Das strategische Verhalten der Vereinigten Staaten von Amerika im Libyenkieg 2011


Hausarbeit, 2014
19 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie des politischen Neorealismus

3. Innenpolitische Situation in Libyen vor der Intervention 2011

4. Eingreifen der USA im Libyenkrieg
4.1. Sicherheit
4.2. Kontrolle
4.3. Allianzen

5. Der Rückzug der USA nach der NATO Kommandoübernahme

6. Fazit

7. Ausblick

8. Quellen

1. Einleitung

Nach dem Zweien Weltkrieg bildeten sich die Vereinigten Staaten von Amerika als führende Supermacht im internationalen System heraus. Diese Stärke wurde bis heute in zahlreichen Einsätzen genutzt, um die verschiedensten Interessen durchzusetzen. Im Jahr 2011 drohte durch den übergreifenden Arabischen Frühling ein Bürgerkrieg in Libyen. Am 17. März 2011 wurde durch die Vereinten Nationen die Resolution 1973 verabschiedet, welche vorsah, die libysche Bevölkerung vor der Gewaltherrschaft des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi zu schützen (United Nations Security Council 2011: 2 ff). Bereits zwei Tage später begann ein Bündnis aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich und Großbritannien mit der Intervention in Libyen unter dem Kommando des US-amerikanischen Africa Command. Nach der Kommandoübernahme durch die NATO am 22. März zog sich die USA wieder zurück und beschränkte ihre Aktivitäten auf die Überwachung des Luftraums und gelegentliche Drohneneinsätze.

Offiziell wurde proklamiert, dass die Vereinigten Staaten zum Schutz der Zivilbevölkerung gegen Libyen ins Feld zogen, deren Durchsetzung schon früh mit der Absetzung Gaddafis in Verbindung gebracht wurde (Kursawe 2011: 575). Diese sicherten der USA zusätzlich taktische Vorteile, die im Verdacht stehen, einen weiteren Grund für die Intervention darzustellen (Crome 2011: 16). Diese Arbeit soll das strategische Vorgehen der Vereinigten Staaten von Amerika während des Libyenkrieges aus neorealistischer Sicht genauer beleuchten. Sie soll der Forschungsfrage nachgehen, warum die USA sich zuerst so intensiv in Libyen einsetzte, nach der Kommandoübernahme durch die NATO jedoch wieder zurückzog. Der Literaturstand ist zu diesem Thema äußerst unvollständig, was jedoch dem jungen Thema geschuldet ist. Die Onlinerecherche zeigt, dass sich viele Autoren mit dem Thema Lybienkrieg beschäftigt haben, wenige jedoch mit dem hier gestellten Ansatz.

Diese Arbeit geht der These nach, dass die USA zusammen mit Frankreich und Großbritannien in Libyen intervenierten, um Muammar al-Gaddafi als Vertreter der aufstrebenden afrikanischen Mächte zurück zu drängen. Nach der Kommandoübernahme durch die NATO war die Absetzung Gaddafis gesichert und die USA konnte sich zurückziehen. Wenn dies nachweisbar ist, so die Hypothese, kann von einer strategischen Machterhaltung durch die USA im nordafrikanischen Raum ausgegangen werden, die das primäre Ziel des Schutzes der Zivilbevölkerung in Frage stellt. Im Verlauf dieser Abhandlung wird zunächst die Theorie des Neorealismus genauer betrachtet. Anschließend soll kurz die gesamtgesellschaftliche Situation in Libyen vor der Intervention aufgezeigt werden um anschließend dem Einsatz der USA vor und nach der Kommandoübernahme durch die NATO nach dem neorealistischen Modell zu untersuchen. Schließen soll diese Arbeit mit dem Fazit und einem Ausblick in die möglichen zukünftigen außenpolitischen Strategiepositionen der Vereinigten Staaten von Amerika.

