlage
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob Mikrofinanzierung als Anlageklasse für nachhaltige und ethische Investments geeignet ist.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Geschichte der Mikrofinanzierung, die Produktpalette (Kredite, Sparen, Versicherungen), Akteursanalysen und Kriterien zur Beurteilung ethischer Geldanlagen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die Anlageklasse Mikrofinanzierung tatsächlich den Anforderungen an ein ethisches und nachhaltiges Investment entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und deskriptive Untersuchung der Marktstrukturen und Investmentmöglichkeiten im Mikrofinanzsektor.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen von Mikrofinanzierung und ethischer Kapitalanlage sowie die konkrete Untersuchung der verschiedenen Investmentvehikel und Anbieter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mikrofinanzierung, ethisches Investment, Nachhaltigkeit, Mikrokredite und MIV.
Warum sind die Zinssätze bei Mikrokrediten oft höher als bei konventionellen Krediten?
Die höheren Zinssätze resultieren aus den relativ gesehen hohen Transaktionskosten bei kleinen Kreditsummen, die bei der Kreditvergabe in Entwicklungsländern anfallen.
Welche Rolle spielen Gruppenkredite bei der Risikominimierung?
Gruppenkredite minimieren Risiken durch Peer-Selection und Peer-Monitoring, da die Gruppenmitglieder gemeinsam für die Rückzahlung haften und sich gegenseitig kontrollieren.
Welche Bedeutung haben MIVs für den Mikrofinanzmarkt?
Microfinance Investment Vehicles (MIVs) fungieren als wichtige Intermediäre, die privates und institutionelles Kapital einsammeln und in Mikrofinanzinstitutionen investieren.
- Quote paper
- Christoph Heise (Author), 2013, Mikrofinanzierung als Anlageklasse für nachhaltiges und ethisches Investment, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281269