Das Thema dieser Arbeit ist die Deutsche Einwanderung in Brasilien im 19. und 20. Jahrhundert. Aufgrund des Umfangs einer Magisterarbeit muss es aber einige Einschränkungen geben. Der mit dem Untertitel verbundene Bezug auf eine bestimmte Person als konkretes Beispiel bringt diese Einschränkung mit sich. Trotzdem soll ein Überblick – der von den Anfängen der Massenauswanderung bis hin zu den Weltkriegen und deren Folgen in der lokalen Gesellschaft geht – versuchen, bestimmte Vorgänge und Konsequenzen zu erläutern, da dieser Teil der Geschichte für viele eher unbekannt ist.
Um die Deutsche Einwanderung zu beschreiben, werden zunächst die Push-Faktoren, die Gründe für die Auswanderung aus Deutschland, dargestellt sowie die damalige deutsche
Gesellschaft und die soziale und politische Lage, um alles in den geschichtlichen Kontext einzubetten. Auf der anderen Seite kommen die Pull-Faktoren für die Einwanderung nach Brasilien hinzu, der Besiedlungswunsch seitens der portugiesischen und dann der brasilianischen Regierung und die Möglichkeiten im neuen Land.
Nach der Ankunft in Brasilien bezieht sich diese Arbeit schwerpunktmäßig auf die Einwanderer, die sich in Blumenau – wohin Faulhaber auswanderte – im heutigen Bundesland Santa Catarina ab der Gründung 1850 niederließen. Daneben kommen auch andere Städte, Orte und verschiedene Personen zum Vorschein, soweit es sich für einen Vergleich oder zum besseren Verständnis anbietet.
Es wird der Aufbau der lokalen Gesellschaft betrachtet, was eine Auseinandersetzung mit den ineinander verwobenen Faktoren Politik, Kirchen-, Bildungs-, Presse-, und Vereinswesen bedeutet. Vor allem Kirche und Schule waren als Träger der deutschen Sprache und Kultur wichtig und werden hier angesprochen.
Anhand des Lebens von Hermann Faulhaber, eines deutschen Pastors, der nach Blumenau in Südbrasilien auswanderte, wird ein Blick auf die dortige Gesellschaft geworfen. Dazu werden seine biographischen Daten und sein dokumentarischer Nachlass – in den verschiedenen Bereichen, in denen er tätig war – analysiert. Es wird Faulhabers Werdegang beschrieben: die Auswanderung nach Brasilien, seine Tätigkeit in Blumenau in Südbrasilien und seine Rückkehr mit der Familie nach Deutschland bis zu seinem Tod.
Außerdem wird noch ein kurzer Ausblick über die Situation der Deutschen und deren Nachkommen in Brasilien gegeben. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung und Methode
1.2. Forschungsstand und Quellenlage
1.3. Begriffserklärungen
1.3.1. Der Alldeutsche Verband – Liga Pangermânica – und die „Deutsche Gefahr“
1.3.2. Deutsch - Deutscher
1.3.3. Deutschtum – Deutschbrasilianertum
1.3.4. Kolonie – Kolonisation
1.3.5. Estado Novo
1.3.6. Nationalisierung – Nativismus
1.3.7. Naturalisierung
1.3.8. Pastor und Pfarrer
2. Die Auswanderung aus Europa
2.1. Gründe für die Auswanderung der Deutschen
2.2.Probleme bei der Auswanderung
3. Die Einwanderung der Deutschen in Brasilien
3.1. Gründe und Probleme bei der Einwanderung in Brasilien: gesetzliche und politische Lage
3.2. Einwanderungsdaten
3.3. Die Anfänge der Einwanderung und die Folgen der Kolonisation für die Einwanderer
4. Die Entstehung und Entwicklung Blumenaus
4.1. Dr. Hermann Blumenau und sein Werk in Brasilien
4.2. Die Entwicklung Blumenaus: von der Kolonie zur Stadt
5. Hermann Faulhabers Leben und Werk und die lokale Gesellschaft in Blumenau zu seiner Zeit
5.1. Faulhabers Leben in Deutschland und die Auswanderung nach Brasilien als Kirchenmann
5.2. Faulhaber als Pastor und ein Einblick in die Religionsgeschichte Südbrasiliens
5.3. Faulhaber als Begründer und Redakteur der Zeitung
5.4. Faulhaber als Lehrer, Schulleiter und Autor und das brasilianische Bildungssystem
5.5. Faulhaber: ein Deutscher in Brasilien
5.6. Die Rückkehr nach Deutschland
6. Ausblick bis zur Nationalisierungskampagne und die Folgen des Zweiten Weltkrieges in Brasilien
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Geschichte der deutschen Einwanderung in Brasilien im 19. und 20. Jahrhundert, wobei das Leben des Pastors Hermann Faulhaber als Fallbeispiel dient, um die lokale gesellschaftliche Entwicklung in der Kolonie Blumenau zu analysieren. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei auf das Wirken von Kirchen- und Bildungseinrichtungen sowie auf die Integrationsprozesse der Einwanderer.
- Die deutsche Einwanderungsgeschichte in Brasilien mit Fokus auf dem 19. und 20. Jahrhundert.
- Die Rolle von Kirche und Schule als Träger deutscher Kultur und Identität.
- Die lokale Gesellschaft in Blumenau und deren politische sowie wirtschaftliche Einbettung.
- Der Einfluss von Nationalismus, Assimilationsdruck und Weltkriegen auf die Einwanderergemeinschaften.
- Die biographische Analyse von Pastor Hermann Faulhaber als exemplarischem Akteur.