2. Theorie des politischen Neorealismus

In den internationalen Theorien gibt es eine große Vielfalt an möglichen Erklärungsansätzen für die vorliegende Fragestellung. Die Theorie des Neorealismus nach dem Politikwissenschaftler Kenneth Waltz dient aufgrund seiner Bezugnahme auf strukturelle Zwänge innerhalb des internationalen Systems (Ditzel and Hoegerle 2011: 15) als ideale Grundlage, um das Verhalten der USA in Hinblick auf mögliche Motive für die Intervention in Libyen zu analysieren, die über den offen proklamierten Schutz der Zivilbevölkerung hinausgehen.

Im Jahr 1979 veröffentlichte Kenneth Waltz das Werk „Theory of international Politics“ und begründete damit die Theorie des strukturellen Neorealismus, mit der er den klassischen Realismus weiterentwickelte. Ansatz beider Theorien ist das Überleben des Staates in einem anarchischen System, wobei Realisten die Machtmaximierung als Leitmotiv festlegen und dies anthropologisch begründen (Ditzel and Hoegerle 2011: 15). Waltz geht jedoch davon aus, dass in existenzbedrohenden Situationen nicht die eigene Machtausweitung die Handlung bestimmt, sondern die staatliche Sicherheit (Waltz 1995: 79 f.).

In der Neorealistischen Theorie im Sinne Waltz setzt sich das internationale System aus „structures“ und „units“ zusammen, welche sich gegenseitig beeinflussen, wobei „structures“ das internationale Gefüge beschreiben und „units“ sich auf den Nationalstaat beziehen (Waltz 1979: 79 ff.). Waltz arbeitete drei wesentliche Elemente im internationalen System aus, die das Verhalten der „units“ beeinflussen: Erstens das Ordnungsprinzip – „ordering principle“, zweitens die Differenzierung der Einheiten – „character of the units“ und drittens deren Ressourcen- und Machtverteilung – „capabilities“ (Waltz 1979: 88, 195).

Als größte Motivation für Auseinandersetzungen innerhalb der „Struktur“ sieht Waltz das Bestreben nach Sicherheit der einzelnen „units“ (Waltz 1979: 126) Nationalstaaten sollen nach Waltz als souverän angesehen werden, was nicht meint, dass sie willkürlich im internationalen System handeln, wohl aber auf interne und externe Gefahren reagieren können. Großmächte haben hier einen entscheidenden Vorteil, da sie eine Fülle von Machtmitteln einsetzen können, um ihre eigene Sicherheit zu erhöhen, beispielsweise durch die Formung von Allianzen. Diese bilden im anarchischen System Machtstrukturen heraus, die in der Lage sind „zu formen und zu drängen“ um ihre Interessen durchzusetzen (Masala 2005: 41 ff.). Staaten sind nach Waltz bestrebt, die Abhängigkeit gegenüber anderen Staaten zu minimieren, was das Bestreben zur Folge hat, jene zu kontrollieren, in dessen Abhängigkeit sie sich befinden (Waltz 1979: 106).

Nachdem nun die Theorie vorgelegt wurde, auf die sich diese Arbeit stützt, soll folgend das strategische Verhalten der USA im Libyenkrieg 2011 in zwei Teilen analysiert werden. Erst wird das Eingreifen der Vereinigten Staaten von Amerika vor der Kommandoübernahme durch die NATO genauer betrachtet um anschließend die Rückzugmotivation nach der Kommandoübernahme zu untersuchen. Vorher soll jedoch die politische Situation in Libyen vor dem Eingreifen der Nato skizziert werden. Diese ist besonders wichtig um etwaige Motive für ein Eingreifen in Libyen darstellen zu können.

3. Innenpolitische Situation in Libyen vor der Intervention 2011

Im Jahr 1969 übernahm Oberst Muammar al-Gaddafi im Zuge des Sturzes des Königs Idris die Macht in Libyen und rief die Republik aus. Fortan sollte er der Machthaber des Landes bis zu seinem Tod im Jahr 2011 bleiben. Nachdem er die ersten zehn Jahre das offizielle Staatsoberhaut war, übernahm der seine restliche Lebenszeit die Position des Revolutionsführers, in der er weitreichende politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen in Libyen vorantrieb.

In der Frühen Phase in seiner Funktion als Staatsoberhaupt etablierte Gaddafi ein direktdemokratisches Politikmodell, welches er Mittels des Grünen Buches verschriftlichte. Jedoch konnte sich das libysche Volk durch ein Vereinigungsverbot nie zivilgesellschaftlich organisieren und entwickelte sich somit zu einer „stummen Gesellschaft“ (Mattes 2009: 6). Das 1977 gegründete Revolutionskomitee wurde etabliert, um die Gesellschaft auf einen einheitlichen ideologischen Kurs zu bringen und Oppositionen zu zerschlagen. Dies führte zu zahlreichen Hinrichtungen von Revolutionsgegnern im In- und Ausland (Mattes 2009: 2). Bereits im Jahr 1979 musste sich Gaddafi ersten Repressionen der Westmächte stellen. Als Staat, der den Terrorismus global unterstütze, wurde Libyen durch die USA unter anderem Wirtschaftssanktionen ausgesetzt, die Gaddafi Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre zwangen Liberalisierungsmaßnahmen einzuleiten, wie beispielsweise die Anerkennung von Menschenrechten, um seine Revolution nicht gänzlich zu gefährden, denn durch den Zusammenbruch der Sowjetunion musste Libyen nun auf einen engen Verbündeter verzichten (Crome 2011: 10). Zehn Jahre später musste Gaddafi den Vereinigten Staaten von Amerika das Zugeständnis machen, die Forschung an Chemie- und Massenvernichtungswaffen einzustellen, damit die US-Sanktionen aufgehoben werden und der wirtschaftliche Wiederaufstieg vollzogen werden konnte. Nach der Entspannung der internationalen Verhältnisse wurde Libyen zu einem wichtigen Handelspartner im nordafrikanischen Raum (Mattes 2009: 2 f.). So florierte die Wirtschaft schnell aufgrund von Investitionen aus dem Ausland. Libyen wurde Mitglied des Internationalen Währungsfonds und konnte gestärkt aus den Krise herausgehen (Noack 2011: 898).

Libyen entwickelte sich seit der Machtübernahme Gaddafis zunehmend zu einem modernen Staat. So wurde die libyschen Gesellschaft durch ein kostenfreies Bildungssystem, ein gut zugängliches Gesundheitswesen und eine für diese Region revolutionäre Frauenpolitik gestärkt. Die ägyptischen und tunesischen Regierungen bewunderten schon Früh die Islampolitik der libyschen Staatsführung und würdigten Libyen als „Bollwerk gegen den Islamismus“ (Mattes 2009: 4). Durch das hohe Aufkommen an Öl und Gas auf dem libyschen Territorium gelang es Gaddafi die Wirtschaft anzukurbeln und das Pro-Kopf-Einkommen zu erhöhen (Crome 2011: 14). Im Jahr 2010 besetzte Libyen den 53. Platz weltweit auf dem Human Development Index und lag somit noch vor China oder der Türkei. Nach der Intervention belegte das Land den 64. Platz (United Nations 2013). Libyen entwickelte sich in der Herrschaftszeit Gaddafis von einem der ärmsten Länder der Welt zum reichsten in Afrika (Crome 2011: 14). Neben den innenpolitischen Bestrebungen nach einem aufstrebenden Staat engagierte sich Gaddafi auch außenpolitisch. So nutzte Libyen seine „soft-power“, um die Gründung der Afrikanischen Union zu forcieren und Entwicklungshilfeprojekte zu realisieren, die den nordafrikanischen Raum zur Unabhängigkeit hinbewegen sollte (Noack 2011: 899).

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das strategische Verhalten der Vereinigten Staaten von Amerika im Libyenkieg 2011
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V281297
ISBN (eBook)
9783656757085
ISBN (Buch)
9783656757092
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Libyenkrieg, Neorealismus, Kenneth Waltz, USA
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Das strategische Verhalten der Vereinigten Staaten von Amerika im Libyenkieg 2011, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281297

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