Auszug aus dem Buch
3.1. Gründe und Probleme bei der Einwanderung in Brasilien: gesetzliche und politische Lage
Als Brasilien im April 1500 von Pedro Alvares Cabral entdeckt wurde, gelangte es unter die administrative Führung Portugals, als Kolonie dieses Reiches. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde diese Abhängigkeit vom Mutterland durch die ständige Präsenz der Königsfamilie im Lande abgelöst.
Fröschle meint, dass der portugiesische Prinzregent D. João 1807 – um genauer zu sein, schiffte er sich am 29. November 1807 in Lissabon ein – vor Napoleon flüchtete. Der portugiesische Hof begab sich nach Rio de Janeiro und machte die Stadt zum neuen Regierungssitz. In der Folge fand eine Europäisierung durch die Anwesenheit tausender Höflinge, Diplomaten, Soldaten und Händler statt. Dagegen meint Dreher, dass Napoleon Portugal erst Oktober 1808 besetzen ließ und dass die Königsfamilie danach flüchtete.
Mit dem Freibrief von Ende Januar 1808 öffnete der König – eigentlich regierte Dom João bis 1818 als Prinzregent, da er erst nach dem Tode der Königin Maria I. von Portugal im Jahre 1818 zum König ausgerufen wurde – die brasilianischen Häfen für den Handel mit befreundeten Nationen. Am 25. November 1808 erließ D. João VI ein Dekret, das Ausländern die Möglichkeit eröffnete, Land in Brasilien zu bekommen. Dadurch sollte Brasilien für die Europäer attraktiv gemacht werden, die nach Amerika auswandern wollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Thema und die Einschränkungen der Arbeit durch den Fokus auf die Person Hermann Faulhaber als Beispiel für die Einwanderungsgeschichte.
2. Die Auswanderung aus Europa: Analysiert die Push-Faktoren, wie soziale Motive und wirtschaftliche Umbrüche, die zur Massenauswanderung aus Deutschland führten.
3. Die Einwanderung der Deutschen in Brasilien: Beleuchtet die rechtlichen Rahmenbedingungen Brasiliens, die Einwanderungsdaten und die Auswirkungen der Kolonisation auf die Siedler.
4. Die Entstehung und Entwicklung Blumenaus: Beschreibt die Gründung der Kolonie Blumenau, die Rolle von Dr. Hermann Blumenau und die Transformation von einer ländlichen Kolonie zur Stadt.
5. Hermann Faulhabers Leben und Werk und die lokale Gesellschaft in Blumenau zu seiner Zeit: Untersucht das Wirken Faulhabers als Pastor, Lehrer, Zeitungsherausgeber und seine Interaktion mit dem gesellschaftlichen Umfeld.
6. Ausblick bis zur Nationalisierungskampagne und die Folgen des Zweiten Weltkrieges in Brasilien: Analysiert die politischen Spannungen und Krisenzeiten der 1930er und 1940er Jahre sowie die Auswirkungen auf das Deutschtum in Brasilien.
Schlüsselwörter
Deutsche Einwanderung, Brasilien, Blumenau, Hermann Faulhaber, Kolonisation, Deutschtum, Assimilation, Kirche, Schule, Südbrasilien, 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Nationalismus, Weltkriege, Estado Novo.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit?
Die Arbeit analysiert die Geschichte der deutschen Einwanderung in Brasilien im 19. und 20. Jahrhundert, wobei die soziale und kulturelle Integration anhand der Biografie von Pastor Hermann Faulhaber in der Kolonie Blumenau nachvollzogen wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rolle der Kirche und des Bildungswesens bei der Erhaltung der deutschen Kultur, der Einfluss nationaler Politik auf die Siedler und die Akkulturation bzw. Assimilation im brasilianischen Umfeld.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, ein Gesamtbild der deutschen Einwanderungsgeschichte zu zeichnen und exemplarisch an Faulhabers Leben aufzuzeigen, wie sich politische, religiöse und kulturelle Faktoren auf das Schicksal der deutschen Einwanderer und ihrer Nachkommen auswirkten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine biographieanalytische Methode, kombiniert mit einer historischen Auswertung von Primärquellen (Archivdokumente, Briefe, Presseartikel) und einer Analyse der zeitgenössischen Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Auswanderungsgründe, die Bedingungen der Einwanderung in Brasilien, die Entwicklung der Kolonie Blumenau und eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen Tätigkeitsbereiche Faulhabers (Pastorat, Lehrtätigkeit, Zeitungsherausgeberschaft).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Deutsche Einwanderung, Blumenau, Hermann Faulhaber, Deutschtum, Assimilation, Kolonisation und der Einfluss politischer Umbrüche wie das Estado Novo auf die Siedlergemeinschaften.
Warum spielt die Person Hermann Faulhaber eine zentrale Rolle?
Faulhaber wird als ein aktiver, aber nicht übermäßig bekannter Akteur gewählt, der exemplarisch für die Verflechtungen von Kirche, Schule und Presse im täglichen Leben einer deutschen Kolonie in Brasilien steht.
Welche Bedeutung hatten die Weltkriege für die Einwanderer?
Die Weltkriege führten zu einer massiven Verschärfung des sozialen und politischen Drucks, einem Verbot der deutschen Sprache in öffentlichen Räumen, Schulen und Kirchen sowie zu weitreichenden Repressionen gegen die deutschstämmige Bevölkerung.
- Arbeit zitieren
- Elisangela Leitzke (Autor:in), 2012, Die Deutsche Einwanderung in Brasilien im 19. und 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281278